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SUMMER BREEZE 2019 - Dinkelsbühl

18.09.2019 | 20:06

18.08.2019, Flugplatz

Der Metal-Marathon von Dinkelsbühl, die 23.

Halbzeit in Sinbronn und es steht schon einmal fest, dass das SUMMER BREEZE 2019 wieder eine spannende Mischung aus Sounds und Charakteren zu bieten hat. Gestern war bereits Abwechlung Trumpf, heute setzt das Programm sogar noch einen drauf. Tauchen wir also ein.


AFTER THE BURIAL ist eine der Bands, auf die ich mich im Vorfeld am meisten gefreut habe. Daran hat auch die unglücklichste aller Positionierungen, mittags um 12 Uhr auf der großen Bühne, nur minimal etwas geändert. Dass sich zu dieser Zeit aber doch schon so viele Leute vor der Bühne versammeln, um hier dem Djent-Genre zu huldigen, war dann doch überraschend erfreulich. Die bewegte Geschichte der Band soll jetzt hier nicht noch einmal ausgebreitet werden, denn das Hier und Jetzt bietet mehr als genug: Mit dem Kracher 'Lost In The Static' hauen die Amis ihren größten Brecher als Opener aufs Feld hinaus, so dass die kurze, fünfundvierzigminütige Party keine Aufwärmphase beinhaltet – bei knallender Hitze so oder so überflüssig. Im Folgenden feiere ich die Band dafür ab, dass sie das gewisse Etwas hat, was vielen anderen Genre-Kollegen abgeht: rundes Songwriting, authentische Brutalität, Sympathie über beide Backen – und eine fast absurde Virtuosität, die über dem technischen Geballer schwebt ('Cursing Akhenaten'!). AFTER THE BURIAL liefert hier eine Lehrstunde in Sachen modernem Death Metal, Djent oder Metalcore ab, was auch immer einem beliebt. Ich bin nach fünfundvierzig Minuten vollkommen glücklich und würde die Band in dieser Form gerne mal auf Headliner-Tour sehen. Einziger Wermutstropfen: Mit zwei Gitarristen und ohne Einspielungen vom Band würde das sogar in die vollkommene Exzellenz gehen.

[Oliver Paßgang]

 

Nachdem ich mit Oliver zu den Core'lern gebangt habe, folgt nun wieder der komplette Kontrast. BEAST IN BLACK ist aktuell ja von einigen eher kontrovers aufgenommen, wobei ich den Zwist als künstlich aufgebauscht und, gelinde gesagt, ziemlich blödsinnig halte. Ja, die Finnen haben viele Samples und lassen Mr. Tonband als vollwertiges Mitglied gelten, aber mitsingbare Lieder wie der Opener 'Cry For A Hero' mit seiner JUDAS PRIEST-meets-Dancefloor-Attitüde und der anschließende Stampfer 'Unlimited Sin', bei dem Sänger Anton Kabanen unter Beweis stellen kann, dass er ein wirklich guter Frontmann ist, der mit seinem Lederdress auch eine gute Figur macht, sind einfach aktuell angesagt und das kann ich den Musikern wohl kaum vorwerfen. Okay, als er wieder eine "Heavy Metal Party" ankündigt, denke ich erneut "Party sehe ich, aber wann fängt der Metal an?", aber welches Label wir dem Ganzen ankleben, ist ja wurscht, denn die aktuell sehr erfolgreiche Band gibt ordentlich Gas und kann spätestens bei der Bandhymne auf eine beachtliche Meute blicken, die vor der Bühne feiert. Ja, so straft man Kritiker ab. Trotzdem verlasse ich die Hauptbühne nach der Hälfte des Auftritts, um mir mal schnell die Ohren durchpusten lassen.

