Metalfest Winteredition 2012 - Gießen

04.01.2012 | 23:29

03.12.2011, Hessenhalle

Frei nach dem Motto "Neue Besen kehren gut" gibt es mit dem Metalfest Winteredition auch in diesem Herbst ein neues Hallenfestival im mittelhessischen Gießen zu bestaunen.

Wie schnell sich doch manche Dinge ändern können. Vor nicht mal zwei Jahren war Gießen noch das Wohnzimmer von Veranstalter Burning Stage. Mit dem Winterfire Festival, dem Kings Of Black Metal und dem Thrash Inferno gab es 2009 gleich drei ganztägige Indoor-Festivals in der Hessenhalle. 2011 sieht das schon ganz anders aus. Sowohl das Kings Of Black Metal als auch das Winterfire Festival sind umgezogen und das Thrash Inferno blieb eine einmalige Veranstaltung. Ist die mittelhessische Universitätsstadt damit von der Metal-Landkarte verschwunden?
Antwort: Nein! Denn mit einem Metalfest-Ableger (der hier den Beinamen "Winteredition" trägt) bleibt Gießen in Headbanger-Hand. Gleich elf internationale Top-Bands wie  EXODUS, KATAKLYSM und SEPULTURA sorgen für die 12 stündige Vollbedienung.
Was ist das für ein Herbst bisher? Kaum Regen und relativ milde Temperaturen haben uns Deutsche bisher verwöhnt. Da könnte man sich als Metaller  fast wünschen, dass es noch ein zünftige Open Air dieses Jahr gebe, Doch Petrus holt uns Anfang Dezember ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Wind, Non-Stop Regen und fiese Temperaturen sind der Grund dafür, dass man sich dann doch ganz gerne in die kuschelige Hessenhalle begibt.
Dort zocken pünktlich um 13 Uhr die österreichischen Modern-Metaller LOST DREAMS, die kurzfristig für Todesmetaller DAWN OF DISEASE eingesprungen sind. Allerdings sieht ein würdiger Ersatz sieht anders. Die Alpenländer spielen zwar ganz netten Melodic Death Metal, aber mischen ihrem Sound unverschämt viele Deathcore-Anteile bei. Denn ihr Fronter, der im Gegensatz zum Rest der Band auch noch aussieht wie ein Vorzeige-Core-Kid, benutzt neben durchaus guten Growlsauch abgegriffene Brüllaffen-Screams à la HEAVEN SHALL BURN. Wenn dann auch noch die Instrumentalfraktion in Richtung Breakdown-Einheitsbrei abdreht ist man erst einmal bedient. Viele Fans suchen auch so schon vor Ende des Gigs entweder den Bier- oder Mechandise-Stand auf.
Wirklich interessant von beiden ist aber nur der Alkoholverkauf, denn die Shopping-Meile aus den Vorjahren scheint es unter neuer Leitung nicht mehr zu geben. Schade. Denn die zweite Halle bietet enorm viel Platz, indem ein einsamer Händler und seine Kollegen vom toureigenen Fanartikel-Markt ziemlich verloren wirken. Da sollte definitiv nach gebessert werden.
Jedoch begibt man sich immerhin auch so wieder schnell Richtung Bühne, die nun in stimmungsvolle Dunkelheit getaucht wird. Denn jetzt gibt es eine zünftige Portion Black Metal.
AZARATH beackern schon seit vielen Jahren die düstere Szene und haben auch bereits einige Scheiben auf den Markt geworfen, was aber von vielen Metallern bisher nicht zur Kenntnis genommen wurde. Das belegt einerseits der frühe Slot und zum anderen die Tatsache, dass niemand, den ich gefragt habe, mit der Kapelle bisher vertraut war.
Aber Unbekanntheit schützt ja bekanntlich nicht vor Qualität und das trifft auch in jedem Fall auf die Polen zu. Ihr Sound liegt irgendwo zwischen dem schwarzen Alpentod von BELPHEGOR und skandinavischen Rohheit von GORGOROTH.
Gegen alle Klischees verzichten die Schwarzheimer auf Corpsepaint und nutzen lieber schwere Umhänge-Ketten und Nieten als optische Stilmittel. Auch wenn hier der Black Metal nicht grundlegend revolutioniert wird, kann man mit Songs wie 'Beast Inside' einige ziemlich gute Nummern vorweisen. Zu verbessern ist einzig die Begeisterungsfähigkeit einzelner Lieder, die dazu neigen sich etwas zu ziehen.
[Adrian]

Antwort: Nein! Denn mit einem Metalfest-Ableger (der hier den Beinamen "Winteredition" trägt) bleibt Gießen in Headbanger-Hand. Gleich elf internationale Top-Bands wie  EXODUS, KATAKLYSM und SEPULTURA sorgen für die 12 stündige Vollbedienung.

