Metal Forever Festival For Asia - Böblingen

27.02.2005 | 05:35

19.02.2005, Sporthalle

Wie die meisten von uns hat auch Roberto Palacias, der Bassist der schwäbischen Metalband CHINCHILLA, im Fernsehen Berichte über die unglaubliche Katastrophe gesehen, die der Tsunami am zweiten Weihnachtsfeiertag in Südostasien angerichtet hatte. Im Gegensatz zu den meisten anderen beließ es Roberto aber nicht dabei, betroffen zu sein und etwas zu spenden. Er dachte sich, dass die Metalszene auch ihren Teil zu den internationalen Hilfsmaßnahmen beitragen sollte, die gerade in Gang kamen. Zusammen mit seinen Bandkameraden und ihrer Heimatstadt Böblingen beschloss man also, ein Festival zu organisieren, dessen gesamter Erlös dem guten Zweck zu Gute kommen sollte. Sie fingen an Bands einzuladen, die bereit waren auf ihre Gage zu verzichten und machten sich auf die Suche nach Sponsoren und Unterstützern aus allen Bereichen. Die Stadt Böblingen stellte die riesige Sporthalle kostenlos zur Verfügung und auch der Sicherheitsdienst arbeitete umsonst, Nuclear Blast organisierte einen Restposten-Sonderverkauf, dessen gesamter Umsatz gespendet wird etc... Man kann also durchaus sagen, dass die Metal Szene nicht immer so böse ist, wie sie die Massenmedien gerne darstellen. ;-)

Headliner sollten eigentlich SAXON und U.D.O. sein, aber leider mussten die Jungs von U.D.O. absagen, weil ihr Freund und Labelboss Andy Allendörfer kurz zuvor bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen war. Erst am Festivaltag selbst waren dann auch noch SAXON gezwungen abzusagen, da Biff Byford an Grippe erkrankt ist. Wie später bekannt wird ist am selben Wochenende zu allem Überfluss auch noch sein Haus abgebrannt. In beiderseitigem Einvernehmen verzichtet man kurzfristig darauf, den Rest der Band einzufliegen, um Kosten zu sparen und das Geld stattdessen der guten Sache zukommen zu lassen. Zum Glück fand sich bereits im Vorfeld ein hervorragender Ersatz für U.D.O., dem nun auch noch die Ehre zukommt, das Festivalbilling anzuführen: METAL CHURCH sprangen vor ein paar Wochen ein und werden heute einen ihrer ersten Gigs in Europa seit dem Release ihres teils begeistert aufgenommenen neuen Albums "Weight Of The World" spielen. Neben METAL CHURCH besteht das Billing aus deutschen Bands von internationalem Rang wie DESTRUCTION, PRIMAL FEAR und HOLY MOSES, sowie aus großartigen Acts aus der zweiten Reihe wie REBELLION, DOMAIN und - natürlich - CHINCHILLA, welche schließlich die Veranstaltung organisiert haben. Als Schmankerl gibt's noch einen besonderen Gast, über den erst später was verraten wird. Nun aber zu den einzelnen Bands:


DOMAIN:

Diese deutsche Band spielt einen Stil, der sich grob gesagt zwischen melodischem Metal und Hardrock befindet, der manchmal aber auch ein wenig ins Progressive geht. In den Reihen der immerhin schon seit 1985 aktiven Band ist mit Axel Ritt ein wirklich großartiger Gitarrist, der das Publikum in Böblingen mit sehr virtuosen Soli beeindruckt. Sänger Carsten 'Lizard' Schulz, der vielen von euch auch von EVIDENCE ONE bekannt sein dürfte, hat ebenfalls richtig was drauf, und überzeugt nicht nur stimmlich, sondern auch durch sein Auftreten und seine Ausstrahlung. Auch wenn er das Bandana vom EVIDENCE ONE-Outfit heute gegen einen Westernhut und Anzug tauschte, was ein amerikanischer Freund von mir mit den Worten quittiert: "Sieht aus als sei der vom letzten Country-Meeting übrig geblieben". Na ja, was soll's, ich finde, die Band ist mit viel Spaß bei der Sache. Sie kommt sympathisch rüber und ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich mich in Zukunft mal mehr mit der Musik der Herrschaften beschäftigen werde. Was die Setlist angeht, bietet man einen schönen Querschnitt durch das bisherige Schaffen der Band, wobei nur das letzte Album der alten DOMAIN ("Crack In The Wall", 1991) und das Comebackalbum "One Million Lightyears From Home" (2001) unberücksichtigt bleiben. Ansonsten gibt es natürlich einen kleinen Schwerpunkt beim aktuellen Album, von dem der Opener des heutigen Sets 'A New Beginning' stammt. Außerdem kommt der Bonussong des Albums 'Head Above The Water' zum Zuge. Ebenfalls gut vertreten ist das fünfte DOMAIN-Album, nämlich mit 'Charade' und 'Blackhole Visions', dazu das zwei Jahre alte 'Your Favourite Curse'. Aufgelockert wird die letztlich doch recht aktuelle Setlist von zwei Klassikern, namentlich von 'I Don't Wanna Die' und dem Debüthighlight 'Lost In The City' als Rausschmeißer.


