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Metalfest in Dessau - Dessau

09.06.2011 | 21:55

27.05.2011, Flugplatz

Der Blick auf das Metalfest ist mit viel Vorfreude verbunden, startet doch mit diesem Event die alljährliche Festivalsaison richtig durch. Endlich heißt es wieder zelten, Musik hören, feiern und alte Bekannte treffen, die man sonst das Jahr über kaum sieht.

Der Finaltag des Metalfestes 2011 beginnt recht stürmisch. So mancher Pavillon muss sein Leben lassen. Naja, da es heute dem Ende entgegen geht, ist das verschmerzbar. Zur Mittagszeit haben sich verhältnismäßig viele Besucher eingefunden, um dem Schabernack der EXCREMENTORY GRINDFUCKERS beizuwohnen. Es ist erstaunlich, wie viele zu dieser frühen Zeit schon auf den Beinen sind. Aber nach 'Vater Morgana' oder 'Wer will GRINDFUCKERS hören?' sind wohl alle munter.

Wesentlich leerer ist es im Anschluss bei den V8 WANKERS, die mit ihrer Mugge die musikalischen Außenseiter sind. Es ist ja prinzipiell nicht schlimm, wenn solche Musik, die man sonst eher auf Tatoo- oder Motorradveranstaltungen hört, auch bei solch einem Festival gespielt wird. Die Jungs rocken ganz gut, nur Sänger Lutz Vegas scheint ein Problem mit seiner Männlichkeit zu haben und schwenkt ständig mit dem Mikro zwischen den Beinen herum, was auf Dauer echt nervt und auch nicht lustig ist.

Mittlerweile scheint die Sonne direkt auf die Bühne. Die nächsten Bands bekommen also die volle Breitseite ab. Man könnte ja meinen, dass das den Russen von ARKONA aufs Gemüt schlägt. Doch weit gefehlt! Sängerin Masha hat sich trotz der Wärme ihr Fell umgelegt und wirbelt über die Bühne, als ob es kein Morgen gäbe. Auch ihre Truppe hat gerade eine EP namens "Stenka Na Stenku" herausgebracht und damit erspielen sie sich die Sympathie des Publikums. Mashas Gesang geht häufig in Richtung Angela Gossow und das klingt nicht schlecht! Also viel Abwechslung, beste Stimmung - was will man mehr?

Mal wieder etwas Thrash Metal gefällig? Na dann auf zu SUICIDAL ANGELS! Die Griechen zocken sich mit viel Begeisterung durch ihr Set, ohne viel Gedöhns rundherum. Während andere Kapellen in der kurzen Spielzeit drei Mal fragen, ob es auch wirklich allen gut geht, gibt’s bei den Jungs einfach den direkten Sound auf die Ohren. Die lassen nach dem Intro 'Reborn In Violence' auf die Meute los. Wall Of Death und Circle Pits verwandeln das Gelände vor der Bühne in eine Wüstenlandschaft, wo man meinen könnte hier ist gerade ein Sturm durch getobt. Die Fans halten tapfer den Widrigkeiten stand und werden von der Band mit 'Bloodthirsty' oder 'Dead Again' belohnt.

Nicht weniger schweißtreibend geht es im Anschluss mit EQUILIBRIUM weiter. Mittlerweile hat es etwas vom Einmarsch der Gladiatoren, wenn die Band auf die Bühne kommt. Naja, jeder eben, wie er mag. Doch dafür ist die Formation immer ein echter Stimmungsgarant, wofür allein schon Fronter Robse sorgt. 'Blut im Auge' oder 'Der ewige Sieg' reihen sich ebenso in das Set ein wie 'Met', zu dem es wieder einmal eine Wall Of Death gibt. Die gute Stimmung reißt während des Auftrittes nie ab und so vergehen die gut 45 Minuten Spielzeit rasend schnell.

 

Etwas gemächlicher -, aber nicht weniger kraftvoll - wird es im Anschluss bei AMORPHIS. Auch die Finnen haben mit "The Beginning Of Times" ein brandneues Werk am Start. Vor der Bühne ist es ebenfalls ruhiger geworden, denn zu viele Besucher sind es nicht. Die da sind, feiern jedenfalls ihre Idole, die mit 'Battle For Light' loslegen. Sänger Tomi Joutsen macht die direkte Sonne ganz schön zu schaffen, doch er verausgabt sich mit jedem Song aufs Neue. Immer wieder lässt er seine langen Rastas kreisen und damit die Herzen der anwesenden Damen höher schlagen. Oder warum sind sonst auffällig viele Frauen da? Von der neuen Scheibe gibt es insgesamt fünf Songs zu hören, wobei 'Crack In A Stone' live besonders gut zündet. Groß ist die Begeisterung, als gegen Ende das ältere 'The Castawa' erklingt und der Auftritt mit 'House Of Sleep' leider vorüber ist. Ein paar Stücke mehr hätten es ruhig sein können, doch dafür reicht die Zeit nicht aus.

