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SABATON - "Noch ein Bier Fest" - Gelsenkirchen

19.08.2015 | 12:41

25.07.2015, Amphitheater

Sturm, Regen, Bier und nackte Tatsachen eines ehemaligen Bandmitglieds, die selbst Sänger Joakim einen Moment lang sprachlos machen.

Da stehen wir nun in Gelsenkirchen und warten auf den Einlass. Es stürmt gewaltig, es regnet teilweise wie aus Eimern, trotzdem harren über 6000 Fans geduldig in der Schlange aus, um möglichst schnell das ausverkaufte Amphitheater entern zu können. Es wird gelacht, gelegentlich wird "SABATON!, SABATON!" intoniert, noch öfter aber "Noch ein Bier! Noch ein Bier!" - schließlich hat ihre Lieblingsband ja zum Bierfest geladen.

Der Einlass verzögert sich, auch für die Presseleute gibt es keine Informationen. Es stürmt nach wie vor heftig – wird das Fest doch noch abgesagt? Dann stellen sich die Ordner am Eingang auf und ein riesiger Freudenschrei ertönt, als endlich Einlass ist. Wer bei den ersten ist, die nach vorne stürmen, hat Glück und kann einen Platz an der Absperrung ergattern. Dort hat man vom Bühnendach noch ein wenig Schutz und steht nicht direkt im Regen. Ein Besucher hat sich übrigens etwas Besonderes ausgedacht: Ein Klappstuhl auf die Stufen, zwei Mülltüten übergezogen, die Arme verschränkt und Wetter Wetter sein lassen. Sehr cool. Grundsätzlich ist das Amphitheater ein toller Veranstaltungsort, heute ist es dort eher ungemütlich, aber trotzdem ist die Laune bei den Besuchern großartig, auch wenn das Bier eventuell ein wenig verwässert wird.

Den Anfang machen drei Bands, die ich bisher noch nicht live gesehen habe: BLOODBOUND, CIVIL WAR und KORPIKLAANI. BLOODBOUND dürfen sich als erste den Wind durch die Haare wehen lassen – da sind die Beanies von Sänger Patrik und Drummer Pelle sicher nicht die schlechteste Wahl. Fünf Songs lang rocken die Herren ordentlich ab, bevor sie den Platz für CIVIL WAR räumen.

Setliste: Satanic Panic, Iron Throne, Moria, In The Name Of Metal, Nosferatu

CIVIL WAR hat hier auch eine Menge Fans und ist thematisch ähnlich aufgestellt wie SABATON. Das ist so verwunderlich nicht, besteht ein Großteil der Band doch aus früheren SABATON-Mitgliedern und der Bandname deutet natürlich auch auf eben diese Thematik hin. Die Herren dürfen immerhin sechs Songs auf uns loslassen, wobei vier davon vom neuen Album "Gods And Generals" stammen, das im Mai erschienen ist. Das Publikum ist begeistert und rockt fröhlich mit. Regen? Welcher Regen? Und man hätte gerne noch mehr gehört, aber der Zeitplan ist straff und so geht es von der "Schweinebucht" ('Bay Of Pig') direkt von der Bühne, um Platz für Band Nummer drei zu machen.

Setliste: USS Monitor, Saint Patrick's Day, Ghettysburg, Schindler's Ark, Gods And Generals, Bay Of Pigs

Das sind dann die "Partymacher" KORPIKLAANI, die uns mit vier Songs ihrer aktuellen CD "Noita" einheizen. Die restlichen vier Lieder stammen von älteren CDs. Da zeigt sich dann doch, dass meine Finnisch-Kenntnisse eher rudimentär sind und auch nicht wirklich zur Veranstaltung passen. Na ja, wenn man von "yksi, kaksi, kolme" beim Soundcheck mal absieht. Keine Ahnung, wie viele der Anwesenden die finnischen Texte wirklich können – der Stimmung schadet das jedenfalls nicht und es wird weiter ausgelassen gefeiert.

Setliste: Viinamäen Mies, Pilli On Pajusta Tehty, Lempo, Sahti, Sumussa hämärän aamun, Metsämies, Uniaika, Vodka

Nach einem letzten 'Vodka' verlässt KORPIKLAANI die Bühne, um Platz für POWERWOLF zu machen. Da gibt es dann für uns Fotografen einen kleinen Dämpfer, denn bedingt durch das Unwetter können sie ihr Bühnenbild nicht aufbauen und möchten von diesem Auftritt keine Bilder. Nun ja, wenn Oberwolf Attila das so möchte, dann tun wir ihm eben den Gefallen. Auch die Wölfe haben ein paar Songs aus ihrem neuen Album "Blessed And Possessed" dabei, greifen aber ansonsten auf Altbewährtes zurück, was ihnen mächtig viele Punkte einbringt. Der Mitgröler schlechthin ist natürlich 'Werewolves Of Armenia'.

