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NAPALM DEATH - Stuttgart

29.11.2010 | 11:10

22.11.2010, Universum

Satte Abreibung mit den Grind-Pionieren in Stuttgart. Da tropft das Schwitzwasser von der Decke...

NAPALM DEATH sind wieder einmal auf einer Clubtour durch die deutschen Lande unterwegs. Auf dem Programm stehen noch IMMOLATION, die "Murder-Metal" Band MACABRE sowie WAKING THE CADAVER.


Es ist nicht gerade leicht zu finden, das "Universum" in Stuttgart. Am Charlottenplatz gelegen kann man sich sehr leicht die Hacken ablaufen, ohne auf diesen Club zu stoßen. Unter einer Straße befindet sich die Location, die gegen 20:15 Uhr schon ganz gut gefüllt ist. Just nachdem wir angekommen sind, legt die (vermeintlich) erste Band des heutigen Abends los. Die Dreier-Combo, die nun die Bühne rockt, hört jedoch nicht auf den Namen WAKING THE CADAVER, die am heutigen Abend im Übrigen überhaupt nicht auftreten, sondern vor uns steht die Murder-Metal-"Legende" MACABRE. Dies erfahre ich jedoch erst nach drei, vier Songs. Namentlich ist mir die Truppe schon unzählige Male untergekommen. Aber Namen sind letztlich Schall und Rauch. Denn wichtig ist, was hinten rauskommt. Das wusste schon unser Altbundeskanzler aus dem pfälzischen Oggersheim. Und mich jedenfalls überzeugt die Performance von MACABRE heute Abend nicht. Die Gitarre von Shouter/Gitarrist Corporate Death sägt arg zurückhaltend und es gibt auch einige Soundprobleme, die den Gig überschatten. Doch die eigentliche Krux an dem Aufritt dieser Kultband ist  generell das Songmaterial, das selbst mich als ausgewiesenen Old-School-Fan nicht anspricht. Insbesondere die Ansagen von Corporate Death, der schön evil in die Menge stiert und dabei gepresst in das Mikro an seinem Headset shoutet, kann man lustig finden und sie mit einem Augenzwinkern quittieren, muss man aber nicht. Das Publikum scheint heute Abend überwiegend nicht wegen MACABRE hier im Universum zu sein, denn die Publikumsreaktionen sind sehr verhalten. Zum 25. Bandjubiläum der Meucheltruppe, das  mit der Veröffentlichung der kommenden Scheibe "Scary Grim Tales" begangen wird, beglücken MACABRE die Headbanger gleich noch mit zwei neuen Stücken. Vor allem das schunkelige 'Nero's Inferno' sorgt dabei für Heiterkeit. Leider keine im positiven Sinne. Und so ist die halbstündige Darbietung der Band aus Chicago ein Vergnügen, auf das ich in Zukunft wahrscheinlich verzichten werde. Kultstatus hin oder her.


Die Spannung steigt, als IMMOLATION die kleine Bühne betreten. Mit dem famosen 'The Purge' prügelt die Band aus New York arschtight wie ein Sturmgewitter los. Blastbeat-Maschine Steve Shalaty knüppelt präzise wie ein Schweizer Uhrwerk, während Gründungsmitglied Ross Dolan an Bass und Mikro bester Laune ist und seine unglaublich lange Matte (die bis unter den Hintern reicht) herumwirbelt. Gitarrist Bob Vigna steht noch nicht einmal einen Meter von mir entfernt und posiert wie ein Weltmeister. Mit hektischen Bewegungen lässt er seine Klampfe kreisen und man muss als Zuschauer vorne aufpassen, nicht das Griffbrett des Riffmeisters an die Birne gekloppt zu bekommen. Das bei derartigem Stageacting jeder Ton sitzt, ist beileibe keine Selbstverständlichkeit. Vom aktuellen Studioalbum "Majesty And Decay" bieten IMMOLATION noch den gewaltigen Titeltrack und das sehr starke 'A Token Of Malice' auf. Der Sound ist optimal ausgesteuert - Lob an den Mann am Mischpult! Quittiert werden die knallharten und technischen Ausbrüche der New Yorker mit lautem Applaus und vielfach in die Höhe gereckten Fäusten. Gegen Ende des Sets fordern IMMOLATION die Lang- und Kurzhaarigen mit dem derbe geholzten 'Immolation' vom Debütalbum der Band. Hier bleibt kein Nackenmuskel verschont! Nach leider viel zu kurzen 45 Minuten kann sich der Hexenkessel dann ein wenig ausruhen. Fazit: IMMOLATION haben fulminant aufgespielt. Wer die Band auf einem Billing sichtet, sollte sich diesen Ohrenschmaus nicht entgehen lassen.