Was ist das für ein Herbst bisher? Kaum Regen und relativ milde Temperaturen haben uns Deutsche bisher verwöhnt. Da könnte man sich als Metaller fast wünschen, dass es noch ein zünftige Open Air dieses Jahr gebe, Doch Petrus holt uns Anfang Dezember ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Wind, non-stop Regen und fiese Temperaturen sind der Grund dafür, dass man sich dann doch ganz gerne in die kuschelige Hessenhalle begibt.

Dort zocken pünktlich um 13 Uhr die österreichischen Modern-Metaller LOST DREAMS, die kurzfristig für Todesmetaller DAWN OF DISEASE eingesprungen sind. Allerdings sieht ein würdiger Ersatz anders aus. Die Alpenländer spielen zwar ganz netten Melodic Death Metal, aber mischen ihrem Sound unverschämt viele Deathcore-Anteile bei. Denn ihr Fronter, der im Gegensatz zum Rest der Band auch noch aussieht wie ein Vorzeige-Core-Kid, benutzt neben durchaus guten Growls auch abgegriffene Brüllaffen-Screams à la HEAVEN SHALL BURN. Wenn dann auch noch die Instrumentalfraktion in Richtung Breakdown-Einheitsbrei abdreht ist man erst einmal bedient. Viele Fans suchen auch so schon vor Ende des Gigs entweder den Bier- oder Mechandise-Stand auf. Wirklich interessant von beiden ist aber nur der Alkoholverkauf, denn die Shopping-Meile aus den Vorjahren scheint es unter neuer Leitung nicht mehr zu geben. Schade. Denn die zweite Halle bietet enorm viel Platz, in der ein einsamer Händler und seine Kollegen vom toureigenen Fanartikel-Markt ziemlich verloren wirken. Da sollte definitiv nach gebessert werden.

Jedoch begibt man sich auch so wieder schnell Richtung Bühne, die in stimmungsvolle Dunkelheit getaucht wird. Jetzt gibt es eine zünftige Portion Black Metal. AZARATH beackern schon seit vielen Jahren die düstere Szene und haben auch bereits einige Scheiben auf den Markt geworfen, was aber von vielen Metallern bisher nicht zur Kenntnis genommen wurde. Das belegt einerseits der frühe Slot und zum anderen die Tatsache, dass niemand, den ich gefragt habe, mit der Kapelle bisher vertraut war. Aber Unbekanntheit schützt ja bekanntlich nicht vor Qualität und das trifft auch in jedem Fall auf die Polen zu. Ihr Sound liegt irgendwo zwischen dem schwarzen Alpentod von BELPHEGOR und der skandinavischen Rohheit von GORGOROTH. Gegen alle Klischees verzichten die Schwarzheimer auf Corpsepaint und nutzen lieber schwere Umhänge-Ketten und Nieten als optische Stilmittel. Auch wenn hier der Black Metal nicht grundlegend revolutioniert wird, kann man mit Songs wie 'Beast Inside' einige ziemlich gute Nummern vorweisen. Zu verbessern ist einzig die Begeisterungsfähigkeit einzelner Lieder, die dazu neigen, sich etwas zu ziehen.

