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Pain - Essen

17.11.2016 | 14:23

23.10.2016, Turock

Bärenstarkes Package!

Nach einem eher ruhigen Wochenende wird der Ausklang umso lauter und voller. PAIN hat nicht nur ein neues Album am Start – "Coming Home" wird vollkommen zurecht in den Himmel gelobt – sondern beehrt auf der ausgiebigen Europatournee Städte wie eben Essen mit gleich drei weiteren Bands. So kommt das Turock nicht nur in den Genuss von Peterchens neuester Mondfahrt, sondern auch von knackigem Hard Rock von BILLION DOLLAR BABIES, kraftmetallischen Tönen von DYNAZTY und etwas düsterem Gothic Metal von THE VISION BLEAK.

Ein bisschen MÖTLEY CRÜE hier, ein Hauch von STEEL PANTHER und SKID ROW dort, und fertig ist der Stil von BILLION DOLLAR BABIES aus Schweden. Gleich zu Beginn kommt das einigermaßen gefüllte Turock also in den Genuss von fünf Skandinaviern, die nicht nur mit ihrem aktuellen Album "Chemical God", sondern speziell mit ihrer tighten und coolen Live-Performance von sich reden machen. Energisch, rockig und spielfreudig – so benimmt sich ein Opening Act, so benimmt sich BILLION DOLLAR BABIES heute im Turock.

Bei dem folgenden Act wird es noch ein wenig dichter vor der Bühne, DYNAZTY hat auch ein neues Album auf dem Markt und "Titanic Mass" brennt darauf, Essen heute präsentiert zu werden. Es geht noch ein wenig kraftvoller und härter zur Sache als noch bei BILLION DOLLAR BABIES, die fünf Stockholmer haben das Kraftmetall mit Löffeln gefressen und servieren heute dem Turock mundgerechte, leckere Häppchen. 'The Northern End', 'Raise Your Hands' oder das abschließende 'Starlight' machen Appetit auf mehr, da verwundert es Niemanden, dass die ersten Matten fliegen, Pommesgabeln zelebriert und Fäuste gereckt werden, DYNAZTY sollte man definitiv auf dem Schirm haben.

Der bunte Reigen geht weiter, auch wenn THE VISION BLEAK deutlich melancholischer und introvertierter musiziert. Und trotzdem passen die Jungs um Frontmann Markus Stock stilistisch sehr gut ins heutige Billing und werden auch vom Publikum mit offenen Armen empfangen. Auch wenn die Herrschaften ein wenig steif und etwas zu souverän heute wirken, kommen Songs wie 'Carpathia', 'Into The Unknown' oder 'Kutulu!' sehr gut an. Die Atmosphäre ist gut, der Sound – wie bei allen anderen Bands heute auch – hervorragend und innerhalb von 50 Minuten kann sich jeder Anwesende ein entsprechendes Bild von der Kunst THE VISION BLEAKs machen. Mit 'Wolfmoon' und 'By Our Brotherhood With Seth' beenden Stock und Co. letztlich ihr Set und machen den Weg frei für die Heimfahrt Tägtgrens.

Zugegeben, die Umbaupause dauert etwas länger als bei den vorherigen Acts, doch das Warten sollte sich lohnen. PAIN präsentiert sich um Mastermind und Workaholic Peter Tägtgren in einer bestechenden Form und weiß von vorne bis hinten zu überzeugen. Das Turock ist pickepackevoll und euphorisch ob der Töne des Schweden. 'Designed To Piss You Off' eröffnet nicht nur das neue Hit-Album "Coming Home" sondern auch den heutigen Abend, der mit 'Suicide Machine' und 'The Great Pretender' auf Hochtouren läuft. 'A Wannabe', 'Zombie Slam' und das obligatorische 'Monkey Business' machen den Braten noch fetter, die Leckerlies werden reihenweise ins Publikum geschmissen, die Songauswahl ist mehr als nur hervorragend. Ob wir es nun mit neuesten Brechern wie 'Pain In The Ass' und 'Black Knight Satellite' oder älterem Liedgut der Marke 'It's Only Them' und 'End Of The Line' zu tun haben, das Publikum feiert, die Band feiert, das Turock ist ein Tollhaus. Und auch Neu-Drummer Sebastian – Peters Sohn – und die 'It's Only Them'-Puppe haben alles bestens im Griff, ehe mit 'Dirty Woman' und 'Same Old Song' langsam das Ende eingeleitet wird. Doch ohne 'Shut Your Mouth' verabschiedet sich Tägtgren nicht von der Bühne. So gibt es zu guter Letzt noch mal ein absolutes Schmankerl und nicht nur eine zufrieden blickende Band, sondern rundum glückliche Gesichter, die nicht nur drei formidable Vorgruppen, sondern vor allem einen durch und durch souveränen, aber trotzdem höchst spielfreudigen Mainact sehen durften.

Zugegeben, alle vier Bands haben ihre Aufgaben mit Bravur erledigt, doch sollte man sich künftig doch überlegen, ob zwei oder höchstens drei Bands nicht schon locker reichen würden. In einer "Je mehr, desto besser"-Zeit könnte das hinsichtlich Tour-Paketen nach hinten losgehen und die Zuschauer eher überfordern als anheizen. Nichtsdestotrotz hat vor allem Peterchens PAIN heute gezeigt, wo der Frosch die Locken hat, und die Lorbeeren, die momentan dank "Coming Home" aus dem Boden sprießen, in Zement gegossen. In diesem Fall ging das 4-Band-Experiment also noch einmal mehr als gut.

Redakteur:
Marcel Rapp

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