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SISTERS OF MERCY - Dresden

28.10.2019 | 18:56

10.10.2019, Alter Schlachthof

Jugend musiziert: Im vollen Saal, aber im halben Nebel.

Gut zwei Jahre sind vergangen, seit Andrew Eldritch mit seiner Band THE SISTERS OF MERCY den Alten Schlachthof in Dresden besuchte. Und das Ganze wieder zu einem ausverkauften Haus führt. Auch beim Repertoire hat sich nichts geändert, denn mit der Veröffentlichung von neuem Material hat sich die Band in der Zwischenzeit nicht wirklich beschäftigt. Zumindest ist davon nichts in Form eines Albums oder sonst einer Veröffentlichung nach Außen gedrungen. Umso erstaunlicher ist es doch, dass die Konzerte der Band immer noch permanent ausverkauft sind. Erschwerend dazu kommt, dass es in der Vergangenheit Konzerte gab, die durchaus wirklich schlecht waren. Also schauen wir doch mal, was die THE SISTERS OF MERCY-Wundertüte heute so zu bieten hat.

A.A. WilliamsDoch bevor es soweit ist, dauert es noch ein wenig, denn die britische Band A. A. WILLIAMS eröffnet den heutigen Konzertabend. Gegen 20:00 Uhr geht das Licht aus und auf der Bühne wird schon ordentlich genebelt, als das Trio auf die Bühne kommt. Als Death-Gospel wird der Sound der Londonerin A. A. WILLIAMS im Vorfeld bezeichnet. Wer sich darunter nix vorstellen kann, braucht sich nicht zu schämen, denn diese Bezeichnung ist durchaus unvorteilhaft. EVI VINE trifft auf ALCEST, so wird schon eher ein Schuh draus. Der melancholische Grundtenor der Songs wird teilweise von schweren Gitarren getragen, um später komplett in Stille zu versinken. 'Control' ist dafür ein Vorzeigestück. Die Songs sind nicht einfach gestrickt und das ist für eine Vorband nicht gerade vorteilhaft. So ist der Beifall auch eher verhalten und viele tun sich schwer mit der Band. Erschwerend kommt noch dazu, dass das Ganze nicht wirklich in die große Halle passt. Der Gig in einem kleinen Club fängt die Intensität der Musik wesentlich besser ein. Insgesamt etwas schade für die Band, denn an der Darbietung gibt es absolut nichts zu kritisieren. So kann die Band zwar nicht den ganz großen Beifall einfangen, aber dennoch den einen oder anderen neuen Fan dazugewinnen.

Die Nebelmaschine nebelt fleißig weiter und so ist erst einmal gar nicht so viel auf der Bühne zu erkennen, als das Konzert von THE SISTERS OF MERCY beginnt. Das Publikum, im größtenteils gesetzten Alter, bejubelt die Band umTHE SISTERS OF MERCY Sänger Andrew Eldritch, der gewohnt unspektakulär in sein Mikrofon singt. Allerdings ist zu Beginn der Sound etwas dünn und es will sich nicht so recht eine wirkliche Konzertstimmung einstellen. Und dabei startet das Set mit 'More', was eigentlich jedem SISTERS-Fan das Herz öffnen sollte. Das tut es aber nur bedingt, denn irgendwie fehlt es am Spirit. Nicht, dass die Darbietung auf der Bühne schlecht ist, aber sie kommt irgendwie nicht so recht in die Gänge. Neben dem Frontmann greifen die beiden Gitarristen sehr oft zum Mikrofon und übernehmen den Gesang. Ob der Meister nicht kann oder will, das bleibt unbeantwortet. Das klingt zwar jetzt nicht wirklich schlecht, aber hat dann nicht mehr so wirklich viel mit dem zu tun, was die Besucher sehen und vor allem hören wollen. Zum Glück gelingt es dem 60-Jährigen Sänger nicht peinlich auf der Bühne zu wirken, wo es dann besser wäre aufzuhören, als schlechte Konzerte zu geben. Er hat schon noch alles fest im Griff, nur lässt eben der Jugend den Vortritt.

So bleibt es leider fast unbemerkt, dass der olle Eldritch ein Schlitzohr ist und heimlich zwei neue Songs in sein Set gemogelt hat. Damit hat nun wirklich keiner gerechnet. 'Show Me' und 'Better Reptile' gehen da gut durch die Gehörgänge und machen definitiv Lust auf mehr neues Material. Wo andere Bands neue Stücke großartig ankündigen, geht es hier einfach ohne viele Worte flott hintereinander weg. Später wird der Sound bei 'First And Last And Always' deutlich besser und nun ist auch die Stimmung im Publikum wesentlich ausgelassener. Davor müssen aber die Besucher noch den Gassenhauer 'Marian' in einer elektronischen Version über sich ergehen lassen. Wahrscheinlich will der Mann am Laptop auch mal etwas mehr zu tun haben. Solche Variationen sind immer sehr subjektiv in der Betrachtungsweise, doch im Original klingt es nun mal besser. Da kann das unbekannte Instrumental-Stück fast mehr begeistern. Zu diesem ist der Sänger erst einmal verschwunden und lässt die beiden jugendlichen Gitarristen arbeiten. Als das Konzert so richtig im Fluss ist und 'Flood II' erklungen ist, wollen sich die Musiker nach knapp einer Stunde schon verabschieden. Klar ist eine Zugabe geplant, aber die reguläre Spielzeit ist schon sehr dünn. Gerade jetzt, wo alle miteinander warm geworden sind und der Nebel fast THE SISTERS OF MERCYverschwunden ist. Ja, es ist wirklich fast klar da vorne auf der Bühne und auch von weiter hinten ist ein vernünftiger Blick auf die Band möglich.

Die macht nach einer kurzen Pause mit 'Lucretia My Reflection' weiter und die Menge versinkt im kollektiven Freudenrausch. Dass das Stück über dreißig Jahre alt ist und durchaus ein Oldie ist, das blenden wir für den Moment lieber mal aus. Man wird eben nicht jünger. Dennoch halten alle durch und als nach dem Pflichtsong 'Temple Of Love' mit 'This Corrosion' das wirkliche Ende eingeläutet wird, sind viele erst jetzt richtig in Konzertstimmung und könnten noch ein paar Songs mehr vertragen. Doch die bleiben leider verwehrt.

Die Band verabschiedet sich von ihren Fans und nach dem holprigen Start hat der Abend doch noch ein versöhnliches Ende gefunden. Dennoch waren die Gesangseinlagen des Frontmannes eindeutig zu wenig. Ursachenforschung zu betreiben macht wenig Sinn. Aber gerade wenn das Konzert an einem Wochentag ausverkauft ist, wäre etwas mehr Würdigung durchaus angebracht. Das Konzert war nicht wirklich schlecht, aber dann doch eher durchschnittlich. Im Vergleich zum letzten Gig hier in Dresden vor zwei Jahren konnte das Konzert damals wesentlich mehr die Fans begeistern als das heutige.

Setliste: More, Ribbons; Crash And Burn; Doctor Jeep/Detonation Boulevard; No Time To Cry; Alice; Show Me; Dominion/Mother Russia; Marian; Better Reptile; First And Last And Always; Instrumental-Stück; Something Fast; I Was Wrong; Flood II; Zugabe: Lucretia My Reflection; Vision Thing; Temple Of Love; This Corrosion

Redakteur:
Swen Reuter

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