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PENDULUM OF FORTUNE - Burgrieden

16.03.2019 | 20:32

09.03.2019, Riffelhof

Classic Hard Rock auf allerhöchstem Niveau!

Ein Konzertabend im Riffelhof, welche ich für die schönste Konzert-Location halte, in der ich jemals Gast sein durfte, ist stets etwas ganz Besonderes und deshalb freue ich mich auch schon Tage vorher auf den heutigen Besuch. Dies liegt zum einen zweifelsohne am bereits angesprochenen einmaligen Ambiente des Riffelhofs mitsamt seines stets freundlichen und immer gut gelaunten Personals, zum anderen trifft man dort in schöner Regelmäßigkeit auf Gleichgesinnte, mit denen sich vorzüglich über Gott und die Welt fachsimpeln lässt. So auch heute wieder, an diesem wunderbaren Samstagabend im März, als der FC Bayern erst vor wenigen Stunden durch einen eindrucksvollen Kantersieg gegen enttäuschende Wölfe die Dortmunder nach langer Zeit wieder von der Tabellenspitze verdrängt hat. Der heutige Abend steht aber nicht im Zeichen des Fußballs, sondern des klassischen Hard Rocks auf höchstem musikalischen Niveau. PENDULUM OF FORTUNE, die am gestrigen Freitag eindrucksvoll ihr Zweitwerk "Return To Eden" via El Puerto Records veröffentlicht hat (hier mein Review), stellt ihr Album im Rahmen einer kleinen, aber feinen Tour vor.

In der heutigen Zeit ist es meist so eine zweigespaltene Sache wenn man den Begriff Supergroup verwendet. Viel zu inflationär schon wurde die Bezeichnung durch etliche enttäuschende Projekte missbräuchlich hergenommen und ruft bei vielen Fans mittlerweile oftmals nur noch ein müdes Gähnen hervor. Dies ist genau der Grund, weshalb auch ich, zumindest vorerst, das Wort Supergroup im Zusammenhang mit PENDULUM OF FORTUNE nicht verwenden möchte, obwohl er in diesem Falle ausnahmsweise mal im richtigen Kontext stehen würde. Um meiner Aussage vielleicht etwas mehr Gewicht zu verleihen, liste ich hier einige der Bands und Künstler auf, mit denen die hier heute Abend auftretenden Musiker bereits zusammen gearbeitet haben und teilweise auch immer noch zusammen arbeiten: MICHAEL SCHENKER GROUP, McAULEY SCHENKER GROUP, UDO LINDENBERG, FALCO, THE SWEET, JACK BRUCE, ELOY, PINK CREAM 69, ALMANAC, VOODOO CIRCLE, DIO, KINGDOM COME, VANDEN PLAS, CRIME, MYSTIC PROPHECY, DEVIL'S TRAIN.

Nach einer relativ kurzen und knackigen Vorbereitungszeit von meines Wissens nach nur drei Tagen, musizieren die fünf Profi-Musiker in der heutigen Konstellation tatsächlich erst zum zweiten Mal gemeinsam vor zahlendem Publikum. Ihr etatmäßiger Gitarrist Vladimir Shevyakov, der die Reise aus terminlichen Gründen leider nicht antreten konnte, wird auf dieser Tour von dem griechischen Ausnahmekönner Laki Ragazas, der der Band auch schon im Studio bei einigen Gitarren-Parts ausgeholfen hat, jedoch mehr als adäquat ersetzt.

Um kurz vor halb neun ist es dann endlich soweit und PENDULUM OF FORTUNE startet sogleich furios mit dem direkt nach vorne rockenden 'Crossed That Line' in ihr zweigeteiltes Set, welches auf ihrem ersten Album "Searching For The God Insight" zu finden ist. Unter hervorragenden Soundbedingungen folgt im Anschluss ein ausgewogener Mix aus älterem und neuerem Liedgut, wobei vor allem die mir bisher völlig unbekannte Ballade 'Time After Time' für absolute Gänsehaut im gut gefüllten Riffelhof sorgt. Der damalig noch für die McAULEY SCHENKER GROUP verfasste Titel 'Don't Make A Fool Out Of Me' und das mit seinem Hauptriff mächtig an BLACK SABBATH erinnernde 'Bitter End' stellen noch weitere Highlights dar und nach einer guten Stunde endet nun das erste Set des heutigen Abends unter lautem Applaus.