 

Denn auf der T-Stage spielt das bayerische Abrisskommando DUST BOLT. Zu dieser Tageszeit ist allerdings noch nicht allzu viel los, was völlig normal ist für das SUMMER BREEZE, dessen Tage lang und anstrengend sind. Die aggressiven Sounds kommen jedoch klar und rasiermesserscharf rüber, so dass man eigentlich gar nicht anders kann als mitzubangen. Die Band ist auch voll bei der Sache und beschließt, den Fotograben zur Bühne einzugemeinden. Ja, ein feines Viertelstündchen schaue ich mir das Ganze an, aber dann muss ich zurück zur Main Stage. Reicht aber auch hin, gibt noch genug auf die Hörner im Laufe des Tages und die Landsberger sind wirklich unnachgiebig und heftig. Ich glaube, jetzt wäre etwas mit Melodie gut. Nur wo kriege ich das her?

 

Ja, ich hab's, ich verlasse zum einzigen Mal während der vier Tage SUMMER BREEZE das Hauptgelände und begebe mich zur "Ficken"-Stage, benannt nach dem penetrant beworbenen alkoholischen Getränk, dessen Witz sich bei mir bereits bei der ersten Namensnennung erschöpfte und seitdem nicht besser wurde. Und das ist jetzt schon einige Jahre her. Aber auf dieser Bühne spielt jetzt HEAVYSAURUS, die deutsche Variante des in Finnland erfolgreichen Projektes zwischen Kindermetal und Muppet Show. Als ich eintreffe, ist vor der Bühne bereits die absolute Hölle los! Nicht nur Kinder, sondern auch unglaublich viele reifere Musikfreunde, von denen nicht alle aussehen, als hätten sie ihre Sprösslinge dabei, feiern eine Party mit hohem Fremdschämfaktor, aber genauso viel Spaß. Die Musiker und vor allem der starke Sänger "Mr. Heavysaurus", in dessen Kostüm steckt ein durchaus bekannter deutsche Metalfrontmann steckt, der sonst "strahlend" unterwegs ist, sind gut und Lieder wie 'Kaugummi ist mega' und 'Monsterkrass', das die Melodie von 'Drei Chinesen mit dem Kontrabass' aufgreift, sorgen für mehr Stimmung, als ich erwartet hätte. Natürlich sorgen kleine Geschenke wie Gummibärchentüten bei dem Lied 'Schatzsuche' vor allem bei den kleinen Gästen für große Begeisterung. Das es hier auch Crowdsurfer gibt, empfinde ich dann, wie auch schon bei der Blasmusik am Auftakttag, als ziemlich überflüssiges und wahrscheinlich alkoholinduziertes Verhalten, das aber von der Security auch weitgehend unterbunden wird, weil sich vorne im Graben zahlreiche Jungmetaller befinden, die zu Schaden kommen könnten. Nach eineinhalb Songs muss ich aber wieder los, das Programm auf der Main Stage ist zu gut und da mich die Musik nicht begeistert, reicht es auch, die Kostüme sind natürlich immer gleich und Regungen der Gesichtszüge lässt die Plaste nicht zu.

 

Was ist blond, post, spricht Englisch mit schwäbischem Akzent und rockt das SUMMER BREEZE kurz nach Mittag? Richtig, Hannes Braun von KISSIN' DYNAMITE. Die Band belässt es aber nicht dabei, ein paar heiße Nummern zu spielen, sondern setzt gewaltig Pyros ein, die sicher ein fettes Loch in die Bandkasse reißen. Ich habe die Burschen schon mehrfach live gesehen, aber heute erscheinen sie mir besonders spielfreudig. Auch wenn Hannes langsam zuwächst und bald aussieht wie ein Metal-Pudel, ist seine Stimme heute stark wie immer. Dass KISSIN' DYNAMITE nach DUST BOLT und parallel zu DESERTED FEAR auf der Bühne steht, scheint den Süddeutschen in die Karten zu spielen, denn es ist ordentlich voll vor der Hauptbühne für diese Tageszeit, als fünfundvierzig Minuten lang der "Steel Of Swabia" zelebriert wird. Das SUMMER BREEZE ist bekannt dafür, dass Gegensätze ihr Publikum finden, und so wundert es niemanden, dass vielstimmig Chöre die Stadionrocker der Fünf mitsingen. Ob man deswegen wie Herr Braun gleich einen Thron besteigen muss, weiß ich nicht, aber arschcool ist der Auftritt in jedem Fall und eine feine Melodie-Sause im sonst oft brachialen Programm.

