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PRIMAL FEAR, RIOT V, EXISTANCE - Memmingen

03.10.2018 | 18:28

29.09.2018, Kaminwerk

Mit PRIMAL FEAR und RIOT V begibt sich unter dem Motto "Apocalypse Over Europe" ein vorzüglich geschnürtes Package auf große gemeinsame Europa-Tour. Dass beide zwei bärenstarke neue Alben im Gepäck haben, muss an dieser Stelle wohl nicht noch extra erwähnt werden.

Die oftmals ungeliebte Rolle des Anheizers wurde einer noch jungen, aufstrebenden französischen Band namens EXISTANCE aufgebürdet. Hegte ich im Vorfeld noch so meine Zweifel, ob die vier Franzosen dieser Herkulesaufgabe gewachsen sind, verflüchtigen sich diese dann doch relativ schnell und stellen sich als völlig unbegründet heraus. Pünktlich um 20 Uhr betritt EXISTANCE bis in die Haarspitzen motiviert die Bühne im bereits gut gefüllten Kaminwerk in Memmingen und legt mit 'Heavy Metal Fury' von Beginn an eine sehr energiegeladene Show auf die Bretter und strotzt nur so vor Spielfreude. Spielfreude ist überhaupt ein gutes Stichwort, welches sich noch durch meinen gesamten Abend ziehen wird, aber dazu später mehr. Mich erinnert der Auftritt vom Sound und der Stageaction her an die Kanadier STRIKER und da Bandgründer, Sänger und Gitarrist Julian Izard über eine ähnliche Stimmfärbung wie sein kanadischer Kollege Dan Cleary verfügt, passt dieser Vergleich umso besser. In der ihnen zur Verfügung stehenden halben Stunde spielt die Band einen Querschnitt ihrer beiden bereits erschienen Alben "Steel Alive" von 2014 und ihrer 2016er Veröffentlichung "Breaking The Rock". Was die wenigsten vielleicht wissen, ist die Tatsache, dass es sich bei Julian Izard um den Sohn des legendären H-BOMB Sängers Didier Izard handelt, welcher leider am 30. Juni seinem Krebsleiden erlag. Zweifellos bildet die seinem verstorbenen Vater gewidmete H-Bomb Coverversion von 'Gwendoline', die gänzlich auf französisch vorgetragen wird, den unumstrittenen emotionalen Höhepunkt ihres Sets. Ein überraschend starker Auftritt einer Band, die ich bisher überhaupt nicht auf meiner Rechnung hatte. Dem großen Beifall nach ihrem letzen Song 'From Hell' zu urteilen, sehen das wohl auch jede Menge andere Konzertbesucher genauso. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass diese Tour EXISTANCE jede Menge neue Anhänger bescheren wird. Diese Jungs habe ich ab sofort genauer auf meinem Radar!

Setliste EXISTANCE: Heavy Metal Fury; Dead or Alive; We are Restless; Breaking the Rock; Gwendoline (H-BOMB Cover); From Hell

Nach relativ kurzer Umbaupause und mit opulent wirkender Bühnendekoration startet RIOT V mit 'Victory' vom aktuellen Erfolgsalbum "Armor Of Light" fulminant in ihr knapp 50-minütiges Set. Mit der neuesten Videoauskopplung 'Caught In The Witch's Eye' und 'Angel's Thunder, Devil's Reign' folgen im weiteren Verlauf noch zwei Songs des Albums "Armor Of Light". Der Sound ist transparent und druckvoll, allerdings hätte ich ihn mir hier und heute eine kleine Idee leiser gewünscht, da meine Löffel schon nach relativ kurzer Zeit unangenehm zu pfeifen beginnen. Es ist aber schön zu sehen, mit welcher Spielfreude die nicht mehr ganz so taufrischen Herrschaften Hall, Flyntz, Lee, Van Stavern und Gilchriest heute zu Werke gehen und den Geist der kultigen RIOT ehrenvoll und würdig am Leben halten. Absoluter Aktivposten und Blickfang dabei ist natürlich Übersänger Todd Michael Hall, der durch eine nicht minder als Weltklasse zu beschreibende Gesangsleistung wieder einmal mehr unter Beweis stellt, dass er völlig zurecht zu den allerbesten seines Fachs gezählt wird. Alle Musiker, mit Ausnahme ihres Schlagzeugers natürlich, sind ständig in Bewegung und nutzen den ihnen gebotenen Platz auf der Bühne im Kaminwerk bestens aus. Das Gitarrenduo Flyntz und Lee harmoniert blind und spielt sich die Soli gegenseitig nur so zu, dass es eine wahre Pracht ist. Die leider zu knapp bemessene Spielzeit und eine 16 Studioalben umfassende Diskografie mit unzähligen Klassikern in der Hinterhand macht die Songauswahl für die Musiker naturgemäß nicht einfacher, aber Songs wie 'Flight Of The Warrior', 'Johnny's Back', 'Bloodstreets' oder 'Take Me Back' sorgen dann doch dafür, dass RIOT V trotz dieser Problematik ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Set auf die Beine stellt und damit beim Publikum bestens punkten kann. 'Swords And Tequila', das Bassist Don Van Stavern dem verstorbenen Mark Reale widmet und sogleich mit einer Flasche Tequila auf selbigen anstößt, und das wie immer zum Ende gespielte und unverzichtbare 'Thundersteel' beenden dann diesen meisterhaften, aber leider viel zu kurzen Auftritt der amerikanischen Kult-Truppe. Ich wünsche mir RIOT V baldmöglichst auf eigener Headliner-Tour quer durch Deutschland tingeln zu sehen.


