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Rock Of Ages 2017 - Seebronn

01.08.2017 | 22:30

28.07.2018, Festivalgelände

Familien-Rock!

Pünktlich zu Beginn der großen Ferien in den beiden südlichen Bundesländern lädt der Veranstalter und das Organisationsteam des Bang Your Head-Festival zu ihrem zweiten musikalischen Event, dem Rock Of Ages-Festival nach Seebronn. Wie immer drei Tage und auch wie immer mit einem sehr gemischten und ungewöhnlichen Billing, das schon am Auftakttag zu überraschen weiß. So startet ein Highlight, nämlich EDEN'S CURSE. Oder zumindest denke ich, dass es bereits ein Highlight war, nur ist der Reiseverkehr, in den wir geraten, mal wieder hinderlich, sodass wir erst zu den letzten Tönen der Band um Namensgeber Michael Eden auf dem Gelände eintreffen. Aber da uns noch zweieinhalb Dutzend weitere Bands bevorstehen, ist das zu verschmerzen und wir schauen uns erst einmal das Gelände an. Wie in den Vorjahren fassen zahlreiche Händler das großzügige Areal ein, und eine Bestandsaufnahme liebgewonnener Standards, wie die Kinderecke mit Kuchen und Kaffee, das große Zelt, das vor den Unbilden des Wetters schützt und der VIP-Bereich, der immer mal wieder zum Ausruhen genutzt werden wird und vor allem durch alkoholfreie Cocktails besticht, wird durchgeführt. Apropos: Dann will ich gleich mal mit dem Schlechtesten des Wochenendes beginnen: Das Mineralwasser. Das war schon auf dem Bang Your Head überhaupt nicht lecker und es hat seitdem nicht gewonnen. Vielleicht könnte da mal ins Getränkebilling eingegriffen werden? Egal, jetzt aber mal Musik:

Die erste Band, die ich komplett sehe, ist HELLO. Zugegeben, hier musste ich erstmal Hausaufgaben machen, denn bis auf den Song 'Back In A New York Groove' kannte ich von den Herren und der Dame bewusst kein Lied und den nur als Coverversion von Ace Frehley. Aber das rockt tatsächlich! Glam aus den Siebzigern mit einer ordentlichen Gitarre und überzeugenden Melodien aus der Kehle von Bob Bradbury bedeuten einen schönen Auftakt. Mit einer ganzen Stunde Spielzeit auch ordentlich bedacht, macht HELLO einen guten Eindruck und der allgemeine Tenor ist, dass die band eigentlich auch auf das Bang Your Head passen würde. Zum Beispiel statt DOKKEN.

Dann kommt noch ein Griff in die ganz tiefe Trickkiste: ALBERT HAMMOND. Albert wer? Nein, nicht der Erfinder der Orgel, der Musiker, der in den Siebzigern am Fließband Hits produzierte. Hammond schlägt ein wenig in die gleiche Kerbe, die Chris Thompson letztes Jahr hinterlassen hat. Erst hört sich das Publikum ein wenig ein, und dann packt der Meister die Hits aus und die Meute beginnt zu singen. Der Reigen beginnt schon nach einigen Liedern mit dem Stück 'Peacemaker', das den Älteren im Publikum geläufig ist. Und davon gibt es hier so einige, sodass die Chöre beim folgenden 'Down By The River' beachtlich sind. Hammond selbst, mittlerweile 73 Jahre alt, singt großartig und sieht besser aus als so mancher deutlich jüngere Musiker, den ich in letzter Zeit so auf den Bretten habe stehen sehen. Sichtlich erfreut über die sich steigernden Publikumsreaktionen folgt ein Hitfeuerwerk irgendwie zwischen Rockfestival, Publikums-Karaoke und Rocker-Tanztee. Klar, das ist natürlich ein Act, der sonst auf Oldiefestivals spielt, aber hier und heute zeigt Hammond, dass man ihm damit Unrecht tut. Zumal auch die Jüngeren Spaß an den gefälligen Melodien haben, die er mit Kompositionen veredelt, die ursprünglich von anderen Interpreten zu Hits gemacht wurden wie TINA TURNERS 'I Don't Want To Lose You' und STARSHIPs 'Nothing's Gonna Stop Us Now'. Aber 'I'm A Train', 'It Never Rains In Southern California' und vor allem der Abschluss 'The Free Electric Band' sind Kracher. Wenn auch etwas zum Zuhören und Mitsingen und weniger Partymusik ist Albert Hammond ein toller Begleiter für die Abendsonne.

