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ProgPower Europe 2006 - Baarlo (NL)

17.10.2006 | 00:32

29.09.2006, JC Sjiva

Nachdem unser erstes ProgPower-Erlebnis im vergangen Jahr ein wenig durch die Gurkerei von unserem Privat-Quartier in Aachen nach Baarlo und zurück getrübt wurde, war eigentlich schnell klar, dass wir dieses Mal das Komplett-Paket buchen würden: Drei Tage Festival, drei Tage Unterkunft vor Ort, drei Tage proggen bis zum Umfallen! Aber muss ProgPower-Koordinator Rene Janssen uns gleich zusammen mit sechs Russen in ein Zimmer stecken? Mit zahlreichen feixenden Kommentaren der Sorte "ich hoffe, du bist trinkfest" und "die saufen bestimmt den ganzen Tag nur Wodka" im Reisegepäck mache ich mich per Bahn auf den Weg ins holländische Baarlo. Das ProgPower, welches dieses Jahr übrigens schon in die achte Runde geht, ist äußerst komfortabel mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, ein Bus fährt ab Bahnhof Venlo quasi bis direkt vor die Türen des Kasteel de Berckt.

Meinen Koffer über den Zufahrtsweg ziehend, treffe ich auf die ersten Festival-Besucher, und wie es der Zufall so will, sind es meine russischen Zimmergenossen, die mir keine fünf Minuten später auch die erste Pulle Hochprozentiges (Whisky allerdings) vor die Nase halten. Nee danke, jetzt noch nicht. Während die autofahrende Schreiberzunft sich noch durch den Vor-Feiertagsverkehr quält, schnorre ich lieber bei einem australischen Fan das eine oder andere Bier, fachsimpele mit einem britischen Gast über dies und das, treffe auf ein paar deutsche Landsmänner ... und genau das macht den Reiz dieses übersichtlichen Festivals aus, denn wo findet man sonst auf so kleinem Raum Menschen solch unterschiedlichster Nationalitäten? Allein auf dem dieses Jahr ziemlich frickel-death-lastigen Billing stehen 14 Bands aus 10 verschiedenen Ländern, und neben den zugkräftigen mittelgroßen Namen freuen wir uns auch auf die "Überraschungs-Acts" wie eben jene Russen von NOVA ART, denn eins ist klar - wo ProgPower drauf steht, ist Qualität drin!

Seit dem letzten Jahr bietet man zum Preis von 80 Euro drei Übernachtungen in besagtem Kasteel an, einem hübschen Anwesen, das sein altehrwürdiges Flair zwar mit üppigen Kronleuchtern oder altmodischen Spielkartentischen unterstreicht, dank seinen Doppelstockbetten in mehr oder weniger großen Gruppenzimmern aber gleichzeitig ein bisschen Klassenfahrt-Feeling verströmt. Der Innenhof entwickelt sich im Laufe der drei Tage zum zentralen Treffpunkt für die dort nächtigenden Fans, Pressevertreter und Bands und kann es in Sachen Spaßfaktor locker mit jedem Campingplatz aufnehmen. Für die "Rahmenunterhaltung" sorgen unter anderem eine Preisverleihung der örtlichen Kleintierzüchter in einer der zahlreichen Gebäude des Anwesens, divere Kickertische und Tischtennisplatten sowie die zum Verleih angebotenen Fahrräder (äußerst beliebt bei russischen Musikern). Eigentlich schade, dass wir - nachdem die Autofahrer endlich eingetrudelt sind - runter ins Zentrum müssen, um noch einen Eindruck von der kostenlosen Pre-Party mitzunehmen.
[Elke Huber]