Setliste: Santified With Dynamite, Coleus Sanctus, Army Of The Night, Amen And Attack, Armata Strigoi, Resurrection By Erection, Werewolves of Aemenia, Blessed And Possessed, We Drink Your Blood, In The Name Of God (Deus Vult), Lupus Dei

Und dann ist es endlich soweit – ein begeisterter Aufschrei aus über 6000 Kehlen, als 'The Final Countdown' ertönt. Unter den Klängen von 'The March To War' erscheinen die Mannen auf der Bühne, während Schlagzeuger Hannes seinen "Drumpanzer" entert. Der feuert diesmal tatsächlich aus allen Rohren und so beginnt das Spekkel direkt mit einem ohrenbetäubenden Knall, diversen Pyros, die uns den ganzen Abend über begleiten, und 'Ghostdivion'. Angeblich ist pyrotechnisch alles wegen des Wetters ein wenig reduziert, aber wenn dem so ist, so fällt das zumindest mir nicht auf. Einen ganz harten Job haben diesmal die diversen Securityleute, die fast im Minutentakt die Crowdsurfer auffangen dürfen. Plätze am Rand haben auch ihre Vorteile...

Bei 'To Hell And Back' wird dann nicht nur auf der Bühne, sondern auch im ganzen Amphitheater gehüpft. Ach ja, das gemeinsame Mitklatschen funktioniert auch hervorragend. Nach 'Carolus Rex' begrüßt Joakim erst einmal das Publikum und entschuldigt sich für das Wetter. Er habe den schwedischen Sommer mitgebracht, so einen Blödsinn würden sie nie wieder tun. Er bedankt sich, dass trotzdem alle hier sind und ein Bier trinken. Das ist natürlich das Stichwort und das Noch-ein-Bier-Gegröle nimmt seinen Lauf. Auch wenn Joakim es mit der Ausrede versucht, dass er dann heute betrunken sein wird und er sich immer auszieht, wenn das so ist, entlockt das dem Publikum nur ein lautes Gelächter, besonders als er erklärt, dass es überhaupt nichts zu sehen gibt – begleitet wird der Spruch von misstönenden Gitarrenklängen und weiteren lautstarken Noch-ein-Bier Rufen. Schließlich gibt er sich geschlagen, weil ihm "Wir haben kein mehr Bier!" sowieso niemand glaubt. Also muss ein Bier her, das dann auch auf allgemeinen Wunsch auf ex geleert wird. Dann ist aber erst einmal Schluss und es geht weiter mit 'No Bullets Fly'.

Als etwas später Thobbe ein paar Takte von 'Swedish Pagans' intoniert, wird das vom Publikum begeistert aufgegriffen. Auch der Einwand von Joakim, dass das doch noch gar nicht auf der Setliste steht, hindert ihn nicht daran, dass er diesen Song unbedingt genau jetzt spielen muss. Und 6000 Fans unterstützen ihn dabei. Letztendlich bekommt er seinen Willen und wir 'Swedish Pagans' auf die Ohren.

Nach dem üblichen kurzen Gitarrengeplänkel zwischen Joakim und Thobbe, wer denn nun besser spielen kann, muss dieser zur Strafe ein Bier auf ex trinken und wird "vor die Tür gestellt", wie früher in der Schule, damit sich Joakim die Gitarre schnappen kann. Chris verkürzt die Aktion der beiden Gitarrenhelden mit den Worten: "Die Leute wollen nicht euch spielen sehen, sie wollen lieber noch einen Song hören!" Man einigt sich auf 'Resist And Bite' und Joakim lässt es sich trotzdem nicht nehmen, ein bisschen mitzuklampfen. Das Ganze übrigens wieder begleitet von jeder Menge Pyro.

Biertechnisch gesehen muss danach Pär dran glauben, während Joakim sich noch einmal bedankt, dass über 6000 Leute gekommen sind und sich von dem "Shitwetter" nicht die Laune verderben lassen. Und dass er sehr froh ist, dass sie auch die Pyros benutzen können.

Nach 'Panzerkampf' und 'Attero Dominatus' erscheint Jamie (der Panzerbastler) auf der Bühne und fragt Joakim, ob er noch ein Bier möchte. Dabei hat er sich so einen tragbaren Bierausschankrucksack aufgesetzt, ihn dezent mit einem Tarnnetz verhüllt, sich selbst natürlich auch tarnmäßig ausgestattet und schenkt Joakim ein weiteres Bierchen ein. Zur "Strafe" wird er dazu verdonnert, auch den Fans Bier zu bringen, naturgemäß begeistert das die Menge ungemein. Während sich Jamie auf den Weg macht, bittet Joakim das Publikum, die Arena mit Handys oder Feuerzeugen für den nächsten Song zu erleuchten – was übrigens toll aussieht – und wir dürfen uns am schwedisch gesungenen 'A lifstid i krig' erfreuen.

