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PIERCE THE VEIL/SLEEPING WITH SIRENS - Köln

17.05.2015 | 21:30

22.03.2015, E-Werk

"The World Tour" von den beiden Post-Hardcore-Truppen PIERCE THE VEIL und SLEEPING WITH SIRENS sorgt weltweit für ausverkaufte Hallen. So ist auch das Euro-Leg der Tour restlos ausverkauft, dank kreischender Mädels.

Als ich am Kölner E-Werk ankomme, ist die Schlange extrem lang. Also noch genug Zeit für einen Döner. Doch selbst als ich wieder vor Ort bin, ist die Warteschlange noch lang. Na ja, Alter geht vor, immerhin kann ich nicht mehr so lange stehen wie das extrem junge Publikum. In der Halle heißt es dann Warten. Bei einem Blick durch die Menge sehe ich eigentlich zu 60% Damen, die wohl etwa zwischen 14 und 18 sind. Im hinteren Teil der Halle dann Eltern, die noch gar nicht wissen, was auf sie zukommt. Ich mit meinen 24 Jahren komme mir extrem alt vor und gehöre wohl zum Kreis der Ältesten, die ohne Kinder anwesend sind. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich PIERCE THE VEIL schon seit 2010 höre als das Debüt "A Flair For The Dramatics" noch recht jung war.

Die Metalcore/Nu Metal-Combo ISSUES eröffnet die Show. Im Vorfeld war nicht wirklich klar, ob die Gruppe auftreten wird, da sie in Berlin scheinbar Probleme mit Langfingern hatten und zumindest das Hamburg-Datum am vorherigen Tag absagen mussten. Geboten wird vor halbvoller Halle ein straffes Best-Of-Programm des selbstbetitelten Debüts. Das Quintett um die beiden Sänger Tyler Carter und Michael Bohn gibt ordentlich Gas. Bassist Skyler Acord würde wohl lieber in einer Death Metal-Band spielen und rennt wie ein Wahnsinniger über die Bühne, wirbelt seinen Bass um seine Achse und headbangt. Dennoch sind die beiden Sänger Mittelpunkt der Show. Besonders Carter erfreut die Mädels mit seiner R 'n' B-Stimme bei Songs wie 'Mad At Myself' oder 'Stringway Affliction', welches Metalcore, LIMP BIZKIT und JUSTIN TIMBERLAKE miteinander verbindet. Für eine halbe Stunde kann ISSUES dem Kölner Publikum einheizen.

Bevor PIERCE THE VEIL loslegt, wird erst einmal ein riesiger Vorhang aufgehängt. Aus diesem ist die Silhouette einer Dame, einer Sirene aus der griechischen Mythologie ähnlich, zu sehen. Als die Hallenlichter ausgehen, wird der Vorhang bestrahlt und einzelne Spotlights auf die Musiker gesetzt, die auf dem Vorhang, der die Bühne noch verhüllt, riesig wirken. Die Mädels kreischen bereits ordentlich und brechen in Euphorie aus als das Tuch fällt und die Post-Hardcore-Gruppe mit 'Hell Above' fulminant losbrettert.

PIERCE THE VEIL habe ich nur einmal vor mehr als vier Jahren im Vorprogramm von A DAY TO REMEMBER gesehen. Damals wirkte die Band noch etwas schüchtern, heute aber strotzt man vor Selbstbewusstsein. Das Quartett hat sichtlich Freude an der ausverkauften Show. Besonders Bassist Jaime Preciado scheint ein riesiges Arsenal von Posen zu besitzen, die er alle im knapp einstündigen Set unterbringen möchte. Sänger/Gitarrist Vic Fuentes konzentriert sich eher aufs Spielen und Singen, kann mittlerweile aber auch posen. 2011 wirkte der schmächtige Latino noch ziemlich verloren auf der Bühne.

Den 2500 Nasen wird ein Mix der letzten beiden Alben "Selfish Machines" und "Collide With The Sky" präsentiert. Szenegetreu wird das Debütalbum unter den Teppich gekehrt. Leider nichts Neues in der modernen Post-Hardcore/Metalcore-Welt. Dennoch liefert PIERCE THE VEIL eine ziemlich kurzweilige Show. Einzig die Akustikversion von 'I'm Low On Gas and You Need A Jacket' hätte nicht sein müssen. Im Original kann mich die Nummer wesentlich mehr überzeugen. Für eine Armada an hochgehaltenen Handys reicht es dennoch allemal. Als SLEEPING WITH SIRENS-Sänger Kellin Quinn für dem Abschluss 'King For A Day' ein paar Vocals beisteuert, gibt es für die Fans kein Halten mehr.

Auch als SLEEPING WITH SIRENS auf die Bühne marschiert wird für Quinn noch einmal alles an Lungenvolumen und Stimme rausgeholt. Die Emo-/Post-Hardcore-Truppe ist nicht zu stoppen. Das letzte Album "Feel" konnte auf Platz 3 der amerikanischen Billboard Charts einsteigen und auch das neueste Werk "Madness" muss sich bei einem Entry auf dem fünften Platz nicht schämen. Dessen Opener 'Kick Me' eröffnet das Konzert. Der rotzige Rocker bringt die Meute direkt zum Toben. Leider soll es über die gesamte Distanz nicht ganz so knackig bleiben. Besonders der Mittelteil der Show sorgt für verwischten Eyeliner. Die Akustik-Ballade'Scene Two: Roger Rabbit' sorgt für schmusende Teenagern und dem Austausch von Freundschaftsarmbändern, die 2015 wohl wieder en vogue sind. Getoppt wird das wohl nur von 'Iris', einem Cover des GOO GOO DOLLS-Schmachtfetzen. Da sind sogar die Mütter um mich herum textsicher. Wenigstens sind 'Go Go Go' und das extrem fetzige 'We Like It Loud' ein ordentliches Kontrastprogramm.

Der Zugabenteil besteht aus dem Hit 'If I'm James Dean, You're Audrey Hepburn' und 'I Can't Hang', die den Kids im Publikum noch einmal einiges an Power abverlangen. Mir persönlich haben zwar ISSUES und PIERCE THE VEIL besser gefallen, aber es ist nicht zu bestreiten, dass SLEEPING WITH SIRENS der wahre Headliner des Abends ist.

Redakteur:
Sebastian Berning

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