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Party.San 2011 - Schlotheim

05.09.2011 | 08:15

11.08.2011, Flugplatz Obermehler

Dreitägige Vollbedienung auf neuem Gelände. Das Party.San geht in die 16. Runde!

Drei Tage extremen Metal aller Spielarten bot das diesjährige Party.San Metal Open Air. Es war ein Fest der Extraklasse - unter anderem wegen fetzigen Bands, ausrastenden Fans, einem schicken neuen Flughafen-Gelände bei Schlotheim in Westthüringen und einer allseits gelobten Neuentwicklung namens Shower & Shit-Flatrate für Bedürfnisse der Gästen nach zumindest Grundlagen der modernen Hygiene. Viele von euch haben uns an unserem Festivalstand besucht, dafür taucht ihr in unserem Film auf. Denn auch dieses Jahr waren wir wieder eifrig mit Videokameras vor Ort - hier der Film, der ausführliche Artikel folgt wie gewohnt unten!
Doch aller Anfang ist schwer, denn noch am ersten Festival-Tag, dem Donnerstag, droht der Veranstaltung fast schon der Abbruch - eine heftige Sturmböe hat das Dach der Hauptbühne weggerissen, den ganzen Nachmittag über baumelt und schwingt die schwarze Plasteabdeckung der Bühne traurig an der Stahlkonstruktion herunter. Das ist für viele Fans umso unverständlicher, als dass sich der Wind gegen Abend mehr und mehr legt und sich so viele gar nicht mehr vorstellen können, warum die Bühne für den kompletten Donnerstag gesperrt sein soll. Diese Pleite - gerade im ersten Party.San-Jahr jenseits des früheren Areals in Bad Berka - muss erst einmal erklärt werden. Diesen undankbaren Job übernimmt einer aus der Party.San-Crew - vor BYFROST, die als erste Band gegen 18 Uhr angekündigt ist. "Der Teufel Wind hat das Dach abgedeckt", sagt der Mann. Und: „Alles ist wie immer, und doch ein bisschen anders." Doch seien die Auftritte auch ein bisschen "back to the roots", erinnert er an frühere Party.San Open Airs, als am Donnerstag die Bands immer im Zelt spielten. Leider hören diese Ansage nur ein paar wenige Fans, so dass sich trotzdem noch viele über die Bühnenwechsel wundern und nachfragen müssen. Berechtigt war die Sorge der Veranstalter aber schon - angesichts aktueller Unglücke bei Festivals in Belgien und den USA mit Toten und Verletzten wegen einstürzender Bühnen.

Und zumindest BYFROST profitiert - trotz leichter Verspätung von 20 Minuten - von der kleinen Bühne. Denn die Musiker stehen nur zu dritt auf der kleinen Fläche. "Norwegian Metal", macht der klampfende Sänger namens "HeavyHarms" gleich klar, wohin die Reise gehen soll - in die Gefilde von Bands wie IMMORTAL, deren neuere Werke hörbar Pate für die Büfrosties gestanden haben. Doch an das immortalische Niveau reicht BYFROST nicht heran. Das Trio müht sich mit Songs wie 'Horns In The Sky' zwar redlich, doch einzelne Refrains wie "Eye for an eye, look for the sky" klingen auch in fies kehlig gekreischter Ausführung eher putzig als böse. So recht mag der Funke nicht aufs Publikum überspringen, zumal sich das Zelt auch nur langsam füllt. So macht sich in Bezug auf BYFROST schnell der Gedanke breit, dass das Trio auf der großen Bühne wohl gänzlich verloren gewesen wäre. Zur Ehrenrettung gereichen allerdings zumindest einige gefällige, abwechslungsreiche Heavy-Black-Passagen bei etwa '... Of Death' - doch ihre Rolle im düsteren Norwegian-Metal-Zirkus müssen die Jungs aus Bergen noch entdecken.
[Henri Kramer]


