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Newcomers Battle 4 - Paderborn

04.03.2008 | 07:01

15.02.2008, Kulturwerkstatt

Am Freitag, dem 15. Februar 2008 lud der Paderborner Verein "Metal Inferno e.V." zur "Newcomers Battle 4" in die Kulturwerkstatt ein. Gleich sieben Bands würden an diesem Abend ihr Bestes geben. Der Beginn des Zeremoniums war in Anbetracht dessen schon auf 18:15 Uhr angesetzt, und somit war es kein Problem, auch jüngeren Gästen den Einlass zu gewähren. Diese stellten zu Beginn der Sause denn auch das Gros der Anwesenden.

BROKEN STIXX

Die schwierige Aufgabe, das sich nach und nach versammelnde Publikum aus seiner anfänglichen Zurückhaltung zu lösen, fiel den BROKEN STIXX zu. Die Band zockte Rock der etwas härteren Art, wobei Sänger Tobias Klemm eine gute Röhre präsentierte, aber auch einige melodische Elemente mit einbrachte. Bei den ersten zwei, drei Stücken wirkte das Auftreten der BROKEN STIXX noch etwas unsicher, doch dann hatte man sich warm gespielt und ging etwas energischer zur Sache. Besonders Schlagzeuger Julian K. zeichnete sich durch sein knackiges Spiel aus. Einige aggressivere Breaks und vielleicht auch mal ein richtig scharfes Solo hätten der im Jahre 2006 gegründeten Band sicherlich noch besser gestanden, und bis zur Größe eines Einflussgebers wie PAPA ROACH ist es freilich auch noch ein harter und weiter Weg, nichtsdestotrotz ging dieser solide Auftritt einer in jeder Hinsicht noch jungen Band gut über die Bühne. Dass die 16- bzw. 17-Jährigen ihren ersten Liveauftritt erst zwei Monate zuvor absolviert hatten, merkte man den Musikern jedenfalls nicht an. Von den später auftretenden Kollegen STURMFREI sollte dem Opening Act dann sogar noch eigens ein Song gewidmet werden. Für den 19. Oktober ist ein weiterer Auftritt der BROKEN STIXX in Hardehausen geplant.

BREEDING ENEMIES

Noch professioneller wirkten BREEDING ENEMIES, und das, obwohl es ihr erster Auftritt überhaupt war. Wer hätte das gedacht? Die Band legte eine begeisternde Spielfreude an den Tag und sorgte mit Melodic Thrash Metal für Stimmung. Dass sie allem Anschein nach einige Fans im Gepäck hatten, tat dem freilich keinen Abbruch. So bildete sich im Laufe ihres Auftritts auch schon eine erste kleine Moshpit. BREEDING ENEMIES traten im Sommer 2007 das erste Mal zu gemeinsamen Proben zusammen und blieben seitdem kontinuierlich am Ball. Als die Band in der Paderborner Kulte schließlich mit drei Saitenzupfern die Zügel anzog und einen dicken Groove vorlegte, war klar, dass sie sich endgültig warm gespielt hatte. Da die Musiker sympathisch und sichtlich gut gelaunt auftraten, und zudem nun auch das Publikum langsam auftaute, war es kein Wunder, dass im Anschluss noch eine Zugabe fällig wurde. Unglaublich, dass Bassist Niklas erst vierzehn Jahre alt ist; auf der Bühne gab er sich völlig erfahren und lässig, verlieh seiner Freude über den gelungenen Auftritt auch noch des Öfteren mit einem breiten Grinsen Ausdruck. Damit stand er jedoch nicht alleine da. Auch bei den Gigs der nachfolgenden Bands zeigten sich die Jungs von BREEDING ENEMIES, die momentan übrigens auf der Suche nach weiteren Auftrittsmöglichkeiten sind, ganz in Feierstimmung.

