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Oomph! - Berlin

11.05.2004 | 07:16

02.05.2004, Columbiahalle

OOMPH! sind die Band der Stunde. Auch wenn die Reaktionen auf das neue Album "Wahrheit oder Pflicht" sehr, sehr zwiespältig ausgefallen sind, ändert dies nichts daran, dass der Silberling nicht zuletzt durch den Mega-Hit 'Augen Auf!' vergoldet wird. Folgerichtig mussten die geplanten Hallen umgebucht werden, da sonst die Hütten aus allen Nähten brechen würden. In Berlin zog man vom Columbia Fritz in die benachbarte Columbiahalle um, die wohl irgendwo zwischen 3.000 und 4.000 Menschen fasst.

Die von vielen Alt-Fans befürchtete Teenie-Flut blieb indes aus. Natürlich war die Anzahl Kids größer als noch bei der "Ego"-Tour 2001, aber letztlich war die Anzahl der in Lack, Leder und Schwarz gekleideten Besucher immer noch deutlich in der Überzahl. Der Erfolg von OOMPH! bleibt das Ergebnis langjähriger, intensiver Arbeit und nicht eines Hypes wie ganz aufgeweckte Kritiker wissen wollen.

Als ich gegen 19.45 Uhr eintraf, war der Einlass schon im volle Gange und der Andrang immer noch riesig. Da ist es immer wieder gut, wenn man als Pressefritze den Seiteneingang nehmen kann. Meine Wenigkeit durfte sogar hinten rein, da ich noch mit Flux ein Interview führte. Das folgt in Kürze.

Zu Beginn gab es aber Frauenpower pur. Sowohl VELCRA als auch EXILIA sind irgendwo zwischen den GUANO APES und Nu Metal angesiedelt und werden von einem weiblichen Energiebündel angeführt.

Den Beginn machten VELCRA von derer Existenz ich bis zu diesem Tage keinen blassen Schimmer hatte. Leider bekam ich aufgrund des Interviews nicht mehr viel von dem finnischen Quintett mit. Albern fand ich auf den ersten Blick Keyboarder Mr. DJ Freak (was für'n bescheuerter Name! – d. Verf.), der mit Latexsklavenmaske die Tasten betätigte. Na ja. Musikalisch konnten die zwei Songs aber durchaus überzeugen, was vor allem an der kräftigen Stimme von Frontfrau Jessi gelegen hat. Vom Publikum gab es dann auch schon mehr als den üblichen Höflichkeitsapplaus. Sollte man also im Auge behalten.

Nach einer sensationell kurzen Umbaupause von acht(!) Minuten standen dann auch schon EXILIA auf den Brettern und präsentierten sich von der ersten Sekunde an als hochmotivierter, professioneller Haufen mit der Selbstverständlichkeit eines Headliners. Dabei ist nicht allein Frontröhre Masha ein echter Blickfang, sondern auch Bassist Random und Gitarrist ElioAlien geben permanent Vollgas. Dass der Sound der vier Mailänder dabei an eine härtere Version der frühen GUANO APES erinnert, hat zumindest das Berliner Publikum überhaupt nicht gestört. Vom Opener 'Coinfidence' an hatten die Vier einen Großteil der Menge bis wenigstens zum Mischpult fest im Griff. Und auch mich konnte die Energie der Band und die Kraft von Masha's Stimme voll überzeugen. Zumal Songs wie 'Underdog' oder die aktuelle Single 'Stop Playing God' auch noch gut im Ohr hängen bleiben. Wenn das Debütalbum auch nur annähernd so gut ist, wie die Band auf der Bühne, haben wir hier das 'next big thing'. Wetten?

