ROCK OUT FESTIVAL 2023 - Augsburg

21.12.2023 | 14:02

15.12.2023, Schwabenhalle

Gelungene Premiere für das Zwillings-Festival.

Seit einigen Jahren sind meine Frau und ich Stammgast auf dem KNOCK OUT-Festival in Karlsruhe. Das eintägige Festival kurz vor Weihnachten zeichnet sich durch ein hervorragendes Billing aus und lockt bereits seit 2005 einige tausend Metalheads in die Schwarzwaldhalle. In diesem Jahr bekommt die etablierte Veranstaltung mit dem ROCK OUT-Festival in Augsburg einen Ableger. Findet das KNOCK OUT-Festival am Samstag statt, geht das ROCK OUT-Festival bereits einen Tag zuvor über die Bühne.  Da der Weg in die Fuggerstadt für uns etwas kürzer ist, nehmen wir in diesem Jahr an der Premiere teil.

Wie auch sonst in Karlsruhe habe ich für Augsburg im Vorfeld ein Zimmer gebucht. Zum einen geht das Festival bis in die Nacht, auf der anderen Seite kann ich so mal 1,5 Biere mehr als üblich trinken. Der Check In im Hostel verläuft sehr abenteuerlich und zeigt uns, dass man nicht alles digitalisieren muss, was man digitalisieren kann. Der ganze Vorgang läuft rein über das Handy und es gibt keinen Schlüssel. Hätte ich mein Phone in der Nacht verloren oder den Akku leergesaugt, wäre die Treppe vor dem Haus unser nächtlicher Schlafplatz gewesen.

Mit den ÖPNV erreichen wir die Schwabenhalle, welche sich als große Halle auf dem Messegelände entpuppt. Vor dem Eingang befinden sich gerade einmal eine Handvoll Headbanger und mir schwant Böses. Ich hoffe inständig, dass sich die Premiere nicht als Rohrkrepierer entwickelt. Am Line-up kann es nicht liegen, wie auch in Karlsruhe werden in Augsburg bis auf eine Ausnahme die sechs gleichen Bands spielen. Okay, für einen Freitag ist 15:30 Uhr als eine Einlasszeit vielleicht etwas früh und die erste Band betritt die Bühne erst um 17 Uhr. Ich hoffe also, dass noch mehr Besucher den Weg nach Augsburg finden.

Es stellt sich schnell heraus, dass das gute Konzept aus Karlsruhe nahezu 1:1 auf das Zwillingsfestival übertragen wurde. Neben der eigentlichen Location mit Bühne und Getränkeständen gibt es eine weitere große Halle, welche sehr viele Sitzgelegenheiten sowie ein reichhaltiges Speiseangebot bietet. Für die Beschallung sorgt ein DJ von Rock Antenne Bayern. In einer recht dunklen Ecke entdecke ich die Ausstellung von Thomas Ewerhard. Doch dazu später mehr. Wir bewaffnen uns mit einem hopfenhaltigen Kaltgetränk und machen uns auf den Weg zur Halle, in der ALL FOR METAL heute den bunten Reigen eröffnet. Diese hat sich mittlerweile zum Glück anständig gefüllt.

Während meine Herzdame sich einen Platz auf der bestuhlten Tribüne sucht - der Tag wird lang -, mache ich mich auf den Weg Richtung Fotograben und treffe auf sehr freundliche und entspannte Securitys. Es bleibt noch etwas Zeit für ein Gespräch mit den Jungs, bevor das Licht erlischt und ich ALL FOR METAL heute zum dritten Mal in diesem Jahr sehe - eine Band, die mich nach wie vor fasziniert. Seit ihrem ersten Auftritt auf dem Metalfest in Pilsen wächst ihre Fangemeinde stetig. Das Sextett um die beiden Sänger "Tetzel" Wagner und Antonio Calanna liefert neben eingängigen Power-Metal-Songs eine astreine Bühnenshow ab. An den Gitarren toben sich Jasmin Pabst und Ursula Zanichelli aus, für den Rhythmus sind die beiden Herren Toma und Jensen zuständig, die beide Masken tragen und eher im Hintergrund agieren.

