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Path Of Death III - Mainz

12.11.2014 | 11:00

11.10.2014, M8 Live-Club

Die dritte Auflage des Mainzers Schlachtfests lockt in diesem Jahr mit feurigen Acts wie LAY DOWN ROTTEN oder REVEL IN FLESH Metalheads in den Bischofssitz am Rhein.

Die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz ist nicht gerade dafür bekannt, dass hier sonderlich viele Metal-Konzerte stattfinden. Wenn man als Pfälzer für gewöhnlich harte Klänge live erleben will, muss man die Rheinseite wechseln und im hessischen Grenzland wildern. Im Oktober in Mainzer M8 Club allerdings gibt sich seit gut zwei Jahren der bundesweite Extreme-Metal-Untergrund die Ehre und präsentiert sich im Rahmen des Path Of Death den Metalheads aus ganz Rhein-Main.

Das sechs Bands umfassende Programm beginnt früh um Viertel vor sechs und den Anfang machen dabei die Jungs von CRIMSON DEATH. Die Stuttgarter sind bereits seit knapp sechs Jahren unterwegs und treten uniformiert in Unterhemden und Tarnhosen auf. Ihr Mix aus straighten sowie groovigen Riffs und energetischem Death Thrash kommt gut an und lockt trotz der frühen Stunde bereits einige Besucher in die Halle. Zwischen Songs wie 'Breaking Out To Kill', 'Starving ' oder 'Cannibal And Proud' geben sich die Schwaben sehr sympathisch und heizen besonders die vorderen Reihen tüchtig an. Insgesamt eine stramme Leistung und ein echter Geheimtipp.

Danach wird es mit DEVASTATOR deutlich brutaler, aber auch etwas eintöniger als zuvor. Die Hamburger präsentieren sich zwar technisch sehr stark, aber trotzdem will das Material einfach nicht zünden. Dabei sind die Jungs alles andere unerfahren. Die Nordlichter sind bereits seit 2002 gemeinsam unterwegs und strahlen auch eine gewisse Souveränität aus. Jedoch können sie trotz des ihres netten Fronters, der in der Ansage zu 'Pork ' auch das Schweinefleisch vom Catering lobt, mich nicht ganz überzeugen. Zu generisch und unspektakulär ist ihr brutaler Death Metal, der nur einige wenige Zuschauer zum Mitmachen animiert. Da verwundert es kaum, dass sich die Halle deutlich leert und sich das Interesse an Songs wie 'Relished' oder 'Of Hatred And Void' in Grenzen hält.


Die Domstädter von ERASERHEAD blasen danach zum Angriff und machen den Laden wieder richtig voll. Auf einmal ist es gar nicht mehr so leicht, in die erste Reihe zu kommen, denn hier versammeln sich viele untriebige Todesmetaller und lassen die Birne zu Songs wie 'Pogo The Clown' oder 'Eaten By The Fish' kreisen. Auf der Stage ist man allerdings auch nicht faul und Sänger Marco wirbelt von einer zur anderen Seite der Bühne, während auch die Saitenfraktion stets in Bewegung bleibt. Der traditionelle Death Metal der Limburger fällt heute auf besonders fruchtbaren Boden und auch ihre neuen Tracks schaffen es, die Crowd zu begeistern. Außerdem gelingt es dem neuen Material, die Hoffnung auf einen neuen Release der Truppe zu wecken. Denn die erste und bisher einzige Demo hat immerhin auch schon ein paar Tage auf dem Buckel. Insgesamt ist es aber immer wieder schön, das Quintett auf der Bühne erleben zu dürfen, auch wenn man tags drauf mit bösen Nackenschmerzen rechnen muss.