Eine der wenigen Thrash-Acts des diesjährigen Party.Sans steht jetzt mit DEW-SCENTED oben auf den Brettern im Party-Zelt. Da die Band vor zehn Jahren, als sie das letzte Mal im Billing des Festivals stand, aus mir nicht näher bekannten, aber wohl "peinlichen Gründen" (Leifs Worte) absagen musste, ist man jetzt umso motivierter, eine geile Show abzuliefern. Und dass DEW-SCENTED eine intensive, saugeil nach vorne gehende Live-Band ist, lässt sich kaum bestreiten. Mit der Frage "Bock auf bissl Thrash?" und dem anschließenden 'Arise From Decay' entfesseln die Norddeutschen jedenfalls ein wahres Thrash-Gewitter im Zelt. Der Sound ist leider etwas dumpf und auch etwas zu laut. Die folgenden "Impact"-Kracher 'Cities Of The Dead' und vor allem das absolut göttliche 'Soul Poison' (alle brüllen "absent-minded .... hear my inner cries!") vereinen die Stärken und Merkmale der Band am besten; also die Stakkato-Gitarren und Drums im einen und die pfeilschnellen Riffings im anderen Moment. Die Höhepunkte im Set. Mit den abschließenden 'Condemnation' von "Invocation" und noch der "Impact"-Granate 'Acts Of Rage' verabschieden sich die Jungs aus Braunschweig nach einer knappen dreiviertel Stunde vom Publikum. Kleine Randnotiz: Das Zelt ist nur zu einer Seite hin offen, die Luft steht, Staub hängt in der Luft und es ist eng. In solch einer Situation einen Bierfurz, oder besser: eine ganze Armada an Bierfürzen rauszuhauen, grenzt an Körperverletzung!
[Thorsten Seyfried]


Eine Band wie ABORTED ist eigentlich zu groß für das Partyzelt und dementsprechend wird es richtig eng vor der improvisierten Bühne. Die Leute drängeln und quetschen, um die Belgier gut anschauen zu können. So kann man von weiter hinten auch eigentlich nur auf Zehenspitzen einen suboptimalen Eindruck von der Performance der Brutal-Death-Metaller bekommen. Allerdings ist der Sound eigentlich auch nichts Weltbewegendes. Die Band bewegt sich zwar viel und scheint auch das Publikum anzuheizen, aber kreativer Death Metal sieht anders aus. Viele Anleihen aus Deathcore und Technical Death werden verwurstet, so dass eine Ansage von Frontmann Svencho, in der die Rede von Old School Death Metal ist, irgendwie unpassend wirkt. Denn auch bei diesem Song alter Schule bleiben die Zutaten dieselben. Dennoch scheint es gerade den ersten Reihen gut zu gefallen, denn sie feiern die Kapelle gebührend ab.
[Adrian Wagner]

Zu den eindeutigen Verlierern des Ausfalls der Hauptbühne gehört NEGURA BUNGET - schon allein deswegen, weil die sechs Black-Metal-Musiker und ihr umfangreicher Instrumenten-Fundus kaum zusammen auf die Zeltbühne passen. Dennoch machen die Rumänen das Beste aus der misslichen Situation, selbst ihr langes Blashorn lassen sie erklingen. So können die Zuschauer einen abwechslungsreichen Gig erleben - mit Songs wie dem wundervollen 'Pamint' und seiner elegischen Mischung aus Flöten- und Kuhglocken-Klängen - oder kraftvollen Stücken wie 'Cunoasterea Tacuta'. Dabei gelingt es NEGURA BUNGET, eisige Black-Metal-Klänge mit wunderschön psychedelischen Momenten in Einklang zu bringen, selbst ein Drum-Solo samt Unterstützung des Wolfs (einer speziellen rumänischen Holz-Trommel) gehört zu dem abwechslungsreichen Konzert der Südost-Europäer, die auf geschwätzige Zwischenansagen gleich ganz verzichten. Vielleicht nagt aber auch die Enttäuschung an ihnen, dass es doch nicht die große Bühne geworden ist - viele der atmosphärischen NEGURA BUNGET-Stücke verpuffen gerade im hinteren Zeltbereich im Trubel des Augenblicks, so dass nur die vorderen Reihen in den Genuss jedes Sound-Details kommen.
[Henri Kramer]



