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Omen/Phantom-X - Wien

20.12.2006 | 12:25

12.09.2006, Arena

Ob es lediglich an der offenbar recht mauen Promotion für das Konzert selbst lag (die einzigen drei Plakate in der Stadt zierten scheinbar den Merchandising-Stand) oder an der Tatsache, dass traditionelle Metal-Klänge leider nicht mehr wirklich viele Leute aus den heimischen vier Wänden locken können, ist im Nachhinein recht schwierig zu beantworten. Tatsache ist aber, dass es nur ganz wenige Eingeschworene waren, die sich dieses Konzertereignis nicht entgehen lassen wollten.

HYADES

Den Anfang machten die Italiener HYADES, die mit ihrem harschen Thrash Metal, der aber dennoch immerzu von Melodien gespickt ist, für Stimmung sorgen konnten. Das Hauptaugenmerk ihres Sets lag auf ihrem ersten vollständigen Longplayer "Abuse Your Illusions", aber auch vom in Bälde erscheinenden Nachfolger "The Worst Is Yet To Come" wurden bereits Songs präsentiert. Diese legten Beweis davon ab, dass HYADES auch mit ihrem nächsten Album keinen Millimeter von ihrem eingeschlagenen Weg abweichen. Das zu jenem Zeitpunkt aus höchstens 20 Personen bestehende Publikum dankte es dem Quintett, aus dem vor allem der agile und sympathische Sänger Marco Colombo herausragte, mit gebührendem Applaus. Obwohl ihre Eigenkompositionen durchaus Gefallen beim Publikum finden konnten, war es die immens heftig vorgetragene Version des ACCEPT-Gassenhauers "Balls To the Wall", die für Dampf in der Hütte sorgen konnte. Nach einer guten halben Stunde Spielzeit wurden die Italiener mit heftigem Applaus verabschiedet.

PHANTOM-X

Nach einer recht kurzen Umbaupause ging es dann los mit zeitlosem amerikanischen Power Metal. PHANTOM-X aus Texas, deren zweites Album "Stormriders" nahezu zeitgleich zur Tournee erschienen ist, hatten die Ehre als Special Guest von OMEN aufzugeigen. Wobei diese Konstellation aus logischen Überlegungen nicht nur Sinn macht, sondern wohl auch recht einfach zu organisieren war. Schließlich ist mittlerweile nicht nur Sänger Kevin Goocher bei PHANTOM-X und OMEN aktiv, sondern auch Bassist Glenn Malicki und Drummer Danny White. So gesehen sind PHANTOM-X mittlerweile OMEN minus Kenny Powell.
Eben diesen Unterschied hört man den auch Kompositionen an. PHANTOM-X-Gitarrist Eric Knudson scheint nämlich wesentlich deutlicher von seinem texanischen Landsmann Dimebag Darrell inspiriert worden zu sein als von jenen "alten Helden", die Kenny damals zur Gitarre greifen ließen. Wie nicht anders zu erwarten präsentierte die Band einen Großteil der Songs vom brandaktuellen Zweitling, hatte aber logischerweise auch noch Songs vom Debut anzubieten. Der recht spärlich vorhandene Platz auf der Bühne wurde perfekt genutzt, die Jungs hatten aber trotz des nur sehr mäßigen Besuchs ihre helle Freude daran, und so war es wohl auch nicht verwunderlich, dass sich der Spaß an der Sache auch auf das Publikum ausbreitete. In den ersten Reihen ging bang-mäßig einiges ab, im hinteren Bereich der kleinen Arena-Halle war jedoch gähnende Leere angesagt (für uns paar "Hanseln" war es eben nicht einfach, den Saal komplett zu füllen ;-)). Vor allem die messerscharfen Riffs aus Erics Klampfe verfehlten ihre Wirkung nicht und kamen über die angemessene Spielzeit von einer knappen Stunde immerzu perfekt rüber. Da auch Kevin gut bei Stimme war, kann man PHANTOM-X zu diesem Auftritt nur gratulieren!
Die Texaner machten deutlich, wie Heavy Metal klingen muss, und auch wenn manche Nummer sehr deutlich ihre Inspirationsquelle erkennen lässt, muss angemerkt werden, dass es sich diese Band redlich verdient hätte vor einem größeren Auditorium aufzugeigen.

