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RED FANG, THE SHRINE. LORD DYING im Leipziger Täubchenthal - Leipzig

29.04.2014 | 11:52

05.04.2014, Täubchenthal

Der Rockcircus von der Pazifikküste war in der Stadt an der Parthe: drei mal die Vollbedienung in einer neuen Lokalität, die Lust auf weitere Besuche versprüht.

Am ersten Freitag des Aprils des Jahres 2014 findet in einer neuen Leipziger Lokalität ein lautes, kraftvolles, menschenvolles und dicht getaktetes Konzert statt. Es finden sich im Täubchenthal neben den Überfliegern der letztjährigen Rocksaison, RED FANG aus Portland, noch die Retropunkrockkrautköpfe von THE SHRINE ein. Beide Rockerkollegien werden auch noch unterstützt von der Doomsludgekanonade LORD DYING, die das Geschwitze beginnen darf. Aus dem Täubchenthal schwallt ein Metalset hinaus, aufgefüllt von der dröhnenden Stimme des beleibten Sängers, bratzend, böllernd, berstend, das einschlummernde Gewerbegebiet wird wach gehalten. Gleichzeitig strömt die Menge der Anwesenden dem Saale zu und beziehen doppelt Position: In Front der Band reihen sie sich auf, die ersten Kopfbewegungen zeigen Zustimmung und so wird sich eben auch positiv positioniert. Der Club ist voll, langsam fährt sich die Stimmung hoch. Die Schleifgitarren riffen, bis die Fingernägel leuchten.

Also haben wir den heutigen Doom-Metal-Part in der Umbauphase für THE SHRINE offiziell abgeschlossen. Schick in Tourpaketen - wird aber immer gern mal mitgenommen. Die Band aus Portland führt zu so einigen Diskussionen - einige Besucher haben mit dieser Auslegung von Gitarrenmucke nicht gerechnet. Sie schreien sich an. Streiten aber nicht.

Dann das Trio, welches den Rumpelrock der Achtziger mit dem lächelnden Blick der Gegenwart besieht und alles, was an Einflüssen auch aus späteren Jahrzehnten greifbar ist, mit in die Beiträge einbaut. Das macht schon auf der aktuellen Platte ziemlich viel Spaß, nun den drei Zotteln beim professionell-slakigen Herumwüten zuzusehen, rundet den positiven Eindruck deutlich ab. Die Truppe klopft ihr Set durch, der gut ausgesteuerte Ton lässt das neue Album recht greifbar aufleben. Apropos: im Vorfeld der Eröffnung des Täubchenthals ist viel von der herausragenden Qualität der Soundanlage in dem ehemaligen Industriegebäude geraunzt worden. Rockmusik vor vielen Fans falsch auszusteuern, ist ein Kardinalverbrechen. Hier geht es aber nicht kriminell zu. Die Anlage muss den Hochenergierock des Abends abfedern, transportieren, zuspitzen und trotzdem charakteristisch gestalten. Die zahlreichen Leute in der vollen Hütte drängen sich zusammen und die ersten zwölf Reihen sind in ständiger Bewegung. Also deutet das auf eine richtige Investition hin.

Rückblick, ca. zwei Stunden früher: In meiner entspannten Anfahrt beschließe ich noch den Erwerb eines Vorbieres. Als ich in einen kleinen Döner-Laden hineinluge, sehe ich die RED FANGs entspannt Kebap und türkische Pizzen malmen. Aha, Backstage auf den Stadtteil erweitert, noch mal richtig Luft schnappen, bevor die Stimme kracht. Die vier mittelalten Herren beginnen dann pünktlich kurz nach Elf. Schnell wird klar, dass in der Band Rampenschweine vorhanden sind, nach der Aufwärmphase der ersten zwei Songs entwickelt sich der sprichwörtliche RED FANG-Sog. Die ersten Euphoriker schleudern ihre Biere in die Höhe, die Band wird deutlich entspannter und grinst sich zufrieden zu. Die einschlagenden Leerbecher werden ignoriert oder als Zustimmung honoriert. Es entsteht so etwas wie eine großspurige Atmosphäre. Auffällig ist auch die durchgängige Anwesenheit nahezu 99% der Besucher. Einige erschöpfte Gestalten warten zwar draußen und scheinen vom vollen Täubchenthal überfordert. RED FANG dagegen zieht durch - die Hits werden nach und nach eingestreut - und weiter vorn wird der Sound immer besser, es eben aber auch immer voller. Insgesamt aber eine entspannte Situation mit Stonerrocksoundtrack.

Im Nachgang gibt es einen Aftershow-Themenraum, den der Fachmann gemeinsam mit einer weiblichen Begleitung mit Themen-Musik befüllt. Schön frei nach ihren Schnauzen und ohne abgedroschene Rockdisko-Choreographie wird hier aufgelegt, worauf die Bock haben. Schöne Frische weht heraus.

Auf dem Heimweg beschließe ich als Erinnerung abzuspeichern, dass das alles gerade ziemlich professionell war: in der Organisation wie auch in der Präsentation durch die Bands selbst.

Redakteur:
Mathias Freiesleben

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