REBELLION:

Bassist Tomi Göttlich wird noch kurz vor dem Gig auf der Bühne interviewt und erzählt von seinen persönlichen Kontakten nach Thailand, wobei er betont, dass es für ihn und seine Band eine Ehre sei, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Und wenn man sich ihren Gig so anschaut, dann glaubt man das der Band um die ehemaligen Grabschaufler Tomi Göttlich und Uwe Lulis aufs Wort. Ich habe in letzter Zeit wirklich selten so einen energiegeladenen und hingebungsvollen Auftritt gesehen. Besonders Tomi tobt über die Bühne wie ein Verrückter und strahlt dabei immerzu, als wäre er nie glücklicher gewesen. Uwe stellt eindrucksvoll unter Beweis, was für ein überragender Gitarrist er ist. Meine Güte, der Mann hat was zu bieten auf der Sechsseitigen. Das ist mir bisher gar nicht so bewusst geworden. Sträflich unterbewertet, fällt mir da nur ein. Was lässt sich zu Sänger Mike Seifert sagen? Nun, er hat eine ziemlich eindrucksvolle Erscheinung und Bühnenpräsenz. Stimmlich ist er ebenfalls in guter Form, rundum ein klasse Frontmann also. Das ist im Übrigen mein erster REBELLION-Gig, und die Erwartungen waren im Vorfeld eigentlich gar nicht so riesig, aber mal ganz ehrlich: Nach dieser Show bin ich schlauer. Es dürfte für GRAVE DIGGER zumindest in punkto Energie schwer sein, das zu toppen. Die Setlist der Rebellen hat ihren Schwerpunkt auf dem letzten Studioalbum "Born A Rebel", enthält aber auch einige Songs von ihrem - für mich deutlich besseren - Debüt "Macbeth". Gegen Ende der Show stimmt man traditionell den GRAVE DIGGER-Hit an, welcher der Band den Namen gab, nämlich das heftig abgefeierte 'Rebellion (The Clans Are Marching)', bevor als Rausschmeißer noch 'Disdaining Fortune' folgt. Großartiger Auftritt! Wenn ihr mal die Chance habt, REBELLION live zu sehen: Unbedingt hingehen!


CHINCHILLA:

Als nächstes sind die Lokalmatadoren CHINCHILLA dran, die vor dem Gig Moderator Horst Odermatt noch Auskunft über die Hintergründe und Umstände des Festivals und die Gründe der Absage von SAXON geben. Dann ist aber Zeit für den musikalischen Auftritt von Roberto, Udo Gerstenmayer & Co. Ich habe die Band vor ein paar Jahren als Opener von DEMON gesehen, und war damals eigentlich nicht so beeindruckt. Aber man kann seine Meinung ja auch mal ändern. Heute Abend macht der Gig von CHINCHILLA nämlich richtig Spaß. Besonders Sänger Thomas Laasch ist gut drauf und unterhält das Publikum blendend. Klar, denn Schwaben verstehen nun mal Schwaben am besten, besonders wenn sie Anekdoten aus einer Zeit erzählen, als sie selbst noch als "kloine Soicher" unterwegs waren. Die Songauswahl deckt dann auch einiges an CHINCHILLA-Historie ab, wobei mir eingängige Hymnen wie 'A Dance With The Devil', 'Take No Prisoners' und 'Father Forgive Me' dieses Mal wirklich gut reinlaufen. Obwohl die 6.500 Leute fassende Sporthalle nur zu gut 20% gefüllt ist, kommt eine wirklich gute Stimmung auf, die durch die überschaubare Menge vielleicht sogar familiärer ist als in einer ausverkauften Halle. Wie auch immer, die Band hat den Applaus definitiv verdient, sowohl durch ihre musikalische Leistung, vor allem aber dafür, dass sie das alles überhaupt möglich gemacht hat. Danke für soviel Idealismus!


