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Norther/Turisas - Berlin

25.03.2008 | 17:47

23.03.2008, Kato

Eier gefuttert, Osterspaziergang auch erledigt - was gibt es Schöneres als das heilige Osterfest mit einer ordentlichen Ladung Metal abzurunden? Ein hoffnungsvolles Package hat sich angekündigt, TURISAS und NORTHER. Zwei junge Bands aus der finnischen Stahlschmiede, deren beste Zeit wohl noch vor ihnen liegen wird. TURISAS konnten letztes Jahr mit ihrem Album "The Varangian Way" und etlichen Festivalauftritten sowie diversen Supporttouren (u. a. mit ICED EARTH) für Furore sorgen, während NORTHER erst kürzlich mit "N" zum nächsten Schlag ausgeholt haben und alle Kritiker verstummen lassen wollen, die sie seit Jahren als CHILDREN OF BODOM-Klone beschimpfen.

Halb neun, Berlin zeigt sich von seiner gemütlichen Seite. Das Kato ist noch fast leer, nur die Bar hat einigen Zulauf und freut sich, als Raucherbereich große und kleine Gäste anzulocken. Junges und altes Volk haben sich eingefunden, bereit, um an diesem Ostersonntag mächtig Arsch zu treten. Um Viertel vor neun muss die Ausgangssperre aufgehoben worden sein, denn innerhalb weniger Minuten hat sich die Location drastisch gefüllt und die erwartete Sauerstoffknappheit tritt ein. Punkt neun gehen die Lichter aus, die Drums legen los und NORTHER starten ihr Programm. Zunächst ohne Gitarre und Gesang - da hat die Technikcrew mal wieder nicht aufgepasst. Petri teilt sich im Laufe der Show die Gesangsarbeit mit Gitarrist Kristian, dessen cleane Parts mir aber gar nicht gefallen und mächtig Emo um die Ecke kommen. Darüber hinaus sollte er an seiner Kommunikation mit den Fans arbeiten, schaut er wie ein schüchterner Siebtklässler beim Gedichtaufsagen über das Publikum hinweg. Ein bisschen mehr Offenheit würde sich positiv auf seine Präsenz auswirken.

"Guten Abend, Berlin" begrüßt Petri das feierwütige Publikum, welches die Nordmänner prächtig aufnimmt und fleißig die Köpfe kreisen lässt. Songs wie 'Down', 'Blackhearted' (geiles Gitarrensolo) und das endfette 'We Rock' lassen den berühmten Funken schnell überspringen und heizen dem verwöhnten Berliner Publikum ordentlich ein. Einzig Keyboarder Tuomas macht einen wenig motivierten Eindruck und tippt gelangweilt auf seinem schrägen Keyboard (COB lassen grüßen) herum. Dafür holt der Rest der Finnen alles aus sich raus, wütet, schreit und lässt etliche Soli vom Stapel, so dass erste Propeller im Publikum sichtbar werden. Nach einer unterhaltsamen Dreiviertelstunde ist Feierabend für's erste und NORTHER verabschieden sich von den Fans. Ab zur Bar, Bier und verqualmte Luft warten sehnsüchtig.

Nach knapp 25 Minuten ist es dann endlich so weit: Wetzt die Schwerter, füllt die Hörner und schändet den niederträchtigen Osterhasen, TURISAS machen sich auf, die deutsche Hauptstadt einzunehmen. Und das Volk begrüßt begeistert die finnischen Eroberer, die nach einem süßen kleinen Intro mit 'To Dnieper Rapids' gleich in die Vollen gehen. Zunächst nur musikalisch, denn Berlin ist eben arm, aber auch sexy, so dass das Bühnenlicht erst nach rund einer Minute angeht und die wild kostümierten Finnen für die Augen freigibt. Es wird gesungen, geschunkelt, gepogt, so dass das kleine Kato frühzeitig ins Wanken gerät. Vor wenigen Wochen verschwand Akkordeon-Spieler Lisko nach einem Holland-Gig und alle fragten sich, wer denn nun den Ersatz geben würde. Beim folgenden 'To Holmgard And Beyond' wurde die Frage beantwortet, denn plötzlich steht ein süßes, blondes Mädchen mit dem Schifferklavier vor der Meute, grinst die Fans an, welche vor Verzückung strahlen und beim Opener des aktuellen Albums mächtig die Köpfe und Krüge aneinanderstoßen. Der Sound klingt anständig, nur Warlord Mathias hat leichte Probleme, da er sich offensichtlich selbst kaum hört. Violinist Olli rockt trotz schwerer Erkältung mit seiner Geige die Wurst und holt sich ein ums andere Mal verdienten Szenenapplaus ab. 'Portage To Unknown' führt die Fans weiter auf den "Varangian Way", bevor sich Mathias dem Berliner Publikum zuwendet und auf die ihm zu Ohren gekommenen Gerüchte eingeht, dass das Hauptstadt-Publikum etwas faul und verwöhnt wäre. Buh-Rufe lassen das Kato erzittern, so dass Mathias schnell vom Gegenteil überzeugt ist und sich erstmal einen Schluck Berliner Kindl genehmigt. Schmecken tut's, wenn er auch schon bessere getrunken habe, haha.

