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Moonsorrow/Swallow The Sun - Leipzig

02.05.2007 | 14:53

20.04.2007, Hellraiser

Zweimal finnische Metallkunst, dazu ein Opener, der definitiv keine Gefangenen macht - da kann man eigentlich nicht viel verkehrt machen. Ein Package, das wie dieses mit einigen stilistischen Unterschieden bei den Bands daherkommt, birgt zwar immer auch ein gewisses Risiko, dennoch dürfte es sich für alle Beteiligten gelohnt haben und MOONSOOROW ziehen zur Zeit auch einfach eine ordentliche Stange an Leuten. Dass nach dreimonatiger Europareise nun der letzte Termin auf dem Programm steht, lässt zudem durchaus einiges erwarten, da solch ein Tourabschluss traditionell oftmals für allerlei Schabernack unter den beteiligten Bands genutzt wird.

Wie passend: Gerade läuft als "Anheizer" die Oberkitschballade 'Glory To The Brave' von HAMMERFALL, als DEBAUCHERY anfangen zu lärmen. Zudem hat man sich mit jeder Menge roter Farbe eingeschmiert, wohl um auch optisch zu zeigen, wo der Hase lang laufen soll. Nämlich in Form von purem Groove-Death-Metal, der da durchs Gebälk geknattert kommt. Die Stuttgarter vermischen groovige Slo-Mo-Parts mit Highspeedgeboller, und irgendwie kommt einem ziemlich schnell SIX FEET UNDER in den Sinn. Nun gut, das Ganze wirkt eher eintönig, aber man könnte es natürlich auch schnörkellosen Death Metal nennen, der da über die Anwesenden hereinbricht. Auf jeden Fall muss an dieser Stelle das kraftvolle Organ des Brüllwürfels gelobt werden. 'Death Metal Warmachine' ist dann sogar tanzbar (was für ein treibender Rhythmus!) und klingt fast wie eine Parodie auf den Death Metal. Kein gutes Zeichen: Als nach der Show der Drummer einen seiner Sticks reinwirft (eigentlich ein gern genommenes Souvenir), hört man ein deutlich vernehmbares "tack-tack-tack-tacketacketack" - dann greift sich doch noch einer das Teil. Da ich DEBAUCHERY aber schon schlechter gesehen habe, kann man diesen Auftritt guten Gewissens als ordentliche Death-Metal-Show einordnen und der mit Abstand härtesten Band des Billings insgesamt eine solide Vorstellung bescheinigen.

Was SWALLOW THE SUN danach aufbieten, ist quasi eine Hundertachtzig-Grad-Wendung. Deren Doom/Death wirkt phasenweise so zerbrechlich und melancholisch, dass man sich kaum mehr auf einem Metalkonzert wähnt. Ein paar Stellen zum Headbangen gibt's eigentlich in jedem Song, dennoch ist es eine sehr ruhige und gediegene Vorstellung mit getragenen und ausgefeilten Songs. Besonders die kurz vor Schluss gespielte Nummer 'Doomed To Walk The Earth' ist ein großartiger Doomsong mit eingängigem Grundthema, dessen Melancholie förmlich greifbar ist - eine Hymne allererster Güte. Die auf finnisch gehaltenen Ansagen erfüllen ihren Zweck hingegen wohl nicht so ganz - wir Sachsen haben ja sogar schon mit Deutsch so unsere Probleme (zumindest wird uns das im "Ausland" häufig nachgesagt). Andererseits bedarf es bei solcher Musik auch gar nicht vieler erklärender Worte, hier kann man so herrlich die Musik auf sich wirken lassen und in der melancholischen Atmosphäre baden. Dennoch kommt auch der Spaß nicht zu kurz, denn immerhin haben wir ja Tourabschluss, wie in der Einleitung bereits bemerkt. Zuerst kommt ein Typ auf die Bühne und fängt an, am Schlagzeug des verzweifelten Drummers (er kann sich ja nicht wehren und muss irgendwie weitertrommeln) rumzubasteln, und schraubt schließlich ein Becken ab. Wenig später sieht man jemanden mit einer Schüssel voll Bananen, Äpfel und Kekse, welche er den SWALLOW THE SUN-Musikussen zu füttern versucht, deren Versuche sich dem zu widersetzen von halbherzig bis energisch reichen. Diese harmlosen Späße sorgen dann auch für Erheiterung bei den sonst eher ernst dreinblickenden Finnen. Leider will keiner eine Zugabe haben (selbige war bei der Vorgruppe noch lautstark und erfolgreich eingefordert worden), insgesamt muss man dennoch von einem sehr gelungenen Auftritt sprechen, auch wenn DEBAUCHERY ein paar mehr Maniacs mobilisieren konnten (Osten halt!), woran sicherlich auch die recht ruhige Gangart, die bei SWALLOW THE SUN dominiert, ihren Anteil hat.

Bei MOONSORROW wird dann wieder ein paar Gänge heraufgeschaltet, bieten die Finnen doch eine ziemlich heftige Show, deren Schwerpunkt (in leichtem Gegensatz zu den Alben) auf der Headbang-Kompatibilität des Materials liegt. So gibt es kaum Verschnaufpausen und das ist auch genau das, was die Leute wollen.
Vom aktuellen Album "Viides Luku - Hävitetty", das ja nur aus zwei jeweils halbstündigen Stücken besteht, gibt's den Opener 'Jäästä Syntynt Varjojen Virta' auf die Lauscher (in einer auf 20 Minuten gekürzten Fassung), ansonsten ist es ein munterer Streifzug durch die bisherigen Scheiben, sogar vom 2001er Album "Voimasta Ja Kunniasta" werden zwei Stücke dargeboten.MOONSORROW sind für Finnen sehr lustig drauf (allgegenwärtiges Dauergrinsen bei allen Klampfern) und die beiden Gitarristen machen DEBAUCHERY auch noch vor, wie man sich wirkungsvoll mit roter Farbe beschmiert. Bei den Ansagen offenbart sich ein teilweise ziemlich geringer Sinngehalt, wobei MOONSORROW die Leute ganz klar im Griff haben und nebenbei auch musikalisch eine hervorragende, wenn auch gleichzeitig ziemlich routinierte Vorstellung abliefern. Auch dieses Mal gibt es wieder Albernheiten, welche die Show zusätzlich auflockern. So haben sich die anderen Bands aus Silberpapier Schwerter, Rüstungen und Helme gebastelt und kommen so ausstaffiert auf die Bühne und inszenieren einen Angriff auf die MOONSORROW-Mitglieder, die ja trotzdem irgendwie weiterspielen müssen. Und bei der zweiten Zugabe pirscht sich noch jemand heran und verstimmt den Bass von Sänger Ville Sorvali, ohne dass der sich wirklich dagegen wehren kann. Die Jungs stört's nicht wirklich, sie sind vermutlich eh schon mit ihren Gedanken bei der Tourabschlussparty, die im Anschluss folgen wird. Und die Fans durften MOONSORROW in Topform erleben, die ihre epische Musik mit einer großen Portion guter Laune vortragen, ohne dabei in Humppa-Humppa-Plattheiten à la FINNTROLL abzudriften. Geile Show!

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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