Was dann nach einer erneut sehr kurzen Umbaupause von 15 Minuten begann, kann man nur mit dem Wort 'Triumphzug' passend beschreiben. Vom Opener '1000 neue Lügen' an bebte die Columbiahalle und zogen die ganz in weiß gekleideten Braunschweiger die Menge in ihren Bann. Dabei hat sich im Vergleich zur Tour 2001 gar nicht sooo viel geändert. Denn in erster Linie ist auch heute ein OOMPH!-Konzert eine einzige Party, bei der einfach jeder seinen Spaß hat. Abgehoben sind die Herren also definitiv nicht. Am meisten Spaß hatte der einmal mehr wie ein Flummi umherhüpfende und mehrfach crowdsurfende Dero. A propos Crowdsurfen. Ich habe noch nie so viele Mädels crowdsurfen sehen, wie an diesem Tag. Bis auf einen oder zwei Typen waren ausnahmslos Frauen in der Luft, die von den gierigen Männerhänden durch die halbe Halle getragen wurden.

Einziger Unterschied zu der letzten Tour war die professionellere Lichtshow und die stimmungsvolle, visuelle Untermalung der Hits aus 13 Jahren durch Projektionen und Videos auf drei großen Leinwänden. Und im Laufe der 95 Minuten konnte man feststellen, dass dies eine ganze Menge sind. Egal, ob uralte Songs wie 'Feiert das Kreuz' und 'Gott ist tot' oder das neue Zeug wie 'Wenn Du weinst' oder 'Dein Feuer'. Ein Qualitäts- oder Stimmungsunterschied war dabei überhaupt nicht auszumachen. Ganz im Gegenteil. Mit jedem Song brodelte die Halle ein wenig mehr und war nach dem Setabschluss 'Niemand' kurz vorm Explodieren. Logisch, dass die Band nach wenigen Sekunden wieder auf die Bühne kam, um zum doppelten Single-Schlag auszuholen. 'Brennende Liebe' wurde gefeiert wie ein alter Bekannter und wenn eine randvolle Halle 'Augen auf!' singt, läuft einem sogar schon mal ein Schauer über den Rücken. Grandios.

Natürlich konnte auch nach diesen beiden Songs noch längst nicht Schluss sein und so wurde die Band einmal mehr auf die Bühne geschrieen. 'Willst Du frei sein?' war dabei als Zugabe eine der wenigen Nummern, die ich nicht erwartet hatte. Und bei den à Capella vorgetragenen 'Mein Herz' und dem Elvis-Cover 'You Are Always On My Mind', bewies Dero einmal mehr, dass er ein exzellenter Sänger ist und verabschiedete sich würdig vom 'Höhepunkt der Tour' (O-Ton Dero).

Als dann endlich Schluss war, waren Halle und Band total ausgepowert. Und das war auch gut so. Und wenn es etwas an diesem grandiosen Gig zu meckern gibt, dann die Tatsache, dass die Setlist vielleicht etwas zu wenige Überraschungen enthielt. Klar, im Prinzip können OOMPH! Song wie 'Fieber', 'Das weiße Licht', 'Gekreuzigt' oder 'Unsere Rettung' gar nicht weglassen, aber dennoch hätte ich mich auch über selten live gehörte Nummern wie 'Bastard', 'My Hell', 'Unrein', 'Wunschkind', 'Krüppel' oder 'Rette mich' gefreut. Aber mit so vielen Hits in der Hinterhand kann man es nun mal nicht Jedem recht machen. Und da OOMPH! immer noch authentisch und sympathisch rüberkommen, ist es eigentlich auch nicht weiter wichtig, welche Songs sie spielen.

Noch ein Wort zu den Preisen. Die waren nämlich für eine derzeit megaangesagte Band absolut im grünen Bereich. 19,- Euro an der Abendkasse für drei Bands ist absolut fair, und auch die T-Shirts waren mit 15,- Euro im bezahlbaren Bereich. Ein weiterer Beweis dafür, dass der Band der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen ist und auch die ganzen 'Kommerz!'-Schreie empörter True-Metaller und enttäuschter Alt-Fans völlig neben der Spur liegen.

Setlist OOMPH!

1000 neue Lügen
Wenn Du Weinst
Viel zu tief
Unsere Rettung
Fieber
Burn Your Eyes
Ego
Dein Feuer
Gott ist tot
Sex hat keine Macht
Supernova
Feiert das Kreuz
Das weiße Licht
Gekreuzigt
Dein Weg
Niemand

Brennende Liebe
Augen Auf!

Willst Du frei sein?
Mein Herz
You Are Always On My Mind

Redakteur:
Peter Kubaschk

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