HOLY MOSES:

Dann ist es auch schon Zeit für die erste langjährig etablierte Band des Abends, nämlich das deutsche Thrash-Urgestein HOLY MOSES, das witzigerweise von dem gleichnamigen Reggaesong als Intro angekündigt wird. Die Legende um Sabina Classen ist die mit Abstand brutalste Band des ganzen Billings, kann das Publikum aber trotzdem locker auf ihre Seite bringen. Sabina hat eben die nötige Ausstrahlung und begeistert - nicht nur, aber vor allem - das männliche Publikum. Es gibt also wirklich keinen Grund zur Sorge, dass der musikalische Schlag ins Gesicht, den die Hamburger Veteranen austeilen das Publikum nicht glücklich machen könnte. Der rohe und energiegelande Auftritt, vor allem von Sabina und dem neuen Gitarristen Michael Hankel ist wirklich beeindruckend und die Setlist gar noch besser. Wir begeben uns auf einen Trip durch zwanzig Jahre kompromisslosen, klassischen Thrash Metal der derberen Art. Los geht's mit dem noch recht neuen 'Master Of Disaster', aber danach reiht sich Klassiker an Klassiker und Thrashhymnen wie 'In The Slaughterhouse', 'Lost In The Mace' und 'Life's Destroyer' geben sich die Klinke in die Hand. Dazu eingängige Fanfaves wie 'Clash My Soul' oder 'Nothing For My Mum' und Kultsongs der Marke 'Devil's Dancer' und 'S.S.P.'. Besonders gut kommt auch das mit Gothic- und Hardcore-Einflüssen versehene 'Hate Is Just A 4 Letter Word' vom zu Unrecht untergegangenen Album "No Matter What's The Cause" an. Traditionell wird der HOLY MOSES-Gig mit 'Too Drunk To Fuck' beendet, das die Band laut Sabina noch nie alleine auf der Bühne gespielt hat. Dementsprechend bittet man auch dieses Mal die Security einem guten Dutzend Fans auf die Bühne zu helfen, um dort einen amtlichen Moshpit zu veranstalten und einen tollen Gig würdig abzuschließen. So sehr ich TEMPLE OF THE ABSURD auch mochte, es ist wirklich super, dass es HOLY MOSES wieder gibt. Freuen wir uns gemeinsam auf das in Kürze erscheinende neue Album und eine hoffentlich folgende Headliner-Tour.


BASTARDS:

Weiter geht's mit dem Gig einer etwas unbekannteren Band, die allerdings die ziemlich sicher berühmtesten Songs des Abends spielen wird. Logischerweise muss es sich also um eine Coverband handeln, und wenn man sich den Bandnamen so anschaut ist eigentlich auch gleich klar, dass man MOTÖRHEAD Tribut zollt. Die Band um CHINCHILLA-Gitarrist Udo und den sehr coolen, schwergewichtigen, bärtigen Frontmann Claus 'Lemmy' Larcher (manchen vielleicht von GALLON bekannt) covert allerdings nicht nur einfach brillant Klassiker aus der frühen Phase von MOTÖRHEAD, nein, man hat auch einen wirklich ganz besonderen Gast mit auf der Bühne, der das ganze Konzert mitspielt. Dabei handelt es sich um keinen Geringeren als DEN legendären Gitarrero der Motorköpfe aus England: Mr. Fast Eddie Clarke! Das Publikum weiß dies entsprechend zu würdigen und feiert Eddie den ganzen Gig hindurch ab, als wäre er der personifizierte Metalgott. Eddie wirkt extrem konzentriert und ein wenig angespannt, wird aber im Laufe des Sets lockerer. Man merkt ihm halt doch irgendwie an, dass das Spielen von MOTÖRHEAD-Songs nicht mehr sein täglich Brot ist, aber spielerisch kann man ihm definitiv nichts vorwerfen. Die Setlist besteht naturgemäß ausschließlich aus Songs der Clarke-Ära und berücksichtigt auch ein paar Classics, die Lemmy & Co. in letzter Zeit eher selten gespielt haben (z.B. 'The Hammer' und 'Capricorn'), dazu natürlich die absoluten Essentials vom Opener 'Ace Of Spades' bis zum finalen 'Overkill'. Toller Auftritt, die stürmischen Zugaberufe sind also mehr als verdient.

