Rock Am Ring - Nürburg

20.06.2007 | 00:19

01.06.2007, Nürburgring

Zum ersten Mal in seiner Geschichte im Vorverkauft ausgebucht lockte Rock Am Ring 82.000 Fans in die Eifel.

THE HIVES

Die erste Band, die ich mir auf dem Ring geben konnte, waren THE HIVES, die ich vor zwei Jahren dummerweise verpasst habe. Hätte ich sie mir damals gegeben, hätte ich vielleicht gewusst, was mich heute erwartete: ein vor Selbstbewusstsein nur so strotzender Frontjunge mit einer Band dahinter, die aussah wie aus 'nem Comicbuch ausgeschnitten. Schwarze Hemden, schwarze Hose und dazu passend weiße Hosenträger und dazu Mucke, die mit einer Mischung aus trockenem Rock und einer Portion Indie genau den Nerv des jungen Publikums traf. Bemerkenswerter als die Musik waren auf jeden Fall die Ansagen des Frontmanns Pelle Almqvist, welcher mal so veranschlagte, dass erst einmal jeder auf dem Ring nur wegen THE HIVES gekommen sei ("90.000 THE HIVES fans at Rock Am Ring"), was aber nichts daran änderte, dass er um Applaus bitten musste, weil dieser nicht seinen Vorstellungen entsprach.

Die Bühne wurde sowieso in eine Turnempore verwandelt, worauf der Sänger seine Kunststückchen zum Besten gab, immer wieder runter zum Publikum sprang und generell das machte, was ich als "große Rockstars imitieren" einstufen würde. Trotz mitreißender Musik, einer gut gebauten Setlist und den teilweise rotzfrechen Ansagen ("I started the rain, so the audience wouldn't catch fire!") muss man doch sagen: Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, Junge.
[Michael Kulüke]

Setlist:
Bigger Hole To Fill
The Hives Declare Guerre Nucleaire
A Little More For Little You
Walk Idiot Walk
Tic Tic Boom
Die All Right
Last Summer
Hate To Say I Told You So
Here We Go Again
Main Offender
Two-Timing Touch And Broken Bones
Abra Cadaver
Let It Go

BILLY TALENT

Nach ein paar Rock-am-Ring-typischen Startschwierigkeiten wie Probleme des Zeltaufbaus oder Abschleppen des Autos und dem Entgegennehmen des Presseausweises von Kollege Kulueke galt es für uns, uns gegen 18.50 Uhr die erste Band auf der Centerstage reinzuziehen: BILLY TALENT. Und hier stellte sich schon ein erster Makel des diesjährigen Ringrockers heraus (von sehr wenigen, muss fairerweise gesagt werden). Die ersten Leinwände waren viel zu weit vorne kurz nach der ersten Barrikade positioniert. Man kommt hier ja schließlich nicht zum Fernsehgucken hin, und genügend von der Bühne kann man auch sonst noch weit hinten sehen. Die Umsetzung, wie sie bei der Alternastage dieses Jahr vorzufinden war, konnte hingegen sehr überzeugen. Grund dafür war eine leichte Erhebung. So ließ sich auch von ganz hinten noch genügend von dem Geschehen auf der Bühne beobachten. Zurück zu BILLY TALENT: Die Band rockte zwar, konnte aber nicht durchgehend überzeugen. Zu oft klang Frontsau Ben Kowalewicz angeschlagen und schwach. Von der instrumentalen Seite her gab es allerdings keine Beschwerden. Auch bei der Setliste konnte man überzeugen. Es wurden alle alten Hits wie der Opener 'This Is How It Goes', 'Try Honesty', 'River Below', 'Prisoners Of Today', 'The Ex' oder 'Line & Sinker', aber auch aktuelle Singleauskopplungen à la 'Devil In A Midnight Mass', 'Fallen Leaves', 'Surrender' oder 'Red Flag' und anderes Material der neuen Platte "Billy Talent II" ('This Suffering', 'The Navy Song', etc.) gespielt.
[Daniel Schmidt]

Setlist:
This Is How It Goes
Devil In A Midnight Mass
This Suffering
Line & Sinker
Standing In The Rain
The Navy Song
Worker Bees
The Ex
Surrender
Prisoners Of Today
River Below
Perfect World
Sympathy
Try Honesty
Nothing To Lose
Fallen Leaves
Red Flag

MUSE

Nachdem ich mich vor BILLY TALENT im Pressezentrum versteckt hatte und mit den dort anwesenden Mitleidenden über den Fronter als "Mischung aus neuem James Bond und Kermit dem Frosch" oder über die Frage, ob der RAZORLIGHT-Fronter schon überhaupt ohne Eltern aufs Festivalgelände durfte, sinnierte, rückte die Stunde näher, in der ich endlich MUSE live beobachten durfte.

Man bedenke: MUSE sind zwar so was wie die QUEEN der Neuzeit, aber dennoch alt genug, dass man beim Schwärmen von jüngeren Festivalbesuchern dumm angeguckt wird. So kam es, dass nach BILLY TALENT das ganze Jungvolk in Richtung JAN DELAY & DISCO NO.1 auf der Alternastage abrauschte und sich das Publikum mit Sinn für pompöses Ohrenkino vor der Centerstage versammelte.

