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POWERWOLF, EPICA, BEYOND THE BLACK - Ludwigsburg

16.01.2017 | 22:59

14.01.2017, MHP Arena

Die einzige heilige Heavy Metal Messe gepart mit geballter Frauenpower!

Mein erster Eindruck war: wer ist denn da Headliner? POWERWOLF sind in den letzten Jahren sehr erfolgreich, aber EPICA ist natürlich auch eine Hausnummer zu groß für eine Vorgruppe, oder? Aber auf den Plakaten ist es so, die Wolfsmenschen stehen oben. Na gut, mal sehen.

Doch bevor es zu den beiden genannten Bands geht, darf eine momentan stark unterstützte Band ran, der man momentan in der Metalwelt kaum ausweichen kann: BEYOND THE BLACK, kürzlich erst noch als Anheizer für Hannovers Finest THE SCORPIONS unterwegs, eröffnet auch auf dieser Tour den Abend. Bandleaderin Jennifer Haben hat sich Ende letzten Jahres eine völlig neue Truppe zusammengesucht, nachdem es im ersten Halbjahr 2016 zur Trennung gekommen war. Dies ist meine erste Begegnung mit der neuen Bande der Blackies, von denen neben Jennifer vor allem Chris Hermsdörfer (Gitarre/Gesang) wegen seiner Vergangenheit bei SERENITY heraussticht. Zwar hat die Band nur dreißig Minuten Zeit, die bereits zahlreich anwesenden Fans auf ihre Seite zu ziehen, aber das genügt, um die Stimmung schon beachtlich zu steigern. Die Fans sind gut drauf und in Feierlaune, das bekommt auch BEYOND THE BLACK zu spüren. Neben fünf der größten Live-Kracher wird heute auch die neue Single 'Night Will Fade' gespielt, die die Titelmusik zum SAT1-Fernsehfilm "Die Ketzerbraut" bildet. Die neue Mannschaft scheint ordentlich Spaß zu haben an der Show und rockt die Halle ordentlich warm. Das ist die Aufgabe des Opening Acts, und somit bleibt zu sagen: Aufgabe erfüllt, das hat Spaß gemacht.

Setliste: Lost In Forever, Sing Hallelujah, Night Will Fade, In The Shadows, Shine & Shade, Running To The Edge

Nur fünfzehn Minuten später dürfen die Holländer EPICA um Frontdame Simone Simons ran. Sieben Alben in fünfzehn Jahren, das ist heutzutage eine beachtliche Veröffentlichungsfrequenz, speziell wenn man bedenkt, dass alle Alben bei den Fans gleichermaßen hoch im Kurs stehen. Da kann nicht viel schief gehen, oder? Schon gar nicht, wenn die Band so "Feuer und Flamme" ist und gleich mal in den ersten beiden Songs Pyrotechnik einsetzt. Hier wird heute richtig geklotzt. Die beiden Eröffnungskracher des aktuellen Albums "The Holographic Principle" machen den Anfang, aber es wird trotz der später noch folgenden 'Universal Death Squad', 'Beyond the Matrix' und 'Dancing in a Hurricane' keine ausschließliche Werbetour für den neuen Silberling. Stattdessen gibt es von nahezu jedem anderen Album noch je einen Song, was bedeutet, dass EPICA natürlich nicht mit fünfunfvierzig Minuten auskommt. Nein, als ich wieder auf die Uhr schaue, meine ich, dass fast siebzig Minuten vergangen sind, als die Niederländer die Bühne wieder verlassen. Dazwischen ertappe ich mich mehrfach dabei, mich zu ärgern, dass ich mit dem Material nicht besser vertraut bin. Eine gewisse Komplexität macht die Lieder beim ersten Hören nicht gerade zu Gassenhauern, aber für mich steht fest, dass ich EPICA dringend einmal genauer unter die Lupe nehmen muss. Auch wenn ich ob des seitenwechselnden Keyboarders auf seinem "Tastenrollator" zwischenzeitlich ein wenig verblüfft bin. Aber Musik, Auftritt und Show stimmen. Da müssen sich die Wölfchen aber mächtig anstrengen, um noch einen draufzusetzen.

Setliste: Edge of the Blade, A Phantasmic Parade, Storm the Sorrow, The Essence of Silence, Universal Death Squad, Dancing in a Hurricane, Unchain Utopia, Sancta Terra, Beyond the Matrix, Consign to Oblivion

Aber wir reden hier von POWERWOLF. Das sind Profis. Die können es sich leisten, eine Band wie EPICA vor sich spielen zu lassen. Ich meine, auf Tonträger ist mir das meist doch ein wenig zu platt, und der Humor nutzt sich auch nach einer Weile ab, aber ich sehe die Band jetzt zum zweiten Mal live. Die erste Gelegenheit hatte ich beim Summer Breeze, wo ich beeindruckt war. Aber in der Halle ist das Ganze noch deutlich intensiver und die Burschen ziehen alle Register. Auch wenn man das Alles bereits kennt, angefangen vom "Vielen Dankeschön" bis hin zu "wollt ihr meine Heavy Metal Army sein, meine friedliche Heavy Metal Army?", POWERWOLF ist eine absolut professionelle Band, die tatsächlich Spielfreude ausstrahlt. Zugegebenerweise ist der Empfang aber auch laut und euphorisch, und Sänger Attila Dorn kokettiert ein bisschen, als er sich beschwert, es seien 2500 Leute da, doch er höre nur 100. Nach dem unwiderstehlichen Eröffnungsdreier 'Blessed & Possessed', 'Army of the Night' und 'Amen & Attack' ist die Menge jedenfalls warmgerockt und genießt die witzige und wenig Anlass zum Fremdschämen bietende Show der Fünf. Man muss sich einfach darauf ein- und mitreißen lassen von der albernen, durchgestylten, konsequenten und metallischen Unterhaltungsshow der "Blessed & Possessed"-Tour.

Setliste: Blessed & Possessed, Army of the Night, Amen & Attack, All You Can Bleed, Coleus Sanctus, Dead Boys Don't Cry, Sacred & Wild, Armata Strigoi, Higher Than Heaven, Resurrection by Erection, Kreuzfeuer, Werewolves of Armenia, We Drink Your Blood, Lupus Dei, Zugabe: Sanctified With Dynamite, In the Name of God (Deus Vult)

Mit 30 Euro im Vorverkauf und 35 Euro an der Abendkasse ist dieses Package definitiv mehr als sein Geld wert. Wer sich zu amüsieren sucht, mitsingen und tanzen möchte, einfach mal abschalten und Spaß haben will, der sollte sich schleunigst eine Karte für diese Tour besorgen. Einige Stopps sind schon ausverkauft, und nachdem ich dieses Konzert gesehen habe, weiß ich auch, wieso. Das Triplett aus gutem Anheizer, anspruchvollem Prog-Metal und metallischer Vollbedienung mit Spaß in den Backen funktioniert prächtig. Das Jahr fängt ja schon gut an!

Redakteur:
Frank Jaeger

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