[Adrian Wagner]

 

"Are you ready for some Mortal Siiiiiiiiiin?" Und verdammt nochmal ja, das ist die Menge. MORTAL SIN, die erste Band für die das Publikum wirklich Eintritt bezahlt hat, betritt unter Jubelrufen die Bühne und der noch Minuten zuvor halbleere Saal beginnt zu kochen. Unter dem Motto "Let`s fuck this place up" ballert die australische Thrashkanonade ihre fetzigen Riffs und donnernden Bässe in die Menge und zum ersten mal kommt nicht nur Stimmung auf, sondern bricht in Schreien und Schlägen aus den Leuten heraus. Sofort steigt der erste Moshpit während auf der Bühne die Post abgeht! Schnelle Gitarrenriffs, wummernde Drums und coole Basslines, gepaart mit Gesang der alten Heavy Metal Schule wogt wie eine Welle über die feiernde Menge, während sich auch die Bandmitglieder selbst nicht lumpen lassen. Alles ist in Bewegung, Finger fliegen über Griffbretter, Haare durch die Luft und der Bassist hüpft wie wild geworden über die Empore, um die Menge weiter anzupeitschen.

Die Songs selbst begeistern nicht nur mit einer exzellenten Performance sondern auch mit ihrer Auswahl, denn hier finden sowohl die Fans der ersten Stunde als auch Neueinsteiger ihre Leckerbissen. Das wird honoriert mit vielen Zugaberufen und einer schreienden Fanmenge, die ihren Helden schon viel zu früh auf Widersehen sagen muss. Noch lange schallt es "MOR-TAL SIN! MOR-TAL SIN!" durch den Raum, doch die Show muss weitergehen. Fakt ist  dass die australischen Schwergewichte für 14:30 eine absolute Fehlbesetzung waren.

[Johannes Lietz]

 

Nun ist es an der Zeit den Stall zu öffnen und die Ziegen freizulassen! Denn mit MILKING THE GOATCHINE betritt – Achtung, Füße hoch, der kommt tief – die bockigste Deathgrind-Kapelle der Welt die Bühne. Wie immer haben sich die vier Extremisten ihre Ziegenmasken dabei und nutzen ihre Spielzeit dazu, ihre Paarhufer-Propaganda zu verbreiten. Dass ihre Weltherrschaftspläne bestens verlaufen, kann man daran sehen, dass sich auch im Publikum einige Fans ausmachen lassen, die ebenfalls eine gehörnte Maske aufgesetzt haben. Die anderen Zuschauer lassen es sich aber auch nicht nehmen, mit viel Enthusiasmus Tracks wie 'Milk Me Up (Before I Go Go)' oder den Bandhit 'Ding Dong' gebührend abzufeiern. Da ist eine fünfte Ziege, die als Anheizer auf der Bühne dient, fast überflüssig, aber trotzdem ein nettes Gimmick.

Erwartungsgemäß schwer haben es die Geißlein mit den bösen Black-Metal-Wölfen und  den alten Thrash-Metal-Bären im Publikum, die das Geschehen mit kritischer Distanz beobachten. Letztere Gruppe kann man zumindest zum Teil durch das obligatorische SACRED-REICH-Cover 'Surf Goataragua' zufrieden stellen oder wenigstens zum Kopfnicken animieren. Alle Kritiker wird man natürlich nie überzeugt bekommen, denn für MILKING THE GOATMACHINE braucht man halt 'More Humor Than Human', das aus gegebenen Anlass auch gezockt wird.

Wer dann immer noch keine Lust auf Party hat, kann sich zumindest beim letzten Lied der Band 'Mr. Vain' (ein Cover der Euro-Trasher CULTURE BEAT) ein Grinsen nicht verkneifen. Abschließend kann man sagen, dass die Eroberungstour der Böcke zwar noch nicht abgeschlossen ist, aber durchaus nach Plan verläuft.

[Adrian Wagner]

 

Immer noch nicht genug Oldschool? Na, kein Problem, denn dann folgt auch schon das nächste Sahnebonbon für Kenner: Die schnellen Riffschmiede von HEATHEN feuern mit ihrem Speed Metal den aufgeheizten Ofen nochmal ordentlich an. Nicht ganz so brutal wie MORTAL SIN, dafür aber umso klassischer treten sie an die Menge heran, immer noch thrashig, jedoch mit eindeutig melodischeren Stücken. Aber mit einem Gitarristen wie Lee Altus nicht nur keine Schande, sondern durchaus erfreulich. Dazu fügen sich passend alle anderen Instrumente sowie der Gesang von David White ein, dessen Lungen wohl eindeutig über das dreifache der normalmenschlichen Kapazität verfügen und die das den Saal auch spüren lassen.