STURMFREI

So auch bei STURMFREI, die als nächstes die Bühne betraten und von den ersten Reihen stürmisch empfangen wurden. Dies lag aber sicher nicht nur am Namen der Band, denn auch hier befanden sich einige, mittels T-Shirts eindeutig zu identifizierende Fans im Publikum. STURMFREI zockten einen eingängig-rockigen Stil, der eindeutig vom Punk her kommt, jedoch auch schon mal härtere Sounds mit einschließt. Bei einem etwas grungig angehauchten Stück mit dem bezeichnenden Titel 'Die Ballade' konnte Sänger Florian Denecke dann zeigen, was er stimmlich drauf hat und somit wieder wett machen, dass er bei den melodisch schnellen Stücken anfangs nicht immer den Ton traf. Dessen ungeachtet nahmen STURMFREI nicht nur die Bühne raumgreifend für sich ein, sondern nach und nach auch weitere Teile des Publikums. Das coole Auftreten von Bassist Chrissi Schmidt war dabei natürlich nicht alles; zur gekonnten Präsenz auf der Bühne gehörte auch, den zuvor näher an diese herangelockten Mob aufzuteilen und ins Gebaren der Musiker zu involvieren. Kurzum: Auch STURMFREI zeigten sich für eine junge Band (der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 16 Jahren) schon recht souverän, was ihnen schlussendlich auch durch wilden Pogo gedankt wurde. Persönlich gefiel mir ihr neuestes Stück am Besten, was auf weiteres Entwicklungspotential schließen lässt. Die ursprünglich 2006 gegründete Band wagte im Herbst 2007 mit Sänger Flo einen Neustart, und spielte sich beim bundesweiten Schülerband-Wettbewerb "SchoolJam" in die zweite Runde. Mit dem dortigen ersten Liveauftritt in Kassel fiel der Startschuss zu einer ersten Mini-Tour, die mit dem Gig bei der Paderborner "Newcomers Battle 4" ihren Abschluss fand. Ein Videomitschnitt der dortigen Darbietung von 'Won't Amend' kann über die Band-Homepage abgerufen werden. Weitere Auftrittsmöglichkeiten werden gesucht ...

INFERNAL

Der anfangs noch recht junge Altersdurchschnitt beim Publikum der "Newcomers Battle 4" begann sich nun langsam nach hinten zu verschieben. Mit INFERNAL kam dann auch schon die Band zum Zuge, die den sichtbar größten und vor allem auch aktivsten Fanpool auf sich vereinigen konnte. Frontmann Dominik Gutt gab dem Affen Zucker, indem er schon vor Beginn des eigentlichen Auftritts von der Bühne herab großzügig Kunstblut auf den Gesichtern der zur Bühne drängenden Anhängerschaft verteilte. André Klocke im zünftigen Schottenrock und Lukas Pitz im kunstvoll applizierten Corpsepaint verstärkten den Eindruck, dass man es im Folgenden mit einer für ein Newcomerfest nicht ganz alltäglichen Show zu tun bekommen würde. Nachdem der Lockenschopf im AMON AMARTH-Kapuzenpulli die rote Soße in den ersten Reihen ausgiebigst verteilt hatte, nahmen er, seine beiden Gitarrenbrüder sowie die Rhythmusabteilung, bestehend aus Willi Berghahn am Bass und Moritz Nixdorf hinterm Schlagzeug, ihre Startpositionen ein. Ab dann gaben INFERNAL Power-Riff-Death mit markigen Ansagen zum Besten und wussten das Publikum damit vorzüglich zu unterhalten. Ob der Unterhaltungswert dessen auf Platte gepresst noch ebenso hoch wäre, sei einmal offen gelassen, darf aber zumindest bezweifelt werden. Doch wen interessiert das schon, angesichts einer derart mitreißenden Show? Und es war in der Tat eine wahre Show vor dem (teuflischen) Herrn, den die Band hier ablieferte. Vor der Bühne bildete sich spontan sogar ein zeitweiliger, kleiner Circle-Pit-Ansatz heraus, und auch sonst war für gute Laune bestens gesorgt, zumal sich Rampensau Dominik mit seinem finsteren Gegröle in Richtung Publikum zwischendurch ohnehin nicht ganz ernst zu nehmen schien. Als zu fortgeschrittener Gigdauer die T-Shirts der Gittenquäler das Weite gesucht hatten, wurde offenbar, dass zumindest der gesichtsbemalte "Panda" über eine des Sängerknabens recht ähnliche Selbstironie verfügt; hatte er sich diesen Kommentar zu seiner Gesichtsbemalung doch quer über die Brust geschrieben. Den zwischendurch wild über die Bühne springenden Sänger indes schien es auch gar nicht weiter zu stören, dass er bei derlei Rabiatgymnastik nahezu seine Hose verlor. Obwohl: Fiel ihm das, ganz in seinem Element, überhaupt noch auf? Wurscht! Hauptsache gut gerockt.

