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No Mercy Festival - Frankfurt

02.05.2006 | 08:37

13.04.2006, Batschkapp

Das die "No Mercy"-Festivals immer für volle Hütten sorgen, ist klar, aber dass dann doch wenige Tage vor dem eigentlichen Konzert auf der Batschkapp-Homepage einem der "Ausverkauft"-Banner ins Gesicht springt, hat nicht nur mich verwundert. Und so ernteten säumige Fans Lacher, als sie am Tag des Geschehens nach Karten fragten (Geil auch die beiden Teenies, die mit "auf zwei mehr kommt es doch auch nicht an" versuchen, an den Türstehern vorbei zu kommen - Anm. v. Carsten). Obwohl, auf der anderen Seite ist's auch kein Wunder, denn allein KATAKLYSM haben viele Leute angezogen, was auch im Laufe des Abends deutlich wird. Doch zunächst ist vor den Toren der Kapp Warten angesagt, was zumindest ich mir mit dem einen oder anderen Plausch mit einigen Bekannten vertreibe. Der offizielle Beginn ist für 18.45 Uhr angesetzt, aber letzten Endes geht's um Punkt 19 Uhr los.

PSYCROPTIC

Den Anfang bestreitet das Frickelquartett PSYCROPTIC, das dem doch eher auf simple Sounds ausgerichtetem Publikum ein bisschen zuviel des Guten ist. Dabei werden Erinnerungen an NECROPHAGIST wach, jedoch "verirren" sich ab und zu straighte Parts in ihren Sound. Der Sänger fällt mit seiner Glatze, die ein langer Zopf ziert, besonders auf, ist er doch der einzige Aktivposten auf der Bühne. Der Gitarrist und Bassist gehen auch gut ab, nur sind sie bei den vielen Breaks, die in die Songs eingebaut sind, zu sehr mit Griffbrettschielen beschäftigt. Wenn jedoch Mal Dampfhammer-Parts angesagt sind, dann kann sich das Saitenduo nicht nehmen lassen, wild das Haupthaar zu schütteln. Der Sänger auf der anderen Seite erinnert mich an Chuck Schuldiner (DEATH), kann aber auch abgrundtief grunzen. Das Publikum nimmt's gelassen, und eine kleine feine Menge feiert das Quartett auch ordentlich ab. Dass aber den Meisten der Sinn nach simplem Gebolze ist, wird bei der nächsten Kapelle klar.

GRIMFIST

Nach einer rekordverdächtig kurzen Umbaupause hauen einem GRIMFIST die Thrashriffs inflationär um die Ohren. Dem Publikum scheint's zu gefallen, denn es herrscht wesentlich mehr Stimmung als bei der Vorband. Das liegt meiner Meinung auch daran, dass die Menge wesentlich mehr in die Show einbezogen wird, was in längere Ansagen und dem einen oder anderen Späßchen mündet. (Vor allem der Sänger ist hier der Aktivposten, prostet dem Publikum ständig mit seiner Bierflasche zu und fordert es zum Mitklatschen auf - Carsten) Des Weiteren ist auf der Bühne immer Action angesagt und die Spielfreude greift wie der berühmt-berüchtigte Funken auf das Publikum über. Was die Songs angeht, so fangen die meisten mit einem infernalen Schrei an, auf der anderen Seite wird aber auch immer wieder der Fuß vom Gaspedal genommen, was um einiges abwechslungsreicher rüber kommt. Der Drumsound lässt Erinnerungen an HELLTRAIN wach werden, und bei den angesprochenen Midtempoparts schimmert immer wieder SLAYER durch, aber das stört die gute Stimmung absolut nicht. (Hm, mich hat's eher an Metalcore erinnert - Carsten) Und so werden GRIMFIST nach 40 Minuten in den wohlverdienten Feierabend entlassen.

LEGION OF THE DAMNED

Sehr gespannt bin ich auf das holländische Quartett, die gleich zu Beginn eine Hiobsbotschaft verkünden: Der Bassist hat Mitten in der Tour die Band verlassen, weshalb der Basser von GRIMFIST als Ersatz auf der Bühne steht, was aber absolut nicht auffällt. Nach dem Intro geht das Quartett gleich in die Vollen! Bis auf den Drummer, der mit seiner Bowlingkugel zu den restlichen Mitgliedern nicht recht passen will, sind die übrigen Protagonisten mit langem Haupthaar gesegnet. Der Gitarrist fällt dabei besonders aus dem Rahmen, da seine Haare bis zum Arsch reichen, und ihn somit auch beim Zupfen seines Instruments behindern. Der Sound ist dabei - noch stärker als bei GRIMFIST - an SLAYER angelehnt, erinnert aber in den Midtempoparts zuweilen an SODOM. Der Bassist meistert seine Aufgabe so ordentlich, dass sich der Sänger zu folgendem Ausspruch hinreißen lässt: "Ist das eine gute Beilage?!" Dass dieses Statement für Lacher gesorgt hat, könnt ihr euch denken. Was den Gitarristen angeht, so musste er den vorletzten Song abbrechen, da sich seine langen Haare in den Gitarrensaiten verfangen haben. Das ist zwar den Jungs recht peinlich, aber gleich darauf wird die Bandhymne 'Legion Of The Damned' angesagt, die mit am eigenständigsten klingt und auch am besten beim Publikum ankommt. Nach knapp 35 Minuten ist auch hier Ende Gelände, und das große Warten auf die erste Hauptband beginnt.

