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Nocturnal Culture Night 2018 - Deutzen

10.11.2018 | 18:39

07.09.2018, Kulturpark

Das Coming-Home-Festival für die ältere Generation der schwarzen Szene.

Köln kann feiern und sich völlig verausgaben und das nicht nur an Karneval. Entgegen aller Befürchtungen ob des Termins mitten in der Woche beschert die Rheinstadt dem symphonischen Dreier KAMELOT, LEAVES' EYES und VISIONS OF ATLANTIS auch an einem Mittwochabend und vor energiegeladenem, euphorischem Publikum einen grandiosen Tourauftakt in der Live Music Hall in Ehrenfeld. Ein Auftritt der außergewöhnlichen Stimmen, geballtem Talent und Spielfreude und der Auftritt, der den Startschuss in die vierwöchige Europatournee unter dem Banner des neuen KAMELOT Silberlings "The Shadow's Theory" markiert.
Besonders positiv gleich am Anfang zu erwähnen: Die obligatorischen Kinderkrankheiten und Verzögerungen, die sonst so oft den Anfang einer Tournee markieren, bleiben aus. Pünktlich beginnt der Einlass in Köln, die Bands starten mit marginaler oder keiner Verzögerung in ihre Sets. Und so steht VISIONS OF ATLANTIS um punkt 19.45 Uhr auf der Bühne und beginnt mit "The Deep And The Dark" - dem Titeltrack des aktuellen Albums der Band aus Österreich und Frankreich. In diesem Jahr schon sowohl auf den SYMPHONIC METAL NIGHTS, den WACKEN WINTER NIGHTS und auf dem WACKEN OPEN AIR gesehen, bleibt der direkte Vergleich natürlich nicht aus. Auf der Bühne machen die Symphonic Metaller einen gewohnt souveränen Eindruck und liefern einen Auftritt, der jede Menge Spaß macht. Doch leider spielt die Technik in der Live Music Hall nicht auf dem Level mit, wie das Quintett verdient hätte: Der Sound in der Location ist enorm matschig und indifferent. Bei einer Band wie VISIONS OF ATLANTIS, deren Stärke für gewöhnlich in den filigranen Melodieläufen wie etwa dem Titel 'Book Of Souls' und der charismatischen Doppelspitze Siegfried und Clementine an den Mikrofonen liegt, ist das ungemein schade.
Der darauffolgende Auftritt hingegen entzieht sich für mich jeglicher Beschreibungen: Die Wikinger legen zum Landgang an - LEAVES' EYES werden von einer Riege von Statisten begleitet, die in authentischer Wiki-Gewandung und -Rüstung der Band die Bühne bereiten. Diese betreten die Musiker stilgemäß zur aktuellen Hymne des Albums, welches Anfang des Jahres erschien. Und direkt nach 'Sign Of The Dragonhead' lässt der Blick ins Publikum keine Zweifel mehr übrig. LEAVES' EYES hat die Kölner fest in der Hand. Es ist schwer zu sagen, wo mehr los ist: Denn während auf der Bühne die Viking Metaller mit einer schier umwerfenden Energie und Spielfreude den Funken entzünden, lodern die Feuer bis in die letzte Reihe. Bei Titeln wie 'Beowulf' oder der aktuellen Single 'Riders Of The North' ist alles in Bewegung, innerhalb des Sets gibt es selbst bei den gediegenen Titeln nicht einen Stimmungseinbruch. Die Musiker zeigen sich an diesem Abend als Klassenprimus des Viking Metals - manche Bands singen über die nordischen Krieger, doch kein Vertreter des Genres schafft es so wie LEAVES' EYES die Stimmung, die Bilder, das Gefühl auf diese Art und Weise live zum Leben zu erwecken. Ein eindrucksvoller Auftritt, der leider viel zu schnell vorbei ist.
Und wieder einmal heißt es: Auf nach Deutzen! Zum 13. Mal öffnen sich die Tore des Kulturparkes in Deutzen, um den Festivalbesuchern der Nocturnal Culture Night auf mittlerweile vier Bühnen ein sehr ausgewogenes Musikprogramm zu kredenzen. Und das Publikum kommt sehr gern hierher, denn musikalisch gesehen lassen sich hier ein paar kleine, aber feine Perlen unter den Bands entdecken. Schaut man sich an den drei Tagen um, so ist die Veranstaltung neben dem WGT in Leipzig eine feste Größe im Festivalkalender geworden. Und zwar für die Festivalgänger im gesetzteren Alter. Viele sind hier in Familie unterwegs, schließlich bietet sich diese Lokalität sehr gut dafür an. Über die Jahre hin hat sich so ein festes Stammpublikum angesammelt, die so gesehen zu einer großen Familie gewachsen sind. Und genau das ist es, warum das Festival jedes Jahr so großartig funktioniert. Doch nun genug der Worte: Hinein in's Getümmel!