Und dann gibt es noch die beiden Tänzerinnen Christina und Luisa, welche zu Beginn vom ersten Song 'All For Metal', mit Flammenwerfern die Bühne betreten. Natürlich kann man geteilter Meinung sein, ob sich Bands mit weiteren Mitgliedern dieser Art verstärken müssen, aber für mich passen die beiden auf jeden Fall dazu, das ganze Konzept wirkt stimmig. ALL FOR METAL muss heute mächtig aufs Gaspedal treten, hat die Band doch gerade einmal 30 Minuten Zeit, um ihre Setliste durchzuspielen. daher geht es auch Schlag auf Schlag. Während Ursula auf der linken Seite überwiegend im Nebel verschwindet, schlägt auf der rechten Seite mein Fotografenherz höher. Perfektes Licht und eine äußerst agile Jassi sorgen wieder einmal dafür, dass ich viel zu oft auf den Auslöser drücke. Auch das Sängerpaar präsentiert sich von seiner besten Seite und bietet neben guter Musik auch einiges fürs Auge. Viel zu schnell ist die Show zu Ende und ALL FOR METAL verabschiedet sich mit 'Goddess Of War' aus Augsburg. Nach den Reaktionen in der Schwabenhalle zu urteilen, hätte die Show gerne noch länger dauern können.

Zu PHIL CAMPBELL muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren. Seine Vita zu beschreiben würde bedeuten, Eulen nach Athen zu tragen. Seit Ende 2015 tritt der MOTÖRHEAD-Gitarrist mit seinen Söhnen unter dem Namen PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS auf, lediglich am Mikrofon steht ein Sänger mit anders lautenden Nachnamen. Die Band hat bisher drei Alben veröffentlicht, von denen heute jedoch kein Track in die Gehörgänge der anwesenden Metalheads findet. Wie schon auf dem Konzert in Aachen, welches mein Kollege Stefan besucht hat, gibt es an diesem Abend ausschließlich Songs von MOTÖRHEAD. Unter frenetischem Jubel wird die Band von der Crowd begrüßt, welche einen Klassiker nach dem anderen abschießt. 'Iron Fist', 'Killed By Death', 'Ace Of Spades', es ist eigentlich alles dabei.

Während Phil eher introvertiert seinen Part abliefert, füllt sein Nachwuchs die große Bühne komplett mit Leben. Auch Sänger Joel Peters agiert während seiner gesanglichen Darbietung äußerst gestenreich. Den Fans gefällt die Show auf jeden Fall, immer wieder wird gesungen, geklatscht und die Pommesgabel in die Luft gestreckt. Es gibt zwar Momente, in denen das Publikum aufgrund des dichten Nebels keinen Musiker erkennen kann, dies tut der hervorragenden Stimmung in der mittlerweile sehr gut gefüllten Schwabenhalle jedoch keinen Abbruch. Es ist der kurzen Spielzeit geschuldet, dass 'Overkill' leider nicht gespielt wird und 'Killed By Death' den Abschluss bildet. Dennoch hat PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS vielen Leuten sehr glückliche Momente beschert, und vielleicht war der Nebel in Wirklichkeit eine Wolke, in der Lemmy...

Bisher läuft hier alles wie am Schnürchen. Die Spielzeiten der Bands werden exakt eingehalten und die Umbaupausen reißen die angegebenen 25 Minuten auch nicht. Aufgrund der guten Infrastruktur schaffe ich es, mir in der kurzen Pause ein weiteres Kaltgetränk zu besorgen. Lange Schlangen sucht man an den Getränkeständen vergeblich. Klar, während der Pausen wird es mal etwas voller, dennoch hält sich das alles im Rahmen und ich freue mich auf die kommenden Bands.

Wie die beiden Bands zuvor überzeugt auch ie US-amerikanische Hard-Rock-Combo THE DEAD DAISIES auf dem ROCK OUT-Festival und kann vollkommen zu Recht als All-Star-Band bezeichnet werden. Neben Gitarrist Doug Aldrich (WHITESNAKE), Sänger John Corabi (MÖTLEY CRÜE) und Drummer Brian Tichy (WHITESNAKE) betritt Gitarrist und Gründungsmitglied David Lowy die Bühne in der Schwabenhalle. Bassist Michael Devin kann ebenfalls auf 11 Jahre WHITESNAKE-Vergangenheit zurückblicken. Wer nun denkt, dass die Band ein Best Of ihrer ehemaligen Combos zum Besten geben, wird eines besseren belehrt.

