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Metal Bash Festival 2017 - Neu Wulmstorf

31.07.2017 | 18:30

13.05.2017, Schießsportanlage

Und wieder mal trifft sich die Metal-Familie vor den Toren Hamburgs für viel Abwechslung aus Metal,Punk und Deutschrock.

Stau sei Dank schaffe ich es gerade noch zu den letzten Klängen von LOS BASTARDOS FINLANDESES auf den Festplatz. Das in Fankreisen der verrückten Finnen als Hit gehandelte 'Rich And Famous In Accapulco' vertreibt ganz schnell den Anflug von schlechter Laune, den das schier nimmer endende Herumstehen in den endlosen Fahrzeugschlangen in und um Hamburg herum beim Verfasser dieser Zeilen hat aufkommen lassen. Das Publikum haben die Chaoten bereits schon lange in der Tasche, was die frenetischen "Zugabe"-Rufe deutlich zeigen. Und da lassen sich die Herren aus dem hohen Norden auch nicht lange bitten. Trotz bereits überschrittener Spielzeit hauen Sie noch rasch eine hammerstarke Coverversion von MOTÖRHEADS 'Ace Of Spades' aus den Boxen, die unmissverständlich zeigt, wo die Wurzeln und Inspirationen einer der besten Rotz'n'Roll-Kapellen dieses Planeten liegen. Schade, dass einmal mehr auf dem Metal Bash eine der besten und beim Publikum mit am stärksten abgefeierten Bands nur klägliche 30 Minuten Spielzeit zu so früher Stunde erhält.

 

Für die nun folgenden TOXIC WALTZ ist eine so tolle Vorband natürlich ein Segen, denn die Meute ist deutlich auf Betriebstemperatur gekommen für mehr hartes schnelles Ohrenfutter. Die fünf Münchener machen dann auch von Anfang an klar was Sache ist: Derber Thrash Metal mit leichter Death-Kante und vor allem immer High Speed! Da schert den Moshpit vor der Bühne auch der erste (und leider nicht letzte) kräftige Gewitterregen des Tages nichts. Im Circle Pit wird getobt bis der Arzt kommt und zum Schluss gibt es sogar die erste Wall Of Death des Tages. Also alles richtig gemacht!

BLESSED HELLRIDE nimmt den Fuß wieder etwas runter vom Gaspedal, kommt aber kein Deut schlechter an bei Publikum als ihre beiden Vorgänger. Die zünftige Dampfwalze 'Booze 'n' Roll' ist zugleich Stilbezeichnung für den fetten extrem druckvollen Hardrock, der eine zünftige Metalllegierung trägt, und Programm für den gesamten Set der Heavyrocker aus Trier. Lange Haare, Bikersonnenbrillen und verschwitze Lederkutten stehen genau wie die prägnanten Riffs und der raue bärbeißige Gesang für die Bodenständigkeit und Geradlinigkeit, wie man sie von einer Band diese Genres erwartet. Mit Ohrwürmern der Marke 'Overdrive Junkies' oder dem sicherlich selbstbezogenen 'Bastards and Outlaws' kann man auf keinem Metal-Fest der Welt etwas falsch machen. Hoffentlich auch bald schon wieder, und dann mit längerer Spielzeit bitte (!), hier am Ort!
Setlist BLESSED HELLRIDE:
Intro, Helldorado, Blood Red River, Hippie, Devils Ride, Booze N Roll, Overdrive Junkies, Papa Joe, Bastards and Outlaws


Noch stärker als TOXIC WALTZ werden deren musikalische Genre-Gefährten ENDSEEKER vom Publikum abgefeiert. Aus Hamburg kommend hat man natürlich schon einmal Heimvorteil. Und in Sache Härte und Kompromisslosigkeit legen die Death-Metaller auch noch eine Schippe drauf. Mir persönlich sind sie im direkten Vergleich dann doch zu unmelodisch, ja geradezu atonal. Aber zum Glück sind die Geschmäcker ja verschieden, und dem Sturzregen zeigen die Hanseaten allemal, dass einen an der Waterkant so'n bisschen Feuchtigkeit von oben nix anhaben kann. Bei Abrissbirnen der Kategorie 'Deployment Of The Aroused' verdampft das Nass eh, bevor es den Boden erreicht.