Setlist: Ace Of Spades, Stay Clean, Stone Dead Forever, No Class, Metropolis, The Hammer, Capricorn, Bomber, Overkill.


PRIMAL FEAR:

Weiter geht's mit Matt Sinner, Ralf Scheepers & Co., die sich zu Deutschlands wohl populärster und erfolgreichster Metalband der Neunziger entwickelt haben. Den Gig kann ich aufgrund anderweitiger Verpflichtungen (Standabbau beim Metalmarkt) leider nicht komplett mitverfolgen, was aber nicht wirklich schlimm ist, da ich die Band schon sieben Mal zuvor gesehen habe. Tut mir allerdings leid, dass ich euch deshalb nicht allzu viel berichten kann. Wie auch immer, für ein paar Songs am Rande reicht es mir dann doch, es handelt sich um 'Final Embrace', 'Battalions Of Hate', 'Angel In Black' und 'Running In The Dust' am Anfang des Sets. Am Ende des regulären Sets bekomme ich dann noch 'Nuclear Fire' und 'Metal Is Forever' mit. Auf jeden Fall ist auch der Auftritt von PRIMAL FEAR, soweit ich ihn mitbekomme, wirklich gut und unterhaltsam. Ralf singt - wie immer - sehr überzeugend und auch sein Auftreten auf der Bühne gefällt mir immer besser. Gerade heute wirkt er sehr natürlich, locker und souverän. Dabei kommt er komplett ohne überzogenes Posing aus, was die Band heute sehr sympathisch rüberkommen lässt. Der Rest der Band zockt sehr tight und makellos, wirkt aber mitunter schon sehr routiniert. Aber egal, wenn man auf PRIMAL FEAR steht, und das tun sehr viele, kann man bei einem Gig der Schwaben eigentlich nichts falsch machen. Man wird immer gut unterhalten.

Setlist: Final Embrace, Battalions Of Hate, Angel In Black, Running In The Dust, Suicide & Mania, Chainbreaker, Nuclear Fire, Metal Is Forever, Armageddon, Under Your Spell.


DESTRUCTION

Bei DESTRUCTION verhält sich das ähnlich, wobei das Aggressionslevel der Südbadener natürlich noch etliche Stufen höher anzusiedeln ist. Bereits in der Umbaupause wird klar, dass der Gig wieder ein besonderes Erlebnis werden würde. Warum? Nun, natürlich wegen der coolen Backdrops mit den explodierenden Schädeln, die einfach fantastisch aussehen, wenn die Bühne voll mit Rauch und Nebel ist und rot und grün angestrahlt wird. Das ist immer ein optisches Highlight. Dann geht's auch schon los: Schmier und Mike wechseln in bewährter Manier ständig die Positionen. Schmier rennt von Mikroständer zu Mikroständer und malträtiert dabei den Bass sehr sicher. Die Lightshow erfüllt ebenfalls alle Erwartungen und passt perfekt zum Auftritt von DESTRUCTION. Es ist einfach nichts, das damit vergleichbar wäre: Eine Thrash-Metal-Maschine der alten Schule in roten Nebel getaucht und von unten mit grünem Licht angestrahlt, im Hintergrund die einem Atompilz gleich explodierenden Schädel der Backdrops. Perfekt. So genial der Gig von HOLY MOSES auch war, das Badener Abrisskommando stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass in punkto Tightness, Aggression und messerscharfen Riffs eigentlich kaum jemand an ihnen vorbeikommt. Dazu Mark Reigns wahnsinnige Leistung an den Drums. Was EXODUS für die Bay Area sind, das sind DESTRUCTION für Deutschland. (Nö, das sind immer noch KREATOR ;-) - d. vom Ruhrpottdresch überzeugte Lektor) Pure Aggression mit enormer musikalischer Klasse. Besonders Mikes Leistung kann man nicht genug loben. Er spielt wirklich super, wenn man bedenkt, dass er vor ein paar Wochen gesundheitlich noch ziemlich angeschlagen war. Das ist wirklich professionell und das ist... na ja... Thrash Metal halt! Die Setlist von DESTRUCTION könnte besser kaum sein und beweist eindeutig, dass das Publikum die neuen Alben der Band vollends akzeptiert hat. Songs wie 'The Butcher Strikes Back', 'Thrash Till Death' und 'Nailed To The Cross' werden nämlich gleichermaßen abgefeiert wie Klassiker der Marke 'Curse The Gods', 'Bestial Invasion' und 'Total Desaster'. Nach der Zugabe in Gestalt des Überhits 'Mad Butcher' ist wieder einmal jedem klar, dass mit DESTRUCTION weiter voll zu rechnen ist. Wünschen wir den Jungs das Beste für den neuen Deal.

