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ROCKFELS OPEN AIR 2017 - Sankt Goarshausen

20.06.2017 | 18:41

15.06.2017, Loreley - Freilichtbühne

Der Loreley-Felsen bebt zum dritten Mal und Powermetal.de ist wie immer für euch mit dabei:

Der Freitag erwartet die Besucher des Loreley-Felsens dann glücklicherweise mit deutlich milderen Temperaturen von knapp 20 Grad, einigen Wolken und einer Überraschung als Opener. Wie im vergangenen Jahr bereits hat auch in diesem Jahr Rockland Radio wieder einen Contest für Coverbands veranstaltet, bei dem der Sieger den Freitags-Opener-Slot auf dem Rockfels Open Air gewinnen konnte. Nachdem die letzten Sieger PLAN A eher einen bunten Strauß von Genres präsentiert hat, hat sich in diesem Jahr mit MOTÖRHAZE eine Tributband durchgesetzt, die dem Großen Lemmy Kilmister und seiner Band MOTÖRHEAD die Ehre erweist. Dabei könnte aus der Ferne glatt der Eindruck entstehen, dass Lemmy extra für das Festival noch einmal von den Toten auferstanden ist, denn Fronter Hans Haberkörner hat sich nicht nur optisch schwer in Schale geworfen, um wie der legendäre Rocker auszusehen, sondern hat auch stimmlich schon fast unheimliche Ähnlichkeit mit dem Rock'n'Roll-Urgestein. Aber auch der Rest der Band versteht sein Handwerk bestens und so können die Jungs schon um 13 Uhr eine stattliche Menge von Fans vor der Bühne begrüßen. Einzig in Sachen Bass-Sound gibt es noch ein wenig Verbesserungsbedarf, denn hier ist Hans leider noch meilenweit vom typischen Klang der MOTÖRHEAD-Alben entfernt, was vor allem beim starken 'Metropolis' deutlich zu hören ist. Die Zuhörer stört das allerdings offensichtlich kaum, sodass der Vierer nach dem unvermeindlichen Doppel aus 'Overkill' und 'Ace Of Spades' sogar zahlreiche Zugaben-Rufe für sich verbuchen kann.

Für einen Nachschlag reicht die Zeit so früh am Festivaltag aber leider nicht, denn im Hintergrund ist die Crew bereits dabei, die Bühne mit umfangreichen Aufbauten für die Bielefelder XANDRIA herzurichten. Mit seinem ausschweifenden Symphonic Metal und der opernhaften Stimme von Fronterin Dianne van Giersbergen bietet das Quintett das volle Kontrastprogramm zum  geradlinigen Rock'n'Roll von MOTÖRHAZE. Doch die Zuhörer stört das überhaupt nicht. Stattdessen haben sogar viele Fans in Gothic-Kluft ihren Weg ins Amphitheater gefunden, die ganz offensichtlich extra für die eher symphonisch ausgerichteten Bands des Billings angereist sind. Dementsprechend blickt die Truppe aus dem nördlichen Nordrhein-Westfalen auch bereits auf bestens gefüllte Ränge, als sie mit 'Where The Heart Is Home' in ihr Set startet. Musikalisch und technisch präsentiert sich der Fünfer dabei perfekt eingespielt und liefert eine souveräne Show ab, die schnell vor allem in den vorderen Reihen für Begeisterung sorgt. Der Mix aus harten Gitarren und pompösen Orchestersounds vom Band, wie er in Tracks wie 'Nightfall' zelebriert wird, kommt beim Rockfels-Publikum ganz offensichtlich bestens an, auch wenn die Performance der Bielefelder für mich ab und an etwas zu routiniert und einstudiert rüberkommt. Am Gesamteindruck ändert das allerdings nur wenig, denn als die Spielzeit von XANDRIA nach etwas weniger als einer Stunde endet, haben die Dame und die Herren den Loreley-Felsen für sich erobert und wahrscheinlich auch einige neue Fans gewonnen.

Den folgenden Umbau nutzen wir für eine kleine Verschnaufpause bei unseren Freunden, die für das Wochenende auf dem Campground ihre Zelte aufgeschlagen haben. Auch hier hört man zu großen Teilen nur Positives. So ist vor allem die Situation mit Duschen und Toiletten bestens gelöst, ganz anders als beim Metalfest in den Jahren vor dem Rockfels Open Air. Die sanitären Einrichtungen sind allesamt sauber und für einen Obulus von 11 Euro können sie während des gesamten Festivals genutzt werden.