 

Jetzt gibt es Progressive Metal, ohne Core, ohne Growls, ohne Dudelsack. The real thing: eine Stunde QUEENSRYCHE. Die Band, die seit dem Split mit Todd La Torre als Frontmann unterwegs ist, beginnt mit dem neuen Song 'Blood Of The Levant' vom aktuellen Album "The Verdict". Es ist natürlich zu erwarten, dass die Jungs sich nicht nur auf den alten Lorbeeren ausruhen wollen, denn seit dem Ausstieg von Geoff Tate hat man bereits drei neue Alben veröffentlicht. Doch ich täusche mich, die Band, die immerhin nach bald vierzig Jahren noch zwei Gründungsmitglieder in ihren Reihen hat, setzt danach einen Siegeszug mit Klassikern fort, der das viel zu spärliche Publikum vor der Hauptbühne in Verzückung versetzt, mich inklusive. La Torre klingt bei den alten Gassenhauern tatsächlich stark wie sein Vorgänger Tate und lässt keinerlei Wünsche offen. Dabei gibt es keine erwähnenswerte Show, QUEENSRYCHE lässt die Musik der Jahre 1983 bis 1990 sprechen und verlässt sich auf die unsterblichen Hymnen wie 'NM 156', 'Queen Of The Reich' und 'Eyes Of A Stranger'. Dass der Gig sogar ein paar Minuten zu früh endet, ist schade, 'Deliverance' hätte noch gepasst, aber ich werde nicht erhört. QUEENSRYCHE sticht aus dem musikalischen Programm stilistisch heraus und scheint eher für die betagteren Metaller ein Fest zu sein, auf jeden Fall hätte dieser tolle Auftritt mehr Zuschauer verdient gehabt. Aber ich habe es sehr genossen.

Setliste: Blood Of The Levant; I Am I; NM 156; Operation: Mindcrime; Walk In The Shadows; Queen Of The Reich; Screaming In Digital; Take Hold Of The Flame; Jet City Woman; Empire; Eyes Of A Stranger

 

Flitzefinger-Attacke! DRAGONFORCE aus London will uns zeigen, wie Geschwindigkeit geht. Wobei, ganz so hektisch wie früher gehen die Briten nicht mehr zur Sache. Oder sind meine Erwartungen einfach verkehrt? Auf jeden Fall verursacht der Bühnenaufbau erst einmal gerunzelte Stirnen, denn zwei übergroße Daddelkisten aus der Hochzeit der Video Arcades stehen links und rechts vom üblichen Sängerplatz fett und mitten auf der Bühne. Zum Fotografieren sicher doof, denke ich, und ja, als hilfreich erweisen sie sich tatsächlich nicht. Für uns zumindest. Für die Show allerdings doch, denn die Musiker können die Strukturen von hinten erklimmen und dann hoch über der Bühne zum Solo ansetzen oder den Refrain schmettern. Das sieht tatsächlich ganz cool aus. Im Gegensatz zu dem unglaublich kitschigen Farb-GAU, den die Band als Backdrop dabei hat. Meine Güte, welche Drogen muss man nehmen, um so etwas zu entwerfen? Musikalisch liefert DRAGONFORCE das gewünschte Paket aus Gitarrenläufen und Melodien und Gitarrist Herman Li zieht mal wieder eine Show ab, die aus Posing und Grimassen zu gleichen Teilen besteht. Im direkten Vergleich zu KISSIN' DYNAMITE und QUEENSRYCHE, die vorher an dieser Stelle gespielt haben, ist die Begeisterung im Publikum etwas gebremster, aber als dann 'To The Fire And Flames' als Rausschmeißer ertönt, gibt es noch ein kleines DRAGONFORCE-Fest.


