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Nocturnal Culture Night - Deutzen

26.10.2015 | 12:16

04.09.2015, Kulturpark

10 Jahre NCN: "Feiert euch selbst!"

Der erste runde Geburtstag ist geschafft, genauso wie die Festival-Saison 2015, denn das Nocturnal Culture Night"-Festival bildet nun seit 10 Jahren Anfang September den Abschluss der größeren Open-Air-Veranstaltungen. Grund genug, am Samstag dem dreitägigen Treiben rund um den Kulturpark Deutzen einen Besuch abzustatten.

Das Wetter ist an diesem Tag sehr durchwachsen. Von allem ist etwas dabei und so lässt es sich recht gut aushalten. Bereits beim Eintreffen sieht man, dass sich das Festival enorm vergrößert hat. War etwas abseits auf den Wiesen die letzten Jahre fast nichts von dem Festivalgesehen zu spüren, so sind diese alle von den Besuchern belagert. Auf dem Gelände herrscht am frühen Nachmittag schon ein buntes Treiben. Etwas versteckt befindet sich die Kulturbühne, auf der STEIN den Festivaltag eröffnen. Es haben sich einige Fans eingefunden, die die sächsische Neofolk-Formation um Norbert Strahl (ex SEELENTHRON und DIES NATALIS) sehen möchten. Mit dem Lied 'Am Feld' startet die Band ihren Auftritt. Allerdings fehlen heute zwei Bandmitglieder, wofür sich Sänger Norbert im Laufe des Konzertes entschuldigt. Dies tut dem Konzert jedoch keinen Abbruch. So präsentieren die drei Neofolk in Reinkultur, was eben auch eher ruhige Klänge bedeutet. Diese werden später durch den Soundcheck auf der unmittelbar daneben befindlichen Parkbühne gestört. Die Band macht das Beste daraus und unterbricht auch einmal kurz. Das Publikum nimmt es mit Humor und die Technik legt einfach eine Schippe Lautstärke und Bass nach und alles passt wieder. 'Schwerfroh' und 'Versonnen' werden dem Publikum unter anderem präsentiert, ehe mit 'Stille' der Auftritt zu Ende geht. Die drei erhalten viel Beifall und der Einstand in den Festivaltag ist damit auf jeden Fall gelungen.

Auch der anschließende Besuch der Amphi-Bühne verspricht gute Unterhaltung. Wurde die türkische Band SHE PAST AWAY vor zwei Jahren zum Wave-Gotik-Treffen noch als Geheimtipp gehandelt, so hat sie sich in der Zwischenzeit eine ordentliche Fanschar erspielt. Auch der Sänger hat eine ordentliche Portion an Selbstbewusstsein zugelegt. Spielte er damals in Leipzig fast nur mit dem Rücken zum Publikum, so zeigt er sich nun durchgehend von vorn. Das Duo präsentiert einen tollen Gothic-Rock-Sound im Stile der SISTERS OF MERCY oder THE CURE - nur eben mit türkischen Texten. Das Ganze klingt zwar alles recht toll, nur eben versteht leider kaum einer die Inhalte. Ob sie nun tiefgründig sind oder nicht, das bleibt den meisten Besuchern verborgen. Aber das ändert nichts an der guten Stimmung im Publikum, die nach jedem Song die Band mit viel Applaus bedenkt. 'Kasvetli Kutlama' ist mittlerweile einer der Bandhits geworden und so erklingt er auch heute. Was aber im Vergleicht zum WGT-Konzert auffällt, der zweite Mann steht nicht mehr am Bass, sondern arbeitet ausschließlich an der Technik. Aber wie dem auch sei, die beiden legen auch hier im Kulturpark ein tolles Konzert hin, was leider viel zu schnell vorbei ist.

Danach folgt der obligatorische Besuch des angrenzenden Sportplatzes des SV Blau Weiß Deutzen. Hier hat sich neben dem Fußballspiel auch ein Treff der Festivalbesucher etabliert, um neben Fußball zu schauen auch die Vereinskasse etwas zu füllen. Das tut man gern, gibt es hier leckere Roster vom Fleischer und günstigere Getränke als auf dem Gelände. Zumal drinnen leider auch kein einheimisches Bier mehr kredenzt wird. So ist auch dieses Festival in der Becks-Maschinerie gelandet. Es kostet zwar nicht mehr als die Jahre davor, dafür wurden aus 0,4l-Bechern 0,3l-Becher gemacht. Die Preissteigerung kann sich jeder selbst ausrechnen. Da investiert man gern die knapp fünf Minuten Fußmarsch zum Vereinsheim.

Da die Konzerte nun aber nicht auf dem Sportplatz ausgetragen werden, geht es wieder ins Getümmel. WHISPERS IN THE SHADOW hat heute auf der Hauptbühne den Zonk gezogen. Im Laufe des Konzertes fängt es zu schütten an, sodass nur eine Handvoll Besucher vor der Bühne ausharrt. Die Band aus Österreich lässt sich davon aber nicht beeindrucken und liefert einen tollen Auftritt ab. Neben 'Agent Of Chaos' und 'Back To The Wound' erklingt mit 'If Uriel Falls' der wohl bekanntestes Song der Band. Jetzt legt sich der Regen und so strömen wieder eine Menge Leute vor die Bühne. So findet der Gig doch noch einen versöhnlichen Abschluss.

Mittlerweile dämmert es langsam, als auf der Parkbühne CONJURE ONE den Liebhabern von ruhigeren Klängen eine Freunde machen will. Die Band um Mastermind Rhys Fulber zaubert allerlei Klangteppiche in den Abend, ohne dabei zu experimentell oder gar nervend zu werden. Wer mag kann mit auf eine musikalische Traumreise gehen und sich von der beruhigenden Stimme der Sängerin verzaubern lassen. 'Sleep' oder 'Dying Light' passen da recht gut. Die Besucher freut es und spenden viel Beifall.