Nach 'Coat Of Arms' und einem pyrotechnisch bestens ausgestatteten 'The Art Of War' folgt ein Song, den sich der Fanclub wünschen durfte. Da es ein sehr alter Song ist, an den sich weder Joakim noch Pär so richtig erinnern können, mussten sie zwei Dinge tun: Einmal den Song wieder lernen und als kleines "Special" jemanden zur Hilfe einladen – einen Kapellmeister. Und so darf der Ex-SABATON und jetzige CIVIL WAR Keyboarder Daniel Myhr mitmischen. Das Publikum ist hellauf begeistert und Daniel offenbar ziemlich gut drauf. Er erscheint auf der Bühne mit Tarnshorts und einem Mantel, was weitere Heiterkeitsausbrüche zur Folge hat, besonders, als er noch ein kurzes Tänzchen hinlegt, was ihm lautstarke "Ausziehen! Ausziehen!" Rufe einbringt. Er bringt erst einmal in aller Ruhe sein Keyboard in Ordnung, währenddessen Joakim die Meute mit launigen Sprüchen unterhält, bis die ersten Töne erklingen. Inzwischen hat Daniel tatsächlich seinen Mantel abgelegt und wirft ihn von sich: "Ihr wolltet einen nackten Keyboardplayer? Bitteschön!"

Endlich gibt Joakim den Wunschsong bekannt, der auch mir zu einem sehr breiten Grinsen verhilft und im Publikum Riesenjubel auslöst: 'Wolfpack'. Und am Ende dieses Songs ist sogar Herr Brodén für einen Moment sprachlos: Daniel Myhr zieht tatsächlich seine Shorts aus, wirft sie ins Publikum und tanzt splitterfasernackt über die Bühne, bevor er von der Bühne hüpft und gemütlich in den Backstagebereich verschwindet.

Leider verkündet Joakim danach den letzten Song: '7734'. Na ja, so ganz der letzte ist es natürlich nicht, ein paar Zugaben müssen schon noch gespielt werden. Mit Sirenengeheul kündigen sich die "Nachthexen" an, untermalt mit Pyro ohne Ende, daran anschließend dürfen wir bei 'Primo Victoria' hüpfen – eigentlich hätte es der Aufforderung von Joakim gar nicht bedurft, das geht ganz von alleine, genau wie das Mitsingen und er schließt sich vom Hüpfen nicht aus. Mit 'Metal Crüe', Rauch, Pyro und einer Konfettikanone, die blau-gelbe Konfettistreifen abschießt, ist die erste Zugabe beendet.

Natürlich will noch keiner gehen, das sieht auch die Band ein und ist ganz schnell wieder auf der Bühne, um den Zugaberufen nachzukommen und Joakim scheucht seine Mannen an ihre Instrumente. Das "Panzerbataillon" ist angesagt und das nachfolgenden 'Saboteurs' widmet die Band ihrem Fanclub gleichen Namens.

Zwischenzeitlich ist auch ein Polizeiboot aufgetaucht und man weiß nicht so genau, ob sie die Musik hören wollen, oder auf die Sperrstunde achten sollen. Sie drehen aber wieder ab und so können wir uns noch an einem wirklich allerletzten Song erfreuen. Was fehlt noch in der Setliste? Richtig! 'Gott Mit Uns' – diesmal wirklich abgewandelt zu 'Noch Ein Bier!'

Damit ist endgültig Schluss und bei 20 Songs kann man auch nicht meckern. Natürlich muss noch das obligatorische Foto mit der Meute im Hintergrund geschossen werden, Hannes wirft diverse Drumsticks ins Publikum, die anderen Plektren und ein paar ganz Glückliche könen eine Setliste abstauben. Joakim kommt in den Graben, schüttelt Hände und tauscht auch wieder seine Jacke, ein junger Fan nimmt strahlend seine Sonnenbrille in Empfang.

Ein gelungenes Fest mit einer superspielfreudigen Band und einem zufriedenen Publikum, zumindest habe ich nur positive Kommentare gehört. Und wenn das Ganze noch einmal stattfinden sollte, dann möge Herr Brodén doch bitte den schwedischen Sommer zuhause lassen und auf den deutschen Sommer zurückgreifen.

Setliste: (Intro: The Final CountdownMarch To War) Ghost Division, To Hell And Back, Carolus Rex, No Bullets Fly, Swedish Pagans, Resist And Bite, Screaming Eagles, Panzerkampf, Attero Dominatus, A Lifstid I Krig, Coat Of Arms, The Art Of War, Wolfpack, 7734; Zugabe 1: Night Witches, Primo Victoria, Metal Crüe; Zugabe 2: Panzer Battalion, Saboteurs, Gott Mit Uns (Noch Ein Bier)

Redakteur:
Hannelore Hämmer

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