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Rockabilly Mafia - Berlin

10.03.2003 | 04:44

08.03.2003, Mad'n'Crazy

Das erst vor kurzem eröffnete Mad'n'Crazy in Berlin ist ein relativ kleiner, aber liebevoll im schönsten 50s-Retro-Look eingerichteter Club, dem man das Clubmotto "The Home Of Rock'n'Roll" sofort abnimmt. Während der Eintrittspreis von 15€ für Undergroundverhältnisse schon heftig war, entschädigte das Mad'n'Crazy dafür mit nicht nur für berliner Verhältnisse unschlagbar günstigen 1,60€ für das 0,4er Bier, das heißt schon bei ca. 10 Bier hätte man den kompletten Eintritt im Vergleich zur "normalen" Kneipe wieder raus. Aber ich war ja nicht zum trinken dort, sondern um die ROCKABILLY MAFIA aus Elmshorn auf ihrem Berlin-Gastspiel zu bewundern.
Bevor die MAFIA allerdings begann, waren noch zwei Vorbands geladen, die jeweils eine Stunde lang die Bühne okkupierten. Den Abend vor gut dreiviertel vollem Saal eröffnen durften RAIK & THE CHAINBALLS. Herausragendes Merkmal dieser Band ist sicherlich, das Drummerin Miss Redfire ein Drumkit ohne Basedrum bedient und Fronter Raik sich alle Mühe gab, auszusehen und sich zu bewegen wie ELVIS persönlich. Gegeben wurde braver Rock'n'Roll im Stile der späten 50s bis frühen 60s, größtenteils in Form von Eigenkompositionen, was alles andere als selbstverständlich ist. Das Fehlen der Basstrommel allerdings konnte auch exzellente Arbeit am -selbstverständlich akustischen- Bass nicht wettmachen, sodass der gesamte Sound irgendwie bodenlos und unausgewogen rüberkam. Nichtsdestotrotz sprang der Funke über und der vordere Teil des Clubs feierte die Band gründlich ab, während zumindest ich die Truppe zwar gutklassig, aber etwas zu brav und langsam als Vorband für die MAFIA fand.
Nach einer ellenlangen Umbaupause kamen als zweite Band 45RPM auf die Bühne, die natürlich zunächst einmal für die einfallsreichen Bandnamen gelobt gehören. Iss zwar schon total Retro und von daher das, was man im Metal als "True" bezeichnen würde, macht das Finden von Infos über die Truppe aber leider so gut wie unmöglich.
Trotz quasi identischer stilistischer Ausrichtung hatten 45RPM dank Basedrum und weiblicher Sängerin einen ausgewogeneren und eigenständigeren Sound als RAIK & THE CHAINBALLS, eine älteres Paar in der Saalmitte begann, Rock'n'Roll zu tanzen und auch der Rest das Saales schien sehr angetan zu sein, was sicher auch an Covern von Klassikern wie "These Boots Are Made For Walking" von LEE HAZELWOOD und NANCI SINATRA lag. 45RPM, die sich zu Beginn noch bedankten, überhaupt auftreten zu dürfen, können diesen Abend sicher als vollen Erfolg verbuchen und werden sicher bald wieder Vorband sein dürfen.
Gegen Mitternacht schließlich kam endlich die ROCKABILLY MAFIA auf die Bühne. Bereits mit dem ersten Song, "Ich schlag den Bass", zog die MAFIA jeden im inzwischen hoffnungslos überfüllten Club in ihren Bann. Der eigenwillig-norddeutsche Charme von Sänger und Bassist Michael Harbeck, der nicht zuletzt durch seine launigen Anmoderationen für jeden Song zu überzeugen wusste riss das Publikum immer wieder aufs neue zu Begeisterungsstürmen hin, auch wenn er sich immer und immer wieder beklagte, er sei nur der "Stichwortgeber", wenn die ersten Reihen bereits nach der Hälfte der Geschichte den dazugehörigen Song erraten hatten.
Gutgelaunt und immer zu Scherzen aufgelegt zockte eine klasse aufgelegte ROCKABILLY MAFIA sich durch ein Set voller Granaten wie dem Sozialversager-Song "Friedrich Timm", "Sie bestellen... wir sind da!", "Es regnet in Elmshorn" oder "Strange Desire" und nicht zuletzt "Der falsche Weg nach Haus" und spielte sich wie auch ihr Publikum, in dem sich inzwischen ein riesenhafter und eigentlich eher zu härteren Bands passender Wreckingpit gebildet hatte, in exstase. Erst nach fünf Zugaben und guten zwei Stunden Gesamtspielzeit ließ das Publikum die auch nicht mehr ganz jungen Herrschaften von der Bühne. Besonderer Respekt gebührt übrigends Schlagzeuger Björn Karl, der das Konzert in voller Länge ohne Probleme durchzog, obwohl er am Mittwoch zuvor einen Hörsturz gehabt hatte.
Alles in allem ein erstklassiger Rockabilly-Abend, der eindrucksvoll bewiesen hat, daß die Jungs von der MAFIA auch nach 18 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

Redakteur:
Philipp von dem Knesebeck

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