Der Fanauflauf könnte allerdings größer sein, nach der Powerrunde mit MORTAL SIN müssen einige erst einmal nach Luft schnappen. Zurück bleiben hartgesottene Fans und Leute, für die Sauerstoff zur Nebensache degradiert wurde. HEATHEN lassen sich nicht entmutigen, wissen sie doch wahre Genießer auf ihrer Seite. Entsprechend wuchtig ist auch der Auftritt: Mit sowohl groovenden als auch fetzenden Riffs spielt sich die Band in Herzen und Nacken der Hörer, so dass niemand sich der Wirkung entziehen kann, geschweige denn angewurzelt feststeht.

Auch hier lässt sich das Programm um die eine oder andere Klassikernummer nicht lumpen. "Classic Thrashfest" wird hier endlich mal ernst genommen und auch gehörig zelebriert, wahre Oldschoolstimmung kommt in der gesamten Halle auf und pendelt sich irgendwo zwischen bierseligem Kopfnicken und Euphorie ein. HEATHEN sind leider an diesem Tag nicht so angesehen wie sie es vielleicht verdient hätten und müssen genau wie andere Bands mit dem straffen Zeitplan und Überangebot von Gassenfegern kämpfen. Wer diesen Gig allerdings verpasst hat sollte sich ärgern, denn meiner Meinung nach gehörte er zu den besten Auftritten des Tages!

[Johannes Lietz]

 

Seien wir mal ehrlich, mit ihren knüppelharten Black Metal aus dem Kanonenturm sind MARDUK eindeutige Außenseiter auf dem Thrash dominierten Metalfest. Nur gemeinsam mit den Polen AZARATH steht die Panzerdivision auf dem Schlachtfeld, eine gewaltige Oldschoolübermacht direkt vor sich. Aber die Schweden

wären nicht die musikalischen Größen, die sie sind, wenn sie sich davon einschüchtern ließen! Mit ungebrochenem Eifer erklimmen MARDUK die Bühne und Dunkel senkt sich über das Geschehen. Allerdings nur für Sekunden denn sofort feuert die Band den ersten Song in die Menge! Und das ist durchaus ein unkonventioneller. Mit schnellen Riffs, aber vor allem viel Bassaction, machen sich die Schwarzmetaller bei der Meute schnell beliebt, denn wieder einmal fällt auf, dass sie hier nicht einfach ihr festgelegtes Repertoire durchzocken, sondern sich auf ihr musikalisches Umfeld durchaus eingestellt haben. Die Songs bleiben, für Mardukverhältnisse, größtenteils eher grooviger Natur und überraschen mit ihrer Auswahl.

Fast jeder hatte die üblichen genialen, vielleicht aber auch leicht totgehörten, Klassiker erwartet, aber viele finden in das Programm keinen Einzug. Stattdessen schallen von der Bühne wahre Oldschoolsongs wie ‚On Darkened Wings‘, welche dem zunächst skeptischen Thrashern schnell ans Herz wachsen. Dazu kommt die von den Schweden gewohnt brutale Performance, flackernde Lightshow und hämmernder Sound. Einziger wirklicher Makel ist die störende Angewohnheit, nach jedem Song ein kleines Outro zu platzieren. Abgesehen davon ist dies ein würdiger Auftritt der Schwarzmetaller, ein echtes Erlebnis und einfach verdammt gute Musik.

[Johannes Lietz]

 

Nach MARDUK und deren Black Metal-Dröhnung, ist also wieder Thrash-Metal der klassischen Art angesagt und kaum eine deutsche Band wäre besser geeignet auf der Thrashfest Classic Tour als DESTRUCTION. Und gemäß dieses Mottos, lässt das Trio auch gleich Klassiker um Klassiker auf die Menge los. 'Total Desaster', 'Satans Vengeance' und natürlich 'The Mad Butcher' lassen die Herzen der Thrashfans höher schlagen. Schmier und Co. sind in ausgesprochen guter Spiellaune und haben sichtlich Spaß bei der Sache. So ist die Halle auch schnell deutlich besser gefüllt als bei der schwedischen Panzerdivision.