NAPALM DEATH sind live immer ein Volltreffer. Im August konnte ich Shane Embury & Co. auf dem Party.San 2010 sehen. Sie  brachen - wie immer - eine Walze musikalischer Zerstörung los. Doch besonders der denkwürdige Auftritt der Band in der Röhre im Mai 2008 bringt mich noch heute ins Schwärmen. Der Raum vor der vielleicht sechs Meter breiten Bühne im Universum füllt sich und als dann nach einem Intro NAPALM DEATH mit 'Downbeat Clique' gleich das Gaspedal kraftvoll durchtreten, bricht eine stattliche Mosh-Party los. Im Gegensatz zur Show auf dem Party.San 2010 beispielsweise haben die "Veteranen" aus Birmingham ihre Setlist erheblich umgestellt und dabei wieder einige alte Klassiker entstaubt, die eine überaus Nacken-unfreundliche Party zum Kochen bringen. Wie gewohnt wuselt Chef-Hektiker Barney Greenway auch mit Anfang Vierzig noch wie von Hornissen gestochen über die Bühne. Schnell bildet sich ein Circle-Pit von etwa 15 bis 20 Leuten. Der Laden ist mächtig in Bewegung und die Fans in der ersten Reihe kassieren blaue Flecke, da sie direkt gegen die nur etwa 70 cm hohe Bühne gepresst werden.

'When All Is Said And Down' wird allerorts mitgebrüllt und Barney lässt auch die Fans ins Mikro röhren, was die Sache natürlich noch viel geiler macht. Mit wütenden Stücken à la 'Mentally Murdered' und dem punktgenau geschroteten 'The World Keeps Turning'  geben die Grind-Pioniere ungehindert Vollgas. Kreischer Mitch Harris speist Giftiges ins Mikro ein, während Barney sich grinsend in einen regelrechten Rausch brüllt und wild über die Bühne zappelt. Einige Stagediver starten unfallfrei ihren Flug in die Menge. Der Pit brodelt und rumort. Zwei starke Coverversionen ('Conform' und 'Politicians') komplettieren das Bild, wohingegen vereinzelte Rufe nach 'Lowlife' von CRYPTIC SLAUGHTER leider nicht erhört werden. Mittlerweile ist das Universum schwülwarm vorgeheizt, aber immerhin sorgt der wohl temperierte Gerstensaft für etwas Abkühlung. Bei dem wie immer frenetisch aufgenommenen 'Nazi Punks Fuck Off' geht es dann richtig rund im Circle-Pit und NAPALM DEATH drehen nochmals auf. Im Zugabenteil wird endlich 'Suffer The Children' angestimmt, gefolgt von 'Instinct Of Survival'. Nach etwa 75 Minuten heißt es "Goodbye!" und das Trümmerkommando aus Birmingham hinterlässt beim Schreiberling ein zwei Tage dauerndes Ohrenpfeifen, verschwitzte Leibchen vor der Bühne und Fans mit einem Dauergrinsen im Gesicht. Darauf noch ein Pilschen und einen leckeren Southern Comfort. Das hat gesessen, meine Damen und Herren!


Setlist:

Downbeat Clique
Hung
Continuing War On Stupidity
Next On The List
When All Is Said And Done
If The Truth Be Known
Lucid Fairytale
Social Sterility
On The Brink Of Extinction
Mentally Murdered
The World Keeps Turning
Pride Assassin
Conform (SIEGE-Cover)
Politicians (RAW POWER-Cover)
Greed Killing
Scum
Control
M.A.D.
You Suffer
Nazi Punks Fuck Off (DEAD KENNEDYS-Cover)
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Suffer The Children
Instinct Of Survival

Redakteur:
Martin Loga

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