So, genug ausgeruht, weiter geht es mit Death Metal, serviert von KATAKLYSM. Die Kanadier sind gut drauf und geben ein ordentliches Tempo vor, zu dem die Menge in Dessau noch einmal richtig gut abgeht. Vor der Bühne ist es wieder voller geworden. Sänger Maurizio ist ein toller Entertainer und zu Scherzen aufgelegt. Seiner Meinung nach stehen die Typen von der Security vor der Bühne viel zu gelangweilt herum. Also ruft er kurzerhand zum Massen-Crowdsurfen auf. Die Fans lassen sich das nicht zweimal sagen und so setzt eine regelrechte Welle an Surfern ein. Maurizio kann sich das Lachen nicht verkneifen und freut sich über das Geschehen.

Langsam aber sicher neigt sich das Metalfest dem Ende entgegen. Noch einmal versucht die Ansagerin des Festivals, ein paar sinnvolle Sätze zusammen zu bekommen. Doch so wirklich gelingt ihr das - wie anderen Male - nicht. Über Sinn und Unsinn einer solchen Aktion kann man sich streiten, doch mal ehrlich: Wer will schon vor jedem Auftritt eine schrille Stimme im Ohr, die nur weh tut? Eben, einfach weglassen und gut. Da muss man sich als Frau auch nicht über die ständigen "Ausziehen!"-Rufe ärgern. Als sie jedenfalls zur großen Dankesrede ansetzen will, rufen die Fans "SABATON!" und "Noch ein Bier!". Daraufhin tritt sie den geordneten Rückzug an und verschwindet. Besser ist das!

Als 'The Final Countdown' erklingt, tobt die Masse bereits auf Hochtouren. Erst spät wird das Bühnenbild von SABATON gelüftet. Als erster lässt sich Keyboarder Daniel Mÿhr blicken und begrüßt alle, bevor er an die Tasten geht. Der Rest folgt kurze Zeit später und mit lautem Knall und Feuerwerk geht es mit 'Ghost Division' los. Rampensau Joakim wird mit seiner Art nicht nur zum heutigen Headliner, sondern zum "Headliner der Herzen". Selbst wer die Musik nicht mag, wird von der Show und der sympathischen Art des Sängers mitgerissen. Natürlich gibt’s wieder ein Bier auf Ex, das er brav trinkt und irgendwann androht, sich auszuziehen. Doch soweit kommt es nicht und die Fans können sich über 'Aces In Exile' oder 'Stalingrad' freuen.

Im Vorfeld war ja bereits angekündigt, dass die Band auf dem Festival eine Goldene Schallplatte erhält, für die Verkäufe von "Coat of Arms" in Polen. Die Auszeichnung zieht sich allerdings durch die Verantwortlichen in die Länge. Die Band freut sich zwar darüber, aber die Gesichtsausdrücke sagen eher: "Hey, wir wollen endlich weiter zocken!". Recht haben sie! Denn bei einer guten Stunde, kann man das passender gestalten. Nun heißt es erst einmal, zur alten Stimmung finden, doch Joakim sein Dank geht das schnell. Es gibt unter anderem '40:1' oder 'Primo Victoria' auf die Ohren. Die 'Metal Machine' beendet fulminant diesen Gig. Die Besucher feiern SABATON mit viel Beifall und würden gern noch mehr hören. Aber es ist definitiv Schluss.

Damit geht das Metalfest 2011 in Dessau auf der Hauptbühne zu Ende, während im Zelt noch WATAIN den Abend beschließen. Mit einem überwiegend positiven Eindruck treten wir die Heimreise an. Diese Veranstaltung und das Gelände besitzen eine gesunde Größe und sind überschaubar. Gut 9.000 Besucher feierten friedlich drei Tage lang durch. Die Bandauswahl war sehr breit gefächert und dürfte für jeden etwas geboten haben. Was im nächsten Jahr unbedingt verbessert werden muss, ist der Boden vor der Hauptbühne: Geröll und lose Steinbrocken gehen gar nicht und verursachen nur unnötige Stürze! Auch ansonsten schwebte über dem Gelände eine große Staubwolke, obwohl gar nicht so viele Menschen unterwegs waren. Vielleicht kann man da Abhilfe schaffen? Die Idee, die zweite Bühne in ein großes Zelt zu verlagern, war sehr gut. Die Spielzeiten zwischen den beiden Bühnen könnten noch etwas besucherfreundlicher gestaltet werden, denn ab und an kam es doch zu größeren Überschneidungen. Wenn das Metalfest 2012 erneut mit solch einer tollen Bandauswahl aufwarten kann und das Gelände hier und da noch ein wenig hübscher gemacht wird, ist das Festival fast perfekt. Wir kommen natürlich gerne wieder.

Redakteur:
Swen Reuter

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