Jetzt wird es aber krachen. SUBWAY TO SALLY ist eine Bank auf der Bühne. Im Frühjahr war man noch auf "E-kustik"-Tour gewesen, doch jetzt geht es wieder ganz typisch zur Sache. Mein Kollege im Fotograben sagte nachher, er hätte nur einen Kritikpunkt: Wie kann man als erstes Lied 'Grausame Schwester' und als drittes 'Kleid Aus Rosen' spielen, wenn er doch Fotos machen muss und nicht tanzen und singen kann? Recht hat er. SUBWAY TO SALLY hat momentan ein ganz starkes Set am Start, das heute mit 'Eisblumen' und dem unerwarteten 'Besser Du Rennst' garniert wird, da der Band immerhin siebzig Minuten Spielzeit zur Verfügung stehen. Mittelpunkt des Ganzen ist wie immer Eric Fish, dessen sympathische Ansagen den Auftritt abrunden. Doch ein ganz besonderes Highlight, das den Gig einzigartig macht, folgt, nachdem der Sänger berichtet, dass er einen alten Freund hinter der Bühne getroffen habe und man sich schnell einig gewesen sei, ein Duett zu versuchen. Daraufhin kommt SAGA-Sänger Michael Sadler auf die Bühne und die beiden singen 'Maria'. Sadler bemüht sich und schafft es ohne größere Havarien durch das gesanglich anspruchsvolle Stück, man kann sogar zeitweise den Text sehr ordentlich verstehen. Eine schöne Einlage, die in das Finale überleitet, bis dann Tanz-Granaten wie 'Sieben' und 'Veitstanz' das Spektakel beenden.
Setliste: Grausame Schwester, Henkersbraut, Kleid aus Rosen, Unsterblich, Eisblumen, Falscher Heiland, Tanz auf dem Vulkan, Maria, Für immer, Böses Erwachen, Arme Ellen Schmitt, Besser Du Rennst, Sieben, Veitstanz

Headliner des Freitags ist DEE SNIDER, der erst kürzlich eine neue Soloscheibe veröffentlicht hat. Selbige hat bei mir zwar nicht für ganz große Begeisterung gesorgt, aber live ist das ja immer etwas Anderes. Zumal die allgemeine Frage ist, wieviel TWISTED SISTER steckt in einem Dee Snider-Auftritt anno 2017? Der blonde Hüne stürmt auf die Bühne und zieht die Menge sofort in seinen Bann. Der Titelsong besagten Soloalbums 'We Are The Ones' eröffnet beinahe ein zwei Stunden Rockfeuerwerk, das Snider abzufeuern gedenkt. Dabei ist er agil und präsent, singt kraftvoll und scheint kaum still zu stehen. Mit 'The Kids Are Back' folgt der erste Schlag der verdrehten Schwestern. Snider stellt im Folgenden klar, dass zwar TWISTED SISTER ihren Abschied verkündet habe, aber doch nicht Dee Snider! Der sei noch lange nicht fertig! Wie um klarzustellen, dass er nicht gedenkt, als eigene TWISTED SISTER-Coverband durch die Lande zu tingeln, flicht Dee gleich drei Coverversionen anderer Bands in sein Set ein, die von LIT, SOUNDGARDEN und NINE INCH NAILS stammen. Das ist überraschend, aber auch klasse, vor allem 'Head Like A Hole' passt ausgezeichnet und wird allgemein mitgesungen. Okay, vielleicht nicht allgemein, das war bei Albert Hammond der Fall, aber immerhin kann Snider sich rühmen, den Mitsing-Track des restlichen Festivals dargeboten zu haben, denn 'We're Not Gonna Take It' wird in den nächsten Tagen häufig zu hören sein. Dee Snider nutzt den Song zu einer klaren Ansage an die gesammelten Idioten dieser Welt, die anderen ihr Lebensweise missgönnen, und spielt eine ausgiebige Version des Klassikers, zuerst in der neuen, reduzierten Ausgabe, die sich auf "We Are The Ones" befindet und lässt dann das krachende Original folgen. Mein Höhepunkt des Gigs ist allerdings 'The Price', das ich für den besten TWISTED SISTER-Song aller Zeiten halte. Dee Snider hat sich als würdig und als Entertainer erwiesen. Ja, Dee, du musst unbedingt noch weitermachen, auch ohne Schwestern. Auch schon wegen denkwürdiger Ansagen wie dieser hier: "Ich werde euch nicht sagen, wenn wir einen Song des neuen Albums spielen werden. Dann dreht ihr euch nämlich um und geht austreten. Nein, so einfach mache ich es euch nicht!"
Setliste: We Are the Ones, The Kids Are Back, Close to You, Head Like a Hole, Rule the World, My Own Worst Enemy, We're Not Gonna Take It, Crazy for Nothing, The Price, In Conclusion, Outshined, I Wanna Rock, So What

Hier geht es zum zweiten Tag...

Redakteur:
Frank Jaeger

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