SOMEDAY

Mit SOMEDAY folgte darauf die mit Abstand abwechslungsreichste und für meine Begriffe auch interessanteste Formation des Abends. Freilich lief sie auch sonst quasi außer Konkurrenz, denn anstatt metallischer Klänge bot das Quartett eine ganz besondere Stilmischung aus Rock, Jazz, Soul, Rhythm and Blues. Insgesamt recht melodisch aufgestellt, legten sich die Instrumentalisten jedoch auch immer wieder mit harten, rhythmischen Riffs ins Zeug, wobei die Umbrüche manchmal doch etwas schroff wirkten. Sängerin Sonja glänzte durch ihre außerordentliche Präsenz und gefühlvolle Interpretation. Ihre besten Momente hatte sie jedoch, wenn sie mit souligem Timbre sang, aber auch in den balladeskeren Passagen, sowie beim genial swingenden Opener, der schließlich - in einer extended version - auch als Zugabe das Set von SOMEDAY beendete. Doch auch im musikalischen Dialog mit Keyboarder Dominik Junker, der sein Instrument für einige Stücke mit der zweiten Gitarre tauschte, ergaben sich einige magische Momente. Schlagzeuger Tim Rustemeier setzte des öfteren eher jazzige Akzente, und Jörn Schumacher am Bass war sowieso stets präsent, nicht zuletzt weil er (zufällig?) besonders gut im Focus der Bühnenbeleuchtung stand. Einzig Gitarrist Matthäus "Molf" Gorny stand etwas im Bühnen-Abseits, was schade war, denn musikalisch fügte auch er sich völlig in den Gesamtsound ein. Vielleicht kam es ihm aber auch entgegen, sich ohne viel Aufsehen zu erregen voll und ganz in sein Spiel versenken zu können. Sofern SOMEDAY sich auf ihre Stärken konzentrieren und noch ein wenig an den teils stilbrechenden Übergängen feilen, dürften sie gute Chancen haben, sich auf lange Sicht eine treue Anhängerschaft nicht nur bei Fans des (härter aufgestellten) DIABLO SWING ORCHESTRAs, sondern auch im Jazz-Rock-Bereich zu erspielen. Zwischendurch gab es in der Kulte mit dem ganz für sich vereinnahmten 'Enjoy The Silence' auch noch eine Hommage von Sängerin Sonja an DEPECHE MODE. Für Vielseitigkeit war also durchaus gesorgt. SOMEDAY gibt es seit dem Frühjahr 2006, und auf der "Newcomers Battle 4" spielten sie bereits ihren neunten Gig.