Ein wenig verwundert es zwar dass der Bandkopf die hohen Preise anprangert, sind rund 30€ für ein Festival mit diesen Bands sicherlich nicht teuer, aber wer danach weiter solche Riffsalven wie bei 'Invincible Force' oder 'Eternal Ban' in die Menge feuert und Pit um Pit entstehen lässt, darf von mir aus sagen was er möchte. Nach dem immer noch grandiosen 'Bestial Invasion', welches laut Schmier ihr 'Smoke On The Water' sei, und 'Curse The Gods' ist leider auch schon Schicht im Schacht. Tolle Show der Thrash-Originale.

Setlist:
Total Desaster
Satan's Vengeance
Mad Butcher
Black Mass/Antichrist/Death Trap
Invincible Force
The Ritual/Thrash Attack
Eternal Ban
Bestial Invasion
Curse The Gods

 

TRIPTYKON haben es nach dem tollen Auftritt von DESTRUCTION richtig schwer. Die Halle leert sich merklich und die düstere doomige Stimmung des CELTIC FROST-Ablegers springt einfach nicht so ganz über. Tom Gabriel Warrior ist nun auch alles andere als ein Stimmungsmacher und so bleibt der Auftritt wenig mitreißend, wenn auch musikalisch exquisit. Neben Songs von den eigenen Alben besteht das halbe Set aus alten CELTIC FROST Stücken und jeder sollte sich glücklich schätzen, eine Perle wie 'Circle Of The Tyrants' einmal live gehört haben zu dürfen. Aber das scheint den meisten Besuchern nicht so ganz bewusst und so bleibt der Auftritt leider stimmungsfrei. Einzig Bassistin Vanja Slajh bringt das ein oder andere Thrasherherz in Wallung - leider aber nicht wegen ihrer musikalischen Qualitäten.

[Martin Schneider]

 

Wenn EXODUS spielen brennt die Luft. Zumindest würde sie das sicherlich, doch das was davon noch übrig ist enthält nur noch Schweiß und Blut. Schon nach dem kurzen Intro des „Fabulous Disaster“ Albums ist jeglicher

Sauerstoff aus dem Raum verschwunden und die Menge tobt. Die Thrashtitanen aus der kalifornischen Bay Area lassen es nicht nur krachen, sie sorgen für Hörstürze! Der Grund dafür ist simpel: EXODUS machen das was sie am besten können, Thrash Metal der alten Schule und noch besser, sogar mit ihren von Fans gewählten Alben!Entsprechend wuchtig zeigt sich dann auch die Reaktion. Während von der Bühne mit jedem Song ein neues Highlight hinunter peitsch, dreht die Menge im Circle Pit wortwörtlich durch. Und wie bei jedem Auftritt ist vor allem Frontschwein Rob Dukes anfangs nicht zufrieden. Doch das hält wie immer nicht lange vor, denn die Fans brüllen sich die Seele aus dem Leib und schlagen sich freundschaftlich die Schädel ein. Die Band besitzt allerdings genügend Menschenkenntnis nicht nur einen Klassiker auf den nächsten zu schichten, sondern dazwischen auch einmal eine langsamere Nummer zu spielen, sodass die Fans eine kleine Atempause haben. Natürlich nur um danach wieder voll aufzudrehen. Auf der Bühne geht hier auch wie gewohnt die Post ab: Eine flackernde Lightshow offenbart die Profile von fliegenden Haarmähnen, Fingern die über Griffbretter flitzen und scheppernde Becken. Zusammen mit den wuchtigen Songs die die Band präsentiert, wird die Halle zu einem wahren Hexenkessel. So verlässt die Band am Ende nur ungern die Bühne, genau wie die Fans sie nur unter Protest ziehen lassen. Noch lange hallen Zugaberufe durch den Raum, doch alles muss einmal enden.

Nach einer Runde EXODUS zittern die Hände und das Herz pumpt Batteriesäure. Und man will mehr...

[Johannes Lietz]

 

Nach dem energiegeladenen Gig von EXODUS würde es KATAKLYSM schwer haben - wurde mir gesagt. Da ich die Kanadier aber bisher geschätzte 20-mal gesehen habe, konnte ich diese Aussage mit einem wissenden Lächeln abtun. Schon beim Drum-Soundcheck, den Max Duhamel höchstselbst macht, wird klar, dass uns ein druckvoller Auftritt erwarten wird. Die Kanadier haben einfach verstanden, dass man mit einem klaren Sound viel besser die Härte des Materials überträgt als mit dem breiigen Soundmatsch, den so viele andere Bands aus dem Death- und Black Metal Bereich anbieten.