Lange hatte ich mich auf dieses Ereignis gefreut und wage dieses Jahr endlich mal den weiten Weg von Innsbruck nach Holland, um mir zwei Tage lang Prog um die Ohren fliegen zu lassen. Und trotz Monsterstaus, Verfahren und noch mehr Staus erreichen wir am Ende doch den Ort des Geschehens, testen erstmal die Dorfpizzeria sowie das örtliche Bier und lassen uns von den ersten Bands überraschen - auch wenn wir den Opener aufgrund der späten Anreise leider verpassen.
[Caroline Traitler]

Das macht auch gar nicht so viel, denn das ProgPower lockt auch in diesem Jahr wieder mit einem kontrastreichen, atemberaubendem Billing: Hier ist einfach für jeden etwas dabei. Dabei kristallisiert sich der Samstag wie auch im vorigen Jahr wieder als "heftigerer" Tag heraus, soll heißen, dass alles Grunzende, teils Verrückte am ersten Tag aufspielen darf. Schön zu sehen, dass das ProgPower-Team anno 2006 noch mehr Mut zum Risiko beweist und mit EPHEL DUATH oder TEXTURES schon ganz schön heftig-abgedrehte Bands am Start hat. Schließlich ist ein Großteil der Proggies - dem Genrebegriff entgegengesetzt - leider recht engstirnig eingestellt und bezeichnet Truppen, die nicht mindestens eine halbe Tonne an Becken-Phalanxen, keine sechssaitigen Bässe und nicht mindestens eine reine Viertelstunde Skalenfrickeleien im Repertoire haben, als alles mögliche, jedoch nicht als progressive Musik. Sei's drum, gerade die eröffnenden ANOTHER MESSIAH kommen sehr gut an, TEXTURES werden bei ihrem Heimspiel nach allen Regeln der Kunst abgefeiert und EPHEL DUATH dürfen als einzige Band noch eine Zugabe aufs Parkett legen. Es geht doch - die "neue" Prog-Generation ist zumindest in Baarlo verdammt eindrucksvoll angekommen. Rein ins Vergnügen!
[Rouven Dorn]

DREAMSCAPE
Nach einer ewigen Anreise (s. o.)sind wir nun tatsächlich und endlich, endlich am Ziel und können uns dem Grund unseres Daseins widmen: Bölken und Mucke hören! Also schnell runter zur Bar, wo die Warm-Up-Show stattfindet und DREAMSCAPE uns einen Vorgeschmack auf ein großartiges Musikfest geben sollen. Doch zunächst zum Bierstand. Jetzt hab ich mich als Neu-Münchner grad an die Dimension einer Maß gewöhnt, da bekommt man hier in Holland gleich wieder einen Kulturschock: Biere in Kölsch-Größe und aus Plastikbechern! Aber egal, gut reinlaufen tut es trotzdem, genauso eigentlich wie DREAMSCAPE, die mit einer ohrenbetäubenden Lautstärke loslegen. Die Klänge, die ich durch diese Lärmwand wahrnehmen kann, finde ich jedoch ziemlich ansprechend, man denkt dabei oft an DREAM THEATER oder die Armada an Prog-Metal-Bands, die nach "Images & Words" aus dem Boden sprossen. Aber viele sind davon nicht übrig geblieben, und DREAMSCAPE haben meiner Meinung nicht nur deshalb einen Stellenwert. Die Gitarrenriffs kommen schön fett ("Awake" lässt grüßen) aus den Boxen, die Soli sind hörenswert, der Bass geht in den Magen und manchmal kommen sogar ganz schön knifflige Parts, sprich: die können schon was! Negativ fällt allerdings der Gesang auf, der vor allem in höheren Lagen deutlich an James LaBrie angelehnt ist, aber leider hin und wieder erheblich daneben liegt. Mich stört das aber weniger, ich bin heute nicht sehr wählerisch, denn heute abend zählt nur Bier und Mucke! Und Songs wie 'Different' oder 'The End Of Light' haben mir viele Staustunden auf der Autobahn im Nachhinein angenehmer gemacht.
[Thomas Becker]

Redakteur:
Elke Huber

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