DIE KRUPPSBei bestem Festivalwetter geht es am Nachmittag nach Deutzen. Durch diverse Baumaßnahmen ist der "Stammparkplatz" in der Nähe des Geländes leider nicht vorhanden. Aber es gibt einen kostenfreien Parkplatz auf einer angrenzenden Wiese, die auch nicht so weit weg ist. Das entschädigt wieder und gibt einen dicken Pluspunkt für die Veranstalter! Am Eingang ist eine ordentlich lange Schlage, doch es geht glücklicherweise relativ zügig und so reicht die Zeit noch für ein Eröffnungsgetränk, bevor die Electro-Veteranen DIE KRUPPS auf der Weidenbogenbühne die Gerätschaften malträtieren. Frontmann Jürgen Engler versprüht von Beginn an eine ungeheure Energie und zieht damit die Zuschauer vor der Bühne gleich mit in seinen Sog. 'Dawning Of Doom' ist der erste Streich und der zündet ordentlich im Publikum. Noch einen Zacken schärfer wird es im Anschluss zu 'Der Amboss'. Jetzt tobt die Menge und der Sänger greift nun auch zu den Schlagwerkzeugen, um die Rohre vor ihm zu bearbeiten. Mit 'To The Hilt' erklingt später der Bandklassiker schlechthin. Der Frontmann hat seine Fans gut im Griff und die machen ordentlich mit. Eine super Stimmung vor und auf der Bühne! 'Fatherland' begeistert die Menge ein weiteres Mal. Am Ende gibt es 'Bloodsuckers' aus dem Jahre 1994 für die Fans auf die Ohren. Vor der Bühne geht es ein letztes Mal hart zur Sache. Begeistert verabschieden die Fans DIE KRUPPS, die natürlich eine Zugabe fordern, doch der Wunsch wird leider nicht erfüllt. Alles in allem ein gelungener Einstand in das Festival.

Musikalisch völlig andere Klänge serviert im Anschluss ein Trio aus Österreich. THE DEVIL AND THE UNIVERSE liefert einen atmosphärisch düsteren und okkulten Sound auf der Kulturbühne ab. In langen Gewändern und den bekannten Ziegenmasken treten sie vor ihr Publikum. Dicht gedrängt lauschen die Besucher den Klängen der Band, die ihre Sounds mit Samples untermauern, denn von den drei Jungs singt selbst keiner. Kurze Zeit später entledigen sie sich ihrer Masken und liefern eine perfekt abgestimmte Show ab. Sicher ist das Ganze recht speziell, THE BEAUTY OF GEMINAdoch es gibt hier zum NCN genügend Publikum, das sich darauf einlässt, und so fahren die Musiker allerhand Sympathiepunkte an diesem Abend ein.

Geografisch gesehen geht es mit der nächsten Band benachbart weiter. Die Schweizer Band THE BEAUTY OF GEMINA ist an der Reihe. Es ist bereits dunkel geworden, als die Herren aus dem Land der Eidgenossen die Bühne betreten. Nach dem Intro geht es mit dem gut bekannten Song 'End' los. 'All Thouse Days' folgt danach, während am Schlagzeug noch ein wenig gewerkelt wird. Das tut der Stimmung im Publikum aber keinen Abbruch, denn da wird ordentlich mitgeklatscht. Routiniert und mit schweizerischer Präzision kann die Formation hier in Deutzen die Menge begeistern und selbstredend ist 'Goth DJ' oder 'Rumours' im musikalischen Gepäck dabei. Die Akustik-Version zu 'Dark Rain' wird von den Fans sehr gut aufgenommen. Was will man mehr? 'Down On The Lane' beendet den schon fast unspektakulären, aber musikalisch tollen Gig der Band. Man schafft es halt auch ohne großes Brimborium, sein Publikum bestens zu begeistern!

