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OPETH - Köln

28.10.2014 | 13:09

25.10.2014, Live Music Hall

Die Schweden um Mikael Akerfeldt sind anno 2014 ungebremst beliebt, wenngleich auch mittlerweile immer öfter das Ziel mehr oder minder harter Kritik: Für (oder gegen) OPETH hauen Leute auf sämtlichen Plattformen extrem gerne in die Tasten; jeder hat irgendeine Meinung zu den neueren Ausflügen der Band, zum Weglassen der Growls oder zum Musiker-Lineup. So wundert es nicht, dass "Pale Communion" auch bei POWERMETAL.de polarisiert. Ich gehöre zu der (vermutlich nicht kleinen) Gruppe im OPETH-Fanlager, welche die Entwicklung der Band vor allem deshalb folgt, weil nun einmal OPETH draufsteht. Aber ich gehe mit, treudoof wie ein Hund – und werde nicht enttäuscht. Am Ende eines Tages ist es aber wie so oft: Im Fußball liegt die Wahrheit bekanntermaßen auf dem Platz, für mich gilt bei der Musik ähnliches. Ab vor die Bühne der Live Music Hall in Köln!

... denke ich so bei mir, betrete um 19:40 Uhr die Halle, da ist ALCEST, auf dieser Tour Vorband, schon längst durch und auf der Bühne sieht – samt schönen, riesigen "Pale Communion"-Backdrop – auch alles danach aus, als könnte der Hauptact sofort durchstarten. Hallo? Es ist Samstag! Da kann auch die anschließende Party-Reihe, die jeden Samstag in der Live Music Hall stattfindet, eigentlich keine Entschuldigung sein. An einem Sonntag hätte man vermutlich bis 23 Uhr warten dürfen, bis OPETH die Bretter betritt – anschließend wird ja nicht gefeiert... Nun gut. Ich bin ja zum Glück noch pünktlich, die prall gefüllte und zudem ausverkaufte Location zeugt davon, dass es die allermeisten anderen Fans ebenfalls geschafft haben. Schön, dann kann es ja losgehen.

Schön, das ist der Start dann in der Tat. OPETH spielt mit 'Eternal Rains Will Come' zu Beginn einen neuen Song an, der zumindest mich dazu veranlasst, mich ganz vorsichtig umzuschauen, ob das hier wirkich die LMH Köln ist. Ja, doch, der Ort ist der richtige. Wann habe ich das letzte so einen fantastischen Sound in dieser Halle gehabt? Das gesamte Klangbild, es atmet, es lebt! Wow. Das liegt natürlich auch am Bandsound, den fantastischen Musikern an allen Instrumenten und den wunderbaren musikalischen Leckerbissen wie all die tollen Gesangsharmonien, welche vor allem Lieder neueren Datums innehaben. Darüber hinaus kommen die "Pale Communion"-Stücke auch mit wesentlich mehr Drive aus den Boxen, als es bei den heimischen Lautsprechern der Fall ist. Das Publikum ist fast ehrfüchtig und hört sich das musikalische Treiben konzentriert an; riesiger Applaus erfolgt erst dann, wenn auch der letzte Ton seinen Raum erhalten hat.

Als an dritter Stelle 'Bleak' ausgepackt wird, sucht man zwar immer noch ziemlich vergeblich fliegende Haare, sieht dafür aber, wie sich auch die letzten Mienen aufhellen. Man könnte anhand der aktuellen, ebenfalls starken Musik OPETHs fast vergessen, was die Band einst ausgemacht hat. Wenn Akerfeldt jedoch seine unfassbar voluminösen Growls auf die Menge los lässt, dann kann einem nur ein "That's the stuff!" durch den Kopf und ein breites Lächeln über das Gesicht gehen. Bereits nach drei Nummern hat sich die Anreise für mich bereits gelohnt. Was für ein riesiger Auftakt! Spätestens als Mikael, wie immer blendend gelaunt, mit dem Publikum interagiert, fühlt man sich zuhause.

Das gilt am heutigen Samstagabend wohl sogar für die ganz harten Old-School-Fans: 'The Moor' (kaum zu toppen) und 'Advent' (für dessen angeblich langweiligen Züge sich Akerfeldt bereits im Vorfeld entschuldigt) zeigen, wie sehr OPETH eben doch noch mit der eigenen Vergangenheit verbunden ist. Das ist noch nicht einmal ein allzu großer Spagat zu dem neueren Material, nein: Es wirkt einfach wie eine natürliche, authentische und vollkommen logische Zusammenstellung von Liedern ein und dergleichen Band. Death Metal macht der Band immer noch eine Menge Spaß. Dem Publikum übrigens auch.

'Elysian Woes' und insbesondere 'Windowpane' schlagen dann andere, leisere Töne an, die zum einen jedoch genau so sehr OPETH sind wie alle zuvor gespielten, und zum anderen wohl sogar eine insgeheime Vorliebe nicht weniger Fans darstellen dürften. Bei faszinierter, totaler Stille lassen Akerfeldt und Akesson die Gitarren singen und zelebrieren die kleinen Töne ganz groß.

Zum Ende hin hat Mikael mehrfach Probleme mit seiner Gitarre, was für ihn jedoch eigentlich keine wirklich Schwierigkeit darstellt, denn er nutzt diese Pausen natürlich meisterhaft, um das Publikum zu unterhalten. Insbesondere der Roadie, kurzerhand zu "Sodomizer" umbenannt, bekommt zur Belustigung der Allgemeinheit den ein oder anderen Spruch gedrückt, und als nach einiger Zeit endlich mal wieder ein Geräusch seine Gitarre verlässt, wenn auch nur ein unkontrollierbares Feedback-Brummen, hat der kühle Schwede dafür bloß einen "Unfortunately, we don't have any songs in that particular key." übrig. Souverän wie eh und je.

Das gilt auch für den Rest des Sets, bei dem 'The Lotus Eater', 'The Grand Conjuration' und die Zugabe 'Deliverance' einem noch einmal nachdrücklich klar machen, dass diese Band, trotz aller Diskussionen, in wirklich jeder Phase ihrer Karriere riesige Musik herausgebracht hat.

Nach gut zwei Stunden ist Feierabend. Zumindest für die Band, die sich ihr Bier nun redlich verdient hat. Für die Fans, die sich während der Songs teilweise auffällig wenig geregt, dafür zwischen diesen allerdings ziemlich eskaliert sind, geht der Abend nun erst so richtig los. Jeder scheint seinem Nebenmann noch einmal klar machen zu wollen, wie gut das alles gerade wirklich war. Der Gesprächspartner wiederholt die gleiche Aussage gerne noch einmal in etwas anderer Färbung. Hin und her. Hin und her. Völlig zurecht. Ein großartiges Konzert einer großartigen Band, die heute, abseits des aktuellen Albums, genau einen Song von fast allen anderen Werken gespielt hat: OPETH hat "den Dreh" inzwischen in jeder Hinsicht vollkommen heraus. Ich bin begeistert.

Ach ja, und es ist immer noch nicht 22 Uhr. Interessant.

Setlist: Eternal Rains Will Come, Cups Of Eternity, Bleak, The Moor, Advent, Elysian Woes, Windowpane, The Devil's Orchard, April Ethereal, The Lotus Eater, The Grand Conjuration. Zugabe: Deliverance.

Redakteur:
Oliver Paßgang

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