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PRIMORDIAL, PORTRAIT, BÖLZER - Hamburg

09.12.2014 | 09:30

20.11.2014, Knust

Release-Party zum neuen PRIMORDIAL-Album

Anlässlich des neuen Albums spielt PRIMORDIAL drei exklusive Shows in Deutschland. Da die Band um Szenesprachrohr Alan Averill obendrein mit den Skandinaviern PORTRAIT und dem Schweizer Duo BÖLZER zwei spannende Begleitbands mitbringt, stand es für mich außer Frage, mich an einem kalten Donnerstagabend am Knust zu Hamburg einzufinden. Wundere ich mich vor dem Einlass noch über die vermeintlich geringe Anzahl an Besuchern, so ändert sich dies schnell, nachdem die Pforten geöffnet wurden.


Etwas ärgerlich ist die Tatsache, dass BÖLZER bereits deutlich vor der publizierten Anfangszeit auf der Bühne steht. Da hört man doch recht viele leicht verärgerte Stimmen beim Eingang, was natürlich auch belegt, welchen Status das kultige Duo bereits inne hat. Ich bin ja nun bekanntlich kein Fan von Black- und Death-Metal und finde die Musik der Band auf Konserve auch etwas eindimensional. Sieht man die beiden Waldschrate aber auf der Bühne herum metzeln, bekommt die Sache ein ganz anderes Volumen. Frontmann KzR röchelt in bewährter Lemmy-Pose mit gurgelnd-heiseren Vocals von unten ins Mikrofon und posiert dabei wie ein ganz Großer. So viel Bühnenpräsenz bekommen andere Bands mit vier Leuten nicht gebacken. Hut ab! Wenn er dann auch noch völlig überraschend mit sauberem Klargesang auftrumpft, ist die Überraschung jedes Mal aufs Neue riesengroß. Dazu bollert sein Kompagnon BzR wilde Rhythmen aufs Parkett und erinnert nicht selten an The Animal von den Muppets. Ein größeres Kompliment kann ich einem Drummer dieser Spielart kaum machen. Kommunikation zwischen den Songs entfällt, aber das stört hier auch niemanden, denn die extrem ruppigen Abrissbirnen unterhalten auch so schon sehr gut. Das scheinen alle Anwesenden ähnlich zu sehen, denn man sieht geschüttelte Mähnen in allen Reihen des gut gefüllten Clubs. Nach 40 Minuten ist der Spuk dann vorbei und ich weiß, dass ich mir BÖLZER live gerne erneut ansehen werde.

Jetzt folgen die Schweden PORTRAIT, die der eigentliche Hauptanlass meiner Anwesenheit am heutigen Abend sind. Die drei Alben der Jungs finde ich nämlich ganz großartig und auch live konnte mich das okkulte Quintett mit der leichten MERCYFUL-FATE-Schlagseite auch immer gut unterhalten. Allerdings verdirbt mir zuerst der Sound, der bei BÖLZER noch ganz ausgezeichnet war, das Hörvergnügen. Ob der Mann am Mischpult nicht gesehen hat, dass dort jetzt zwei Gitarristen und ein Bassist auf der Bühne stehen? Da hätte man eventuell etwas an den Einstellungen ändern dürfen. So sind die Klampfen während der ersten Nummern kaum zu hören, was bei dieser Art von Musik sehr ärgerlich ist. Das nimmt den Jungs von PORTRAIT aber nicht den Spaß am Auftritt und so wird gepost und fernsehballettiert bis der Arzt kommt. Das ist kurzweilig und ansteckend. Weniger ansteckend ist heute leider die gesangliche Darbietung von Per Lengstedt, der sich doch immer mal wieder in den Tonlagen vergreift. Das ist bei Songs, die oftmals auf die hohen Tonlagen ausgerichtet sind, ein recht großes Manko, welches mir leider mit zunehmender Gigdauer auch etwas die Laune vermiest. Das habe ich von PORTRAIT schon deutlich besser gesehen und gehört. Diese Ansicht scheint ein nicht unerheblicher Anteil de Publikums zu teilen, denn in der zweiten Umbaupause des Abends wird recht viel genörgelt.

