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Opeth / Katatonia - Essen

29.11.2001 | 05:04

27.11.2001, Zeche Carl

Eines der spannendsten Packages des Jahres erwartete die ca. 500 Anwesenden am heutigen Abend in der Zeche Carl zu Essen. NOVEMBRE spielten nach der Absage von GOD FORBID nicht nur in Resteuropa auf der Tour, sondern nun auch in Deutschland. Dazu die Melancholic-Rocker von KATATONIA und die einzigartigen OPETH mit ihrem Crossover (eigentlich ein verbotenes Wort für diese Band, aber es trifft den Nagel nun mal auf dem Kopf ;-)) aus verspieltem Psychedelic-Rock und Death-Metal.

Zu Beginn schien der Abend unter keinem besonders gutem Stern zu stehen. OPETH-Drummer Martin Lopez wurde am späten Nachmittag ins örtliche Krankenhaus gefahren, weil er Probleme mit seiner Lunge hatte. Folglich wurden alle geplanten OPETH-Interviews (und somit auch meins – d. Verf.) gecancelt. Verständlich. Dies wird aber schon in Kürze per E-Mail nachgeholt, so dass alle Neugierigen befriedigt werden können.
Unklar war zu diesem Zeitpunkt natürlich auch, ob das Konzert überhaupt stattfindet, aber als NOVEMBRE gegen 20.20 Uhr die Bühne betraten, waren alle Gerüchte um eine eventuelle Absage endgültig in den Wind geschlagen und der Abend konnte beginnen.

Wer die große Inspirationsquellen von NOVEMBRE sind, wurde schon nach wenigen Minuten deutlich. Der Wechsel zwischen Growls und cleanem Gesang erinnerte doch stark an den heutigen Headliner. Auch die düstere Stimmung der Songs erinnerte ein ums andere Mal an Acts wie MY DYING BRIDE, ältere ANATHEMA oder eben OPETH. Damit passte die Band zwar wunderbar zu diesem Billing, konnten mich aber durch die Farblosigkeit ihrer Kompositionen nicht wirklich begeistern. Zu deutlich war die Anlehnung an die Vorbilder, zu wenig Struktur besaßen die meist überlang wirkenden Songs. Da auch das Stageacting nicht wirklich mitreißend, sondern eher statisch wirkte und die Ansagen etwas holprig und unbeholfen waren, kamen NOVEMBRE über einen Höflichkeitsapplaus nicht hinaus. Kann nur besser werden.

Ganz anders sah die Stimmung dann schon bei KATATONIA aus, die zumindest von einer kleineren Gruppe frenetisch abgefeiert und auch sonst sehr wohlwollend angenommen wurden. Und das, obwohl die Band um Frontmann Jonas Renkse eher wie College-Rocker als wie eine ehemalige Death-Metal-Combo aussahen. Doch letztlich entscheidet die Musik und mit ihrem fabulösen Werk "Last Fair Deal Gone Down" und Hits der Marke "Teargas", "Chrome" oder "I Am Nothing" kann eigentlich gar nicht viel schief gehen. Zwar sind KATATONIA nicht die Entertainer vor dem Herren oder überzeugen durch impulsives Stageacting, dafür aber mit präzisen Riffs, schönem, zurückhaltenden Vocals und tollen Songs. Hinzu kommt, dass die Songs live deutlich härter waren als auf dem silbernen Rundling. Dies kam der Crowd zu gute, die zu den o.g. Songs oder weiteren Knallern wie "Tonight's Music" oder dem grandiosen "The Future Of Speech", auch heftigst die Matten kreisen ließ. Es ist eigentlich unnötig zu erwähnen, dass sich die Setlist auf die Kompositionen der letzten drei Alben konzentrierte und mit dem Abschlusstrack "Murder" lediglich eine Perle aus längst vergangenen Tagen rausgekramt wurde. Dieser Song wurde in seiner Ur-Fassung im übrigen von Mikael Akerfeldt, dem heutigen OPETH-Frontmann eingesungen. Doch auch College-Junge Jonas Renkse brachte die Growls überzeugend durch die P.A. und beendete somit einen zufriedenstellenden Gig, der von den Fans sehr gut aufgenommen wurde.

In der Umbaupause spürte man richtig wie sich eine Spannung im Publikum aufbaute, um endlich, nach 5-jähriger Abstinenz von deutschen Clubbühnen, OPETH live zu sehen. Mit dem Opener des aktuellen Meisterwerkes "Blackwater Park", "The Leper Affinity", stiegen Mikael Akerfeldt und co. in ihre Reise durch musikalische Traumwelten ein, irgendwo zwischen der Hippie-Zeit der 70er und dem 'bösen' Metal der 90er. Die überlangen, verspielten Stücke versprühen eine Magie, die einen sofort in den Bann zieht und wohl jeden Anwesenden entweder in wilde Raserei (sprich Rotorenbanging) oder Trance (sprich staunendes Dumm-Rum-Stehen mit nach unten geklappter Kinnlade) versetzt. Und doch gab es im Vergleich zum Wacken-Gig einige Veränderungen auf der Bühne zu sehen. Als erstes fiel positiv auf, dass die Band sich bewegte und vor allem Peter Lindgren (g.) und Martin Mendez (b.) fast permanent ihre Mähnen schütteln. Zudem war auch Frontmann Mikael Akerfeldet für seine Verhältnisse schon fast redselig. Seine wenigen Ansagen brachte eher extrem cool und zurückhaltend rüber ohne dabei den Humor zu vernachlässigen. Ja, er machte sogar einen auf Bruce Dickinson. So meinte er cool: "Do you know Bruce Dickinson?" Die Halle jubelt. "Could you Scream for me?" Die Halle schreit. "Oh, that's pretty cool." Sehr nett. Ebenfalls, äh, 'sehr nett' war die Setlist, der man anmerkte, dass OPETH seit einer halben Ewigkeit nicht mehr in unseren Breitengraden unterwegs waren. So wurden alle fünf Alben angerissen und Songs wie "White Cluster", "Advent" oder "Forest Of October" in Perfektion wiedergegeben. Dass die Halle bei solch einem musikalischen Großereignis Kopf steht, versteht sich eigentlich von selbst, oder?
Leider war nach dem o.g. "Advent" und 85 Minuten Spielzeit bereits Schluss. Doch nach kurzen 'Zugabe'-Rufen kam die Band wieder und Mikael lächelte ein "We just test you" ins Micro, bevor er die Crowd aufforderte nun zu bangen und stage zu diven, denn es kommt nun etwas "really fast". Genau das war "Demon Of The Fall" dann auch und die Halle verwandelte sich in einen riesigen Moshpit, Stagediver enterten die Bühne und die Band hatte sichtlich ihren Spaß. Bei einem Stagediver legten sie dann auch mal eben ein Break ein. Der gute Kerl stand etwas verloren auf der Bühne und wartete bis OPETH endlich weiterspielten, aber die ließen ihn etwas warten und lachten sich ins Fäustchen. Cool.
Dann war aber leider schon Schluss, was auch an dem Gesundheitszustand von Martin Lopez gelegen haben könnte, der trotz aller Umstände hinter seinem Drumkit eine klasse Leistung vollbracht hat. Respekt und Danke dafür.

Großer Gig!



Setlist OPETH

The Leper Affinity
White Cluster
Forest of October
Credence
Bleak
When
The Drapery Falls
Advent

Demon of the Fall

Redakteur:
Peter Kubaschk

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