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NEGATOR - Oberhausen

27.10.2015 | 07:57

03.10.2015, Helvete

Atmosphäre und Black Metal en masse!

Wenn die Extreme-Metaller von NEGATOR für einen kleinen Abstecher ins Ruhrgebiet kommen, darf man sich dieses Ereignis eigentlich nicht durch die Lappen gehen lassen. Das Oberhausener Helvete ist für die "Lex Talonis"-Tour prädestiniert und hält neben bestens aufgelegten Hamburgern auch andere Überraschungen parat. Mit im Gepäck hat NEGATOR nämlich GRIFT aus Schweden, EIS mit neuem Brecher "Bannstein" sowie die quasi-Lokalmatadoren von FRIGORIS, die den Abend auch um 19:30 Uhr beginnen durften.

Zwar hat das aktuelle Album "Wind" bereits zwei Jahre auf dem Buckel, doch FRIGORIS-Fonter Dominik Winter und seine Mannen machen das Beste aus der Situation und pfeffern eine ordentliche Prise Melodic Black Metal mit leichten Pagan-Anleihen ins sehr interessierte Publikum. Das Helvete ist bereits früh an diesem schwarzen Abend ordentlich gefüllt, bekommt mit 'Zwischenwelten' und dem episch ausladenden 'Und Asche rinnt durch meine Hände' wirklich tolle Kost vor den Latz gehauen und obwohl FRIGORIS ein wenig statisch und publikumsfern agiert, kommen die Essener in Oberhausen gut an.

Die nächste Band an diesem Abend ist GRIFT, die mit "Syner" zwar erst ein Album auf der Habenseite hat, mit Kostproben wie 'Aftonlandet' oder 'Svältorna' jedoch das Oberhausener Publikum sehr schnell begeistern kann. Optisch zwar etwas befremdlich wirkend, macht auch hier das episch angehauchte Schwarzmetall mit unterkühlter Skandinavien-Note einen guten Eindruck. GRIFT macht Werbung in eigener Sache, "Syner", das erst vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde, eignet sich perfekt dazu, den anstehenden Wintertagen voller Melancholie und Schwere einen passenden Soundtrack zu verleihen. GRIFT kann den guten ersten Eindruck, der auf dem Debüt abgeliefert wurde, nur bestätigen und dürfte heute den einen oder anderen dazugewonnen haben.

Stilistisch ähnlich und mindestens genauso stark agiert EIS, eine Band, die der Epik noch mehr Aufmerksamkeit, der Schwere noch mehr Bedeutung verleiht. Wer mit einem solch guten Album um die Ecke kommt, darf sich auch auf einen kleinen Live-Triumphzug freuen. "Bannstein" war schon ein schwerer Brocken, der an diesem Abend bestens musikalisch untermauert wird. 'Über den Bannstein' und 'Im Schoß der welken Blätter' haben eine fast schon einlullende Wirkung, halten auch live das Publikum in ihren Bann und erzeugen eine dichte Atmosphäre. Die vier Jungs haben eben schon verhältnismäßig viel Erfahrung auf dem Buckel und lassen diese auch am heutigen Abend vom Stapel. Episches Schwarzmetall mit dichter Atmosphäre, was bei den beiden vorangegangenen Bands gut funktionierte, fruchtet auch bei EIS.

Doch nun geht es forscher und direkter zur Sache. NEGATOR entert die Bühne und macht von Beginn an unmissverständlich klar, wo der Black-Metal-Frosch die Locken hat. Zwar haben die Nordköppe noch kein neues Album im Gepäck, doch das hindert Nachtgarm und Co. nicht daran, dem Helvete heute ordentlich einzuheizen. Es wird laut, es geht in die extreme Richtung, hier fegt ein Sturm nach dem anderen durch den Oberhausener Nachthimmel. 'Revelation 9:11', 'Gloomy Sunday', 'Dignity Of War' und 'Atonement In Blood' werden mit Schmackes und sehr viel Geifer vorgetragen, das Helvete ist Feuer und Flamme, starrt gebannt auf den Fünfer auf der Bühne und lässt die rollende Schwarzmetall-Dampfwalze über sich ergehen. Doch auch 'Nergal' und vor allem 'The Raging King' machen sehr viel Laune und zeigen NEGATOR in bester Verfassung. Die Truppe hat mit 'Eisen Wider Siechtum' noch einen Brecher im Repertoire, zeigt sich heute von ihrer bärenstarken Seite und lässt Oberhausen erst nach Ablauf des Abschlusstracks 'Eisen wider Siechtum' wieder von der Leine.

Das war ein kurzweiliger, aber ziemlich heftiger Spaß. Stand bei FRIGORIS, GRIFT und allen voran bei EIS die Epik und Melodie ein wenig stärker im Vordergrund, waren sie der perfekte Anheizer für die extreme Riffgewalt NEGATORs. Nachtgarm und seine Mannen entzündeten ein heißes Feuerwerk aus Blastbeats, keifendem Gesang und brachialer Aura. Diese vier Bands sorgten im Gepäck dafür, dass der Zuschauer sehr viel für sein Geld bekam und noch lange an diesen Abend zurückdenken wird. Ich bin indes sehr auf die kommenden NEGATOR-Taten gespannt, denn dieser Auftritt zeigte einmal mehr, wie bärenstark die Mannschaft aktuell agiert.

Redakteur:
Marcel Rapp

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