Vielmehr gibt es ein Best Of von THE DEAD DAISIES. Genau so heißt das aktuelle Album der Band. Kein Wunder, in den mittlerweile 10 Jahren ihres Bestehens, haben die toten Gänseblümchen eine Menge Hits geschrieben. Neben dem bockstarken 'Mexico' darf 'Long Way To Go' ebenfalls nicht fehlen. Die Musiker selbst sind alles andere als tot, besonders Aldrich ist permanent in Bewegung und bietet den Fotografen im Graben ein ums andere Mal ein gutes Motiv. Die Fans haben verdammt viel Spaß mit der Band, dessen Auftritt mit dem WHITESNAKE-Cover (Okay, eins gibt es dann doch) 'Slide It In' endet.

Die gewohnten 25 Minuten der Umbaupause vergehen wie im Flug und ein Moderator von ROCK ANTENNE kündigt die nächste Band an. EXTREME hat seiner Meinung nach vieles richtig gemacht, jedoch hat an einigen Stellen einfach das Glück für den totalen Durchbruch gefehlt. Sonst wäre es durchaus möglich gewesen, dass die US-amerikanische Rockband Arenen füllen würde, wie es derzeit IRON MAIDEN schafft.

EXTREME hat im Juni dieses Jahres mit "Six" das sechste Studioalbum veröffentlicht, doch die Show beginnt erst einmal mit einem alten Titel. 'It ('s A Monster)' hat bereits 33 Jahre auf dem Buckel und stammt vom Album "Pornograffitti", auch 'Decadence Dance' hat genau so lange gereift. Lief bis jetzt alles reibungslos, tauchen nun Probleme auf. Gitarrist Nuno Bettencourt hat Probleme mit seinem Monitor und die Show wird unterbrochen. Die Musiker verschwinden von der Bühne und Techniker machen sich auf die Fehlersuche. Dies gibt mir und meiner Holden die Möglichkeit, nach langer Zeit die Fliesenabteilung aufzusuchen und uns das Essensangebot mal näher anzuschauen.

Es geht in die oben erwähnte benachbarte Halle. Offensichtlich nutzen viele Headbanger die Zwangspause, um etwas zu essen oder einfach abzuhängen. Vor dem Rock Antenne-DJ lassen ein paar nimmermüde bei Songs von METALLICA ihr Haupthaar kreisen. Zu einem weiteren Bier gesellt sich eine Currywurst. Es ist zwar voll, aber einen Platz kann man hier jederzeit ergattern. Dem Sound nach zu urteilen, kann EXTREME das Set mit Verspätung fortsetzen. Wir möchten aber noch bei der Galerie von Thomas Ewerhard vorbeischauen.

Thomas gestaltet seit vielen Jahren Cover für namhafte Bands wie VOLBEAT, AVANTASIA oder AMON AMARTH. Er zeichnet ebenfalls Logos und Festival-Artworks, unter anderem für das SUMMER BREEZE Open Air. Ich habe Thomas im vergangenen Jahr in Karlsruhe kennengelernt, seine großformatigen Prints haben meiner Frau und mir sehr gut gefallen. Wir wurden uns 2022 schnell einig und ein überdimensionales gerahmtes "Ghostlights"-Cover von AVANTASIA wechselte den Besitzer. Wir wussten zwar noch nicht, wo wir es aufhängen können, aber egal. Die Story, wie wir das riesige Bild später ins Taxi bekommen haben, kann ich noch meinen Enkeln erzählen, aber mittlerweile hat "Ghostlights" einen guten Platz gefunden.

In diesem Jahr sind wir besser vorbereitet. Eine freie Wand im heimischen Büro schreit geradezu nach einem Bild. Also mit den gemessenen Maßen ab zu Thomas. Die Entscheidung fällt sehr schnell, hat uns doch unser diesjähriges Wunschmotiv schon 2022 gefallen. Zugegeben, ich habe von der Band CIRCLE'S END, geschweige denn von deren Album "Dark Conquest", noch nie etwas gehört. Doch wichtiger als irgendwelche Namen ist das Motiv, es sagt für uns so viel aus. Macht Euch am besten selbst ein Bild von dem Bild. Auch dieses Mal wurden wir uns wieder schnell einig, aber eine Taxi-Story wird es aufgrund der kleineren Größe in diesem Jahr allerdings nicht geben.