KATAKLYSM

Nach 20 Minuten hält "Northern Hyperblast" Einzug in Frankfurt. Mit 'In Shadows & Dust' legen Maurizio Iaccoano und seine Mannen einen Traumstart hin. Sofort ist die Stimmung wie verwandelt. Jeder, wirklich jeder, geht von der ersten bis zur letzten Minute mit. Moshpits werden gebildet und Stagediver erklimmen nach und nach scharenweise die Bühne. Neben einem optimalen Sound ist auf der Bühne immer für Bewegung gesorgt. Fast die komplette Batschkapp frisst Maurizio aus den Händen. Dabei fällt auf, dass die Songs vom aktuellen "In The Arms Of Devastation"-Longplayer (von denen immerhin vier zum Zug kommen) keinen Deut schlechter sind als die Klassiker. Zwar machen die Jungs zwischen den Songs locker ein bis zwei Minuten Pause, die aber - im Vergleich zu CANNIBAL CORPSE - nicht so auffallen, da Maurizio direkt mit dem Publikum kommuniziert, anstatt sich ewig mit dem Handtuch den Schweiß von der Stirn weg zu wischen. Des Weiteren ist die Songlist vortrefflich ausgefallen und jeder Song zieht eine Attacke auf die Nackenwirbel nach sich. (Ich sag nur 'Manipulator Of Souls', Hell Yeah!!! - Carsten)
Nach 50 sehr kurzweiligen Minuten ist auch hier Schluss, und man darf auf die kommende Headlinertour der Jungs, die im Herbst über die Bühnen gehen wird, mehr als gespannt sein. Ich bin auf jeden Fall dabei!

Setlist:
In Shadows & Dust
Like Angels Weeping (The Dark)
The Resurracted
Let Them Burn
Illuminati
As I Slither
To Reign Again
Manipulator Of Souls
Crippled & Broken
The Ambassador Of Pain
Face The Face Of War

CANNIBAL CORPSE

Irgendwie scheint nicht nur der (noch) anwesende Teil der POWERMETAL.de-Redaktion der Meinung zu sein, dass soeben die inoffiziellen Headliner die Bühne verlassen haben. Denn in der Batschkapp hat sich das Publikum nun doch etwas gelichtet. "Schon tausend mal gesehen", meinen zwei der davonziehenden Zuschauer. Nun, die verbliebenen CANNIBAL CORPSE-Fans wissen den Platz bestens zu füllen: Mit einem brutalen Moshpit, passend zum neuen 'The Time To Kill Is Now', mit dem die fünf Amis gleich mächtig losbrettern. Und wie immer dauert es gerade mal zwei Songs, bis die ersten "Hammer Smashed Face"-Chöre durch die Halle schallen. "You wanna hear some old material?" fragt Corpsegrinder George Fisher. Wie, keine Erklärung, dass dieser Song doch hierzulande auf dem Index steht? Stattdessen 'Born In Casket' vom ersten Album? Da ist doch was im Busch! Aber erst mal geht's mit dem gewohnten Programm weiter: 'Fucked With A Knife' wird wie immer den anwesenden Frauen gewidmet, wobei Herr Fisher die Adressatinnen erst mal laut kreischen lässt und ein augenzwinkerndes "No, that sounds like ten guys" hinterher schiebt.
Ansonsten gibt's wie immer wenig Ansagen und lange Pausen nach jedem Song, wobei es den Kannibalen mittlerweile wohl schon selbst auffällt. "Sorry for the late", entschuldigt sich der Sänger zumindest nach einer arg langen Auszeit. Ansonsten erst mal ein Gig wie jeder andere, wobei sich immerhin fünf Songs vom neuen "Kill"-Album recht gut zwischen älterem Material machen. Man hat sich schon fast aufs Nachhausegehen eingestellt – da kommt die handfeste Überraschung: "I'm only going to say three words", kündigt der Corpsegrinder doch tatsächlich 'Hammer Smashed Face' an. Frenetischer Jubel, fliegende Bierbecher, jeder, aber wirklich jeder bis zum Bierstand bangt! Damit hat wirklich niemand gerechnet, und das abschließende 'Stripped, Raped And Strangled' wird schon zur absoluten Nebensache. "Für diesen Song bin ich extra mal bis nach Prag gefahren", meint mein Kumpel baff, "und jetzt spielen die das hier - Wahnsinn!" Wieso, weshalb, warum die Band ihren indizierten Song wieder spielen darf, weiß sie selbst nicht so genau. "Unser Manager meinte, es wäre jetzt wieder in Ordnung", erklärt mir Drummer Paul hinterher, "da haben wir nicht lange gefragt".
Das Publikum hat wohl auch keine Fragen mehr und geht zufrieden, nach einem alles in allem recht überzeugenden No Mercy mit einem absolut unerwarteten Finale nach Hause.
[Carsten Praeg]

Redakteur:
Tolga Karabagli

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