Setlist:
Stormriders
Plenty Evil
Join The Revolution
Lost
Black Sails
The Mask
Storms Of Hell
A Dark Divinity
Nekron 9000
Pain Machine
Rise Of The Phantom
Gitarrensolo
Texas Death Squad
Road Killer
Metal Warrior

OMEN

Dann war es also Zeit für OMEN, oder anders gesagt, für Kenny Powell plus PHANTOM-X minus deren Gitarristen Eric Knudson. Eric hatte jedoch noch lange nicht Feierabend, sondern war fortan als Roadie am Bühnenrand zu finden.
Das nenne ich perfekte Zusammenarbeit!

Die anderen Musiker hatten kurz Zeit zum Durchatmen und Umziehen um sich dann an der Seite von Kenny durch ein grandioses Best-Of-Programm zu spielen, das jedem Liebhaber von US-amerikanischem Metal die Freudentränen in die Augen schießen lassen sollte. OMEN konnten während des Sets immer wieder auf die anwesenden 35 Zuseher (allerdings inklusive den Musikern von HYADES und einigen Angestellten des Clubs) als Chor zurückgreifen, was der Stimmung sehr gut tat. Kenny erschien im Outfit (damit meine ich diesen eigenwilligen Brust- und Schulterpanzer) von anno dunnemals sowie mit "neuzeitlicher", verkehrt herum auf dem Kopf sitzender Kappe und hatte ein immerwährendes Grinsen im Gesicht. Sein Gitarrespiel hat im Laufe der Zeit nichts an Klasse und Intensität eingebüßt und ähnlich wie in Balingen 2004 schafften er und Kevin es auch dieses Mal spielend, die Fans zum Mitmachen zu animieren. Es wäre aber auch ein Jammer gewesen, wenn die wenigen Unentwegten, die derlei Klänge noch immer zu schätzen wissen, nicht ähnlich enthusiastisch gewesen wären wie die Band selbst.

Was die Songauswahl betrifft kann man OMEN nur gratulieren, viel besser hätte kein Mensch eine Best-Of-Compilation dieser Band gestalten können.
Nach gut 70 Minuten beendeten die Herrschaften ihr Treiben und hinterließen ausnahmslos zufriedene Gesichter im Saale.

Setlist:
The Curse
Dragon's Breath
Ruby Eyes (Of The Serpent)
100 Years Reign
Death Rider
Termination
Warning Of Danger
Eternal Black Dawn
Don't Fear The Night
The Axeman
Die By The Blade
Nightmares
Battle Cry
Teeth Of The Hydra

Ein Gespräch mit den Musikern von OMEN und PHANTOM-X brachte übrigens einige sehr interessante Details ans Tageslicht, die ich nicht vorenthalten möchte:

Trotz der Tatsache, dass die Musiker zeitgleich in beiden Formationen spielen, wird es auch in Zukunft sowohl OMEN als auch PHANTOM-X geben.

Auch OMEN planen in nächster Zeit wieder ins Studio zu gehen um einen Nachfolger für "Eternal Black Dawn" einzuspielen.
Neue Songs sind zwar schon zum Teil fertig komponiert, aber noch nicht so weit ausgereift, dass man diese auf dieser Tour bereits vorgestellt hätte.

Die Veröffentlichung einer DVD hat Kenny auch schon länger in der Pipeline. An Material fehlt es seiner Meinung nach schon lange nicht mehr, aber offenbar kann er dieses Material nicht so einfach veröffentlichen, da er sich schon längere Zeit um die Auflösung sehr mieser Verträge kümmern muss.

Da es von Anfang an feststand, dass PHANTOM-X und OMEN gemeinsam auf Europa-Tournee gehen wollten, haben Kevin und Kenny quasi aus einer Notsituation heraus Greg und Danny bei OMEN "eingeschult".
Da die Zusammenarbeit mit Glenn und Danny derart harmonisch abläuft, werden beide Musiker wohl auch in Zukunft zu OMEN gehören.

OMEN haben ihr treuestes Gefolge überhaupt in Griechenland. Kenny berichtete euphorisch von gigantischer Stimmung in bestens gefüllten Clubs mit gut 500 Besuchern.

Keiner der Musiker war angesichts der mehr als verschwindend geringen Besucherzahl in Wien enttäuscht, denn schließlich wäre ein Gig an einem Dienstag immer ein Problem, und in Summe hätte man dennoch ganz ordentlichen Besuch auf dieser Tour gehabt. In Deutschland wären es immer so an die 150 bis 200 Zuseher gewesen.

Sowohl OMEN als auch PHANTOM-X werden so schnell es geht abermals nach Europa kommen, da die Fans hier den traditionellen Heavy Metal einfach mehr zu schätzen wissen als in ihrer Heimat.

[Walter Scheurer]

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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