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Primordial - Leipzig

26.05.2006 | 02:21

16.04.2006, Hellraiser

Wahnwitz, ich komme als PRIMORDIAL verkleidet...!

Ein Gespräch von vier POWERMETAL.de-Schreibern über ein fulminantes Konzert im Hellraiser zu Leipzig:

Das war ja wohl die geilste MANOWAR-Coverversion des Jahres! Als MOONSORROW ihre Zugabe 'Sign Of The Hammer' spielten und dazu Alan von PRIMORDIAL seine göttliche Stimme beisteuerte, kochte der Saal noch einmal richtig. Wobei die coole Aktion gar nicht so einfach zustande kam - musste doch Alan vorher das Publikum bitten, richtig laut zu schreien, damit MOONSORROW noch einmal auf die Bühne kommen. Denn nach dem Gig der Finnen war es im Hellraiser überraschend ruhig geblieben. Woran das wohl nur lag?
[Henri]

Keine Ahnung, denn MOONSORROW waren wirklich saugeil. Doch bevor es soweit war, musste man erst mal GARDENS OF GEHENNA über sich ergehen lassen. War ihr Düster-Metal schon reichlich unspektakulär, so schoss die Bassistin mit ihren dämlichen Ansagen den Vogel ab. "Der nächste Song handelt von Vergewaltigung mit einem Presslufthammer" - oh, wie böse. [Anmerkung von Henri: So platt hätte Peter Steele das auf diesen Spruch folgende TYPE O NEGATIVE-Cover "Prelude To Agony" nie angekündigt...] Oder das Stück 'Dead Body Music', das sich demnach darum dreht, wie es ist, wenn mal wieder die Kippen alle sind und man zudem auch noch aus dem Schritt riecht. Ob uns das verklickern soll, dass tote Menschen aus dem Schritt riechen? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist, dass MOURNING BELOVETH im Anschluss schon mal das erste Highlight des Abends setzten.
[Stephan]

Lust auf Doom? Aber klar doch! Endlich war die kleine Ohrentortur der Gärtner vorbei und die irischen Düsterlinge MOURNING BELOVETH versetzten den Hellraiser in einen kollektiven Musikrausch. Wunderschön, wie hier locker die 12-Minuten-Doomhämmer aus dem Ärmel geschüttelt wurden, wie die dunklen Klänge so manchen in Trance versetzten. Die enthusiastischen Zugabe-Rufe am Ende waren auf jeden Fall gerechtfertigt und fast schon überraschend. Mehr Doom für die Bühnen dieser Welt bitte!
[Caroline]

In der Tat waren MOURNING BELOVETH, auch wenn sie mit ihrem Äußeren eher wie Bauern wirken [Anmerkung von Stephan: Zudem sah der Gitarrist aus wie Devin Townsend, während der Drummer was von Angelo Kelly hatte.], wahre Könige der melancholischen Interpretation des irischen Verständnisses von Musik. Rouven habe ich ständig dazu moshen gesehen...
[Henri]

Ging auch nicht anders. Wie Bauern mögen sie aussehen, in Wahrheit sind die Jungs fähige Künstler allererster Güteklasse. Wenn zerbrechliche Gitarrenmelodien auf wuchtige, zentnerschwere Riffs treffen und dazu verzweifelte Grunzlaute erklingen, kommt der Wunsch, das Haupthaar ordentlich durchzuschütteln, von ganz alleine. Da spielt es keine Rolle, dass das Grundtempo durchschnittlich eher langsam ist, denn hier regiert nicht die Brachialität, sondern das Gefühl. Erklingt bei den wunderschönen Kompositionen auch noch die klare, mitreißende Stimme von Klampfer Frank, so kann man sich schon fast wie im Musikhimmel fühlen. Und so ist nicht nur moshen, sondern auch mit geschlossenen Augen still genießen angesagt. Als ich die Augen wieder öffne und langsam auf den Boden der Tatsachen zurückkehre, wuseln bereits die Jungspunde von MOONSORROW über die Bühne.
[Rouven]

MOONSORROW haben am Ende der Tour sichtlich eine große Menge Selbstvertrauen und Routine getankt, denn so schüchtern sie noch in Wien wirkten, so cool posten die Finnen heute in Rockstar-Manier. Mit blutiger Kriegsbemalung und sichtlich guter Laune - trotz Restkater des Vortages - legten die Jungspunde einen gelungenen Start hin, der so manchen sofort in Tanz-, Bang- oder Mitsinglaune versetzte. Warum sie als einzige Band des Abends keine Zugabe-Rufe ernteten verwunderte angesichts der Begeisterungsstürme dann doch, und so kam PRIMORDIAL-Alan am Ende noch auf die Bühne, um die zurückhaltenden Fans um etwas mehr Enthusiasmus zu bitten. Das schon erwähnte MANOWAR-Cover war jedenfalls legendär und klang mit Alans Stimme absolut grandios!
[Caroline]