Die Jungs von DOUBLE CRUSH SYNDROME bieten mit ihrem eingängigen Party-Punk einen schönen Kontrast zu den beiden Acts davor. Mit Hits wie 'Pistol', 'Mount Whateverest', der Band-Hymne 'We Die for Rock 'n' Roll' oder meinem stillen Liebling 'F.U.C.K. You!' wird der Regen weggerockt und das Trio zu recht abgefeiert. Frontmensch Andy Brings badet in der Menge und fühlt sich so wohl, dass er im Überschwang Bassist Slick beim Moshen noch eine Platzwunde verpasst. Der alberne Habitus des ehemaligen SODOM- und TRACY LORDS-Klampfers Brings ist meine Welt nicht. Zumal er optisch die leptosome Ausgabe von Frank 'n' Furter abgibt, was zumindest ich nicht besonders "punk" finde. Aber Schwamm drüber, es hat schon viel Spaß gemacht!

 

Bevor es mit HARDBONE weitergeht präsentiert CRISIX aus dem fernen Barcelona einen technisch atemberaubenden und exakt wie ein Uhrwerk tickenden Death-Thrash, der auch Nicht-Fans auf dem Platz höchsten Respekt abfordert. Von den Katalanen wird mit Sicherheit, auch international, noch sehr viel zu hören sein.

 

Doch mich treibt es erst für die Hamburger AC/DC-Epigonen HARDBONE nach einem gepflegten Erfrischungsgetränk in der "Night Light-Lounge" wieder an den vordersten Bühnenrand. Schon vor vielen Jahren, als ein paar Jungspunde, die noch grün hinter den Ohren waren, sich UNCUT nannten, hat es mir dieser Rotzrock-Fünfer angetan. Kaum einer Band in dieser Sparte gelingt es mit einer derartigen Lockerheit und Natürlichkeit exakt das Spannungsfeld besagter Vorbilder oder ROSE TATTOO in Anfangstagen zu erzeugen und dennoch nie als bloßer Abklatsch daher zu kommen. Die Riffs kommen wie selbstverständlich gleich im Dutzend messerscharf abgeschossen und Tim Dammanns Röhre liegt exakt in der Mitte zwischen Bon Scott und Brian Johnson ohne aber sich jemals stilistisch anzubiedern. Mit mittlerweile vier Alben im Gepäck können die Jungs heute aus dem Vollen schöpfen. Spielen einen Best Of-Set, der keine Wünsche offen lässt. Der beste Kumpel 'Bottlemate' wird besungen, über 'Wild Nights' wird berichtet und Tim erklärt uns mal wieder herrlich augenzwinkernd, was für eine verdammt scharfe 'Walking Talking Sex Mashine' er ist. Und das alles ausnahmsweise mal kurz bei einem Sonnenschein, der mit allen Headbangern vor der Bühne um die Wette strahlt. Es kann nicht besser sein!
Setlist HARDBONE:
Cannonball, No Man's Land, This Is Rock'n'Roll,When It Comes Down To It, Bottlemate, Walking Talking Sex Machine, Barfly, It's A Man Thing, Wild Nights, Neckbreaker, One Last Shot , Fire


Nach gefühlt viel zu langer Umbaupause erschallt der Ruf über den Platz: "The STALLION is in da house!!" Egal was man sonst präferiert, wenn die 'Wild Stallions' rufen, kommen alle und die gesamte Gemeinde geht ab wie Schmidts Katze. Es gibt kaum eine Rasselbande in Deutschen Landen, die den Achtziger-Metal so lebt wie diese fünf aus Konstanz. Zebra-Spandexhosen, mehrere Reihen Nietenarmbänder, Stirnbänder... ganz frühe SAXON, TOKYO BLADE oder die einschlägigen US-"Poserbands" der etwas späteren Achtziger kommen mir spontan in den Sinn. Musikalisch geht es genauso vorwärts im Rückwärts. Ob Altbewährtes gespielt wird oder mutig neuer Stoff vom erst in Kürze erscheinenden nächsten Album: Die Konkurrenz wie SKULL FIST & Co. wird locker an die Wand gespielt. Diese Jungs sind live immer eine Bank!
Setlist STALLION:
Killing Time, Wild Stallions, Down and Out, Watch Out, Right One, Rise and Ride, Stigmatized, Black Box, Devil never sleeps, Shadow Run, From the Dead, Canadian Steele