Und so knallt der Opener 'Let Them Burn' gleich mit einem astreinen Sound aus den Boxen und lässt den einen oder anderen Besucher etwas erschrocken dreinblicken. Spätestens beim nächsten Song 'The Ambassador Of Pain' füllt sich die Hessenhalle auch wieder merklich, offenbar haben es sich da einige Thrashfans dann doch anders überlegt und wollen sich mal anschauen, was für eine Band da so viel Krach verursacht.

Sänger Maurizio Iacono nimmt die Neuankömmlinge dann auch geschickt mit und fordert einen Moshpit, der ihm freundlicherweise auch gleich bereitgestellt wird, nur um bei 'As I Slither' den Stresstest für die Security auszurufen. Er wolle jedem Besucher die Hand schütteln und deswegen sein nun Crowdsurfing angesagt. Natürlich wird das begeistert aufgenommen und so dauert es nur ein paar Sekunden, bis die ersten Fans heran "geschwebt" kommen. Die Sicherheitsleute bestehen den Stressest aber locker und die Stimmung in der Halle ist zum ersten Mal bei einer Band der Hatefest-Tour richtig klasse. KATAKLYSM liefern eine grandiose Show ab und mit dem genialen ' Crippled And Broken' wird das Set dann auch würdig abgeschlossen. Für mich der beste Auftritt des Festivals. Einziges Manko sind wie immer die vielen Songs, die das Quartett aus Montreal nicht gespielt haben.

[Martin Schneider]

 

Über den Headliner der Thrashfest Tour SEPULTURA wird schon lange vor dem Gig am Bierstand diskutiert. Für viele ist Max Cavalera nach wie vor der einzige wahre Frontmann, andere ärgern sich, dass die Brasilianer dieses mal wohl nicht 'Roots Bloody Roots' spielen werden, da ja schon im Vorfeld angekündigt wurde es würden nur Songs der Alben "Beneath The Remains", "Arise" und "Chaos A.D." gespielt werden.

Spätestens als die Brasilianer und ihr "neuer" Frontmann (wenn man davon nach fast 14 Jahren überhaupt noch sprechen kann) zu 'Beneath The Remains' die Bühne stürmen, ist allen klar, dass es heute Abend nochmal ordentlich auf die Fresse gibt. Das alte Material knallt deutlich aggressiver aus den Boxen als das Material der letzten Jahre und Derrick Leon Green shoutet routiniert, mit viel Charisma und einem äußerst sympathischen Stageacting. Auf der Bühne ist immer Bewegung, denn auch die Saitenfraktion der Brasilianer lässt sich nicht lumpen. Das Publikum gibt noch einmal alles, auch wenn wegen der fortgeschrittenen Stunde schon deutliche Abnutzungserscheinungen zu sehen sind.

Aber bei Songs wie 'Desperate Cry' oder 'Mass Hypnosis' kann kaum einer still sehen bleiben und so geht es unter dem Hallendach noch einmal ordentlich ab. Dazu trägt auch der gute Sound bei, lässt der die alten Stücke doch unglaublich tight rüberkommen, was die Nackenmuskeln beinahe chancenlos lässt sich nicht zu bewegen. Selbst als mit 'Innerself' das Set scheinbar vorbei ist, wollen die Fans mehr, auch wenn die meisten schon sichtlich auf dem Zahnfleisch gehen. Doch SEPULTURA lässt sich nicht lumpen und hat als Zugabe mit 'Territory' und 'Arise' noch zwei Göttersongs in der Hinterhand, bei dem sich das Quartett nochmal sichtbar verausgabt. Und dann ist der grandiose Abend vorbei. Selten habe ich ein so ausgeglichen starkes Festival erlebt, schade nur dass die Hatefest Bands nicht mehr Zuspruch erhalten haben.

Setlist:
Intro
Beneath The Remains
Refuse/Resist
Dead Embryonic Cells
Desperate Cry
Amen
Mass Hypnosis
We Who Are Not As Others
Altered State
Infected Voice
Subtraction
Innerself
Territory
Arise

[Martin Schneider]

Redakteur:
Adrian Wagner

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