Uns zieht es allerdings wieder zur Bühne zurück, denn dort ist als nächster Programmpunkt die geheimnisvolle ROCKFELS SHOW BAND angekündigt, worunter sich bis zuletzt keiner der Besucher wirklich etwas vorstellen konnte. Doch auf dem Weg zum Einlass erwartet uns die erste große Überraschung, denn viele Zuhörer haben bereits während der Pause den Weg zurück zu ihren Zelten angetreten. Als wir schließlich im Amphitheater ankommen, kann ich mir darauf auch einen Reim machen, denn hinter der ROCKFELS SHOW BAND versteckt sich eigentlich die Jungs von TXL, die bereits am Vortag als Opener nicht wirklich überzeugen konnten. Dieses mal haben die Jungs ihr Equipment vor einem großen Rockfels-Banner aufgebaut und geben auf Metal getrimmte Schlager und Pop-Songs zum Besten wie etwa Mark Forsters 'Chöre'. Die Begeisterung der Zuschauer hält sich dabei eher in Grenzen, sodass die meisten auf den Steinbänken Platz genommen haben und auf das Ende der Show warten. Zu allem Überfluss deckt sich ein Teil der Setlist auch noch teilweise eins zu eins mit der des Vortags, wo zum Beispiel bereits 'Alkohol' von Herbert Grönemeyer mit von der Partie war. Auf dem Papier mag die Idee für die ROCKFELS SHOW BAND sicher wie eine witzige Abwechslung ausgesehen haben, in der Umsetzung entpuppt sie sich allerdings als echter Stimmungskiller und sollte im kommenden Jahr folgerichtig auch nicht wiederholt werden.

Als schließlich endlich die letzten Pop-Refrains verstummt sind, kann es wieder mit metallischen Tönen weitergehen, denn für den frühen Nachmittag hat sich mit SANCTUARY eine echte Legende des US-Metal angekündigt. Gerade einmal zwei Alben haben die Amerikaner zwischen 1985 und 1991 veröffentlicht, konnten sich damit aber trotzdem einen gewissen Kultustatus erarbeiten. Seit dem Ende von NEVERMORE ist Warrel Dane nun wieder zu seinen musikalischen Wurzeln zurückgekehrt und so meldeten sich die Amerikaner mit dem überraschend starken "The Year The Sun Died" im Jahr 2014 zurück, dessen Tracks 'Arise And Purify' und 'Let The Serpent Follow Me' auch den heutigen Gig standesgemäß eröffnen. In den letzten Jahren gab es ja oftmals Kritik an der gesanglichen Performance von Herrn Dane, doch heute präsentiert er sich glücklicherweise stimmlich in bester Verfassung. Ganz anders sieht es da schon zwischen den Songs aus, wo er doch eher rastlos umherläuft und den Kontakt mit dem Publikum größtenteils vermeidet. Gleichzeitig ist der Fronter inzwischen fürchterlich abgemagert und macht bei seinen wenigen Ansagen nicht den klarsten Eindruck. Glücklicherweise werden diese  Punkte allerdings von einer musikalisch genialen Performance ausgebügelt, bei der sowohl neue Kompositionen wie 'Frozen' oder 'Question Existence Fading', als auch Klassiker der Marke 'Die For My Sins' und 'Eden Lies Obscured' auf ganzer Linie überzeugen können. Alles in allem endet damit nach gut einer Stunde eine Show, mit der die Amerikaner die Die-Hard-Fans im Publikum in jedem Falle zufrieden gestellt haben dürften. Bleibt zu hoffen, dass Warrel Dane sich bald auch wieder abseits der Musikt fängt, denn es wäre wirklich traurig, wenn seine unglaubliche Stimme auch in Zukunft weiterhin von seinen gesundheitlichen Problemen überschattet würde.

Bevor es dann im Anschluss mit den drei Hauptbands des Tages weitergeht, nutzen wir die Pause, um uns einen Eindruck von den Autogrammstunden zu verschaffen, die direkt neben dem Merchandise-Stand im oberen Bereich der Freilichtbühne an allen drei Tagen stattfinden. Auch hier muss man die Organisation erneut loben, denn nahezu alle Bands finden sich pünktlich zu den angekündigten Zeiten hier ein, um für Fotos mit den Fans zu posieren oder deren mitgebrachte CDs zu signieren. Ausnahmen bestätigen auch hier leider die Regel, aber dazu später mehr.

