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Rage - Pirmasens

28.05.2008 | 20:39

01.05.2008, Quasimodo

Rage und Edenbridge in Pirmasens

RAGE ist die Band, die ich mit Abstand am meisten live gesehen habe. Das hängt zum einen an der unermüdlichen Tourwütigkeit, aber auch an der respektablen Leistung, über 20 Jahre in regelmäßigen Abständen Qualität abzuliefern, ohne sich in Wiederholungstäter wie RUNNING WILD zu verwandeln.

Da das Quasimodo nicht weit von Kaiserslautern entfernt und darüber hinaus noch ein wirklich toller Club mit angenehmer Konzertatmosphäre ist, war es klar, dass wir uns zu fünft in ein Auto zwängten, um nach Pirmasens zu gelangen.

Nach Smalltalk mit altbekannten Gesichtern im Publikum ging es dann auch schon mit der Vorband EDENBRIDGE los. Auch wenn die sympathisch wirkenden Bandmitglieder auf der Bühne sichtlich ihren Spaß hatten, so konnten sie mich und viele andere nicht wirklich mitreißen. An den handwerklichen Fähigkeiten der überwiegenden Österreicher hängt das aber weniger als an den wenig spannungsgeladenen Songs, der leider nur wenig mitreißenden Sängerin und an dem leider großen Anteil des durchlaufenden Playbacks. Da EDENBRIDGE verständlicherweise auf einen Keyboarder, aber leider nicht auf Keyboardpassagen verzichten wollten, kommen halt solche Kompromisse heraus. Da einfach zu viele sogar melodieführende Keyboardpassagen teilweise noch lauter als die Gitarren gemischt waren, kam bei mir keine Live-Atmosphäre auf. Auch wenn EDENBRIDGE wahrscheinlich den Vergleich nicht mehr hören können, so war doch der leider noch riesige Unterschied zu Bands wie NIGHTWISH oder WITHIN TEMPTATION nicht zu überhören. Trotzdem hielten sich die meisten in den ersten Reihen und spendeten Applaus.

In der Pause gab es dann untypischerweise RAGE schon aus der Büchse in Form von Video-Einspielungen wie z. B. dem aktuellen Video zu 'Lord Of The Flies'.

Als RAGE darauf die Bühne enterten, war klar, dass dieser Abend ein Heimspiel für RAGE werden würde, zumal die familiären Wurzeln des Neuzugangs André Hilger in Pirmasens liegen. Das Publikum fraß förmlich aus der Hand und die drei RAGE-Mannen hatten ihren Spaß. Peavy war relativ gut bei Stimme und Victor Smolski ließ sich sogar zu ein paar Ansagen hinreißen. Da sich die neue Scheibe trotz des hohen Kompositionsanteils von Victor Smolski sehr gut in die RAGE-Bibliographie einfügt, waren die beiden ersten Stücke der Platte auch ein sehr guter irgendwie gewohnter Konzerteinstieg. Als Peavy dann einen Song der meiner Meinung nach sehr guten, aber mit einem nicht ganz so geilen Sound ausgezeichneten Platte "End Of All Days" ankündigte, fing ich schon an mich zu freuen. Als es dann der Opener der Platte 'Under Control' - meiner Meinung nach zum schlechteren Viertel der Platte gehörend - sein sollte, war ich zumindest angenehm enttäuscht. Ansonsten ging die Setlist in Ordnung, auch wenn RAGE eigentlich schon immer ein gutes Händchen dafür hatten, gerade den Song einer Platte zu spielen, der mir gerade auf der Scheibe am wenigsten gefällt. Bei "XIII" würde ich mir für die Zukunft mal wieder ein anderes anstatt 'Days Of December' wünschen, auch wenn das jetzt nicht zu den Schlechteren gehört. Ihr merkt schon, ich suche hier in den Krümeln, aber was will man machen als kritischer Kritiker, der einen überzeugenden Live-Auftritt vor den Latz geknallt bekommt?

Für den klassischen Höhepunkt der Show haben sich RAGE zunutze gemacht, dass sie eine sehr nette und hübsche Merchandiserin haben, die zudem noch über gesangliche Fähigkeiten verfügt und angeblich mit Victor Smolski mehr als nur befreundet sein soll. Diese durfte dann, wie für die CD- und Video-Aufnahmen auch schon geschehen, ihren Platz am Merchandise gegen den Mittelpunkt der Bühne eintauschen, um die Akzente in 'Lord Of The Flies' zu setzen. Dies gelang ihr auch sehr gut, so dass sie noch für den anderen Klassik-Schmeißer 'Dies Irae' auf der Bühne blieb. Zwar kamen da auch einige Chöre zusätzlich vom Band, aber die Live-Performance und allein die Ausstrahlung waren überzeugender als bei EDENBRIDGE zuvor.

Danach ging die Party weiter, bis Victor wie immer einen kleinen Ausschnitt seines Könnens präsentierte. Für mich gehört Victor Smolski in eine Riege mit den großen Namen der Metal-Gitarren-Kunst. Hoch anzurechnen ist ihm, dass er sich nicht nur auf ultraschnell genudelte Skalen verlässt, sondern bei allem einen Groove rüberbringt, auch wenn es manchmal vielleicht für Nichtmusiker-Ohren etwas schräg klingt. Gegen Ende des Sets banden RAGE dann ihre schon zu oft gespielten Nummern 'Don't Fear The Winter' und 'Higher Than The Sky' in stark gekürzter Form in ein Medley mit dem neuen als Rahmen dienenden Song 'Long Hard Road'. Das tat nach unzähligen RAGE-Konzerten mal ganz gut. Zum Abschluss gab es dann noch das Groove-Monster 'Straight To Hell' für den Bully-Film "Der Schuh des Manitu".

Um es auf den Punkt zu bringen: Es war ein tolles Konzert einer tollen Band in einem tollen Club!

Setlist:
Carved In Stone
Drop Dead
Under Control
Soundchaser
Days Of December
Refuge
Lord Of The Flies
Dies Irae
One More Time
Lost In The Void
No Regrets
Git-Solo
Unity
Down
Set This World On Fire
Long Hard Road-Medley (inkl. Higher Than The Sky, Don't Fear The Winter)
Open My Grave
Straight To Hell

Redakteur:
Tilmann Ruby

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