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Metalcamp 2012 - Tolmin

10.11.2012 | 20:59

05.08.2012,

Nach 9 Jahren sagt das Metalcamp Adieu!

Duschen auf einem Festival ist für die meisten Metalheads ein Sakrileg – für mich gehört es morgens einfach dazu. Dank des Flusses schaffen es aber fast alle, mal in Berührung mit Wasser zu kommen. Somit muss niemand wegen der Ausdünstungen des Nebenmanns vor der Bühne umfallen. Im Wald sind mehrere kostenlose Duschen installiert, die mit kaltem Wasser gespeist werden. Alternativ kann man für 2 Euro mit warmem Wasser waschen. Diese Einrichtungen haben jedoch einen begrenzten Vorrat und bestimmte Öffnungszeiten. Leider kann man keine Flatrate erwerben und mit Hinblick auf die Länge des Festivals werde ich öfters kalt duschen müssen.

Trotz dieses Ärgernisses beginnen heute die ersten Bands zu spielen. Die Veranstalter haben zum Vorteil der Besucher die Zeiten so gelegt, dass man erst gegen 16 Uhr eintreffen muss und so hat man den halben Tag für andere Aktivitäten frei. Mit dem Festivalbändchen bekommt man für einige Sehenswürdigkeiten sogar in den Genuß eines ermäßigten Eintrittspreises und am Camp selbst werden Rundfahrten und Führungen durch den Park angeboten. Ich wäre gerne mitgegangen, aber die Arbeit ruft. Für mich startet der heutige Abend mit der britischen Grindcore Band NAPALM DEATH. Wer Sänger Barney bereits live gesehen hat, weiß, dass er die wenige Zeit lieber in die Show als in Gespräche mit dem Publikum investiert. Um so praktischer ist es wohl, dass die Songs von ihnen recht kurz sind. Die Fans sind sehr angetan von der Musik und nach wenigen Sekunden hat sich die Masse in eine Welle voller Crowdsurfern verwandelt. Wenn man bedenkt, dass die vier Herren bereits seit 31 Jahren im Musikgeschäft sind, ist es doch erstaunlich, wie gut sie sich gehalten haben. Auch wenn sie körperlich keine 20 mehr sind, so haben sie nichts von ihrem Können verlernt.

Mit TESTAMENT folgt im Anschluss eine weitere Gruppe, die zur Riege der alten Hasen gehört. Mit ihrem diesjährigen Auftritt suchen die Amerikaner schon zum zweiten Mal die Bühnen des METALCAMPS heim. Aktuell tourt die Band mit ihrem neuen Album "Dark Roots Of  Earth" quer durch die Welt. Für ihre Show in Slowenien haben die Musiker aber auch einige Klassiker wie 'Over The Wall' oder 'More Than Meets The Eyes' mit im Gepäck. Schon zu Beginn fällt das Mikrofon von Sänger Chuck Billy auf. Dieses ist auf eine Röhre befestigt, die zwischenzeitlich im Dunkeln leuchtet. Auch wenn man sich über den Sinn einer solchen Halterung streiten kann, so hat es doch eine faszinierende Wirkung auf mich. Nichtsdestotrotz gibt es zu Beginn einige Probleme mit dem Sound, denn der Gesang schafft es noch nicht einmal bis zur ersten Reihe vorzudringen. Zum Glück kann der Fehler aber schnell behoben werden. Dass Musiker gerne ihre eigenen Roadies oder fremde Bühnenarbeiter ärgern, ist eigentlich ein offenes Geheimnis. Allerdings ist während der Show ein armer Mann Opfer einer Schikane geworden. Als er ein umgestoßenes Mikrofon wieder hinstellen will, eilt Sänger Chuck herbei, um dieses wieder umzutreten. Nachdem er noch einige Male sein Mikro bedrohlich schwingt, traut sich niemand mehr, ihm in die Quere zu kommen.

Bei MACHINE HEAD ging es dann doch etwas gemächlicher zu. Noch während der Pause sammelt sich vor der Bühne eine große Menschenmasse. Der Hügel ist vollständig besetzt und Einige müssen schon beim Eingang stehenbleiben. Soundtechnisch hat die Band leider auch einige Probleme, denn wenn Sänger Robb Textpassagen flüsterte, habe ich sie in der ersten Reihe gerade so verstanden, das gilt auch für die Cleanparts der Songs. Selbst der Wechsel an das Mikrofon des Gitarristen veränderte nichts. Wenn etwas ankommt, hört es sich auf jeden Fall gut an. Was man genau falsch eingestellt hat, bleibt bis zum Schluss unklar. Musikalisch bin ich von der Band schlicht beeindruckt, denn ich hätte mir nicht vorstellen können, dass Mr. Robb einen so sauberen Übergang zwischen rauen und sanften Gesang hinbekommt. Der Patzer bei dem Song 'Beautiful Morning' ist schnell verziehen, denn man muss sich überlegen, dass die Band gestern noch einen Auftritt in Belgien hatte und dennoch strotzen die Musiker vor Energie, obwohl die Herren nur zwei Stunden Schlaf hatten. Den Musikern macht es auch sichtlich Freude vor einem so großen Publikum zu spielen, vor allem lobt man die Menge für ihre Geschicklichkeit beim Auffangen der Cocktails. Nach einer kurzen Pause werden als Zugabe noch die Songs 'Halo' und 'Davidian' gespielt.

Mit dem Headliner des Tages hätte es für heute eigentlich gut sein sollen, aber es folgt noch die Band KRAMPUS. Man erklärt mir, dass kleineren Musikgruppen hier die Möglichkeit gegeben wird, einen höheren Bekanntheitsgrad zu erlangen, wenn sie nach der Hauptband spielen. Ich bin da etwas geteilter Meinung, denn wer hat dann noch Lust, sich eine kleine, mittelmäßig bekannte Gruppe im Anschluss anzusehen? Mit dieser Ansicht steh ich anscheinend nicht allein, denn das Publikum hat sich jetzt auf das Minimum reduziert. Da MACHINE HEAD die Spielzeit ordentlich überzogen hat, tritt die achtköpfige Gruppe mit einer halben Stunde Verspätung auf. Hauptbestandteil ihrer Show ist das  Debütalbum "Survival Of The Fittest". Dieses ist lyrisch an die Klimaprobleme und die Zerstörung der Natur durch die Menschen angelehnt. Zwischendrin versucht der Sänger immer wieder klar zu machen, weshalb es so wichtig ist, den Wald und andere natürliche Ressourcen zu schützen. Musikalisch versucht die Band sich im hart umkämpften Pagan Genre einen Namen zu machen und kombiniert traditionelle Instrumente (Geige, Flöte, Dudelsack) mit modernen Gitarrensound. Um das Ganze auch noch abzurunden, steuert der Keyboarder die nötigen Beats bei. In der Presse wird die CD extrem hochgelobt und mir ist nicht ganz klar, wieso. Denn eine Mischung aus elektronischer Musik und Folklore ist zwar neu, aber für mich nichts so Besonderes, dass man sie deswegen man sie als Newcomer des Jahres bezeichnen sollte. Etwas enttäuscht über diese Tatsache schließe ich den heutigen Tag ab.

Redakteur:
Hang Mai Le

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