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Opeth - Wiesbaden

02.06.2009 | 11:28

31.05.2009, Schlachthof

Wenn OPETH quasi vor meiner Haustür spielen, kann ich keine Ausrede gelten lassen.

Angesichts der Tatsache, dass meine Lieblings-Prog-Combo auch noch zwei Tage vorher auf dem "Rock Hard Festival" das Amphitheater unsicher gemacht hat und ich mir das bewusst habe entgehen lassen, ist meine Anwesenheit heute Pflicht. Gut, dass ich dieses Jahr das "Rock Hard Festival" nicht besucht habe, liegt auch an der Tatsache, dass ich am Donnerstag, den 4. Juni, zum Urlaub an den Strand aufbreche und ich meine Urlaubskasse nicht überstrapazieren wollte. Doch auch ein anderer Grund lockt mich nach Wiesbaden: LONG DISTANCE CALLING. Die Jungs haben mit "Satellite Bay" und dem aktuellen Werk "Avoid The Light" zwei Hammeralben am Start. Man darf gespannt sein, ob die Intensität des Albums dem Livetest standhält. Und um es vorwegzunehmen: ja!

Um Punkt 20.00 Uhr betritt das Quintett die Bühne und legt mit 'Sundown Highway' vom aktuellen Output chillig los. Eine Spannung liegt in der Luft, wie man sie nur schwer beschreiben kann. Bisher hatten OPETH immer ein gutes Händchen für ihre Opening-Acts bewiesen. Doch wie wird das Publikum mit diesem Intstrumental-Monster klarkommen? Sehr gut, was auch an der Hingabe der Musiker liegt. Der fehlende Sänger wird durch eine Performance wettgemacht, von der sich manche Acts was abschneiden können. Die Jungs spielen sich in Trance und tauchen in eine Parallelwelt ab. Dabei ist jeder in sich versunken, und trotzdem herrscht zwischen den Fünf blindes Verständnis. Neben 'Black Paper Planes' ist vor allem der "Avoid The Light"-Opener 'Apparitions' das Highlight des Sets. Von Song zu Song werden immer mehr Anwesende in den Bann der Musik gezogen. Auch ohne ein gerolltes Dreiblatt kann man sich der Intensität und dem Bann dieses Auftritts nicht entziehen. Im Herbst sind die Jungs auf Tour. Ihr wisst, was zu tun ist.

"In Trance" ist ein gutes Stichwort, denn Mikaels Oberkörper bedeckt heute Abend das SCORPIONS-Shirt mit dem Cover des '75er Klassikers der Hannoveraner. Um Punkt 21.15 Uhr sind OPETH an der Reihe und gehen gleich mit 'Heir Apparent' vom aktuellen "Watershed"-Output in die Vollen, um mit 'Ghost Of Perdition' einen ordentlichen Batzen nachzulegen. Die Jungs sind trotz der langen Tour erstaunlich gut drauf. Mikael hat seine Deutschkenntnisse erweitert ("Mein Hund ist dunkelblau") und kann mit schwedischer Stand-up-Comedy vom Feinsten glänzen. Zwar kommt der Witz, warum Klaus Meine von den SCORPIONS vor 'Wind Of Change' keine Cracker essen kann, auch beim deutschen Publikum nicht an, doch ansonsten kann Mikael den restlichen Abend mit seinem Charme punkten.

Ferner hat die Truppe im Vergleich zum letztjährigen Auftritt im Berliner Postbahnhof die Setlist umgestellt, wodurch selten gespielte Tracks wie 'Godhead's Lament' oder auch 'Karma' ihren Weg in diese gefunden haben. Obendrein hat sich Fredrik Åkesson gut ins Bandgefüge integriert und kann neben seinen Fähigkeiten an der Axt auch mit einer sehr melodischen Stimme glänzen, was in einigen Passagen die gesangliche Last verteilt und Mikael etwas entlastet. Mikael hingegen hat wahrscheinlich zu viele Froot Loops gegessen und lässt immer wieder den Clown raus. So zum Beispiel, wenn er im Zugabenteil Riffs von YNGWIE MALMSTEEN und METALLICA vom Stapel lässt. Auch Fredrik wird kurz von der Leine gelassen und darf exakt eineinhalb Minuten lang in bester George-Lynch-Manier (ehemals DOKKEN) solieren.

Die Spielzeit ist heute ebenfalls vom Feinsten, denn erst nach 100 Minuten verlassen die Jungs nach 'The Lotus Eater' die Bühne, um danach noch mit dem ultimativen Bandklassiker 'Deliverance' einen Fünfzehn-Minuten-Hammer vom Stapel zu lassen.

Anders als vor einem halben Jahr sind die Jungs heute besser drauf und eingespielt und transportieren mehr Spielfreude. Dass ihnen der heutige Abend gefallen hat, merkt man auch daran, dass dies mit 130 Minuten der längste OPETH-Auftritt ist, den ich bisher zu sehen bekommen habe. Zusammen mit den knapp vierzig Minuten macht das summa summarum fast drei Stunden für 28 Euro. Mehr kann man als zahlender Gast nicht erwarten. Da freut man sich auf die nächste Tour und fragt, welchen genialen Opener die Band dann aus dem Hut zaubert.

Redakteur:
Tolga Karabagli
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