PENDULUM OF FORTUNE Live-Set 1: Crossed That Line; Are You Ready; Searching For The God Insight; I Can't Escape No More; Wishing Well; Time After Time; Hell Thats Where I'll Roam; Return To Eden; Don't Make A Fool Out Of Me; Bitter End

Sehe ich mich in der nun folgenden viertelstündigen Pause im Publikum so um, entdecke ich ausnahmslos zufriedene Menschen, die sich angeregt über den ersten, mehr als gelungenen Teil dieses Konzertabends unterhalten. Deshalb lautet die mir selbst gestellte und durchaus berechtigte Frage: Wie wollen die Männer denn dem Ganzen jetzt noch einen drauf setzen? Die Antwort bekomme sowohl ich als auch der Rest des Publikums prompt in Form des grandiosen Doppelschlags 'Diamonds In A Rough' und der Live-Hymne 'We Stand For Rock 'n' Roll'. Von Beginn an sind wieder alle Anwesenden auf Betriebstemperatur und Goldkehle David Readman singt, wie nicht anders zu erwarten, einfach grandios und unterhält die Zuschauer immer wieder mit allerlei lustigen Anekdoten aus seiner Karlsruher Zeit. Bassist Franky R. gibt auf der nicht allzu großen Bühne eher den Ruhepol und hält sich deshalb meist dezent im Hintergrund, glänzt aber mit perfekt gespielten Bassläufen und überlässt den beiden Gitarristen Matze Erhardt und den bereits genannten Laki Ragazas die beiden Flanken der Bühne. Überhaupt hat das zweite Live-Set noch so einiges an Hochkarätigem zu bieten. Beim klassisch angehauchten Instrumental 'Rockanini', welches sehr viel schneller als auf Platte dargeboten wird, glänzt vor allem Laki mit seinem flinken, mehr als beeindruckenden Spiel. Im direkten Anschluss folgt nun das von mir sehnlichst erwartete Schlagzeugsolo der Rocklegende Bodo Schopf. Sind wir doch ehrlich, heißt der Schlagzeuger nicht Tommy Lee und fährt mit seinem Drumkit Achterbahn, dienen viele Schlagzeugsoli heutzutage oftmals nur dazu, den anderen Musikern etwas Pause zu verschaffen und den Zuschauern einen Gang zum Bierstand zu ermöglichen. Aber nicht hier und heute Abend. Ich muss wirklich sehr lange zurück denken, um mich an ein derart hochklassiges und auch faszinierendes Drum-Solo zu erinnern und das, obwohl ich erst vor einigen Wochen, ebenfalls hier im Riffelhof, mit Brian Downey eine der ganz großen Rock-Legenden beäugen durfte. Den ganzen Abend über schon fasziniert mich der Klang seines Schlagzeugs, bei dem man jeden noch so leichten Beckenschlag klar und transparent heraushört. Angesichts seiner Weltklasse-Leistung verneige ich mein Haupt ehrfurchtsvoll Richtung Bodo Schopf und jage ein lautes "Hell Yeah" in Richtung Bühne hinterher.

Wer fälschlicherweise denkt, dass die Messe nun schon gelesen ist, irrt sich gewaltig. Was nun folgt, ist eine lässige Coverversion des EMERSON, LAKE AND PALMER-Hits 'Lucky Man', bei dem fast das gesamte Publikum mitsingt und mittanzt, gefolgt vom anschließenden UFO-Cover 'Rock Bottom'. Auch hier steht wieder einmal Guitar-Wizard Laki im Mittelpunkt des Geschehens und schleudert seine Riffs in bester MICHAEL SCHENKER-Manier ins immer besser aufgelegte Publikum. Mit dem tollen 'Higher' endet nun leider auch der zweite reguläre Teil des Auftritts.

Durch die folgenden Zugabe-Rufe lässt sich die völlig frei von Starallüren agierende Band auch erst gar nicht lange bitten und kommt nochmals gut gelaunt zurück auf die Bühne. 'One Of A Kind' (bei dem Bodo zusätzlich noch Mundharmonika spielt) bildet dabei den Beginn des Zugabenteils, welches im Anschluss nahtlos in die LED ZEPPELIN-Hymne 'Rock And Roll' übergeht. Bevor der Vorhang am heutigen Abend dann tatsächlich zum allerletzten Mal fällt, holt PENDULUM OF FORTUNE mit QUEENs 'We Will Rock You' und JOHN LENNONs 'Give Peace A Chance' nochmals zum finalen Knock-Out aus. Zurück bleibt ein restlos begeistertes Publikum, welches am heutigen Abend einer echten, vor Spielfreude nur so strotzenden Supergroup beim Musizieren beiwohnen durfte. Nach dem äußerst tragischen Tod von Ted McKenna und dem dadurch bedingten Wiedereinstieg von Bodo Schopf bei MICHAEL SCHENKER FEST bleibt abzuwarten, wie es mit PENDULUM OF FORTUNE auf dem Live-Sektor weitergeht. Da aber bereits Konzertdaten für Ende des Jahres bekanntgegeben wurden, blicke ich dem Ganzen mehr als optimistisch entgegen.

PENDULUM OF FORTUNE Live-Set 2: Diamond In A Rough; We Stand For Rock'N Roll; Skin And Bones; Broken Universe; Gravy Train, Rockanini; Drum Solo; Lucky Man; Rock Bottom; Higher; One Of A Kind- Rock And Roll; We Will Rock You; Give Peace A Chance

Alle Photos: Matt Bischof

Redakteur:
Mahoni Ledl

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