Ebenfalls zu einem Auftritt im Bierzelt ist DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT verdammt. Die ordentliche Masse an Requisiten, die die Schwarzmetall-Theatergruppe mit sich herumschleppt, ist eindeutig nur für die große Bühne geschaffen. Bis zum Aufbau selbiger vergeht auch noch mal eine geraume Weile. Doch als Fans und Biersuchende langsam ungeduldig werden, beginnt das Ritual, das jedes DNS-Konzert darstellt, stilecht mit Fackeln und Kunstblut. Mit letzterem wird gerade am Anfang nicht gegeizt und vor allem die Kameraleute haben Spaß daran, sich die Suppe wieder von den Linsen zu wischen. Aber natürlich lässt die Band sich nicht beirren: Mit ihrem aggressiven Black Metal räumt sie anfangs auch ordentlich auf! Es hat alles, was man von ordentlich okkultem Gekeife erwartet: Laute und heftige Gitarrenriffs, einen Bass, der mehr schlecht als recht zu hören ist, und die gerade im engen Zelt stark wummernden Drums. Der Partyzeltzauber hält aber für viele der Besucher nicht lange. Nach einiger Zeit stellt sich eine gewisse Monotonie im Soundbrei ein und die Songs sind kaum noch auseinander zu halten. Schade eigentlich, denn für sich genommen war der Auftritt überdurchschnittlich. Trotz allem hört man nach Verlassen des Zeltes überwiegend negative Aussagen. DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT fühlt sich auf allem, was kein reines Black-Metal-Festival ist, einfach Fehl am Platze an.
[Johannes Lietz]

DECAPITATED wiederum nutzt das Zelt für eine herrlich intensive Extrem-Metal-Show. Besonders die Songs ihres neuen Albums "Carnival Is Forever" erweisen sich mit leichten Industrial-Einlagen und allerlei progessiven Spielereien als zupackende Death-Metal-Energieböller, die auch beim ersten Hören schon zünden - das fantastische '404' ist da ein gutes Beispiel. Der Sound ist bei dieser Zeremonie ungebremster musikalischer Aggression schlicht als formidabel zu beschreiben, so dass auch ältere Stücke wie 'Winds Of Creation' oder 'Mother War' einen hohen Wirkungsgrad im Nackenbereich entfalten. Dazu ist Sänger Rafał Piotrowski in guter Form und versteht es, die Fans vor der Bühne mitzureißen. Nach den vielen Schicksalsschlägen, die DECAPITATED ereilt haben - unter anderem starb ihr früherer Schlagzeuger vor rund drei Jahren bei einem Tourbus-Unfall - zeigen sich die Polen beim Party.San als runderneuerte Klanggewitterspezialisten, die zwischendurch sogar in Sphären der legendären Prog-Experten CYNIC abzutauchen vermögen.
[Henri Kramer]



So langsam sollte ich mich an das Zelt gewöhnt haben, denke ich. Aber als dann der eine oder andere Zwei-Meter-Hüne vor meiner Nase auftaucht und ich Tom Gabriel Warrior von TRIPTYKON nur noch gelegentlich kurz in der Ferne erspähen kann, wünschte ich, dass dieser Headliner die Hauptbühne zum Beben bringt. Der Sound im Zelt könnte etwas druckvoller klingen, aber die Stimmung ist dessen ungeachtet prima, als mit 'Procreation Of The Wicked' ein absolut sehenswerter Auftritt von TRIPTYKON eingeleitet wird. Mit dem alten CELTIC FROST-Kracher 'Circle Of The Tyrants' und den kultigen "Uh!"-Shouts des Meisters steigt die Stimmung stetig. [In den Fotograben möchten die Herrschaften dennoch keinen einzigen Fotografen lassen. Angst vor kleiner Bühne? - Anm. v. Carsten] Spätestens als sich das unnachgiebig malmende 'Dark Abyss Within My Soul' in die Lauschlappen fräst, ist die Stimmung auf ihrem Höhepunkt angelangt und das viertelstündige 'Synagogue Satanae' ist an Intensität ohnehin kaum mehr zu überbieten. Super!
[Martin Loga]

Redakteur:
Adrian Wagner

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