Wir folgen der Masse, die in die Konzerthalle strömt, schließlich ist der Abend längst noch nicht beendet. Durch das Problem mit EXTREME ist der Zeitplan etwas aus dem Rahmen gelaufen, aber ich erreiche rechtzeitig meinen Platz im Fotograben, bevor das Licht ausgeht. Die Hardrocker von GOTTHARD betreten unter großem Jubel die Bühne. Kurz vor Beginn der Show konnte ich noch einen Blick auf die Setlist werfen, deren Songauswahl ist ein Garant für eine großartige Party. Geht die Crowd beim ersten Song schon steil, brechen bei 'Hush' alle Dämme. Seit vielen Jahren wird der Klassiker schon von den Eidgenossen gecovert und von den Metalheads lauthals mitgesungen. Sänger Nic Maeder grinst wie ein Honigkuchenpferd und auch der Rest der Band zeigt sich angesichts der guten Stimmung in bester Spiellaune.

Ich habe meine Fotos im Sack, es wird Zeit, mal nach meiner Frau zu schauen. Lange muss ich nicht suchen, sie steht ziemlich weit vorne. GOTTHARD ist heute ihr persönlicher Headliner. Gemeinsam mit der vollen Halle feiern wir die Band mit ihren eingängigen Songs. Marcel Rapp ist der beste Beste. Zu 'Starlight' greift der Sänger dann selbst in die Saiten. Natürlich dürfen Evergreens wie 'Lift U Up' und 'Anytime, Anywhere' auch in Augsburg nicht fehlen. Entgegen der Songs auf dem Liederzettel geht nach letztgenanntem das Licht an. GOTTHARD verzichtet auf 'Mighty Quinn', um den Zeitplan wieder etwas in die Spur zu kriegen. Verständlich, aber doch schade.

Da die Stimme langsam aber sicher versagt, wird es Zeit für ein Bier. Auch vor dem heutigen Headliner klappt die Versorgung noch einmal hervorragend und das Getränk wandert schnell über den Tresen, bevor es zum letzten Mal für mich an diesem Tag und auch in diesem Jahr in den Graben geht. Natürlich sehe ich durch zahlreiche Festival- und Konzertbesuche viele Bands öfter im Jahr. Aber mal ehrlich, ACCEPT geht eigentlich immer, zumindest für mich. Auch das Publikum, welches meiner Meinung nach einen Altersdurchschnitt zwischen 40 und 50 Jahren hat, beweist mit seinen Reaktionen, dass der heutige Headliner zu Recht diesen Slot bekommen hat. Natürlich gibt es Songs vom 2021 veröffentlichten Album "Too Mean To Die", und auch das Backdrop mit der Schlange weist auf die Scheibe hin. Aber ohne die üblichen Kracher 'Balls To The Wall', 'Princess Of The Dawn' oder 'Metal Heart' geht bekanntlich kein ACCEPT-Konzert über die Bühne.

Ich könnte jetzt noch weitere vier Absätze über ACCEPT schreiben, doch so langsam geht mir die Tinte aus. Ich verweise daher auf den ausführlichen Konzertbericht aus Köln vom Kollegen Tobias und schließe mich seiner Meinung vollumfänglich an. Für ein kleines Fazit reicht es noch. Zum ersten Mal hat das ROCK OUT-Festival in Augsburg stattgefunden. In heutigen Zeiten ist so ein Projekt aufgrund der nach wie vor schlechten Situation in der Unterhaltungsbranche ein Wagnis für viele Veranstalter. Allgäu-Concerts und Bottom Row haben diesen Schritt gewagt und sind für ihren Mut belohnt worden. Weit mehr als 3.000 Metalheads haben den Weg in die Schwabenhalle gefunden, dies kann als gelungener Einstand bezeichnet werden. Bereits jetzt steht schon fest, dass Liebhaber der metallischen Musik auch im kommenden Jahr kurz vor Weihnachten ihre Matten kreisen lassen können. Das ROCK OUT-Festival 2024 findet am 13.12.24 in der Schwabenhalle statt. Tickets könnt Ihr bereits jetzt über Allgäu-Concerts beziehen.

Text: Andre Schnittker

Photo Credit: Andre Schnittker, Karin Heinritz

Artwork: Thomas Ewerhard


Redakteur:
Andre Schnittker

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