Leider fast parallel spielt auf der kleinen Weidenbogenbühne SIXTH JUNE. Das Duo präsentiert ebenfalls ruhigere Klänge, ist jedoch mehr in den Gefilden des Minimal-Wave und Electro-Pops zu Hause. Die zwei präsentieren den typischen Genre-Sound, ohne dabei so stark nach anderen Bands zu klingen. Allein schon die Stimme der Sängerin ist recht markant. Die erste positive Neuentdeckung an diesem Abend!

Die zweite folgt im Anschluss mit KITE auf der Kulturbühne. Das schwedische Duo gibt es bereits ein paar Jahre, ist aber an mir wohl vorüber gegangen. Die beiden haben sich dem klassischen Synthiepop-Sound der Achtziger Jahre verschrieben und bauen moderne Elemente ein. Schaut man sich das Equipment auf der Bühne an, so scheinen die beiden ziemliche Soundtüftler zu sein. Und in der Tat, die Musiker überzeugen mit ihrem Können und den Zuschauern gefällt es. Es ist nun richtig voll geworden, als beispielsweise 'Jonny Boy' oder 'Dance Again' erklingen.

Im Anschluss steht mit der letzten Band des Tages auf der Parkbühne ein abrupter Richtungswechsel an. IN STRICT CONFIDENCE liefert einen Electro-Sound der härteren Gangart ab. Normalerweise besteht die Gruppe aus mehreren Leuten, doch heute ist außer Sänger Dennis Ostermann nur noch ein Mann an den Keyboards auszumachen. Doch es dauert erst einmal eine Weile, bis man das bemerkt, da sich die beiden in Nebel und Dunkelheit hüllen. Den Fans ist es egal und sie begrüßen die Band mit viel Beifall. Die gibt sich eher wortkarg und gibt vielmehr ordentlich Gas. 'The Truth Inside Of Me' oder 'Hidden Thoughts' lassen die Fanherzen höher schlagen. Und so vergeht die Zeit wie im Fluge und das Konzert geht mit viel Beifall zu Ende.

Interesse an Volksfest mit Metal-Hintergrund? Dann hereinspaziert zu OOMPH!. Hier darf geklatscht, fröhlich geschunkelt und mitgesungen werden. Ach ja, eine Band mit Musik gibt es auch noch. Mal ehrlich, dieses penetrante Animationsprogramm von Sänger Dero nervt gewaltig. Etwas Lustiges und zum Mitmachen ist ja ganz ok. Aber nicht nach fast jedem Song irgendetwas Sinnfreies starten. Lässt man das ganze Gedöns mal weg, sind der Auftritt und die Songauswahl durchaus sehr gut. Von aktuell bis zum guten alten Klassiker ist alles dabei. Die anderen Bandmitglieder sind auch gut drauf und Dero lässt sich sogar übers Publikum tragen. Ob man das Kasper-Gehabe des Sängers nun mag oder nicht, die Stimmung im Publikum ist jedenfalls prächtig. Dero unterstützt das illustre Treiben mit der Aussage: "Feiert euch selbst!". Bei 'Augen auf' können alle noch einmal mitsingen, ehe mit 'Always Look On The Bright Side Of Life' der Rausschmeißer erklingt. Natürlich wird vom Publikum nach einer Zugabe gerufen. Da es nach 24:00 Uhr ist und wohl der Lautstärke-Pegel gesenkt werden muss, erfolgt die Zugabe quasi auf Sparflamme. Während die Band noch ein paar Fotos macht, geht Dero an die Trommel und lässt das Publikum zu 'Mein Herz' ordentlich mitsingen. Danach geht es mit 'Der neue Gott' weiter. Es folgt ein wenig Spielerei mit dem Publikum, was doch noch mehr hören möchte. Der Sänger verlangt nach Licht aus dem Publikum und stimmt 'The Power Of Love' an. Das Stück passt zwar wunderbar zur herrschenden Atmosphäre, aber gesanglich gesehen ist es überhaupt nicht sein Lied. Um es vorsichtig auszudrücken. Irgendwas ist eben immer.

Setlist: Alles aus Liebe, Labyrinth, Träumst du, Mein Schatz, Das weiße Licht, Wunschkind, Jetzt oder nie, Unter diesem Mond, Jede Reise hat ein Ende, Niemand, Mitten ins Herz, Sandmann, Gekreuzigt, Gott ist ein Popstar, Augen auf, Always Look On The Bride Side Of Life
Zugabe: Mein Herz, Der neue Gott


Damit geht der Festivaltag zu Ende. Aus dem einst kleinen 1-Tages-Festival ist eine 3-Tages-Veranstaltung geworden und hat sich zu einer festen Größe im Festival-Kalender etabliert. Wurde gerade das familiäre und beschauliche Ambiente von den Besuchern geschätzt, stößt das Festival an seine Grenzen und schrammt ganz scharf daran vorbei, eine austauschbare Massenware zu werden und ihr Flair zu verlieren. Dass es noch größer werden soll wurde zwar vom Veranstalter verneint, aber man soll ja bekanntlich niemals nie sagen. Gerade hier ist das Publikum im "gesetzteren" Alter und es ist neben dem WGT in Leipzig ein guter Treff- und Anlaufpunkt geworden. Das musikalische Spektrum ist wie immer sehr schön aufgestellt und wartet mit dem ein oder anderen neuen Act auf. So kann es gern bleiben und weitergehen. Und vielleicht im nächsten Jahr auch wieder mit einem einheimischen Gerstengetränk.

Redakteur:
Swen Reuter

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