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OPETH - Köln

05.12.2016 | 18:21

16.11.2016, E-Werk

Immer spannend, nahezu immer großartig & einmal mehr in Köllefornia.

Spontan kann ich gar nicht sagen, wo oft ich OPETH in den letzten 5-6 Jahren live gesehen habe, aber allein in Köln waren es seit der Veröffentlichung von "Heritage" mindestens drei Konzerte, von denen das erste wirklich enttäuschend war, die zwei darauffolgenden jedoch fantastisch hoch sieben. Nun steht mit "Sorceress" eine neue, wieder sehr spannende Platte in den Regalen des Landes – und natürlich machen Akerfeldt & Co auch 2016 wieder Halt in der schönen Domstadt am Rhein.

Was die Größte der Location angeht, ist man seit dem letzten Stop in der Live Music Hall eine Nummer nach oben gegangen – das sehr gut gefüllte, jedoch nicht komplett ausverkaufte E-Werk erwartet die Schweden. Bevor diese jedoch auf die Bühne kommen, darf SAHG aufspielen. Um es möglichst kurz zu machen: Mir fällt während des gesamten Aufwärmergigs nicht ein plausibler Grund ein, warum die Band nichts taugen sollte. Das ist ordentlich gezockter, rund komponierter und absolut souverän präsentierter Groove-Rock-Metal – von dem jedoch einfach nichts ankommt. Das geht mir vielleicht in extremer Form so, aber auch der Rest des Publikums lässt sich nur äußerst bedingt mitreißen. Tjo. Soviel zur Vorband SAHG.

Die Kurve der Begeisterung schnellt bei OPETH dann allerdings rasant nach oben. Dieses wunderbare Intro, das einen schon seit Ewigkeiten erwartet, jedoch jedesmal den Fokus so wunderbar auf das stimmungsvolle Hier-und-Jetzt richten kann, begleitet das Aufschreiten der fünf Herren, die sogleich mit dem Titeltrack der aktuellen Platte loslegen. Schon auf Konserve hat der Track einen metallischen Touch, der jedoch livehaftig – wie auch nicht anders zu erwarten – noch einmal deutlich wuchtiger zur Geltung kommt. Ein schöner Einstand, der jedoch noch schöner wird, als ganz selbstverständlich schon an zweiter Stelle 'Ghost Of Perdition' losgelassen wird. Es gab eine Zeit, da hat Akerfeldt die Vocals nicht so wahnsinnig gut hinbekommen, mutmaßlich wegen mangelnder Freude an Gegröle der tiefsten Sorte, aber diese Tage scheinen lange vorbei, denn zumindest auf der Bühne wirkt das so souverän wie einst. Und wo wir eben schon bei wuchtig waren: 'Demon Of The Fall' vom '98er-Output "My Arms, Your Hearse", beglückt nicht wenige Anwesende, ist es doch schon immer ein heimlicher Favorit vieler OPETH-Anhänger. Im Vergleich zu mittelaltem und neuerem Material wirkt so ein Track beinahe ziellos, profan und zufällig, kommt höchstwahrscheinlich gerade deswegen jedoch so herrlich charmant daher.

Drei Songs und ich bin schon vollkommen glücklich – wow! Doch dann sollte es erstmal richtig schick werden: 'The Wilde Flowers' ist neu-schick, 'Face Of Melinda' ist evergreen-schick und 'In My Time Of Need' einfach schick-schick. Das könnte man übrigens auch über das an sich schlichte, mit seinen rotierenden LED-Elementen allerdings auch überaus moderne Bühnenbild sagen – ein schöner Spagat mit Symbolcharakter. Apropos Spagat: Von Mikael Akerfeldt wird inzwischen ja schon erwartet, dass er während der Ansagen eine Show abliefert wie Stand-Up-Comedians in den besten 15 Minuten ihres Programms. Dass der Charakterkopf jedoch nicht in diese Spirale des "Ich muss den Leuten immer mehr bieten!" verfällt, macht ihn besonders sympathisch. Stattdessen ist er heute etwas zurückhaltender als zuletzt, albert jedoch mit der ihm eigenen Art nach Herzenslust herum und geht heute auf jeden zweiten Publikumsruf ein. Die Kommunikation stimmt, das liegt etwas in der Luft, es ist jedoch vor allem die Lust am gemeinsamem Feiern von Musik. Die einen stehen auf der Bühne, die anderen davor.

Jene, die es sich vor den Brettern gemütlich gemacht haben, erleben mit 'Cusp Of Eternity' den wahrscheinlich livetauglichsten und besten "Pale Communion"-Song, der einen schönen Drive entwickelt. Das gilt auch für das folgende "The Drapery Falls" – aber mit so einem Meisterwerk kann man auch wenig falsch machen. Ein Satz, der dann für alle ab jetzt folgenden Tracks gilt. Das verwundert mich zumindest bei 'Heir Apparent', der heute besonders düster durch die Boxen dringt, und nicht nur die positive Überraschung, sondern auch mein persönliches Highlight des Abends darstellt. Starkes Stück, im wahrsten Sinne des Wortes.

Akerfeldts Mannschaft funktioniert als Ganzes aktuell einfach so hervorragend, dass wirklich jede Epoche der OPETH-Bandgeschichte authentisch, musikalisch und leidenschaftlich beim Hörer ankommt. 'The Grand Conjuration' ist der fantastische Abschluss für ein Konzert, dass erst mit dem nicht minder großartigen, sich hinten heraus ewig windenden 'Deliverance' tatsächlich endet. Der Applaus ist laut, herzlich und ausdauernd, die Verbeugung der Band entsprechend. In dieser Form darf diese fantastische, über beide Ohren musikalische Band gerne schon ganz bald wieder in Köln aufspielen. Ganz bald. Bitte!

Setlist: Sorceress; Ghost Of Perdition; Demon Of The Fall; The Wilde Flowers; Face Of Melinda; In My Time Of Need; Cusp Of Eternity; The Drappery Falls; Heir Apparent; The Grand Conjuration. Zugabe: Deliverance.

Redakteur:
Oliver Paßgang

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