Setliste RIOT V: Victory; Flight of the Warrior; Johnny's Back; Caught in the Witch's Eye; Bloodstreets; Take Me Back; Angels Thunder, Devil's Reign; Swords and Tequila; Warrior; Thundersteel

Punkt 22.15 Uhr ist dann Prime Time angesagt und der Headliner PRIMAL FEAR entert für die nächsten gut 90 Minuten die Bühne. Ich weiß nicht, ob es am mittäglichen ersten Schalker Saisonsieg liegt oder daran, dass Mat Sinner heute hier im Kaminwerk auf seinen guten alten Freund Meggy Schneider von Rockabend Concert trifft, welcher das heutige Konzert präsentiert. Fakt jedenfalls ist, dass Mat über die komplette Konzertdistanz noch zufriedener als sonst wirkt, was man an einem breiten nicht mehr verschwinden wollenden Lächeln bestens sehen kann. Der langmähnige Tausendsassa brilliert nicht nur am Bass, sondern auch durch meisterhaft gesungene Backing Vocals. Jetzt komme ich direkt schon wieder zu meinem heutigen Lieblingsthema Spielfreude, das sich wie ein roter Faden durch meinen Bericht zieht. Wenn man sich einmal vor Augen hält, auf wie vielen Nebenschauplätzen (SINNER, VOODOO CIRCLE, ROCK MEETS CLASSIC...) die hier musizierenden Künstler eigentlich noch tätig sind, wie viele unzählige Minuten diese in ihrem Leben bisher nur auf diversen Bühnen verbracht haben und dann hier trotzdem mit 100 Prozent Engagement zu Werke gehen, ist das aus meiner Sicht ganz großes Kino und heutzutage alles andere als selbstverständlich. Vom feurigen Opener 'Final Embrace' bis hin zum letzen Song des Abends 'Running With The Dust' ist allen beteiligten Musikern ihre Spielfreude zu jeder Sekunde anzumerken. Routine? Hier definitiv Fehlanzeige! PRIMAL FEAR ist ganz einfach eine Ansammlung von fünf Freunden, die aus Lust und tiefster Überzeugung gemeinsame Sache machen. Die Stimmung auf der Bühne ist also jedenfalls schon einmal super, aber wie sieht es mit der Stimmung davor aus? Die ist nicht nur bei den heutigen vier neuen Titeln ihres bis auf Platz zehn der deutschen Albumcharts gestiegenen Albums "Apocalypse" prächtig, sondern naturgemäß auch bei Stücken älteren Datums. 'Blood Sweat & Fear', 'The Ritual', das monumentale 'Eye Of The Storm' und die Videoauskopplung 'King Of Madness' sind die vier Stücke vom "Apocalypse"-Album, denen der Sprung in die heutige Setliste gelingt. Wer zusätzlich noch Songs wie 'Chainbreaker', 'Under Your Spell' oder 'Nuclear Fire' in der Hinterhand hat, muss sich um einen Stimmungseinbruch keinerlei Sorgen machen. Ralf Scheepers ist prächtig bei Stimme, weiß das Publikum mit seinen sympathischen Ansagen bestens zu unterhalten und hat zu jeder Sekunde alles voll im Griff. Schlagzeuger Francesco Jovino liefert das passende Fundament auf dem die beiden Ausnahmegitarristen Tom Naumann und Alex Beyrodt ein ums andere mal mit filigranem Spiel und cool-lässigen Posen zu begeistern wissen. Das unverzichtbare und kultige 'Metal Is Forever' beschließt dann nach 75 Minuten erst einmal den regulären Auftritt, bevor im Zugabenblock das überragende 'Fighting The Darkness' in seiner gesamten Schönheit dargeboten wird und das oben schon erwähnte, PRIEST-lastige 'Running With The Dust' diesen wunderbaren Konzertabend stimmig beendet. Beim Verlassen des Kaminwerks blickt man durchwegs auf zufriedene Gesichter und hört immer wieder aus den verschiedensten Ecken Fans 'Metal Is Forever' grölen. So muss das sein! Ich bin beim nächsten Mal auf alle Fälle wieder gerne mit dabei!

Setliste PRIMAL FEAR:
Final Embrace; Chainbreaker; Blood Sweat & Fear; Face The Emptiness; Hounds Of Justice; The Ritual; Under Your Spell; Nuclear Fire; Eye Of The Storm; King Of Madness; The End Is Near; When Death Comes Knocking; Metal Is Forever; Fighting The Darkness; Running With The Dust

Ein herzliches Dankeschön geht an die beiden Herren hinter der Kamera für einen klasse Job:
Armin Greither & Peter Ernszt von photodesign.ernszt

Redakteur:
Mahoni Ledl

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