Was kann man von einer Band wie MUSE eigentlich erwarten? Großartige Klanggebilde, pompöse Arrangements, abartig hohen Gesang, das alles stilsicher miteinander vereint. So kam es dann auch. MUSE betraten unter nicht wenig Beifall die Bühne (während so manch einer nicht wirklich daran glauben wollte, dass die Band wirklich auftreten würde, weil sie im letzten Jahr für Rock Am Ring absagte, um schließlich fürs Hurricane zuzusagen), und ohne großes Federlesen wurde ein Bollwerk an Sound auf die Zuhörer losgelassen, das mit aufwendiger Bühnenshow verziert wurde und alle in ergriffener Lauscherei verharren ließ. Seltsam war natürlich, dass sich die drei Bandmitglieder (drei gleich Soundspektakel hoch drei!) kaum bewegten und quasi kein einziges Wort mit dem Publikum sprachen. Aufklärung erlangte man durch POWERMETAL.de-Co-Kommentatorin Heike: MUSE reden nicht. MUSE spielen. Absolut. MUSE zelebrierten ein Soundgefüge auf der Bühne, das in nahezu plattengleicher Qualität durch den Äther rauschte und das Volk bezauberte. Für Aufhören sorgte vor allem die Angewohnheit der Band, gewisse Songs zu strecken und ganze Minuten durchzujammen, was den Songs den durchgeplanten Stil nahm und die Band vollends auf den Festivalolymp hob.

Die Songauswahl konnte sich durchaus sehen lassen, auch wenn man die Band wohl fünf Stunden hätte spielen lassen müssen, um alle Klassiker und Blockbuster zu hören. Nichtsdestotrotz kamen Hammersongs wie 'Hysteria', 'Stockholm Syndrome' und 'Agitated' zum Zuge, während man mit 'Micro Cuts' die Stimmbänder strapazierte und durch 'Apocalypse Please' die Messlatte für Pompöses wirklich in für andere Bands unerreichbare Höhen schraubte.

Am Ende der gut neunzig Minuten, die für nicht wenige Zuschauer den Höhepunkt des kompletten Festivals darstellen sollten, stellten sich folgende Fragen: 1. Werden MUSE auf einmal politisch? Die neuen Songs und vor allem die Multimedia-Bühnenshow lassen darauf schließen. 2. Lassen die Hardrock-Einlagen, die zwischendurch eingebaut werden, auf eine Stiländerung blicken? Zwischendurch war in das geschraubte Alternative-Rock-Geplänkel deutliches Old-School-Material eingebaut, was sich sogar verdammt gut anhörte. Gewisse Zuschauer vermissten 'Darkshines' im Programm, während sich andere durchaus von dem teilweise mit Piano vorgetragenen Monumentalprogramm begeistern ließen. Ohne Zweifel das Highlight des Abends.
[Michael Kulüke]

Setlist:
Knights Of Cydonia
Hysteria
SMBH
Map Of Problematique
New Born
Apocalypse Please
Feeling Good
Hoodoo
Invincible
Man Of Mystery
Plug In Baby
Time Is Running Out
Starlight
Stockholm Syndrome

LINKIN PARK

Den Headliner des Abends stellte mit LINKIN PARK die wohl erfolgreichste Band der Nu-Metal-Zeit - und auch eine der wenigen Überlebenden jener kurzen Epoche. Wobei ich persönlich ziemlich gespannt war, denn Gutes über die Liveperformance der Band aus Los Angeles habe ich bisher selten vernommen, ganz im Gegenteil. Als die Band nach einer Weile voll Umbauarbeit die Bühne betrat, war das Getöse im treu ergebenen Publikum natürlich groß, aber nicht überschwänglich, wie man es von anderen Headlinern auf dem Festival kannte.

Mit 'One Step Closer' wurde der Auftritt eingeleitet, und alleine vom Sound her hätte man eigentlich mehr erwarten können: Die Gitarren kamen recht breiig rüber, die Drums waren ausdruckslos und der Gesang zu leise. Aber wer ein zu großes Problem mit Klangeinbußen hat, braucht nicht auf ein Festival zu kommen. Und so gab sich die Menge schnell einer starken wie auch vorhersehbaren Setliste aus Blockbustern wie 'Somewhere I Belong', 'Papercut' und 'Numb' hin. Erfreulich war die Tatsache, dass die Band mehrere Songs in unbekannten bzw. leicht abgeänderten Versionen vortrug, was dem Ganzen ein bisschen die Sterilität nahm.

Die Band an sich war bester Laune. Sänger und Gitarrist Mike Shinoda gab sich bestens gelaunt, nahm immer wieder Kontakt zum Publikum auf und riss sowieso das Zepter des Showgastgebers an sich, während der Rest der Band relativ still und emotionslos das Konzert durchzog. Sänger Chester Bennington, der im Gegensatz zu Shinoda die klaren Gesangs- und Schreierei-Parts übernahm, ging mit seiner Sympathiebekundung für Deutschland so weit, es zu einem der größten Länder für Musik zu erklären. Das hiesige Essen und vor allem Spargel hätten es ihm angetan - und natürlich die pinken Plastikkaninchen, die immer wieder in der Menge hochgehalten wurden.

Musikalisch hatte der Headliner eigentlich bis auf gewisse Jameinlagen nichts Spektakuläres zu bieten und präsentierte sich als Routinier der Bühne: Eine Pianoversion von 'Breaking The Habbit' und eine Einlage mit der Akustikgitarre sorgten für Aufsehen, das war es dann aber auch. Nichtsdestotrotz überzeugte die Band durch eine durchgehend ziemlich starke Leistung, die das Blut der Fangemeinde auf konstanten Temperaturen hielt, jedoch nie wirklich den Siedepunkt erreichte.
[Michael Kulüke]

Setlist:
One Step Closer
Lying From You
Somewhere I Belong
No More Sorrow
Papercut
Points Of Authority
Given Up
Don't Stay
From The Inside
Leave Out All The Rest
Numb
Pushing Me Away
Breaking The Habit
In The End
Crawling
What I've Done
The Little Things Give You Away
Bleed It Out
Faint

Redakteur:
Michael Kulueke

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