ACOLYTES OF AZRAEL

ACOLYTES OF AZRAEL hieß die nächste Truppe, die an der "Newcomers Battle 4" teilnahm, und nicht nur mit dem Bandlogo hatte sie sich einem sympathischen Understatement verschrieben; dabei waren die Azraeliten das einzige Sextett des Abends: Doppelte Gitarrenspitze, der obligatorische Tieftöner (Simon "Kalkfuß" Hermreck) und Sänger Kevin Pähler (mit dezentem Piratenstirnband, der so ein wenig an einen netteren Bruder von Jack Sparrow erinnerte), bildeten die erste Reihe. Die beiden Guitarreros Nils May & Hendrik Pähler traten dabei in einem Partnerlook aus Wacken-Shirts auf, so hätten Unwissende glatt meinen können, es hier mit einer stinknormalen Metalkapelle zu tun zu haben. Einzig die Gitarrenmodelle sahen etwas zackiger aus, und Drummer Malte Klöpper (Nomen est omen!) im DEATH-Shirt war ja hinter seiner Schießbude gut versteckt. Ähnliches galt für Raphael Roechter an den Tasten, dessen KORN-Shirt nun wirklich nicht auf den von AOA kredenzten Sound schließen ließ. Doch später würde er noch einige sicke Fingerfertigkeiten zum vom Black Metal der ersten Stunde geprägten Lärmen der Kollegen hinzufügen. Zunächst aber einmal gab es noch im Anfangsstadium des Gigs ein kleines Malheur, als eine Saite riss, ohne dass die Band Ersatz in petto hatte. Während man sich backstage auf die Suche begab, überbrückten die verbliebenen Schloß Holter Messgehilfen die dadurch entstandene Zwangspause im regulären Set durch das von SUBWAY TO SALLY bekannt gemachte Volkslied 'Julia und die Räuber' mit seinen launigen "Blut, Blut, Räuber saufen Blut; Raub und Mord und Überfall ist gut"-Gesängen, die vom Publikum auch dankbar angenommen, zurückgespielt und feiernd mitgetragen wurden. Als die volle Handlungsfähigkeit der charismatischen Band dann dank ausgeliehener Gitarre wieder hergestellt war, ging's weiter mit Songs wie 'Kill The Dragon' vom geplanten Album "Tales Of Death". Die meisten Stücke der ACOLYTES schienen - zumindest in den dargebotenen Liveversionen - zwar dem Motto "Stumpf ist Trumpf" zu folgen, doch enthielten sie stets noch genug Abwechslung, um für begeistertes Mitbangen zahlreicher Publikanten zu sorgen. Zudem schienen ACOLYTES OF AZRAEL selber tüchtig Spaß zu haben und darauf auch deutlich mehr Wert zu legen als auf irgendein bestimmtes Image. So sprang denn auch ohne große Showeffekte der Funken über, nachdem die anfänglichen Probleme (Saitenriss, zu wenig Saft auf einem Gitarrenmonitor) gelöst waren. Auch das Delegieren von Grunts in die erste Publikumsreihe klappte ganz vorzüglich. Seit 2005 gibt es die ACOLYTES OF AZRAEL nun schon, und entsprechend konnten sie in Paderborn aus mehrjähriger Erfahrung schöpfen. Sämtliche Instrumentalisten und auch der Sänger steigerten sich im Laufe ihres nunmehr fünften öffentlichen Auftritts noch; oder hatte man sich nur die besten Stücke bis kurz vor Schluss aufgehoben? Mein persönliches Highlight klang wie eine Art Piraten-Rum-Song, doch da mir auch diese Band zunächst völlig unbekannt war, ist mir sein Titel leider nicht geläufig. Festhalten lässt sich aber, dass ACOLYTES OF AZRAEL eine sympathische Band mit kräftig treibenden Songs ist, die live ganz gehörig abgeht! Auf der Band-Homepage kann man sich den Video-Livemitschnitt 'Die Untoten' aus der Kulte zu Gemüte führen.

LUTHIEN

Das Finale läuteten danach LUTHIEN aus Warburg mit einem fett bratzenden Einstieg in brachialstes Geknüppel ein, das zunächst einen Stil der Marke Melo-Death verhieß; doch dieser mündete dann schließlich in Gothic Metal der alten Schule. Auch hier wirkten die Bandmitglieder sehr gut aufeinander eingespielt, vielleicht sogar fast schon ein wenig zu routiniert. Doch selbst zu vorgerückter Stunde kamen LUTHIEN damit beim Paderborner Publikum gut an, auch wenn sie nicht ganz so frenetisch abgefeiert wurden wie INFERNAL und die ACOLYTES zuvor. Gewieft hielten sich die Jungs noch eine Zugabe in petto, als sie in ihren (vorgeblich) letzten Song des Abends, 'The Last Goodbye', einstiegen. Dieser stellte sich allerdings als eine echte Perle heraus, so dass selbst nach der darauf folgenden Zugabe noch Rufe nach einer weiteren Fortsetzung des Konzerts laut wurden. Und auch wenn mich nicht alles Stücke des verstärkten Trios* voll und ganz für LUTHIEN einnehmen konnten, so wurden doch alle Werke gleichermaßen mit Können und Liebe zur Musik intoniert; auch hielten sie den einen oder anderen stimmungsvollen Moment bereit. Eine Band in dem, was sie tut, wirklich aufgehen zu sehen, das ist ein Privileg, das man erst live so richtig zu würdigen weiß.

(* LUTHIEN gingen Ende 2006 aus der Band ANGBAND hervor und sind inzwischen offiziell auf ein Trio geschrumpft. Live sind sie mit Gastgitarrist Martin Giever unterwegs. Ein erstes Demo erschien 2007.)

Alles in Allem war die "Newcomers Battle 4" also eine durchweg gelungene Veranstaltung mit fast schon familiärem Charakter und, nicht zuletzt durch die gebotene Abwechslung, auch musikalisch mehr als unterhaltsam. Schön, dass Vereine wie "Metal Inferno e.V." an der Basis die Flagge stromgitarrenorientierter Musik hochhalten und auch organisatorisch für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Es bleibt zu hoffen, dass auch die nächste Bandbattle gut besucht sein wird.

Redakteur:
Eike Schmitz

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