Langsam aber sicher geht der erste Festivaltag zu Ende. Auf der Amphibühne steht der Hauptact in Form von MARC ALMOND an. Mit diesem Auftritt erfüllt sich der Festivalmacher selbst einen großen Wunsch. Und so groß die Vorfreude auch ist, zu diesem Auftritt werden am Ende die Meinungen stark auseinander gehen. Mit den unzähligen Besuchern vor der Bühne, wo kein Apfel mehr zur Erde geht, sollte der Zuschauer-Rekord auf jeden Fall gebrochen sein. So eine Menschenmenge gab es glaube ich noch nie. Der Herr Almond und seine Band haben die gute Laune mitgebracht und als es losgeht empfängt sie ein wahrer Begeisterungssturm durch das Publikum. Der Sänger passt optisch in seiner Trainingsjacke nicht so ganz in das Bühnenbild und erst recht nicht zum Publikum. Aber sei es drum. Mit 'Adored And Explored' startet die MARC ALMONDCombo und mit den beiden Background-Soul-Sängern wird auch auch gleich die musikalische Richtung des Abends angezeigt. Und hier liegt auch der Knackpunkt. Musikalisch ist die Show wirklich toll, doch es passt Vieles einfach nicht wirklich hierher. Während die einen total abfeiern, stehen viele Szenegänger eher mit fragendem Blick da. Die einen gehen beispielsweise zu dem RIHANNA-Cover 'Russian Roulette' oder 'My Hand Over My Heart' unheimlich ab und andere hangeln sich eher durch das Set mit der Hoffnung, dass 'Tainted Love' bald erklingt und sie dann gehen können. Doch damit dauert es noch ein wenig, denn es wird logischerweise erst gegen Ende des Konzertes gespielt. Dazwischen kann 'Black Heart' wunderbar das verkörpern, was viele erwartet hatten. Nun gibt es aber kein Halten mehr und alle Anwesenden genießen den Song und singen mit. Vergessen ist der Frust. 'Tainted Love/Where Did My Love Go' und auch die anderen Songs dürften die wenigsten Anwesenden hier bereits einmal live gehört haben. Von daher entschädigt das hier gerade für alles andere! Als der letzte Song des Abends veröffentlicht wurde, dürften einige Zuschauer noch gar nicht das Licht der Welt erblickt haben. 'Say Hallo, Wave Goodbye' von SOFT CELL stammt aus dem Jahre 1981 und hat auch bis heute nichts von seinem Charme verloren. Die Fans feiern die Band danach ordentlich und unter viel Applaus geht es erst einmal runter von der Bühne. Einen kleinen Nachschlag gibt es aber noch und mit dem verabschiedet sich der Sänger von seinem Publikum hier auf der Amphibühne.

LIZETTE LIZETTELangsam aber sicher lichten sich die Reihen und viele begeben sich bereits auf den Heimweg oder in die Zelte. Doch ein Act steht noch auf dem Programm. Auf der Parkbühne spielt LIZETTE LIZETTE. Die schwedisch-peruanische Musikerin bezeichnet sich selbst als geschlechtsneutral und präsentiert sich in einem Plastikmantel, Schlabber-Jogginghosen und riesigen Plateauschuhen. Dafür ist der Sound des Trios außerordentlich gut! Mit einer Mischung aus unterkühlter Distanz und Lustlosigkeit präsentiert sich die Sängerin. Ihre beiden Mitstreiter dagegen zeigen sich da wesentlich offener und fröhlicher. Dem tollen Sound tut das aber zum Glück keinen Abbruch. Die Fans in den vorderen Reihen tanzen fleißig mit und können sich dabei über 'Easy Street' oder 'Sober Up' freuen. Viel zu schnell ist der Gig vorbei und die Band kann sich durch ihren Auftritt über viele neue Fans freuen, denn das Urteil über den elektronischen Spätauftritt ist durchweg positiv. Und da viele Besucher die Band vorher noch nicht kannten, gab es damit auch eine tolle Neuentdeckung für einige. Das ist immer wieder das tolle am NCN!

Danach geht es mit vielen musikalischen Eindrücken erst einmal nach Hause, während hier vor der Bühne noch ein wenig Musik aus der Konserve läuft. Für alle die noch nicht genug haben.



HIER geht es zum Samstag!

Redakteur:
Leoni Dowidat

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