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Primal Fear - Reichenbach/Fils

04.01.2007 | 18:56

07.10.2006, h2o

Am 7. Oktober 2006 fand in Reichenbach/Fils ein nettes Konzert statt. Niemand Geringeres als Mat Sinner mit seiner Band SINNER und Ralf Scheepers mit PRIMAL FEAR suchten das kleine "h2o" heim, um den Laden mächtig ins Rütteln zu bringen. Unterstützt wurden die Jungs von den Lokalmatadoren CHINCHILLA und TARGA. Es gab also eine gute Möglichkeit, das Wochenende gescheit zu verbringen. Diese ergriff ich beim Schopf und sah mir das Ganze mal aus nächster Nähe an.

Das "h2o" an sich ist zwar eher klein bis mittelgroß, bietet aber trotzdem angenehm viel Platz. Endlich scheinen auch meine leidvollen Gebete erhört worden zu sein. Die Decke war voll mit Lüftungsrohren! Bis jetzt kam es mir immer wie ein Ding der Unmöglichkeit vor, die Konzertsäle ordentlich zu lüften. Doch hier muss jemand mal mitgedacht haben. Trotzdem machte sich eine ziemliche Hitze breit. Argh!

Dafür waren die Preise insgesamt angemessen. Für das Hauptnahrungsmittel Bier musste man plus Pfand 2,50 Euro hinblättern. Und wer einen Abschuss brauchte, konnte sich ab 2,10 Euro ein paar Kurze bestellen. Deprimierend war auf jeden Fall der Pizza-fünf-Euro-Stand. Denn von hier aus blickten tränende Augen auf einen großen, frei zugänglichen Kühlschrank randvoll mit Bier und auf das Buffet nebenan, nahezu überladen mit allen denkbaren Speisen, die das Herz begehrt. Dummerweise befand sich diese Traumwelt im Backstagebereich, welcher von zwei freundlichen Schränken in schwarz bewacht wurde. Gemeinheit!

Um meinen knurrenden Magen zu beruhigen, ging ich gen Bühne, um mir den Opener reinzuziehen. Dieser nannte sich TARGA und ist noch nicht sehr lang im Geschäft. Denn eine CD gibt es noch nicht. Als die Jungs loslegten, fiel sofort die gewaltige Ähnlichkeit zu METALLICA auf. Die Truppe legte dies noch in ein etwas moderneres Gewand und schaffte es gekonnt, die Zuschauer durch gewaltiges nackenzerfetzendes Riffing für sich zu gewinnen. In den ersten Reihen blieb kein Haar ruhig an Ort und Stelle. TARGA rissen einfach mit. Daran war aber auch die amüsante und lockere Kommunikation in und zwischen den Songs verantwortlich: Selten gibt es kleine Bands, die tatsächlich auf die Idee kommen, hübsche, leicht bekleidete Frauen mit einem Bandhomepage-Banner über die Bühne laufen zu lassen [warum wohl? - d. Red.]. Ich frage mich zwar, wie viele Besucher sich an die Homepage und wie viele an die knackigen Rundungen der Werbeträgerin erinnern können, aber das darf jeder für sich selbst beantworten.

Ein super Extra-Schmankerl neben dem professionellen und technisch klasse gespielten Material war dann noch die allgemeine Alkoholverteilung unter den Raubtieren. Prompt wurde sich eine Flasche Jackie ans Bein gebunden, Becherchen im Publikum verteilt und Whiskey ausgeschenkt. Entsprechende Reaktionen kann man sich gewiss ausmalen. Einige wenige Songs später und nach dem als Zwischeneinlage gespielten Pippi-Langstrumpf-Lied ging der Auftritt zu Ende. Schade, denn Spaß hat's gemacht!

Setlist:
01. Final Day
02. Hope
03. Cold
04. Pull Me Through
05. Fist In Your Face
06. Die

Nach einem erheiternden Gespräch mit den Chaoten von TARGA und Besuch im Backstagebereich ging ich wieder gen Bühne. Die erste Reihe bot noch freie Plätze, wovon ich einen sogleich einnahm. CHINCHILLA waren an der Reihe.

Die beliebten deutschen US–Power-Metaller (klingt komisch, ist aber so) bekam ich zuletzt auf dem Römerstein Open Air 2006 zu sehen und war damals nicht abgeneigt. Auch an diesen Abend wusste die Formation zu überzeugen, und zwar mit nahezu perfektem Sound und mit mächtig Power im Hintern. Bemerkenswert war auf jeden Fall das im Vergleich zu TARGA weitaus höhere Tempo, welches sofort das Taktgefühl im Hirn ansprach und zu entsprechenden Auf- und Abbewegungen des Schädels führte. Zum Abrunden gab es das ein oder andere Gitarrensolo und einige weniger kreative, aber die Stimmung anheizende Ansagen zu hören. Den Fans gefiel's. Und Stoff zum Mitsingen hatten sie genug, denn ein Klassiker nach dem anderen, wie zum Beispiel 'Father Forgive Me', wurde mit Herz gespielt. Zum krönenden Abschluss gab's noch 'I Stole Your Love' von den Göttern KISS als Cover. Dann war's das auch schon vom Gig. Einzig negativ war höchstens die etwas zu leise Stimme des Sängers, die aber der guten Laune im Publikum keinen Abbruch tat. Insgesamt also ein gelungener Gig.