Setlist: Curse The Gods, Nailed To The Cross, The Antichrist, Life Without Sense, Thrash Till Death, The Butcher Strikes Back, Desecrators Of The New Age, Bestial Invasion, Total Disaster, Mad Butcher.


METAL CHURCH

Nach einer letzten Umbaupause, die mit zwei kurzen unplugged gespielten Stücken von Ferdy Doernberg (ROUGH SILK) verkürzt wurde, ist es dann aber endlich Zeit für den Headliner des Abends. METAL CHURCH, denen die Ehre zu Teil wurde für U.D.O. und SAXON einzuspringen, betreten die Bühne, offenbar sehr zur Begeisterung des Publikums, das teils sehr euphorisch wirkt. Vielleicht weil viele von ihnen METAL CHURCH noch nie, oder zumindest seltener gesehen haben als jene Bands, die absagen mussten. Beim neuen Line-up der Metallkirche handelt es sich dann auch nicht um einen faulen Kompromiss, sondern das ist wirklich 100% METAL CHURCH. Ungeachtet aller Veränderungen im Line-up: So will ich METAL CHURCH sehen, und nicht anders. Ronnie Munroe (ex-ROTTWEILER) ist ein ganz toller, sympathischer Frontmann und der ehemalige MALICE-Shredder Jay Reynolds lässt ebenfalls keine Wünsche offen. Er ergänzt Hauptsongwriter Kurdt Vanderhoof hervorragend. Das dritte neue Gesicht, Steve Unger am Bass fügt sich ebenfalls perfekt ins Bandgefüge ein, so dass das Line-up um die beiden Gründungsmitglieder Kurdt Vanderhoof (Gitarre) und Kirk Arrington (Drums) schlagkräftiger ist als noch vor ein paar Jahren, als der letzte halblebige Versuch einer Reunion mit David Wayne kläglich scheiterte. Besonders wenn man Kurdt und Kirk in die Augen schaut, merkt man ihnen an, wie glücklich sie darüber sind, endlich wieder ein funktionierendes Line-up beisammen zu haben. Das Intro mit Glockenschlag kündigt unzweifelhaft an, wer uns sogleich die Messe lesen wird, und der Einstieg könnte heavier und überzeugender kaum sein. Die Jungs hauen uns mit 'Ton Of Bricks' und 'Start The Fire' gleich einen Doppelschlag der Extraklasse um die Ohren. Was sofort auffällt: Ronnie singt die rauen Sachen der Wayne-Ära absolut perfekt. Ob die Gänsehautnummer 'Watch The Children Pray', bei der das Publikum ja gerne mitsingen würde, sich aber wegen der Bühnenlautstärke ziemlich ungehört müht, oder harte, schnelle Stücke wie 'Battalions', 'The Dark' oder 'Gods Of Wrath'. Dazu nimmt die Seattle-Legende endlich auch mal wieder ein Stück aus der Howe-Ära ins Programm. Ronnie gelingt mit 'Date With Poverty' der Beweis, dass er auch diesen Stil super drauf hat. Dazu kommt weiteres melodisches Material vom recht erfolgreichen neuen Album "Weight Of The World" in Gestalt von 'Leave Them Behind' und 'Cradle To Grave'. Leider verursacht Kirks Drumkit eine Menge technischer Probleme, und die Deadline rückt unaufhaltsam näher. Um die Zugabe nicht zu gefährden, ist man leider gezwungen das geniale 'Madman's Overture' kurzfristig aus dem Set zu nehmen, doch bereits hier ist klar, dass die neue Scheibe mittlerweile doch weitestgehend akzeptiert ist. Die Liveauftritte der neuen METAL CHURCH sowieso. Kirk wirkt daraufhin allerdings eine Weile stocksauer wegen der dauernden Schlagzeugprobleme. Seine Laune bessert sich jedoch spürbar, als er mitbekommt, dass das Publikum ihm um so mehr applaudiert, je mehr Probleme die Schießbude verursacht. Auch die anderen Bandmitglieder nehmen es eher locker und Ronnie sagt scherzhaft, dass es immer Kirk sei, der Dinge kaputtmache. Er selbst versuche das auch ständig, aber es gelinge ihm einfach nicht. Zum Beweis wirft er den Mikroständer über die Bühne, hebt in wieder auf und sagt verschmitzt: "See? Didn't break!". Es ist echt schön zu sehen, dass weder das Publikum noch die Musiker gewillt sind, sich die gute Laune durch ein wackeliges Drumkit versauen zu lassen und der aufmunternde Applaus für Kirk ist wirklich super. Aber alles andere als Applaus wäre auch nicht angebracht, wenn man sich die Setlist so anschaut, und die Darbietung ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben. Die Zugaberufe sind dann auch wirklich vehement, was die Band den Zuschauern mit einem kolossalen Finale in Gestalt von 'Beyond The Black' und 'Metal Church' dankt. Dann ist leider auch schon Schluss, aber ich denke, dass alle Anwesenden sehr zufrieden mit dem Erlebten sind. Sogar Mr. Arrington hat sich wieder beruhigt und klettert von der Bühne, um den Fans in der ersten Reihe die Hände zu schütteln. Okay, es gab technische Probleme, und die Deadline war ein wenig zu gnadenlos, aber ansonsten darf man die Rückkehr von METAL CHURCH auf die große Bühne als durchaus triumphal bezeichnen. Ich freue mich jedenfalls schon riesig auf Wacken und ihre eigene Headlinertour. Wenn sie irgendwo bei euch in der Nähe Halt machen, solltet ihr euch das auf keinen Fall entgehen lassen! Es lohnt sich!