Mit einem angestachelten Publikum geht das Trinklied 'One More' noch besser die Kehle herunter, so dass mächtig geprostet, gemosht und gejumpt wird. Die Stimmung ist fantastisch, was auch die Männers (und die süße Antti) sichtlich erfreut. TURISAS-Konzerte sind keine 08/15-Shows, bei denen die Musiker gelangweilt ihre Instrumente herunterspielen und die Fans nicht teilhaben lassen. Mathias plaudert oft und gewitzt mit dem Publikum, beschwert sich über die hochgehaltenen Handykameras und dass er immer das Gefühl hat, vor einem Haufen japanischer Touristen zu spielen, die weniger Interesse am Konzert als an YouTube hätten. Als Gegenmaßnahme macht ein Mitglied der Crew ein Foto der Crowd, wobei später ein Fan zufällig ausgepickt wird und die Ehre erhält, ein TURISAS-Fan-Paket zu erhalten. Dann macht mal alle "Cheeeeeeeeese"!

Mit 'In The Court Of Jarisleif' kommt es zum übergroßen Ringelpietz mit Anfassen. Ein derbster Mosh erfasst den Konzertsaal, so dass auch der Schreiberling einfach jumpen und pogen muss, um nicht in den Wellen unterzugehen. Plaudertasche Mathias lobt einmal mehr das Berliner Publikum, haut sich dabei versehentlich das Mikro an die Zähne, was für reichlich Gelächter sorgt. Er berichtet über einen sehr mäßigen finnischen Winter und dass er überglücklich sei, in Berlin zu sein, denn heute hätten die finnischen Thermometer -20° Celsius angezeigt. Mit 'Messenger' begeben wir uns ein Stück in die Vergangenheit und zum Debütalbum "Battle Metal". Mathias fragt, ob die Fans auch bei "Rock am Ring" zugegen sein werden. Schimpf und Schande brandet ihm entgegen, so dass er schnell zurückrudert und erklärt, dort spielen zu müssen - die Armen. Die Fans stimmen "Ragnarök"-Rufe an und gemeinsam mit der Bands freut man sich jetzt schon auf das in wenigen Tagen stattfindende Pagan-Metal-Festival. Zum Abschluss des regulären Sets kommt mit 'Miklagard Overture' der längste Track der aktuellen Scheibe, der nochmals alle Trademarks der Band vereint. Speed, Power, Melodie, Dramatik - einfach alles wurde hier reingepackt, ohne jedoch überfrachtet zu wirken. Mitten im Song stellt Mathias die einzelnen Bandmitglieder vor (wobei er eine leichte Links-Rechts-Schwäche offenbart) - ich würde mal sagen, den größten Applaus hat sich die erst 17-jährige Antti abgeholt. Jubel!

Die Zugabe-Rufe werden sofort von 'Rasputin'-Rufen unterdrückt, so dass sich die Band nicht allzu lange feiern lässt und nach wenigen Momenten mit dem alten BONEY M-Hit für mächtig Stimmung sorgt. Das Kato erhebt sich und wird gefühlte zwei Meter weiter gen Himmel gedrückt. Doch runter will keiner - 'Sahti-Waari' lässt den Tanzpegel weiter ganz oben, bevor Mathias den endgültig letzten Song ankündigt. Doch heute soll mal nicht der obligatorische Rausschmeißer erfolgen, sondern eine Ballade namens 'Biergemütlichkeit'. Antti spielt auf ihrem Akkordeon, alles schunkelt und hat sich ganz doll lieb, bevor die Hölle geöffnet und 'Battle Metal' um die Ohren geschossen wird. Die Fans flippen völlig aus und geben noch mal Vollgas, bevor sich die Band von der Hauptstadt mit einen dicken Grinsen im Gesicht verabschiedet. Ein unterhaltsamer Ostersonntag geht somit zu Ende. NORTHER heizten das Publikum prima ein, bevor TURISAS den Sack zumachen und die Fans in Exstase versetzen konnten, womit wir das alte Vorurteil, dass die Berliner Crowd leicht faul wäre, fürs erste in den Fleischwolf werfen können. Prost!

Setlist:
Intro
To Dnieper Rapids
To Holmgard And Beyond
Portage To Unknown
One More
Flash
In The Court Of Jarisleif
Messenger
Miklagard Overture
---
Rasputin
Sahti-Waari
Battle Metal

Redakteur:
Enrico Ahlig

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