Absolut. Ein schöner Augenblick, der immer noch im Hirn verweilt. Die Magie setzte sich nach der Pause fort mit PRIMORDIAL. Besonders die Songs der neuen Scheibe "The Gathering Wilderness" stachen wieder einmal heraus: Einen schöneres Stück als das todtraurig-furiose 'The Coffin Ships' haben die Iren wohl noch nie komponiert. Alan ließ bei seiner theatralischen Interpretation des Titels auch keinen Zweifel daran, dass er sich seiner Nation als glühender Patriot verbunden fühlt - geißelt er doch mit seinem wunderbar melancholischen Stimme die große Hungersnot seines Landes zwischen 1846 und 1851, die durch Englands mitverschuldet wurde: Denn die geringen Ernten Irlands waren für den Export bestimmt und standen somit der irischen Bevölkerung nicht zur Verfügung. Herzzerfetzend. Nur einen Makel hatte der Gig: 'The Dark Song' wird nicht gespielt.
[Henri]

Was daran liegt, dass Bandkopf und Leadklampfer Ciáran in Leipzig nicht mehr mit dabei war - die Arbeit rief daheim. Ihn ersetzte wie immer so oft Gerry von MAEL MORDHA, der (ebenfalls wie immer) eine tadellose Leistung ablieferte. Nach dem Gig lagen ihm zwar einige mit "Wo war 'The Dark Song'?" in den Ohren, was Gerry schief grinsend damit erklärte, dass man keine Zeit hatte, das epische Stück ausgiebig proben zu können. Diesem Umstand fielen wohl auch andere Stücke aus der Frühphase von PRIMORDIAL zum Opfer. Schade, aber mal schauen, was die nächsten Auftritte der Iren in Sachen Setlist zu bieten haben. Ich persönlich hatte auch ohne die alten Schlachthymnen einen Heidenspaß (pun intended ;-)), und auf die obligatorische Zugabe 'To Enter Pagan' mussten wir auch nicht verzichten. Wer will da noch meckern?
[Rouven]

Wohl niemand, denn wer nach diesem Abend noch nörgelnd den Mund aufmacht, outet sich als Kulturbanause und Kostverächter. Aber da man von PRIMORDIAL ja souveräne Vorstellungen gewohnt ist, möchte ich an dieser Stelle noch einmal MOONSORROWs ebenso dynamische wie majestätische Show sowie den räudigen Doom von MOURNING BELOVETH hervorheben. Definitiv was für Genießer! Und wenn die beteiligten Bands ihre Sache so hervorragend machen und mit so viel Hingabe bei der Sache sind wie in diesem Fall, dann funktioniert solch ein Package auch trotz der stilistischen Unterschiede. Das sahen auch die allermeisten Anwesenden im Hellraiser so und feierten alle drei Truppen (die überflüssige Vorband lassen wir jetzt einfach mal außen vor) nahezu gleichermaßen ab.
[Stephan]

Das Schöne am Hellraiser ist ja, dass dort feiern wirklich gut klappt. Die Preise sind nicht allzu verheereend für den Geldbeutel, die Musik zwischen den Gigs passend gewählt. Und mit solch feierfreudig-melancholisch-progressiv attackierenden Bands: Besser geht's nicht. Die Sprachlosigkeit ob einer solch geilen Tourzusammenstellung ist immer noch da. Eigentlich hätten nur noch SOLSTAFIR aus Island gefehlt...
Aber das ist wieder eine andere Geschichte, oder?
[Henri]

Nun ja, angesichts dieser saugeilen Show mag man sich eigentlich wirklich kaum Gedanken machen, wer da noch gefehlt haben könnte. Aber natürlich ist es schon ein Feiertag für jeden Metalfan, wenn solch ein Package durch die Lande zieht. Wer sich das hat entgehen lassen, darf sich getrost in den Allerwertesten beißen. Alle Anwesenden konnten jedoch einen wunderbaren Abend erleben.
[Stephan]

Amen. Was soviel heißen will wie: PRIMORDIAL sind quasi ab nun mit einem "das" vor ihrem Bandnamen zu versehen. Das Göttliche, das PRIMORDIAL...
[Henri]

Redakteur:
Rouven Dorn

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