Setlist: Ton Of Bricks, Start The Fire, Leave Them Behind, Watch The Children Pray, Battalions, The Dark, Date With Poverty, Gods Of Wrath, Beyond The Black, Metal Church.


Damit sind wir auch schon am Ende dieses kleinen Konzertberichts vom sozusagen ersten großen Festival des Jahres in Deutschland. Es war ein sehr trauriges Ereignis, das den Anlass für dieses Festival lieferte, aber es ist einfach großartig zu sehen, dass die Metalszene, die manchmal so unpolitisch und in sozialer Hinsicht gleichgültig scheinen mag, in der Lage ist, solch ein Event zu organisieren und durchzuziehen. Außerdem ist es sehr erfreulich, dass die Musiker einer eher kleinen deutschen Band es schaffen können, große Namen aus dem Lager der Musiker, der Labels und der Presse, sowie Wirtschaftsunternehmen und kommunale Behörden dazu zu bewegen an einem Strang zu ziehen, um Geld für einen guten Zweck aufzutreiben. Das ist gut für das Image der Szene in der Öffentlichkeit, aber vor allem ist es gut für die Leute, die Hilfe brauchen. Außerdem ist es toll für die Fans, dass sie etwas bewegen und dabei eine ganze Menge Spaß haben können. Hoffentlich ein Beispiel, das Schule machen wird. Es wäre auch schön, wenn dieses Festival nächstes Jahr eine Fortsetzung finden würde. Es wird immer Menschen geben, denen man mit einem solchen Event helfen kann.

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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