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PAIN - Siegburg

03.11.2017 | 11:42

30.10.2017, Kubana

Zwei Generationen der Familie Tägtgren rocken Siegburg!

"Coming Home Again – Part 2" heißt die aktuelle Tour der Industrial-Metaller PAIN und auch für uns ist es in diesem Jahr schon der zweite Teil unserer Konzerterlebnisse mit den Schweden, denn bereits Ende April konnten wir uns von den Live-Qualitäten der aktuellen Scheibe "Coming Home" beim Konzert in der Kölner Essigfabrik überzeugen. Dort mussten sich Peter Tägtgren und seine Mannschaft allerdings mit einer recht spärlichen Zuschauerschaft begnügen, was der Stimmung und der Show glücklicherweise nicht anzumerken war, trotzdem hat die Band darauf reagiert und für den nächsten Stopp in der Region mit dem Kubana in Siegburg eine deutlich kleineren Konzertsaal gewählt. Da die feine Location im Keller des Wellnessparks allerdings dank genialen Sounds zu unseren favorisierten Konzertorten gehört, konnten wir uns diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen, der Hit-Vollbedienung der Jungs ein zweites Mal zu lauschen.

Doch bevor das Quartett die Bühne entert, dürfen erst einmal die Italiener SAWTHIS ran, die heute Abend den Anheizer spielen. Doch schon nach den ersten Tönen der eigentümlichen Mischung aus Nu Metal und Metalcore, die der Fünfer im Gepäck hat, bin ich mir recht sicher, dass sich die Band, wie heutzutage so oft üblich, als Support für die Tour eingekauft hat. Denn das sich Maestro Tägtgren die Jungs explizit als Opener ausgesucht hat, kann ich mir angesichts der doch eher mittelprächtigen Darbietung nicht wirklich vorstellen. Die leicht schiefen Klargesänge kann man dabei noch entschuldigen, denn die Jungs kämpfen mit Erkältungssymptomen, die sie am Vorabend sogar noch zur Absage zwangen und auch heute noch die gesangliche Performance beeinträchtigen. Für die technisch unsaubere Performance der übrigen Band kann das aber nicht als Ausrede herhalten, denn in diesem Punkt kann man von einer Truppe, die bereits seit beinahe siebzehn Jahren gemeinsam unterwegs ist, normalerweise deutlich mehr erwarten. Das Publikum sieht das heute Abend sehr ähnlich und so fällt die Rückmeldung zur knapp dreißigminütigen Show eher eisig aus. Den größten Applaus gibt es noch zum Abschluss, doch auch hier bin ich nicht so recht sicher, ob die Zuhörer nicht vielleicht doch einfach die Tatsache bejubeln, dass die Beschallung durch die Südeuropäer zuende geht. Mein Fazit fällt dann auch ganz ähnlich aus, denn in meinen Augen haben die Jungs noch jede Menge Arbeit vor sich, bevor sie auch nur annähernd mit Größen wie dem heutigen Headliner mithalten können.

Glücklicherweise haben Tägtgren und Co mit den Landsleuten CORRODED noch einen weiteren Support im Gepäck, denn die bereits sehr zahlreich anwesenden Zuhörer können nach dieser schwachen Vorstellung noch einiges an musikalischer Einheizung vertragen. Genau dafür ist die Truppe aus dem Städtchen Ange, das wegen seiner hohen Band-Dichte auch gerne als Schwedens Seattle bezeichnet wird, die richtige Wahl, denn mit seinem amerikanisch angehauchten Heavy Metal kann der Vierer vom Start weg punkten. Musikalisch irgendwo zwischen BLACK LABEL SOCIETY und STONE SOUR angesiedelt, treffen vor allem die Kompositionen vom aktuellen Langeisen "Defcon Zero" den Nerv der Zuhörer. Die unheimlich sympathischen und witzigen Ansagen von Fronter Jens Westin und Gitarrist Tomas Andersson tun schließlich ihr übriges dazu, um das Kubana ordentlich in Stimmung zu bringen. Doch nicht nur die Performance der Schweden ist beeindruckend, auch das Songmaterial hat mit starken Tracks wie 'Fall Of A Nation', 'Burn It To The Ground' oder 'Retract And Disconnect' einiges zu bieten und so ist es auch kein Wunder, dass die ersten Zuhörer schon während der Show des Quartetts zum Merchandise-Stand pilgern, um die aktuelle Platte einzutüten. Dementsprechend ausgiebig fällt dann auch der Schlussapplaus für die Schweden aus, die heute sicher einige neue Fans dazugewinnen konnten. Dazu zähle auch ich, denn obwohl ich CORRODED vor der Show nur vom Namen her kannte, konnten mich die vier Musiker in nur knapp 45 Minuten restlos von sich überzeugen und sich einen Platz auf meinem Merkzettel sichern.

