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Opeth - Berlin

19.12.2008 | 17:42

11.12.2008, Postbahnhof

OPETH sind immer ein Ereignis. Nur diesmal ein etwas kurzes. Dafür haben sie mit CYNIC und THE OCEAN tolle Vorbands am Start.

Minuten vor dem Ende wird es fast sentimäntäl, wie der Angelsachse sagen würde. "Schön, dass so viele Leute zu einer Band kommen, die nichts anderes als Musik macht", sagt Mikael Åkerfeldt in seiner gewohnt ruhigen Art. Um dann seine Bandmitglieder bei OPETH kurz vorzustellen. Und schließlich sich: "Ich bin Michael... Schenker." Der [nicht mehr wirklich neue – Red.] Witz auf Kosten des SCORPIONS-Gitarristen ist einer der Gags des Abends im Berliner Postbahnhof. Und mit dem anschließenden 'Drapery Falls' als Zugabe ist einer der Höhepunkte des OPETH-Gigs erreicht. Filigran tönen die fantastischen Melodien dieses Meisterwerks durch die Halle. Leider ist es schon der letzte Song. Einige Fans klingen später enttäuscht. OPETH nur knapp 90 Minuten: Das haben wir schon anders gesehen.

Dennoch muss eigentlich niemand traurig sein, weil schon das Vorprogramm der aktuellen OPETH-Tour formidabel ausfällt. Zum Beispiel THE OCEAN als erste Band: gewichtiger Doomcore mit massiven Blastbeats und progressiven Breaks, dass die Ohren wackeln würden, wenn sie könnten. Dazu aber auch lange Klavierstrecken mit Melodiebegleitung. Oder einfach nur endlose Instrumentalparts der ausgeflippten Sorte, ohne Gesang. Die Stimme ist allerdings auch der Schwachpunkt dieses unterhaltsamen Auftritts, weil ihr Sänger nur in typischer Hardcore-Manier fauchen kann.

Wie die Aufgabe mit dem Gesang besser geht, zeigen CYNIC. Nach ihrer Reunion haben die Musiker der Prog-Death-Legende das fantastische neue Album "Traced In Air" mitgebracht. Und die beiden Sänger ganz kurze Gitarren mit abgesägten Hälsen, die ein wenig wie Spielzeug aussehen. Allerdings werden ihnen Töne entlockt, die einfach nur hinreißend wirken. Dazu der Doppelgesang, bei Songs wie 'The Integral Birth' zeigt gerade das die Weltklasse dieser Band. Doch Zeit haben sie nicht viel, um ihre Kopfkino-Kompositionen wirken zu lassen, weswegen auch ihr 1993-Meisterwerk 'Focus' etwas zu kurz kommt. Nach schon knapp 45 Minuten müssen sie abtreten. Wenigstens hat das Publikum aber erfahren, dass Sänger Paul Masdival bei seinem letzten Deutschland-Besuch vor der Tour bei Freunden in Berlin war. Er kann ruhig öfter kommen.

Das ist bei OPETH genauso. Die gehen eigentlich immer. Nach langer Umbaupause werden die rund 1200 Zuschauer im Potsbahnhof zunächst mit 'Heir Apparent' vom neuen Album "Watershed" und 'The Grand Conjuration' von "Ghost Reveries" elektrisiert. In den ersten Reihen schwingen sie die Köpfe, als könnten sie sich sofort neue Nackengelenke leisten. Zur allgemeinen Ausgelassenheit trägt bei, dass Mikael Åkerfeldt ein ganz besonderes T-Shirt trägt: Arnold Schwarzenegger als Conan, der Barbar, strahlt die Menge an, zeigt Muskeln und Schwert. In den Pausen hallen immer wieder "Conan"-Rufe durch den Saal. Sowieso ist die Zeit zwischen den Songs unterhaltsam, weil Åkerfeldt als Nebenjob auch Witze-Erzähler sein könnte, gerade wegen seiner ruhigen Art des Sprechens. So erinnert er an die Berliner Konzerte von OPETH im Knaack und im Columbia Club, beides kleinere Säle als der Postbahnhof. "Nächstes Mal spielen wir dann in einer richtig großen Halle." Warum das so ist, erklärt der schlaksige OPETH-Frontmann auch: "Wir unterhalten mit Musik und unserer sexy Erscheinung." Es folgen Songs wie 'Godhead's Lament' oder 'Hope Leaves', und während der langsamen Parts sorgen hypnotische Farbenspiele auf der Bühne für die passende Stimmung. Die Band wirkt locker, aufeinander eingespielt. Zwischendurch zocken sie spontan TOM PETTYs 'Free Fallin' und später natürlich das von Åkerfeldt als "Masterpiece" angepriesene Durchdreh-Stück 'Deliverance'. Die Atmosphäre wird immer intensiver. Und dann plötzlich ist Zugabenzeit, der Drapery-Vorhang fällt. OPETH können eigentlich länger. Und haben noch eine Platte wie 'Morningrise', deren göttliche Songs leider nicht in der Setlist stehen. Aber vielleicht ist zu viel Magie für einen Donnerstagabend auch schädlich...

Setlist:
Heir Apparent
The Grand Conjuration
Godhead's Lament
The Lotus Eater
Hope Leaves
Deliverance
Demon Of The Fall
Drapery Falls

Redakteur:
Henri Kramer

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