Die Spannung steigt und der Platz direkt vor der Bühne füllt sich nun zunehmend. Das neue Album "Where Greater Men Have Fallen" ist noch gar nicht erschienen, da ist man umso gespannter, was die Iren heute abliefern werden. Als das "Dark Horse On The Wind"-Intro ertönt, spürt man es im Publikum beinahe knistern, so stramm ist der Spannungsbogen gespannt. Als die Band dann gleich mit dem Titelsong des brandneuen Albums in ihren Set einsteigt, löst sich dieser Bogen explosionsartig und (fast) alle Fäuste recken sich. Wie gewohnt posiert Alan Nemtheanga im gewohnten Outfit gestenreich und theatralisch in vorderster Front. Die Menge frisst ihm aus der Hand und als PRIMORDIAL dann mit 'Gods To The Godless' auch noch einen alten Gassenhauer abgefeuert, kennen die ersten Reihen kein Halten mehr. Im weiteren Verlauf des sehr langen Sets wechselt die Band geschickt jeweils chronologisch einen Song des neuen Albums mit einem alten Klassiker ab. Das macht natürlich Laune. Auffällig ist hierbei, dass auch bei den brandneuen Nummern das Publikum sehr gut mitgeht. Der Sound ist nun auch wieder gut und ganz offensichtlich hat die Band richtig Lust, ihr neues Material zu präsentieren. Anders kann man das sehr energische Auftreten der Akteure kaum erklären. Gut, Alan ist ein charismatischer Frontmann, der die Menge mit seiner Gestik immer mitreißt, aber auch der Rest der Band fühlt sich auf der Bühne offensichtlich sehr wohl. Ich muss zugeben, dass ich von den immer gleichen Ansagen und den sich immer wiederholende Bewegungsabläufen des Sängers nach einer Weile beinahe etwas genervt bin, denn irgendwann hat auch der letzte Anwesende verstanden, dass PRIMORDIAL aus "the republic of Ireland" stammt. Dazu die immer wieder kehrende Frage: "Are you with us?" Braucht die Band wirklich so viel Bestätigung? Kaum vorstellbar, wenn man sich anschaut, mit welchem Enthusiasmus das Publikum wirklich jeden Song abfeiert. Völlig zu Recht übrigens, denn an der musikalischen Darbietung gibt es absolut nichts zu bemängeln. Während ich die Band aus der Konserve ja nur, Entschuldingung, ganz gut finde, holt mich das Material live jedes Mal vollends ab. Bei 'Coffin Ships' steht die Halle dann erstmals so richtig Kopf und auch ich ertappe mich beim Faustrecken. Ist aber auch eine Bombennummer! Als die Band danach mit 'Wield Lightning To Split The Sun' den regulären Set beendet, erklingen unwillkürlich Rufe nach einer Zugabe. Diese gibt es mit dem fulminanten Doppelschlag 'As Rome Burns'/'Empire Falls'. Danach ist man eigentlich satt, ausgelaugt und die Uhrzeiger wandern bedrohlich in Richtung "letzte Bahn". Zum Glück bietet mir ein äußerst netter Bekannter einen Lift mit dem Auto an und so komme ich auch noch in den Genuss einer grandiosen Version von 'Traitors Gate'.

 

Insgesamt ein gelungener Abend

Setlist: Where Greater Men Have Fallen, Gods To The Godless, Babel's Tower, No Grave Deep Enough, Come The Flood, Autumn's Ablaze, Ghosts Of The Charnel House, Heathen Tribes, The Alchemist's Head, Bloodied Yet Unbowed, Born To Night, The Coffin Ships, Wield Lightning To Split The Sun; As Rome Burns, Empire Falls, Traitor's Gate .

Redakteur:
Holger Andrae

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