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Paganfest - Leipzig

13.03.2010 | 14:42

05.03.2010, Hellraiser

Der Tross der Heiden macht in der Messestadt Station.

Endlich ist es so weit, die Heiden erobern die Messestadt! Bei dem einzigen Zwischenstopp in ostdeutschen Gefilden ist es natürlich ein Muss, dem Tross einen Besuch abzustatten. Also noch schnell die Streitaxt poliert, das Trinkhorn umgeschnallt und auf nach Leipzig. Selbst das Wetter hat sich heute dem nordischen Treiben im Hellraiser angepasst, und bei Minusgraden und leichtem Schneefall passt an diesem Abend alles zusammen - außer der Tatsache, dass die Veranstaltung mit 19.00 Uhr recht früh startet und nicht jeder Brötchengeber ein Einsehen bezüglich eines pünktlichen Feierabends hat. Also wird es nichts mit einem rechtzeitigen Eintreffen, und mit Frust im Gepäck ist kurz nach acht das Ziel endlich erreicht.

Ein "Ausverkauft"-Schild am Eingang lässt erahnen, dass es im Club wohl kuschelig warm werden wird. Und in der Tat, der Saal ist ordentlich gefüllt. Auf der Bühne steht mit ARKONA bereits die zweite Band des Abends. Sängerin Masha wuselt in ihrem Fell-Outfit über die Bühne, und bereits jetzt sind die Besucher ganz aus dem Häuschen. Ob das nun an der attraktiven Blondine oder an der Musik der russischen Formation liegt, bleibt unbeantwortet. Fest steht jedoch, dass der Auftritt beziehungsweise das, was ich davon noch mitbekomme, genial ist und unbedingt einer Wiederholung bedarf!

Es bleibt gut ein Viertelstündchen Zeit, bevor DORNENREICH auftreten. Bei den Massen an Leuten ist es eine Herausforderung, in kurzer Zeit in Richtung Bar zu kommen, ein Getränk zu ergattern und pünktlich wieder an Ort und Stelle zu sein. Im Vergleich zum Rest des Line-ups sind die Österreicher ein wenig die Exoten. Und ob ihnen nun ebenfalls ein solcher Beifallssturm entgegenschlägt, ist fraglich. Gerade die Akustiksets sind nicht jedermanns Sache. Aber genau damit beginnt die Show, und mit viel Beifall werden die Drei empfangen. Inve setzt mit seiner Violine zum ersten Stück an. Doch bereits nach dem Intro steigt Eviga mit seiner Gitarre ein. Den Mann an den Drums kann man hingegen schlecht erkennen, aber er macht einen super Job.

Das Trio legt ordentlich los, und von Langeweile im Publikum kann keine Rede mehr sein. Es feiert bei den Liedern logischerweise nicht so frenetisch ab, dennoch lauscht es den Musikern gebannt und honoriert ihre Songs gebührend. Diese sind ein guter Querschnitt der Bandgeschichte. Es erklingen beispielsweise das neuere 'Jagd' oder 'Wer hat Angst vor Einsamkeit?'. Alles in allem ist das ein gelungener Auftritt, und die anfänglichen Zweifel sind rasch verflogen.

Weiter geht es mit ELUVEITIE. Die acht Eidgenossen haben gerade so Platz auf der Bühne und müssen aufpassen, dass sie sich nicht gegenseitig umrennen. In den ersten Reihen sind jetzt viele jüngere Zuschauer auszumachen, die wohl hauptsächlich wegen der Schweizer da sind. Der Saal ist rappelvoll, als Frontmann Chrigel mit großem Getöse begrüßt wird.

Los geht es mit 'Kingdom Come Undone' vom neuen Album "Everything Remains (As It Never Was)", das die Meute sofort in sich aufsaugt. Dazu wird ausgelassen gefeiert. Langsam geht es vor der Bühne wieder wilder zu, denn die Musik lädt jetzt verstärkt zum Tanzen und zum Headbangen ein. Das lässt sich der Großteil nicht zweimal sagen. Wer jetzt von hinten nach vorn will oder umgekehrt, hat ganz schlechte Karten. Durchhalten ist angesagt, denn die wilde Horde aus dem Heidiland macht ordentlich Dampf unterm Hintern.

Locker-lässig geht es auch auf der Bühne zu. Neben zahlreichen Songs vom aktuellen Longplayer finden sich mit 'Inis Mona' oder 'Slania's Song' vom 2008er Album "Slania" Stücke aus den Anfangstagen, denn zum Abschluss gibt es 'Tegernakô' und 'AnDro' vom Debütwerk "Spirit" auf die Ohren. Das lässt die Menge noch einmal zur Hochform auflaufen, nach einer Stunde ist aber leider Schluss. Alles in allem ist das ein Klassekonzert mit einem ausgewogenen Querschnitt des bisherigen musikalischen Schaffens. Sicher wären ein paar Songs mehr vom Erstlingswerk das i-Tüpfelchen gewesen, doch schließlich soll ja die neue CD vorgestellt und promotet werden.

Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass der Großteil der sehr jungen Fraktion nun langsam den Heimweg antreten sollte, da es nach elf Uhr ist und mit ELUVEITIE ihre Band ja gespielt hat. Doch so wirklich lichten sich die Reihen nicht. Die Hütte ist immer noch brechend voll, als zum Ende des Abends die Mannen von FINNTROLL das Kommando übernehmen. Wie ihre Vorgänger, haben sie mit „Nifelvind" ein neues Album herausgebracht, was nun vorgestellt wird.

Für ihre Feierlaune und Trinkfreudigkeit ist das Völkchen ja bekannt, und das sieht man bei der Show der Jungs wunderbar. Also wird der letzte Auftritt noch einmal zur illustren Party, bei der der Bierkonsum vor und auf der Bühne für sich spricht. Schließlich wird Humppa-Metal kredenzt, da schmeckt der Gerstensaft noch mal so gut. Wobei ja nicht jeder Song einen einfachen Folk-Schunkel-Charakter besitzt. Neben ihren Partyhits wissen die Trolle mit einer härteren und schwärzeren Gangart zu überzeugen, was sie von den heutigen Kollegen abhebt.

Sänger Vreth hat die Masse gut im Griff und stachelt sie immer wieder aufs Neue an, mitzufeiern. Die lässt sich das gefallen, und als später mit 'Trollhammaren' das Feierlied schlechthin ertönt, gibt es kein Halten mehr. Es wird mit dem Nachbarn geschunkelt und sich zugeprostet - was will man mehr!

Nach knapp einer Stunde verabschieden sich die Musiker vorerst und werden für ihren großartigen Auftritt gefeiert. Das Publikum fordert mehr und soll es mit 'Jaktens Tid' und 'Solsagan' auch bekommen. Danach ist entgültig Schluss.

Alles in allem ein schicker Abend, bei dem jeder auf seine Kosten gekommen sein dürfte. Für viele Musikgeschmäcker war etwas dabei, ohne jedoch die Richtung des Fests aus den Augen zu verlieren. Damit kann man den Machern eine gut gelungene Bandauswahl bescheinigen. Da sowohl ELUVEITIE als auch FINNTROLL ein neues Album präsentierten, gab es viel Neues zu entdecken, was bei den meisten Besuchern positiv ankam. Wir freuen uns auf nächstes Jahr!

Redakteur:
Swen Reuter

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