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SONATA ARCTICA - Bochum

12.01.2020 | 20:23

14.12.2019, Matrix

The Raven Still Flies Over Europe!

Um eine Sache gleich vorweg zu nehmen: Ich mag "Talviyö". Das neue SONATA ARCTICA-Album hat Tiefgang, eine Menge Gefühl und ist von vorne bis hinten eine in sich stimmige Reise. Die Finnen hatten schon immer ein Faible für komplexere, progressivere Strukturen und leben das auf ihrem zehnten Album auch vollends aus. Natürlich stößt es die Power-Metal-Fraktion der ersten Stunde vor den Kopf, selbstverständlich muss man viel genauer hinhören, weitaus akribischer nach den Ohrwürmern suchen. Doch all die Mühe lohnt sich, glaubt mir. Doch trotz dieser warmen Worte war ich im Vorfeld äußerst skeptisch, ob dieses Konzept auch auf der Bühne funktionieren würde. Doch Probieren geht über Studieren, wir fahren in die Bochumer Matrix und geben uns ein paar Tage vor dem Weihnachtsfest 2019 die volle Dröhnung SONATA ARCTICA.

Ironischerweise war ein SONATA ARCTICA-Konzert mein erster Besuch in Bochum. Damals spielten Tony und Co. noch in der Zeche und hatten das superbe "Reckoning Night"-Album mit im Gepäck. Fünfzehn lange Jahre, etliche Konzerte und sechs SONATA ARCTICA-Alben später sehe ich also meine einstigen Power-Metal-Heroen wieder – ja, zu denen zähle ich mich dank "Winterheart’s Guild" und "Silence" auch, mag aber auch zeitgleich den neuen Kram!

Es wird winterlich, man friert vor dem Eingang der doch wohlig warmen Matrix und beim Einlass kommt ein Gefühl des Nach-Hause-Kommens auf, es ist Konzertzeit. Dass man aber mehr als eine halbe Stunde als eigentlich gedacht vor den Toren warten muss, war beim eher nasskalten Ruhrpottwetter etwas – nennen wir es mal – suboptimal. Doch the raven still flies over Europe, daran sollte auch der Regen nichts ändern. Und ein doch etwas längeres Schwätzchen mit alten Freunden sorgt leider dafür, dass ich die fünf Jungs von TEMPLE BALLS aus Finnland sowie die Hälfte des EDGE OF PARADISE-Gigs leider verpasse. Doch in Anbetracht des etwas dumpfen Sounds sowie der Gewissheit, dass noch nicht allzu viele Gesichter sich vor die Bühne geschlichen haben, sind das nur kleine Wehmutstropfen auf einen im Endeffekt doch wirklich gelungenen Abend.

Denn für den sorgt allen voran natürlich SONATA ARCTICA. Das superbe Artwork fand als Backdrop natürlich die Beachtung, die es verdient, und von Sekunde und Sekunde steigt die Stimmung, bis die Finnen die Bühne endlich betreten und sich die magische Welt der skandinavischen Winternacht öffnet. Ein Hauch von Magie liegt in der Luft und selbstverständlich ist der Großteil des Sets mit aktuellen Stücken wie das als Single ausgekoppelte 'A Little Less Understanding' gleich zu Beginn, 'Whirlwind' oder 'Cold' und später 'Storm The Armada' bespickt. Der Stimmung tut dies aber keinen Abbruch: Die Band projiziert ihre wunderbare Laune mit mystischer Leichtigkeit ins Bochumer Publikum, das sich an einigen Stellen erstaunlich textsicher gibt. Man kann also schon früh am Gig-Abend festhalten, dass es SONATA ARCTICA heute gut versteht, die Stimmung der Platte auch auf der Bühne zu bannen.

Ein wenig aufgelockert wird die Winternacht Mitte Dezember durch einige nicht ganz so brandaktuelle Stücke wie 'Closer To An Animal' und 'X Marks The Spot', die sich aber hervorragend einfügen, sowie durch wirklich richtig alte Schinken der Marke 'Black Sheep', 'Tallulah' und 'Fullmoon'. Auch hier kommt einmal mehr etwas Schwung in die Matrix, das Publikum nimmt jeden einzelnen mit Hingabe und Liebe präsentierten Song der Jungs mit Kusshand auf und selbst die beiden Vorbands lassen es sich nicht nehmen, bei dem einen oder anderen Lied die Bühne zu erklimmen und mit Herrn Kakko und Co. die Euphorie zu teilen. Es wird gelächelt, zwischen den Songs ein klein wenig geflachst und mit dem ARI KOIVUNEN-Cover 'Losing My Insanity' und 'Life' inklusive obligatorischem Vodka-Outro endet schließlich auch das Set.

Ein, zwei Stücke hätte SONATA ARCTICA durchaus noch zum Besten geben können, zugegeben. Und trotzdem hat der heutige Abend gezeigt, dass auch die experimentierfreudigsten, progressivsten Songs im Universum der Jungs eine außerordentlich gute Figur machen können. Wer einen Auftritt der "The Raven Still Flies Over Europe"-Tour aus welchen Gründen auch immer verpasst hat, darf sich an dieser Stelle hochoffiziell in den Allerwertesten beißen. Tony und seine Jungs haben einen Sahnetag erwischt, standen einem sehr offenherzigen und für warme Klänge in der Winternacht empfänglichen Publikum gegenüber und sorgten an diesem Dezemberabend für ein tolles Konzerterlebnis. Dies ändert leider nichts an der nasskalten Situation außerhalb der Matrix, doch wie heißt es so schön? Man kann es eben nicht allen recht machen!

Setliste: A Little Less Understanding; Closer To An Animal; Whirlwind; The Day; I Have A Right; Cold; Storm The Armada; X Marks The Spot; Who Failed The Most; Tallulah; Black Sheep; Full Moon; Losing My Insanity; Life

Redakteur:
Marcel Rapp

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