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ROCK HARD FESTIVAL 2019 - Gelsenkirchen

01.09.2019 | 23:53

07.06.2019, Amphitheater

Das Rock Hard Festival geht in die nächste Runde!

Alle Jahre wieder versammeln sich Rocker und Metaller am Pfingstwochenende im Ruhrgebiet, um dann im wunderschönen Ambiente des Gelsenkirchener Amphitheaters ein Familienfest der lauteren Art zu feiern. Das Rock Hard Festival geht auch 2019 wieder in die nächste Runde und wird einmal mehr für jeden Geschmack etwas an allen Tagen dabei haben. Vom metallischen Stahlgut über Death- und Black-Metal-Walzen bis hin zu klassischen Hardrocktönen wird musikalisch wieder deftig serviert, doch auch das Drumherum darf nicht vergessen werden. Und so trifft sich die POWERMETAL.de-Crew - bestehend aus Rüdiger Stehle, Julian Rohrer, Raphael Päbst, Michael Meyer, Björn Backes und Marcel Rapp - auch in diesem Jahr, um euch von den Bands an den drei Festivaltagen zu berichten. Und wie immer: Es war uns eine große Freude! Here we go:

VULTURE (15:00 Uhr - 15:40 Uhr)

Es ist Tradition, dass das Rock Hard Festival von einer Thrash Band eröffnet wird. Diese Tradition kann man natürlich in verschiedene Richtungen auslegen und während es in vergangenen Jahren auch gern mal in den eher schwarzen Teil des Genres ging, ist heuer Speed Metal mit Thrash-Einschlag angesagt, von Deutschlands Genrehoffnung VULTURE, die heuer ihr zweites Album veröffentlicht. Und naja, wo Hyperspeed Metal draufsteht, ist auch Hyperspeed Metal drin. Das ist einerseits cool, weil es eben Musik ist, bei der man direkt Durst hat und den Drang verspürt, ekstatisch zu headbangen, ist andererseits aber auch etwas sehr eintönig, was den Auftritt nach ein paar Songs etwas an Durchschlagskraft verlieren lässt. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass Sänger Leo Steelers Stimme leider etwas dünn klingt, den hohen Schreien schlicht die Kraft fehlt, sich gegen die Riffwand durchzusetzen. Dennoch, unterhaltsam ist das Gebotene allemal und so kann man konstatieren, dass das diesjährige Festival nach Maß eröffnet wurde, ab jetzt gibt es eigentlich nur noch Spaß mit Heavy Metal, guten Freunden und kühlen Getränken.
[Raphael Päbst]

CHAPEL OF DISEASE (16:00 Uhr - 16:40 Uhr)

Nach dem Wake-up-Call in Form von deutschem Speed Metal ist nun die Zeit gekommen, zu beweisen, dass atmosphärischer Death Metal auch bei Sonnenlicht funktioniert. Dieser wird auch nicht von irgendeiner Band vorgetragen, sondern vom wohl hoffnungsvollsten Export dieser Spielart, den Deutschland zur Zeit zu bieten hat (zusammen mit SULPHUR AEON). Vor der Bühne versammelt sich eine ordentliche Traube, um CHAPEL OF DISEASE die Ehre zu erweisen und sich von Songs des letzten Albums plus 'The Dreaming Of The Flame' vom Vorgänger "The Mysterious Ways Of Repetitive Art" ins Nirvana tragen zu lassen. Ohne Ansagen und hochkonzentriert, aber nicht ohne Bewegung spielt man sich durch den Set, leistet sich keinen einzigen hörbaren Fehler und begeistert auf der großen Bühne im hellen Sonnenlicht ebenso wie in einem kleinen, stickigen Club (selbst letzten Dezember erlebt). Die Anhängerschaft ist bezaubert, und mit Songs wie dem perfekten Opener 'Void Of Words' (dessen SKYNYRD-artiges Solo fast 1:1 umgesetzt wird) oder dem Monstertrack 'Song Of The Gods' dürfte man sich den ein oder anderen neuen Fan als Souvenir mitgenommen haben.
[Michael Meyer]

THE IDIOTS (17:05 Uhr - 17:50 Uhr)

Das Rock Hard Festival ist durch Magazin und Location sehr stark mit dem Ruhrpott verbunden, mehr noch als viele andere Festivals mit ihrer jeweiligen Region. Das erklärt auch, warum heute mit den IDIOTS eine Band auf der Bühne steht, die außerhalb des Potts heutzutage vermutlich kaum noch jemand kennt. Die Punker legen dann auch direkt eine sehr eigenwillige Show auf die Bretter, die einige alte Fans sehr begeistert, aber bei vielen anderen auch Fragzeichen zurücklässt. Da ist zunächst einmal das Problem, dass das Material nur den wenigsten vertraut ist und dann auch nicht so einfach und eingängig ist, dass man die Lieder spätestens beim zweiten Refrain mitsingen kann. Andererseits ist auch das Auftreten des Frontmanns mit Make-up und leicht eigenwilligen Ansagen eher etwas für den ausgefalleneren Geschmack. So lässt er uns wissen, dass er für den Punkrock sterben würde, so wie Joey DeMaio für den Metal sterben wollte und erzählt auch sonst ein paar merkwürdige Dinge. Und so verziehe ich mich im Verlauf der Show in Richtung des Partyzelts, um dem aufziehenden Regen zu entkommen, der die Show in der zweiten Hälfte anfängt, ungemütlich werden zu lassen. Was bleibt von den IDIOTS? Eine Show, die für einige lokale Fans und das Rock Hard eine Herzensangelegenheit war, die aber viele andere nicht wirklich erreicht hat.
[Raphael Päbst]