Mein persönliches Highlight am heutigen Abend bilden zugegebenermaßen die Hanauer von DISCREATION. Seit der ersten Demo haben die Mittelhessen eine beachtliche Entwicklung hingelegt und sind mit ihrem aktuellen Album "The Silence Of The Gods' auf ihrem bisherigen Höhepunkt angekommen. Live sind sie allerdings schon lange eine sichere Bank. Sänger Kai ist ein Tier, das mit seinem wütenden Gebrüll die erste Reihe anfaucht und gleichzeitig in Verzückung versetzt. Aber bei DISCREATION ist nicht alles nur Gebolze. Neben den ziemlich extremen Songs der 2011er EP "Plague And Fire" gibt es mit 'Virgin Mother' auch einen wirklich stimmungsvollen Track, der trotz aller Melodie stets meilenweit vom Prädikat 'Melodic Death Metal' entfernt sind. Das alles und natürlich ihre technische Versiertheit machen diese Truppe zu einer der spannendsten Acts, die die deutsche Szene nach 2000 hervorgebracht hat. Das ist zwar noch nicht bei allen angekommen (der Saal ist etwas leerer geworden), aber auf lange Sicht setzt sich Qualität durch und mit neuen Hits wie 'Bringer Of Torture And Pain' oder 'I Reign Supreme' zeigt die Trendkurve ganz deutlich nach oben.

Als vorletzte Gruppe betritt REVEL IN FLESH die Bühne und feuert ein Gewitter ab, das eines Co-Headliners mehr als würdig ist. Mit zwei allesvernichtenden Alben im Rücken und einem Sound, der schwedischer ist als die Polizei erlaubt, legen die Schwaben richtig los. Sänger Haubersson verausgabt sich dabei so stark, dass man meinen könnte, dass sein Kopf gleich explodiert. Das passiert natürlich nicht und der sympathische Süddeutsche kann den hohen Energielevel auch bis zum Ende der Show durchgängig halten. Die Setlist ist ebenfalls sehr gelungen und haut mit 'Shadowbreeder', 'Iron Coffin' oder Wings Of Death' einen Killer nach dem anderen heraus. Das Publikum quittiert diese glanzvolle Leistung mit Jubel und ausgezeichneter Stimmung, was sich die Schwaben auch tüchtig verdient haben. Zum Abschluss wird es dann aber noch einmal besonders heftig, als mit 'Subconscious (T)error' ein Cover der britischen Todesblei-Pioniere BENEDICTION ausgepackt wird und auch den letzten Zweifler restlos von dieser Truppe überzeugt. Das anstehende dritte Album stellt auf jeden Fall einen Pflichtkauf für jeden Old-School-Deather dar, wenn es das hohe Niveau der letzten Veröffentlichungen halten kann.

Die Kirsche auf dem heutigen Death-Metal-Eisbecher bilden die alten Hasen von LAY DOWN ROTTEN. Die Herborner schauen auf eine lange und bewegte Historie zurück und genießen nicht erst seit gestern bundesweite Anerkennung. Ähnlich wie der Opener des Abends sind auch die Westhessen uniformiert und treten in identischen olivgrünen Hemden auf die Stage. Die Performance ist wie immer höchst routiniert. Die Saitenhexer koordinieren ihr Acting und Sänger Jost ist der vollbärtige Fels in der Brandung. Auch wenn der Frontmann, der den Beinamen "Little" trägt, grimmig aussieht, ist er recht gesprächig und hat einen guten Draht zum Publikum. Die Band und die Zuschauer harmonieren sehr gut. Der groovige und stampfende Death Metal zieht beim feierwilligen Publikum und Lieder wie 'Altering The Whore', 'Within The Veil' und 'The Fever' holen das Letzte aus der Menge raus, die nicht genug bekommen kann. Auch wenn ein Song der Band 'Hours Of Infinity' heißt, muss auch dieser Auftritt dennoch irgendwann zu Ende gehen und so verlässt LAY DOWN ROTTEN gegen Mitternacht die Bühne. Ein würdiger Abschluss für die dritte Auflage des Path Of Death III, das im nächsten Jahr hoffentlich in die nächste Runde geht.

Denn So wird Mainz zumindest einmal im Jahr zu einem Treffpunkt für die regionale Metal-Szene.

Redakteur:
Adrian Wagner

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