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SAXON - Mannheim

08.12.2014 | 14:16

21.11.2014, Alte Seilerei

Solid Balls of Steel!

Weil sich – vollkommen zu Recht – die NWOBHM-Heroen von SAXON auch auf dieser Tour niemand entgehen lassen will, schon gar nicht Mitglieder dieser Redaktion, berichten wir über die "Warriors Of The Road"-Tour gleich von zwei Orten. Frank schrieb schon von seinen Eindrücken an anderer Stelle, ich ergänze meine aus Mannheim.

Zu SKID ROW, die ich im Wesentlichen verpasst habe, kann ich nicht viel sagen und verweise auf den anderen Live-Bericht. Allerdings ist es auffällig, dass sich die Meinungen über die aktuellen Live-Leistungen der Band ohne Sangesgott Sebastian Bach deutlich in zwei Lager spalten: Die einen finden das Gebotene immer noch großartig, inklusive der Leistungen des neuen Sängers (s. Franks Bericht), ich habe aber sowohl im Vorfeld an sich als auch gerade nach dem Mannheim-Gig diverse Stimmen gehört, die der Band zwar einen guten Auftritt attestierten, aber Mr. Solingers Gesang arg bemängelten. Soweit eine nüchterne Bestandsaufnahme – die Wahrheit liegt wohl wie immer irgendwo dazwischen und ansonsten kann ich nur sagen, dass die Alte Seilerei schon bei dieser "Vorband" rammelvoll und insgesamt guter Stimmung war.

Die Gunst der allgemeinen Zigarettenpause zwischen den Bands nutzend, konnte man sich glücklicherweise mit etwas Geschick noch einen Platz weiter vorne vor der Bühne ergattern und einem weiteren Triumphzug des einzig wahren "strong arm of the law" beiwohnen.
Dem Jubiläums-Motto entsprechend ist die Setlist fokussiert auf die volle Bandbreite der Bandgeschichte und unterschiedet sich als solche nur in Details von den in München gespielten Songs. Den Anfang machte, wie man ihn kennt, der Proto-Speed Metal-Brecher 'Motorcycle Man' und das darauf folgende 'Sacrifice' bleibt auch in Mannheim der einzige aktuelle Song der Band. Es folgen mit 'Power and the Glory', 'Solid Ball of Rock', 'Lionheart' und dem mächtigen 'Strong Arm of the Law' Hits neueren und älteren Datums, die die Güte des Song-Materials der Band über die Jahre hinweg unterstreichen.

Die Halle ist berstend voll und das Publikum alles andere als still. Von Drummer Nigel Glockler sieht man zwar nicht viel, hört aber umso mehr, die Gitarrenfraktion Quinn/Scarratt spielt ihr, zugegeben, nicht besonders kompliziertes Material, mit sichtlicher Freude und Bassist Nibbs Carter bangt, post und gibt ganz allgemein das Vorzeige-Energiebündel. Über allem thront natürlich der mächtige Biff, Sir Byford sollte man ihn eigentlich adeln. Von sympathischer Ausstrahlung und mit natürlicher Souveränität gesegnet, ist der Mann (im Gegensatz zu vielen seiner Altersgenossen) noch fabelhaft bei Stimme und kann das Publikum nicht nur mit dem kleinen Finger dirigieren, hier reicht schon das Heben einer Augenbraue.

Weiter geht es mit 'I've Got to Rock (To Stay Alive)' sowie dem selten gespielten, aber dafür umso lieber gehörten 'And the Bands Played On'. Nach dem Euphorieschub während der ersten Songs hat sich die Publikumsreaktion etwas gedämpft, was bei 'Frozen Rainbow' aber auch in der ruhigeren Natur des Songs liegt. Mit dem folgenden 'Heavy Metal Thunder' aber erreicht Publikum und Band ein neues Energielevel, welches bis zum Schluss nicht abbaut. Natürlich, hier wird aufgrund der überzählig vorhanden älteren Semester etwas weniger gebangt, dafür ist das Publikum sehr textsicher. 'Suzie Hold On' und 'Demon Sweeney Todd' sind zwei Überraschungen, einmal ganz alten, zum andern recht neuen Datums, bevor die Band auf Forderungen aus dem Publikum 'Dallas 1 PM' zu Ehren des am nächsten Tag 51 Jahre toten J.F. Kennedy spielt. Die Stimmung ist hervorragend, tonnenschwer bietet 'The Eagle Has Landed' eine kleine Verschnaufpause für die Uptempo-Hymne 'To Hell and Back Again'.

Danach folgt das Pflicht-Set aus den noch fehlenden Klassikern mit einer kleinen Überraschung: Die Band schiebt heute nach '747 (Strangers in the Night)' mit 'Forever Free' noch einmal ein Song aus der Mitte ihrer Karriere ein. Der folgende Abschluss des Sets ist so genial wie natürlich auch vorhersehbar – dazu hätte es auch nicht den vollkommen hackedichten Kuttenträger vor mir gebraucht, der seiner Umgebung mit großer Geste und Kennermiene das noch verbleibende Programm vorhersagte. Der 'Crusader' und die 'Princess of the Night' sind beide auf ihre Art episch as fuck, das mittlerweile wohl schon gefühlte Jahrhunderte alte Singspiel zur Zugabe 'Wheels Of Steel' (man könnte den Titel auch in 'Balls Of Steel', quasi als Ehrenabzeichen für die Band, die es immer noch schafft, derart geile Gigs zu spielen, umbenennen) funktioniert hervorragend und mit 'Denim & Leather' wird ein weiteres, großartiges Konzert in der Vita SAXONs beschlossen.  

Klar, der Großteil der Songs speiste sich aus den Hits zwischen '79 und '84, aber wer will der Band dafür einen Vorwurf machen? Zumal genügend seltener live Gespieltes zum Zuge gekommen ist und man sich allgemein um eine vielfältige Setlist bemüht hatte. Das Publikum dankte es der Band jedenfalls mit dem gebührenden Applaus. Das britische Schlachtschiff kam, sah und siegte erneut und wird es hoffentlich noch viele weitere Jahre. Ermüdungserscheinungen zeigt SAXON auf jedenfall nicht!

Setlist: Motorcycle Man; Sacrifice; Power and the Glory; Solid Ball of Rock; Lionheart; Strong Arm of the Law; I've Got to Rock (To Stay Alive); And the Bands Played On; Frozen Rainbow; Heavy Metal Thunder; Suzie Hold On; Demon Sweeney Todd; Dallas 1 PM; The Eagle Has Landed; To Hell and Back Again; 747 (Strangers in the Night); Forever Free; Crusader; Princess of the Night; Encore: Wheels of Steel; Denim and Leather

Redakteur:
Christian Schwarzer

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