SKINDRED will niemand machen. Okay, dann mach ich eben, auch wenn ich tatsächlich nicht weiß, was mich erwartet. Dem Namen nach würde ich auf Garagenrock tippen, zumal ich höre, dass die Band aus Wales kommt. Zuerst hat die Band mit der Rockerkatze als Backdrop etwas Verspätung, dann kommt noch 'Thunderstruck' vom Band. Und danach ein Intro. Als ob die Buben nicht anfangen wollten. Allerdings ist die Version des 'Imperialen Marsches' schon cool als Eröffnungssound und dann geht es endlich los. Und wie. Nein, nicht musikalisch, das ist vor allem simples Riffing und coriger Metal. Doch dann kommt Benji Webbe auf die Bühne und die Show geht los. Zuerst einmal ist er der metallischste Musiker auf dem Festival. Fuck yeah, was für ein Outfit! Und dann zieht er die absolute Schau ab. Ein bisschen Musik mit einem 'Back In Black'-Mittelteil und dann beginnt die interaktive RnB-Sause. R 'n' B? Ja, Rhythm 'n' Bullshit! Webbe beginnt sofort, das Publikum zu animieren, beleidigt erstmal die Hälfte, weil sie so leise sind, und alle fressen Benji aus der Hand. Reggae, Nintendo-Core, etwas Funk, whatever. Alle machen mit, der Kerl ist ein absoluter Rockerboy (wer nicht weiß, was das ist, lese die "Eclipse"-Trilogie von John Shirley. Und wie würde Benji sagen? "And shut the fuck up!") und bringt eine Hälfte des SUMMER BREEZE-Publikums dazu, "Hu hu" zu rufen und die andere Hälfte zu einem "That's My Jam". Auf einem Metal-Festival! Dazu kommt, dass der Frontmann einfach großartig groovt. Ach so, ich habe noch nicht gesagt, das er dunkelhäutig ist und einfach einen brillanten Rhythmus vorlebt, der ihm im Blut zu liegen scheint. Dazu hat er auch noch eine Message, wie sich das für einen Rockerboy gehört. Als er alle in einem Liberalismus-Rant dazu bringt, "Kill The Power" zu rufen, weiß man, was "Charismatic Leadership" bedeutet. Wobei ich mich schwer tue, den Union Jack in schwarz und weiß zu interpretieren, der am Mikroständer hängt und mit dem er sich zwischendurch den Mund abwischt. Aber vielleicht ist das Absicht und die SKINDRED-Version von "schalte dein eigenes Gehirn ein!“. Aber es ist nicht alles nur Ernst. "Wer will ein T-Shirt? 25 fucking Euro at the Merch-booth, mofo!“ Bislang die beste Band des Tages. SKINDRED, unbedingt mal antesten, live ist das eine Urgewalt.

[Frank Jaeger]

 

Es ist ziemlich warm, als ich mich zu ABORTED zu einer rohen, vergammelten und blutigen Portion Death Grind vor der T-Stage einfinde. Scheinbar hatten noch ein paar mehr Fans amtlichen Geballers diesen Plan, denn für die frühe Uhrzeit ist es doch recht gut gefüllt. Die Jungs aus Belgien starten wie gewohnt mit einem Intro, um uns anschließend mit Vollgas 'Terrorvision' rein zu prügeln. Sänger und Brüllaffe Svencho rennt die Bühne auf und ab und gibt wie gewohnt Alles. Seine Screams und Growls sind so hasserfüllt, dass man Angst bekommen könnte. Von Anfang an bildet sich ein Circle Pit, der während der kompletten Show nur kurzzeitig für die eine oder andere Wall of Death unterbrochen wird. Der Sound bei ABORTED ist akzeptabel, das haben wir am vergangenen Tag zum Beispiel bei DEICIDE deutlich schlechter erlebt. Meine Highlights liegen eher in der Mitte des Sets, mit 'Hecatomb' und 'Sanguine Verses (Of Extirpation)' sind zwei echte Klassiker dabei. Außerdem hören wir 'Holocaust Incarnate', bei dem ich mich doch tatsächlich zu einer handvoll Runden im Circle Pit hinreißen lasse. Auch neuere Songs kommen nicht zu kurz, wir hören beispielsweise 'Deep Red' und 'Cadaverous Banquet'. Die Fans gehen während der kompletten Show so mit, wie man bei ABORTED eben mitgehen kann: Entweder man zuckt mit den Händen und dem Kopf wie ein Indianer beim Kriegstanz, oder man rennt im Kreis. Wahlweise auch beides. Das wahnsinnige Geblaste der Belgier ist einfach nicht von diesem Stern. Mich hat an ABORTED schon immer fasziniert, wie die Jungs es einfach schaffen, sich innerhalb eines Songs immer wieder selbst zu überbieten. Es wird ein pfeilschneller Blastbeat-Part abgeliefert, bei dem man nicht glauben kann, wie irre schnell das ist. Und dann legen sie einfach ein bis zwei Mal im selben Songsegment noch eine Schippe drauf, obwohl man schon vorher ziemlich beeindruckt war. Auch heute gelingt dies trotz der Temperaturen hervorragend, insgesamt hat ABORTED einen richtig guten Tag und macht einfach Spaß. Einzig meinen Lieblingssong 'The Inertia' vermisse ich, aber man kann nicht alles haben.

