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SOULFLY / MAD DOGGIN - Stuttgart

31.05.2004 | 05:51

25.05.2004, Longhorn / LKA

Über Max Cavalera gibt es eigentlich immer eine Menge zu berichten. Der sympathische Brasilianer befindet sich seit seinem Ausstieg bei SEPULTURA mit seinem Soloprojekt SOULFLY auf Wanderschaft. Rechtzeitig vor Beginn der Aufnahmen zur neuen Scheibe "Prophecy" trennt sich Cavalera von seiner kompletten Begleitmannschaft und bringt in Form von Marc Rizzo (g / ex-ILL NINO), Bobby Burns (b / ex-PRIMER 55) und Joe Nunez (dr) frischen Wind und Blut in die Band. Dieser Wechsel war für Max keinesfalls ungewöhnlich, da SOULFLY zu keiner Zeit als Band geplant war, sondern als Projekt mit austauschbaren Bausteinen gedacht ist. Ob das Ganze auch live funktioniert, wird sich am Ende des Abends herausstellen.

Bei unserem Eintreffen im LKA um 20 Uhr durften wir zugleich feststellen, dass bereits eine Band gespielt hat und die Crew gerade damit beschäftigt ist, die letzten Handgriffe des Umbaus auszuführen. Dass es immer noch eine arbeitende Bevölkerung gibt, die unter der Woche noch nicht um 19.00 Uhr vor einer Halle stehen kann, da sie ebenfalls eine Anreise von 150 km zu bewältigen hat, scheint sich noch nicht allerorts herumgesprochen zu haben. Nebenbei angemerkt, wir waren nicht die Einzigen, denen es so ergangen ist. Was soll's.

Den Abend eröffnen für uns dann halt die Hamburger MAD DOGGIN', von denen ich bisher noch nichts gehört habe. Ich konnte nur in Erfahrung bringen, dass das Quartett kurzfristig für THE ORDEAL eingesprungen ist und bislang seinen Job als Support ordentlich erledigt hat. Die Jungs von der Waterkant gehen auch am heutigen Abend sehr engagiert zu Werke und ihr dargebotener aggressiver Crossover-Metal findet beim Publikum regen Anklang. MAD DOGGIN' nutzen die Gunst der Stunde und präsentieren nahezu alle Stücke (zehn von zwölf) ihres Debütalbums "F.O.A.D.". Lediglich Frontmann Ben geht hier und da, aufgrund seines heftigen Shoutings, etwas die Puste aus. An Einsatz mangelt es jedoch nicht, was der Applaus des Publikums nach Beendigung des Sets unterstreicht.

Setliste MAD DOGGIN':
F.O.A.D.
Haunted
Hülüb
Chakka
Jeckyl & Hyde
Alone
Rebirth
Ning' (S)Hit
The King
Oooh....

Die Stimmung unter den geschätzten 800 Nasen ist ausgesprochen gut, als Thrash-Ikone Max Cavalera mit Gefolge die Bühne betritt und die ersten Töne von 'Prophecy' zum Besten gibt. Der Titeltrack des neuen Albums funktioniert als Opener bestens und SOULFLY haben die Katze schon zu einem recht frühen Zeitpunkt im Sack. Auffällig im Line-Up ist Gitarrist Marc Rizzo, der mit seinem auf den Rücken geschnallten Rucksäckel aussieht, als ob er gleich wieder weg müsste. Vielleicht hat der Gute ja noch einen Endorsement-Vertrag aus ILL NINO-Zeiten mit einem Rucksackhersteller am Laufen, wer weiß? Viel drin kann da jedoch nicht sein, denn der kleine Gitarrist springt wie ein Flummi in der Gegend herum und dreht sich wie ein Brummkreisel. Nun ja, wem es gefällt, der Musik tat es keinen Abbruch, da das Riffing und die Soli perfekt sitzen. Ich bevorzuge dennoch eher die Performance des Vorgängers Mikey. Unser Maxe stapft ebenfalls wie gewohnt mit einem grünen dreigestreiften Trainingsjäckchen, getarnten Shorts und verfilzter Haarpracht (Matte) auf die Bühne. Für etwas optische Abwechslung sorgt lediglich der neue Bassist Bobby Burns mit seinem Irokesen-Haarschnitt. Trotz des Wechsels wirkt die Spielgemeinschaft auf der Bühne sehr aufeinander eingespielt und lässt technisch nichts anbrennen. Nur die Bühnendeko ist im Vergleich zu der letzten Tour etwas spartanischer ausgefallen. Die von der Lichttrasse herunterhängenden, schweren Eisenketten sind ebenso wie die obligatorische Gasmaske an Max's Mikroständer von der Bühne verschwunden. Lediglich ein großes, mit dem Albumcover von "Prophecy" bemaltes Backdrop, dient hier zur optischen Unterstützung.
Mehr braucht man aber auch nicht.

Im Vordergrund steht nach wie vor die Musik und eben Max Cavalera, dem die Freude an dem neuen Line-Up anzusehen ist. Im Vergleich zur letzten Tour wirkt er wie ausgewechselt und strotzt nur so vor Spielfreude. Immer wieder treibt er das Publikum zu mehr Teilnahme an. Was sich bei einem Programm mit Stücken wie 'Back To The Primitive' oder 'Bring It' von selbst erledigt. Den meisten Anklang finden dennoch die ollen Kamellen aus SEPULTURA-Zeiten in Form von 'Roots Bloody Roots', 'Territory' oder 'Inner Self'. Wobei ich keinesfalls sagen möchte, dass die SOULFLY-Stücke nur wenig Anklang finden. Ganz im Gegenteil, der Großteil der Anwesenden scheint mit dem neuen Album "Prophecy" schon bestens vertraut zu sein und feiert die neuen Songkreationen wie 'Living Sacrifice', 'Execution Style' oder 'Mars' gnadenlos ab. Auch der kurze Ausritt zu NAILBOMB mit dem Stück 'Sum Of Your Achievements' wird entsprechend gewürdigt.

Der offizielle Teil der kraftraubenden und schweißtreibenden Show findet dann mit 'Porrada' und 'Born Again Anarchist' vorerst sein Ende. Doch das Publikum war noch willig und verlangt nach seiner Zugabe. Die dann auch nach einer kurzen Verschnauf- und Umbaupause gereicht wird. SOULFLY kommen mit ein paar Gastmusikern auf die Bühne und intonieren das Stück 'Moses' in einer Art Caribian Jam Session. Ganz nett, mir persönlich jedoch zu experimentell. Nach diesem Ausflug werden dann noch die Übernummern 'Back To The Primitive' und 'Eye For An Eye' in gewohnter Art und Weise serviert, ehe nach gut 90 Minuten Schluss ist. Max Cavalera unterstreicht erneut eindrucksvoll seinen Status innerhalb der Szene und auch seine neue Begleitband hat die Feuertaufe bestanden. Nach dem Erleuchten des Hallenlichts blickt man rundum in zufriedene, ausgepowerte Gesichter.

Setliste SOULFLY:
Prophecy
Seek 'N Strike
Living Sacrifice
Roots Bloody Roots
Jumpdafuckup
Bring It
Territory
Execution Style
Soulfly
Inner Self
Sum Of Your Achievements
Troops Of Doom
Doudouk
Defeat You
Mars
Berimban Tribe
Mass Hypnosis
L.O.T.M.
Porrada
Born Again Anarchist
------
Moses
Back To The Primitive
Eye For An Eye

Redakteur:
Frank Hameister

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