Erst einmal geht es nun nämlich zurück ins Amphitheater, wo die Niederländer DELAIN gerade die Bühne entern und den Fans von symphonischen Tönen nach dem Auftritt von XANDRIA heute Mittag nun einen Nachschlag servieren. Im Gegensatz zur sehr divenhaften Dianne van Giersbergen  hat Fronterin Charlotte Wessels aber von Beginn an einen deutlich besseren Draht zum Publikum und kann so auch schnell die Zuhörer begeistern, die ansonsten nicht unbedingt zur Musik des Sextetts greifen würden. Aber halt, ich schreibe Sextett, allerdings stehen nur fünf Musiker auf der Bühne. Keyboarder Martijn Westerholt fehlt heute aus nicht näher erläuterten Gründen und so kommen seine Parts  ausschließlich vom Band, was der Show der Truppe allerdings keinesfalls schadet. Stattdessen servieren Charlotte, Gitarristin Merel Bechtold und ihre drei männlichen Mitstreiter einen Hit-verdächtigen Track nach dem anderen und heizen dem Rockfels-Publikum damit am frühen Abend ordentlich ein. Inzwischen können die Niederländer aber auch aus dem Vollen schöpfen, denn insbesondere ihre letzten drei Alben haben mit 'Army Of Dolls', 'The Hurricane' oder 'Fire With Fire' wirklich eine Menge starker Songs abgeworfen, die mit ihren ausladenden Hooklines auch heute Abend zum Mitsingen einladen. Nach gut einer Stunde beenden die Fünf schließlich mit 'We Are The Others' ein beeindruckendes Set und ernten damit nicht nur Applaus, sondern auch viele Rufe nach einer Zugabe. Als Fazit lässt sich da eigentlich nur festhalten, dass sich DELAIN auf einem glänzenden Weg befindet und es eigentlich nur eine Frage der Zeit sein kann, bis die Truppe auch die großen Konzerthallen Deutschlands als Headliner füllen wird.

[Tobias Dahs]

Mittelalter-Bands und der schöne Loreley-Felsen: Es ist eine schier magische Anziehung, die das Genre mit der malerischen Location verbindet. Jede Mittelalter-Rock-Band muss eigentlich einmal eine Live-DVD vor Ort aufgenommen haben, ein Festival hier veranstaltet oder ein Lied über den Mythos der sirenenhaften Loreley geschrieben haben, so ein Running Gag der Szene. Schade, dass SALTATIO MORTIS am Freitag keine Filmcrew dabei hat, denn filmreif – das ist er, der Auftritt der Spielleute. Mit 'Früher war alles besser' starten die Jungs derart energiegeladen ins Programm, dass das Publikum von Anfang an tanzt, klatscht und mitsingt. Und zwar derart laut, dass man den Chor noch bis auf das Felsplateau der Hausherrin hört. Was folgt, ist ein Highlight nach dem anderen vor den lückenlos gefüllten Rängen des Amphitheaters. Ob die heiße, spektakuläre Feuershow bei 'Prometheus' („Ich bring' euch Feuer“) oder Aleas Crowdsurfing beim 'Rattenfänger'. SALTATIO MORTIS hat hörbar und sichtlich Lust auf die Show und passt die Setliste sogar dem historischen Hintergrund der Örtlichkeiten an. Ein besonderes Schmuckstück des Auftritts sind so für mich die mittelalterlichen Spielmannslieder wie 'Totus Floreo' mit mehreren Dudelsäcken und Tambour. Selbst der Weihnachtsmann des Rockfels Open Airs kommt bei den Spielleuten von SALTATIO MORTIS nicht ungeschoren davon: Zum Song 'Willkommen in der Weihnachtszeit' des neusten Albums, der großen Erfolgsplatte "Zirkus Zeitgeist", holt Alea den Herren mit dem Rauschebart spontan auf die Bühne. Während der ganzen Zeit lässt SALTATIO MORTIS den Zuschauern nicht einen Moment zum Luftholen – die kollektive Eskalation und der nicht endende Publikumschor beim eigentlich letzten Stück 'Spielmannsschwur' sorgt bei mir für ordentlich Gänsehaut. Damit das am späten Nachmittag nicht zu einem eisigen Frösteln wird, sorgt SALTATIO MORTIS mit der Zugabe noch einmal musikalisch und optisch für Feuer – mit dem 'Spiel mit dem Feuer'.