Setlist:
01. Our Destiny
02. Queen Of The Pain
03. Take No Prisoners
04. Entire World
05. Father Forgive Me
06. I Stole Your Love (KISS-Cover)

Zeit für die übliche Bierpause. Bei der zunehmenden Stickigkeit im "h2o" hatte ich mir diese Erfrischung redlich verdient. Ich musste ja fit sein für die Urgesteine SINNER.

Diese alten Haudegen zeigten echte Spielfreude und beschenkten die zahlreich erschienenen Fans mit vielen Klassikern, die bei den zuhörenden Metalheads einschlugen wie ein Bombenteppich. Die Zuhörerschaft glich schon fast einem überlaufenden Schnellkochtopf voller Groupies - so wurde abgegangen. Mat Sinner und seine Mannen stimmte dies sichtlich glücklich, worauf sie ihren Elan weiter steigerten. Das Publikum wurde einbezogen, es wurde kommuniziert und ein klasse Sound abgeliefert, der anfangs noch durch eine zu dominante Stimme getrübt wurde, die die anderen Instrumente eher in den Hintergrund rückte. Dieses Problem wurde jedoch schnell gelöst. Für den Hochgenuss gab es dann noch 'Judgement Day' und das BILLY IDOL-Cover 'Rebel Yell' auf die Lauscher geschleudert.

Ein ziemlich nervender Punkt war eine Zwischeneinlage von einem gewissen "Stocki" oder wie auch immer, einem Sprecher der "Bikeschmiede", der Werbung machen wollte, dabei aber eher auf Ablehnung traf. Logischerweise. Denn die Fans wollten SINNER und nicht irgendeinen Heinzel der mit "Hallo!"-Rufen versuchte, die Augen des Publikums auf seinen Harley-Stand zu richten. Der Harley-Sound war zwar geil, aber die Einlage war einfach unnötig, nervend und killte teils die Stimmung. Trotzdem ließen sich SINNER nicht beirren und boten den Fans den Achtziger-Heavy-Metal, den sie lieben.

Der zu diesem Zeitpunkt spielende Gastmusiker, jetzt aber offiziell als Bandmitglied bekanntgegebene zweite Gitarrist Christof Leim (THE TRACEELORDS) diktierte mir folgende Setlist:

01. Coming Out Fighting
02. When Silence Falls
03. Knife In My Heart
04. Bad Girl
05. Born To Rock
06. Higher Level Of Violence
07. Judgement Day
08. Germany Rocks
09. Rebel Yell (BILLY IDOL-Cover)
10. Danger Zone

Die Umbaupause zog sich etwas hin, da PRIMAL FEAR erst ihre Backline, die z.B. aus einigen Bannern bestand, aufbauen mussten. Als die Truppe um Ralf Scheepers und Mat Sinner dann endlich mit einem recht epischen Intro loslegte, war die Hölle los. Die Fanscharen bangten sich die Seele aus dem Leib und feierten, was das Zeug hielt. Scheepers zeigte sich selbstbewusst und hielt mit seiner perfekt rüberkommenden Stimme den Maßstab weit oben. Selbst live und unverfälscht ist sein Organ so kraftvoll, dass er das Mikro im Gegensatz zu einigen Sängern anderer Bands nicht nah am Mund halten muss. 20 bis 30 cm Abstand reichen ihm völlig aus, um aus seiner Stimme die volle Wirkung herauszukitzeln. Das sah auch hier sehr spektakulär aus und gab dem Auftritt eine gewisse Würze.

Das Publikum profitierte von der sehr guten Mischung des Songmaterials, welches die Diskografie großzügig durchforstete. Dabei wurde es nie langweilig, und die Band machte gut Stimmung. Aber nicht nur die Ansagen machten Stimmung, auch das Outfit des Frontschreiers Ralf hatte was an sich - etwas sehr Peinliches. Scheepers mag zwar von der Statur her ein Tier sein, aber um dies zu zeigen (und das darf man auch), hätte doch ein ganz normales T-Shirt gereicht. Aber doch nicht ein hautenges, mit PRIMAL FEAR–Logo versehenes Lack-Tank-Top (!). AUA!!! Neben dem weniger störenden, extrem lauten Bass war das das so ziemlich Peinlichste, was ich auf den letzten Konzerten gesehen habe. Da fehlte nur noch die Ledermütze. Was soll's. Das mal außer Acht gelassen, legten die Jungs einen klasse Gig hin, der Lust auf mehr machte. Vor allem nach dem Mitmach-Hit 'Metal Is Forever'.

Setlist:
01. Intro
02. Demons & Angels
03. Rollercoaster
04. Nuclear Fire
05. Seven Seals
06. Angel In Black
07. Under Your Spell
08. Chainbreaker
09. Battalions Of Hate
10. Evil Spell
11. Diabolus
12. Final Embrace
13. Metal Is Forever
14. Running Into Dust (Zugabe)
14. Suicide And Mania (Zugabe)

Abschließend kann ich nur sagen: ein gelungener, lockerer, spaßiger, freundlicher Abend. Daumen hoch!

[Sebastian Schneider]

Redakteur:
Gastautor

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