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Metallica - Berlin

15.09.2008 | 10:51

12.09.2008, o2 World

Selbst Farin Urlaub ist gekommen. Wie rund 17 000 andere Fans steht der Sänger der ÄRZTE an diesem Freitagabend in der o2 World in Berlin und wartet auf die erste Band, die die Bühne der neuen Megahalle betreten soll: METALLICA. Es ist nicht nur deswegen ein besonderer Abend. Denn auch für die kalifornische Truppe ist es eine Premiere, stellen sie doch erstmals ihre neue Platte "Death Magnetic" vor, die schon jetzt als akustische Rückbesinnung auf alte Stärken gilt. Der Ticketpreis ist sensationell: Zehn Euro kostet die Karte, die begehrten Scheine wurden vorher ausschließlich über die METALLICA-Webseiten "Mission:Metallica" und "Metclub" verteilt. Dazu gehen die gesamten Ticketeinnahmen an das Deutsche Herzzentrum in Berlin, dem so eine Herz-Lungen-Maschine für Kleinkinder finanziert werden soll. Wow.

Nicht nur diese einzigartige Idee begeistert. Auch die Architektur und das Feeling in der durch und durch amerikanisch wirkenden Halle ist ein Besonderes: Aufzüge führen auf die verschiedenen Ränge, auf dem Balkon lässt sich angestrahlt von nervösem LED-Licht rauchen, die Bühne ist in der Mitte des riesigen Saals platziert. Und überall die hellblaue Farbe von o2, die Kunden des Mobilfunk-Anbieters haben sogar einen Extra-Eingang bekommen. Doch beim Warten auf METALLICA sind alle wieder vereint: Zu Musik von SEPULTURA über KISS bis MOTÖRHEAD fällt das auch einfach. Und dann plötzlich sind sie da, Sitzplätze werden nun auch auf den Rängen nicht mehr gebraucht. 'The Thing That Should Not Be' ist einer der Songs, die den Abend einläuten. Kommentar von James Hetfield: "We're Metallica - and this is what we do." Und eigentlich sind sie ja wegen ihrer "Death Magnetic"-Scheibe da: Beispielsweise lassen sie da 'Cyanide' krachen, einer dieser wunderbaren neuen Songs mit einer ganz grandiosen Basslinie. Hammer. Ähnlich groß wie die neue Single 'The Day That Never Comes', die erst balladesk beginnt und sich später zu einem Crescendo aus Gitarren und Schlagzeug steigert.
[Henri Kramer]

Acht Mikrophone, sechzehn Monitorboxen, und nichts davon ist umsonst. Denn alles, was die Arena an diesem Abend an Technik bereitstellt, wird vollends ausgenutzt. Die Bühne im Mittelpunkt des Geschehens. Mal sieht man den Rücken des Frontmanns, und die anderen Musiker machen es wett, oder umgekehrt. Doch die Lieder dieser großartigen Band wirken auch, wenn man ihnen im Rücken steht. Die Begeisterung ist kollektiv. Leute, die die alte Sachen mochten, werden zufriedengestellt - und junge Menschen, die METALLICA erste seit den Neunzigern kennen, müssen auch nicht enttäuscht sein. Dazu die Band selber: Robert Trujillo als ein Bassist, der seine langen Haare nicht umsonst trägt; denn er spielt nicht nur großartig, sondern kann dazu seine Mähne auch noch sehr gut im Takt schütteln. Und Kirk Hammett als Gitarrist, bei dem sich jeder fragt: Wo lernt der nur, so gut zu spielen? Über Lars Ulrich braucht man gar nicht erst zu reden, er ist einfach eine Ikone. Und bei der Geschenkstunde am Ende inklusive Drumsticks-Schleudern und Plektren-Werfen wäre wohl jeder gern dabei gewesen.
[Gastautor: Sebastian Pfeiffer]

Doch bis dahin hat der METALLICA-Gott ab 21 Uhr noch mindestens zwei Stunden gesetzt. Es gibt viele großartige Momente in dieser Zeit, allein schon das einsetzende Gewehrsperrfeuer vor 'One' erzeugt Gänsehaut ohne Ende. Später dann einer der neuen Gassenhauer: 'Broken, Beat & Scarred' überzeugt mit einem Ohrwurm-Riff der Oberklasse. Wenig Beachtung finden dagegen die letzten drei Alben: 'Frantic' von "St. Anger" und 'Until It Sleeps' vom "Load"-Album sind die seltenen Vertreter der umstrittenen Zeit. Denn in Berlin spielen METALLICA lieber ihre Klassiker wie 'For Whom The Bell Tolls', 'Master Of Puppets' oder 'Blackened'. Das Publikum rastet kollektiv aus. Und erst der Zugabenteil, in dem solche Perlen wie 'Jump In The Fire' oder das göttliche 'Seek & Destroy' in grandioser Soundqualität durch die o2 World pfeifen ... Ein Konzert, das wenig Zeit zum Atmen lässt - und bei dem irgendwann bei 'Blitzkrieg' sogar Hunderte Riesenballons aus der Decke fallen. Nicht nur Farin Urlaub wird solche magischen Momente noch lange im Gedächtnis behalten. METALLICA sind wieder da.
[Henri Kramer]

Redakteur:
Henri Kramer

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