TYGERS OF PAN TANG (18:15 Uhr - 19:15 Uhr)

Auch wenn der Regen noch nicht ganz aufgehört hat, verlasse ich das Partyzelt, um mich mit einem frischen Bier bewaffnet in die vorderen Reihen zu kämpfen, denn hier spielen jetzt die TYGERS OF PAN TANG, NWoBHM-Legende und, wenigstens in meiner Erfahrung aus früheren Begegnungen, exzellente Liveband. Und meine Erinnerung trügt mich nicht, die Truppe hat in puncto Spielfreude nicht abgebaut und was die Songs angeht, sowieso eine Menge Hits im Gepäck. Und so ein wenig flotter Heavy Metal britischer Prägung hat einfach noch nie geschadet, wenn es darum geht einen momentanen Wetter-Lapsus zu vergessen, weshalb ich mich im Getümmel vor der Bühne mit vielen Gleichgesinnten zum Mitsingen, Faust und Kopf schütteln und anderen Aspekten des metallischen Feierns wiederfinde. Das Publikum weiß die Energie der Band zu schätzen und diese ist dankbar für die Reaktionen, weshalb man bereits nach wenigen Liedern von einem vollen Erfolg sprechen kann, etwas was sich auch bis zum Schluss nicht mehr ändert. In dieser Form bleiben die TYGERS OF PAN TANG eine Bereicherung für jedes Festival und dürften heute einige neue Fans gewonnen haben.
[Raphael Päbst]

LIZZY BORDEN (19:45 Uhr - 21:00 Uhr)

Dass LIZZY BORDEN live ein absoluter Hingucker und Stimmungsmacher ist, beweisen uns die L.A.-Rocker ab der ersten Sekunde des heutigen Abends. Es wird etwas dunkler, geheimnisvoller und bisweilen auch unheimlicher, uns erwartet eine ordentliche Portion Schwermetall mit dieser unverwechselbaren Stimme. Und so beginnt der Meister nostalgischer Klänge das Set mit dem aktuellen 'My Midnight Things' und 'Abnormal', ehe dann im weiteren Verlauf die Klassiker wie 'Love Kills' und 'Eyes Of A Stranger' mehr und mehr zum Zuge kommen. Stets ist LIZZY BORDEN selbst immer passend zum jeweiligen Song gekleidet, gibt dem eigenen Auftritt den nötigen Pfiff und sorgt für ein hohes Maß an Authentizität. Dem Amphitheater gefällt die Mixtur aus knackigem US Metal und einer Horror-Modenshow der etwas anderen Art. 'Master Of Disguise' und 'American Metal' brechen den Bann, in vielen Anwesenden kommt Nostalgie hoch und automatisch durchfährt dem Rock Hard Festival ein gewisser 1980er-Charme. Ein guter Sound, das perfekte Ambiente und ein Publikum, das die heutige "The Murderess Metal Road Show" dankbar annimmt, sorgen für die vielen i-Tüpfelchen eines Auftritts, den man einfach gesehen haben muss.
[Marcel Rapp]

WATAIN (21:30 Uhr - 23:00 Uhr)

Auch wenn ich, obwohl durchaus in der Wolle gefärbter Schwarzmetaller, das ganz große Aufheben um die schwedischen Antikosmiker nie so recht verstanden habe, so hat die Band in den Jahren seit der Jahrtausendwende genügend starke Black-Metal-Alben veröffentlicht, dass ich heute Abend mit ordentlicher Spannung dem freitäglichen Headlinergig WATAINs entgegen schaue. Also pünktlich zum Auftakt des großen Finales vor die Bühne gepilgert, Zeuge geworden wie rotes Licht und Nebel dieselbe in Besitz nehmen, und mich in die Stimmung für die luziferianische Abendmesse begeben. Wie man es erwarten darf ist die Bühne natürlich mit allerlei Devotionalien des Pfades der linken Hand geschmückt; Kerzen, Fackeln, umgedrehte Kreuze und Dreizack dürfen nicht fehlen, und Frontmann Erik Danielsson zelebriert seine Mette natürlich auch mit dem nötigen schwarzen Pathos und eindrucksvoller Theatralik. Da auch musikalisch nichts anbrennt und die Herrschaften auf der Bühne, also das klassische WATAIN-Trio plus doppelte DEGIAL-Verstärkung, einen feinen Mix aus rasender, typisch schwedischer Black-Metal-Schule wie bei 'Underneath The Cenotaph' und hymnischen, eher etwas schleppenden Stücken der Marke 'The Child Must Die' und 'All That May Bleed' zum Besten geben, kann ich durchaus eintauchen in die Welt WATAINs und den Auftritt genießen. Der Gig ist auf ganzer Linie gelungen, die Darbietung weiß zu beeindrucken, und auch die Songs sind aller Ehren wert. Was mir an WATAIN nach wie vor ein wenig fehlt, ist ein über die Art der Darbietung hinaus gehendes, gravierendes Alleinstellungsmerkmal, denn gerade musikalisch und gesanglich ist und bleibt das Gebotene dann bei allem Brimborium doch recht generischer schwedischer Black Metal, wenn auch ein solcher der wirklich gehobenen Güte.
[Rüdiger Stehle]

 

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Redakteur:
Marcel Rapp

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