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Negative - Bochum

29.09.2005 | 19:39

11.09.2005, Zeche

Auf ihrer ersten Headlinertour in Deutschland fielen die finnischen Youngster auch über die Bochumer Zeche her, die an diesem Abend restlos ausverkauft war.

Als Support fungierte die Liechtensteiner Band BLACK SONIC PROPHETS, deren EP "The Broken" 2005 erschienen ist. Die Band ist erst zwei Jahre alt, aber man muss sie einfach erwähnen. Ihr selbstbetitelter Musikstil: Punch Rock - verschiedene Rockeinflüsse, die zu einer einzigartigen Symbiose zusammenfließen. Die Band wurde gut abgefeiert, was aber auch dem Sänger und Gitarristen Maethi zu verdanken war, der das Publikum immer wieder zum Mitmachen animierte. Doch nach einer halben Stunde war der Support leider schon vorbei.

Ja, danach stieg die Spannung in dem zu aus ca. 80% weiblichem Anteil bestehenden Publikum ins Unermessliche. Nach einer halbstündigen Umbaupause ging unter frenetischem Jubel das Licht aus und einer nach dem anderen der NEGATIVE-Musiker betrat dann endlich die Bühne, um mit ihrem finnischen Sleaze Rock mächtig Dampf abzulassen...und dann kam er!
Ein Schrei ging durchs Publikum: Jonne Aaron, der blonde, charismatische Shouter und Mädchenschwarm, in Glitzer und hautenge Hose gekleidet, schnappte er sich gleich den Mikroständer, ab ging die Post. Man fühlte sich beim Anblick der Band wirklich zurückversetzt in die wilden 80er: MÖTLEY CRÜE, L.A. GUNS - wie auf einer Zeitreise, nur dass die Musik von NEGATIVE einen leicht melancholisch-nordischen Touch aufweist, was der Musik aber in keinster Weise schadet. Überhaupt, die ganze Bühnenshow wirkte total unverkrampft, so wie gar nicht einstudiert, sondern alles wirkte sehr spontan.Die Band poste total, eine reine Augenweide. Das Outfit der Band war sehr bunt, Gitarrist Larry wirkte wie der junge Slash (meine Frau meinte, er sähe eher aus wie der junge Eric Sardinas). Sir Christus wie ein in Pink gekleideter Jonny Depp, Bassist Antti trug einen schwarzen langen Lederrock und einen schwarzen Zylinder. Keyboarder Snack an seiner Snackbar und der über allem thronende Schlagzeuger Jay wirkten hierbei eher neutral.

Die Band konnte von Anfang an überzeugen, sei es mit Musik oder Show, abgerundet durch eine tolle Lightshow. Die Band steigerte sich von Stück zu Stück in einen wahren Spielrausch. Man merkte den Musikern richtig ihren Spaß an, kein Wunder bei so einem fantastischen Publikum - denn das fraß dem Sänger förmlich aus der Hand und reagierte bei jeder Geste von ihm mit lautem Gekreische.
BHs und Slips flogen auf die Bühne, die Jonne sofort an seinem Mikroständer aufhängte. Und als er dann seinen nackten Oberkörper präsentierte und sich auch noch Wasser vorn in die Hose schüttete, war alles zu spät. Die Zeche war ein Tollhaus...

In der zweiten Hälfte spielte die Band dann die Coverversion von Neil Young: 'Hey Hey, My My, Rock'n'Roll Will Never Die'. Eine Hammerversion! So habe ich diese Stück noch nie gehört. Hart, stampfend und schweißtreibend. Und dieses Stück gab dem Abend genau jenen Spirit: Rock'n'Roll can never die...

Kurz darauf folgte die zweite Singleauskopplung von ihrem in diesem Jahr erschienenen Album "Sweet And Deceitful": 'Frozen To Lose It All', welche vom Publikum mächtig abgefeiert wurde, genau wie das vorletzte Stück 'Moments Of Your Love', ihr erster Nr.1-Hit, für den es in Finnland schon Gold gab.

Tja, und dann - mit einem letzten Rock'n'Roller - war das Konzert nach einer Stunde schon wieder vorbei, bis zur definitiv letzten Zugabe. Man kann sagen, dass es fast zu kurz war, aber was sich in dieser einen Stunde in der Zeche abspielte, kann nicht so richtig erklärt werden, man muss es erlebt haben. Es war ein wirklich tolles Konzert, die Zeche rockte.
Spritzig, hitzig und vor allem unverbraucht, die Band gab wirklich ihr Bestes, so dass das Publikum incl. meiner Frau und meiner Wenigkeit verschwitzt und zufrieden nach Hause fuhren.

Und wenn es nach Jonne geht, werden die Finnen schon nächstes Jahr im Frühling wieder über Deutschland herfallen. In diesem Sinne:
Rock'n'Roll can never die!

Redakteur:
Ulrich Bechstein

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