Im Anschluss ist es nun aber endlich Zeit für das eingangs beschworene schwedische Hit-Feuerwerk! Wie üblich angekündigt durch BILLY IDOLs 'Rebel Yell' entert gegen 21:45 Uhr nämlich PAIN endlich die Bühne und legt mit 'Dancing With The Dead' auch direkt ein ordentliches Brett vor. Es folgt mit 'Monkey Business' ein weiterer Kracher, bevor mit 'Black Knight Satellite' ein Track vom aktuellen Rundling "Coming Home" auf dem Programm steht, der auf diesem Abschnitt der Tour sein Live-Debüt erlebt. Generell präsentiert sich die Setliste der Schweden heute Abend im Vergleich zum Frühjahr ordentlich durchgemischt. Natürlich sind Klassiker wie 'Suicide Machine', 'Zombie Slam' oder 'Dirty Woman' weiterhin gesetzt, daneben gibt es mit dem feinen 'Nailed To The Ground' oder dem bereits erähnten 'Black Night Satellite' aber auch ein paar seltenere Nummern zu hören. Der fette Sound und eine beeindruckende Lichtshow sorgen schließlich neben der gelungen Songauswahl dafür, dass Tägtgren und seine Mannen das Kubana schon nach wenigen Minuten fest im Griff haben.

Während die Show sich komplett überarbeitet präsentiert, scheint sich ein temporärer Besetzungswechsel inzwischen als dauerhafte Lösung eingespielt zu haben. Bereits im April hatte DYNAZTY-Basser Jonathan Olsson am Bass ausgeholfen und auch heute noch bedient der Hüne den Tieftöner, wobei er inzwischen auch einen deutlich solideren Eindruck macht als noch vor sechs Monaten. Doch das ist nicht die einzige Überraschung im Line-Up heute Abend, denn als sich zur Mitte des Sets der dichte Nebel im hinteren Teil der Bühne lichtet, erspäht man ein überraschend junges Gesicht hinter dem überdimensionierten und mit LEDs beleuchteten Drumkit. Dort hat nämlich niemand geringerer als Tägtgrens Sohn Sebastian Platz genommen, der auch bereits auf "Coming Home" das Schlagzeug eingezimmert hat. Und auch auf der Bühne macht der Nachwuchs des Frontmanns eine mehr als gute Figur, spielt unheimlich tight und lässt damit schnell vergessen, dass der etatmäßige Drummer David noch immer durch familiäre Umstände verhindert ist. Bei dem Vater ist es aber auch kein Wunder, dass der Sohn ebenfalls jede Menge musikalisches Talent mitbringt.

Zentrum der Show ist und bleibt aber natürlich trotzdem Maestro Tägtgren, der mit einer verrückten Grimasse nach der anderen die Band von Hit zu Hit peitscht. Zu den ganz großen Highlights gehört dabei natürlich das mächtige 'Same Old Song', die Halb-Ballade 'Coming Home' und das treibende 'On And On', das nach etwas mehr als einer Stunde die reguläre Show beendet. Doch das Publikum ist gerade erst so richtig auf Betriebstemperatur angekommen und fordert lautstark nach einer Zugabe, die natürlich prompt mit 'You Only Live Twice' und dem BEATLES-Cover 'Eleanor Rigby' serviert wird. Schluss ist damit aber natürlich trotzdem noch nicht, denn mit 'Shut Your Mouth' fehlt noch der absolute Übersong, der schließlich noch einmal die letzten Reserven im Publikum mobilisiert. Egal ob nun die Matte im Takt kreist oder kurzerhand wild durch die Gegend gesprungen wird, die Zuhörer sind voll und ganz dabei und verabschieden PAIN mit einem ordentlichen Knall.
Setliste: Dancing With The Dead, Monkey Business, Black Knight Satellite, Suicide Machine, Diry Woman, The Great Pretender, Just Hate Me, Zombie Slam, Call Me, Same Old Song, End Of The Line, Nailed To The Ground, Coming Home, On And On, You Only Live Twice, Eleanor Rigby, Shut Your Mouth

Alles in allem hat sich der zweite Ausflug zu einer PAIN-Show in diesem Jahr also mehr als gelohnt, denn nicht nur der Headliner hat hier ein bombiges Konzert auf die Bühne gebracht, sondern auch das Warm-Up mit dem schwermetallischen Tönen von CORRODED konnte mich restlos überzeugen. Einziger Kritikpunkt bleibt damit der unterirdische Auftritt von SAWTHIS, den man angesichts des übrigen Programms aber locker verschmerzen kann. Für uns geht es an gleicher Stelle schon zwei Tage später mit der Headliner-Tour von ORDEN OGAN weiter, doch aktuell wage ich noch zu bezweifeln, dass die Sauerländer dieses Hit-Feuerwerk werden toppen können.

Redakteur:
Tobias Dahs

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