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SATYRICON und CHTHONIC - Essen

15.11.2013 | 23:40

08.11.2013, Turock

Die schwarze Pest breitet sich auch über Deutschland aus wenn SATYRICON die Gefolgschaft ruft.

Wenn Satyr ruft, dann kommen die Fans in Scharen. Das Essener Turock ist restlos ausverkauft, selbst die Gästeliste muss zusammengestrichen werden, damit der Laden nicht aus allen Nähten platzt. Bereits eine halbe Stunde vor Einlass stehen sich die schwarzen Horden im kalten Novemberregen die Beine in den Bauch, um für das Kommende den besten Platz zu ergattern.

Eröffnet wird der Abend von den taiwanesischen Extreme-Metallern von CHTHONIC. Bis auf ein paar Landsleute des Fünfers sind augenscheinlich alle anderen Gäste wegen des Headliners hier. Zugegeben: Die Kombination beider Bands ist nicht wirklich gelungen, aber die Band um Sänger Freddy tut in ihren ersten Minuten das Beste, um die Bude aufzuheizen. Und siehe da: Ein leichtes Kopfnicken ist beim Großteil des Publikums zu vernehmen. Zumindest ganz vorne ist aber der Sound nicht gerade toll, sodass viele Details und vor allem der Gesang merklich unter der massiven Breitwand leiden, die uns da entgegen geschleudert wird. Da helfen auch die Masken nicht viel, unter denen sich einige der Musiker verborgen halten. Zum Glück hält Bassistin Doris Yeh (die übrigens vor ein paar Jahren in der Zeitschrift FHM abgelichtet wurde) scheinbar nicht viel von zu viel Stoff an Körper oder Gesicht, denn ihr Outfit (Hotpants, High Heels und ein halbdurchsichtiges Oberteil) zieht während der Warm-up-Show mehr als einmal die Blicke der Menge auf sich. Doch bevor man zu sehr in tiefsinnige Gedanken über asiatische Frauen verfällt, ist der Gig des Support-Acts auch schon vorbei und die Bühne wird für die norwegische Legende geräumt.

Mit einer ordentlichen Verspätung (ein Vögelchen zwitscherte mir, dass eine Journalistenkollegin Satyr so lange ins Gespräch vertiefte) wird mit dumpfen Paukenschlägen die unheilige Messe SATYRICONs angekündigt, die die Norweger in den kommenden 90 Minuten mit dem Essener Publikum feiern werden. 'Voice Of Shadows' vom aktuellen selbstbetitelten Album ist der perfekte Opener für dieses Unterfangen, bei dem auch Frontmann, Bandleader und Sprachrohr Satyr Wongraven sich die Klampfe umschnallt. Mit den mächtigen Doom-artigen Gitarrenriffs kann sich auch jeder eine Vorstellung davon machen, was einen heute Abend noch erwarten wird. "Kampen mot Gud og hvitekrist er igang!". Die garstig gebrüllte Eröffnungszeile des Klassikers 'Hvite Krisis Død' bohrt sich wie ein Stachel in die Eingeweide. Was 1994 Fans und unbedachte Zuhörer in Angst und Schrecken versetzte, funktioniert auch an diesem Abend. Wer sich allerdings zu dem Trugschluss hinreissen lässt, dass die Setlist vorwiegend aus alten Klassikern bestehen würde, wird mit dem folgenden 'Now, Diabolical' etwas aus seinem Tagtraum gerissen. Doch auch die Vollbedienung mit Songs des 2006er Albums ändert nichts an der Tatsache, dass SATYRICON heute einfach tierisch Arsch tritt! Außerdem schleichen sich mit 'Forhekset' und 'Mother North' noch zweit weitere Pflichtnummern aus längst vergangenen Tagen ins Set, sodass auch die schwärzeste Seele im Turock an diesem Abend ihr kleines Glück erleben darf.

Und überhaupt, während des eineinhalbstündigen Sets kommt bei mir nicht einmal der Gedanke auf, dass viele der neuen Songs gar nichts mehr mit Black Metal zu tun haben. Die Performance von Satyr, Frost und den vier weiteren Musikern ist dermaßen packend, dass die Norweger heute wohl auch Kinderlieder zum Besten geben könnten und dabei trotzdem abgefeiert würden. Soweit lässt es die Black-Metal-Großmacht allerdings nicht kommen, selbst die auf Platte harmlos klingenden Songs des neuen Albums "Satyricon" werden live zu absoluten Granaten. 'Our World, It Rumbles Tonight' und vor allem das Norwegisch gesungene 'Tor og Kraft' verlangen nicht nur den Schwarzheimern auf der Bühne alles ab. Darf man bei einem Black-Metal-Konzert eigentlich so viel Spaß haben? Wenn ich in die Gesichter meiner Nachbarn schaue, dann auf jeden Fall! Ob kreischendes Teenie-Mädel, Nachwuchs-Schwarzwurzel mit Kajal und CRADLE-Shirt oder Necrosound-Philosoph im BURZUM-Pulli: Bei SATYRICON kommen sie alle auf ihre Kosten.

Dass die Show zu einem derartigen Triumphzug wird, liegt auch an der euphorisierten Menge, die jedes gesungene Wort und jeden Schlagzeug-Break frenetisch beklatscht. Die Band ist eine absolute Bank, eine richtige Macht. Das liegt in erster Linie natürlich am charismatischen Satyr, aber auch seinen kongenialen Schlagzeuger Frost wollen wir hier gesondert erwähnen. Wie im Fieberwahn drischt er auf sein gehörntes Drumkit ein und selbst Außenstehende beginnen zu verstehen, dass wir gerade einen der besten Drummer des Black Metal erleben. Und so ist es erst das Licht der Veranstaltungshalle, das einen nach den letzten Takten von 'K.I.N.G.' wieder in die Realität zurückholt. Übrig bleibt die Gewissheit, dass es immer noch das reinigende Feuer des Black Metal ist, das die Flamme nicht ausgehen lässt. Bei geschlossenen Augen und hypnotisch im Takt schüttelnden Köpfen hat gerade die Finsternis des Black Metals uns das Licht gebracht. Und dafür danken wir euch, SATYRICON!

Setlist SATYRICON: Voice of Shadows, Hvite Krists Død, Now Diabolical, Black Crow on a Tombstone, Our World It Rumbles Tonight, Walker Upon The Wind, Repined Bastard Nation, Tro og Kraft, The Infinity of Time and Space, Forhekset, To the Mountains, The Pentagram Burns, Mother North, Fuel for Hatred, K.I.N.G.


Bilder: Warner Promo

Redakteur:
Nils Macher

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