[Leoni Dowidat]

Ob man die Musik der Mittelalter-Barden nun mag oder nicht: Sie haben, wie meine Kollegin Leoni richtig bemerkt, heute Abend den Loreley-Felsen definitiv zum Beben gebracht und damit ein echtes Pfund abgeliefert, mit dem sich fast jede Band im Anschluss schwer tun würde. Glücklicherweise hat sich als Hauptband des heutigen Tages und als Headliner des gesamten Festivals aber mit BLIND GUARDIAN eine der großen Institutionen der deutschen Metalszene angekündigt. Davon zeugt auch der Zuspruch der Zuschauer, denn die Ränge der Freilichtbühne sind vollständig gefüllt, als die Krefelder mit 'The Ninth Wave' vom aktuellen Silberling "Beyond The Red Mirror" ihr Set eröffnen. Fronter Hansi Kürsch hat dabei mit der bestens angeheizten Menge keinerlei Mühe und so halten die Jungs das hohe Energie-Level ihrer Vorgänger mühelos. Großen Anteil daran hat sicherlich auch die Setlist, denn nach dem epochalen Opener greift das Quartett, das heute Abend wieder von Bassist Barend Courbois und Keyboarder Michael Schüren untersützt wird, mit 'Welcome To Dying' und 'Nightfall' direkt ganz tief in die Klassiker-Kiste und wird dafür direkt mit "Guardian"-Rufen vom Publikum belohnt. Schließlich folgt mit 'Prophecies' eine weiterer Track von "Beyond The Red Mirror" bevor endlich das beginnt, worauf hier alle gewartet haben. Ein ausladendes Intro eröffnet im Anschluss nämlich eine grandiose Version von 'Imaginations From The Other Side', die gleichzeitig den Startschuss für eine komplette Performance des gleichnamigen Albums liefert, dessen 20-jähriges Jubiläum so auf den diesjährigen Shows des Vierers begangen wird. Witzigerweise fällt die exklusive Auswahl der Songs von einem Album überhaupt nicht so sehr ins Gewicht, denn die Scheibe aus dem Jahr 1996 hat mit famosen Tracks wie 'The Script For My Requiem', 'Another Holy War', 'I'm Alive' oder 'Bright Eyes' so viele Klassiker abgeworfen, dass sie im Alleingang eine Best-Of-Platte füllen könnte. Dementsprechend ausgelassen feiern die Zuhörer auch ihre Helden auf der Bühne und wie immer wenn man Spaß hat, verfliegt die Zeit praktisch. Als schließlich das starke 'And The Story Ends' mit lautstarken Publikums-Chören die Aufführung dieses Meilensteins der deutschen Metal-Geschichte beendet, können dann auch viele Anwesende kaum glauben, dass die Spielzeit des Headliners schon fast vorbei ist. Das wissen auch die Krefelder und so verzichten sie auf das übliche Zugabe-Spielchen und servieren dem Publikum noch drei unsterbliche Klassiker als Zugabe. Den Anfang macht dabei natürlich 'The Bard's Song – In The Forest', das wie immer lautstark von den Fans mitgesungen wird, die dabei nicht selten auch fast die Band und vor allem Fronter Hansi übertönen. Doch damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, denn das Rockfels-Publikum kann noch lauter und beweist das beim folgenden 'Valhalla', das natürlich wieder mit einem ausgedehnten Mitsing-Part versehen wird. Nach gut 100 Minuten beendet schließlich 'Mirror Mirror' mit seinen bombastischen Riffs den Auftritt des Quartett standesgemäß und lädt die Zuhörer zu einer letzten Ertüchtigung der Nackenmuskulatur ein. Mit dieser Show haben die Krefelder damit wieder eindrucksvoll bewiesen, dass BLIND GUARDIAN und die Loreley einfach eine perfekte Kombination sind, denn die malerische Location und die Fantasy-Texte der Band sind einfach wie für einander gemacht.

Setlist BLIND GUARDIAN: The Ninth Wave, Welcome To Dying, Nightfall, Prophecies, Imaginations From The Other Side, I'm Alive, A Past And Future Secret, The Script For My Requiem, Mordred's Song, Born In A Mourning Hall, Bright Eyes, Another Holy War, And The Story Ends, The Bard's Song – In The Forest, Valhalla, Mirror Mirror

Die Frage am Ende des zweiten Festivaltages kann damit eigentlich nur lauten: Was soll da noch kommen? Ich jedenfalls kann mir kaum vorstellen, dass diese monumentale Show von BLIND GUARDIAN noch von einer anderen Band des Festivals getoppt werden kann. Trotzdem heißt es jetzt erst einmal ab in die Kojen, denn am morgigen Samstag hat das Billing auch noch einige echte Hochkaräter auf Lager.

[Tobias Dahs]

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Redakteur:
Tobias Dahs

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