 

Nicht überraschend ist für kampferprobte METAL BASH-Gänger, dass die KNEIPENTERRORISTEN mal wieder die heimlichen Headliner sind. Die ehemals reine ONKELZ-Coverband um Veranstalter Jörn Rüter hat heute viel Grund zum Feiern: Im achtzehnten Jahr des Bestehens heißt das Motto denn auch eindeutig zweideutig 'Endlich voll... jährig!'. Und am besten feiert man dies gleichzeitig als Release-Party des just am Vortag neu heraus gekommenen Albums "Schneller! Lauter! Härter!". "Scheiß´ auf den Regen!" sagen sich derweil entsprechend die zahlreich vor der Bühne springenden und textfest mitgrölenden Fanscharen und feiern die mehrfachen G.O.N.D.-Headliner gebührend ab. Bei "Partykrachern" der Marke 'Rotlichtparty, Rock'n'Roll', 'Holstenfetischisten', 'Der Klügere kippt nach' oder 'Nüchtern bin ich schüchtern' geht das ja auch wie von ganz alleine. Bei den MOTÖRHEAD-Reminiszenzen 'Ass in Pik' und 'Bomber' geht schließlich auch der Letzte auf dem Platz steil, so muss Metalparty sein!
Setlist KNEIPENTERRORISTEN:
Rotlichtparty Rock'n'Roll, Holstenfetischisten, Wir schaffen das, In die Hölle und zurück, Heimspiel, Euer liebstes Sorgenkind, Gern hab ich die Frau'n gesägt, Wahre Götter, Hamburg, Nüchtern bin ich schüchtern, Schneller lauter härter, Der Klügere kippt nach, Male schafft sie alle, Lasst uns die Welt erobern, Ass in Pik, Laut lauter Lemmy, Sie kam zu mir am Morgen, Endlich voll… jährig, Störtebeker, Prost!, Mein letztes Bier, Hamburg wir Steh'n zu dir, Bomber


Nach diesem Party-Exzess ist es ziemlich schwer, als (zumindest offizieller) Headliner noch einen draufzulegen. Ich erinnere noch, dass es selbst ONKEL TOM vor einigen Jahren in dieser Konstellation auf diesem Platz kaum gelang mit seinem extrem kompatiblen Programm noch etwas zu reißen. Für die Mädels von GIRLSCHOOL ist es heute schier unmöglich. Da nützt auch das Nummer-Sicher-Programm mit all den geliebten Goodies wie 'Demolition', 'C'mon Let's Go', 'Screaming Blue Murder', 'Yeah! Right!' oder dem Überhit 'Emergency' nichts. Zu lang ist der Soundscheck, während dem sich viele Abgekämpfte nach einem langen, lauten Tag beim mittlerweile konstanten Dauerregen vom Platz trollen. Zu langatmig sind auch die Ansagen von Sängerin Kim oder ihre wenig originellen Diskussionen mit Gitarristin Jackie, ob der Regen nun schlechter für die E-Gitarren oder die Frisuren der Damen sei. Wer trotzdem bleibt, erlebt noch das improvisierte 'Tonight', bei dem Martin und Jörn von den KNEIPENTERRORISTEN lautstark Schützenhilfe geben und nach dessen Ende Veranstalterin Petra Kim eine dicke Torte überreicht, denn die hat heute schließlich Geburtstag. So geht halt eine richtige Familienfeier zu Ende. Der Schreiberling wankt dann auch vom Platz in der sicheren Gewissheit für das nächste Jahr: "Same procedure as every year..." Und das wollen wir ja auch gar nicht anders!


Danke an Wolfgang "Foto-Wolle" Kühnle für die Fotos. Die komplette Foto-Strecke findet Ihr auf www.fotowolle.de.

Redakteur:
Martin Rudolph

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