 

Direkt im Anschluss steht LEGION OF THE DAMNED auf der T-Stage. Die Niederländer haben das schwere Los gezogen, als Hartwurst-Kapelle nach ABORTED auftreten zu müssen. Auch wenn LEGION OF THE DAMNED natürlich nicht gerade Popmusik machen, nach dem amtlichen Schlag ins Gesicht durch ABORTED wirken andere Death Metal-Bands einfach wie Chorknaben. Da LEGION OF THE DAMNED Death Metal ja auch noch mit Thrash-Anleihen verfeinert, verstärkt sich dieses Bild noch: Die Snare Drum bei ABORTED ist gefühlt dreimal so schnell. Die Niederländer um Sänger Maurice Swinkels geben sich trotzdem Mühe, die Meute für sich zu begeistern, und fordern die Fans immer wieder zum Abgehen auf. Vielleicht liegt es an der Hitze, vielleicht am ersten Tief am späten Nachmittag nach inzwischen doch schon mehreren Festivaltagen: So richtig will der Funke diesmal nicht überspringen. Man sieht ein paar Headbanger, insgesamt überwiegt aber doch eher Kopfwippen. Es sind aber auch deutlich weniger Fans anwesend, als das vorher bei ABORTED der Fall war. Trotzdem, LEGION OF THE DAMNED gibt sich wirklich Mühe und rackert sich ordentlich ab, so dass zum Ende des Sets hin, spätestens beim Song 'Legion Of The Damned', doch noch ganz ordentlich Stimmung entsteht. Vorher hören wir unter anderem 'Warhounds Of Hades', 'Bleed For Me' sowie 'Doom Priest'. Der Sound ist akzeptabel, insgesamt kommen die Jungs ordentlich druckvoll aus der Anlage. Zusammengefasst bietet LEGION OF THE DAMNED eine solide Show vor leider müdem Publikum. Das habe ich auch schon anders erlebt. Aber wie bereits beschrieben, ist der Slot, den die Niederländer dieses Jahr haben, auch kein dankbarer.

[Hagen Kempf]

 

Sollte jemand vergangenes Wochenende beim Party.San die griechische Satansinvasion  ROTTING CHRIST verpasst haben, bekommt er nun binnen kürzester Zeit eine zweite Chance. Zwischen Tür und Angel noch schnell eine tiefenentspannte Meditation für den Kollegen Lutz, dann geht es ab in den Pit vor der T-Stage. Wobei Sakis Tolis und seine Mitstreiter es mit dem schleppenden 'Hallowed Be Thy Name' zum Einstieg erstmal langsam angehen lassen. Erst mit 'Kata Ton Demona Eautou' – einem jener experimentelleren Nummern, mit denen sich ROTTING CHRIST ein ganz eigenes Standing im melodischen Black Metal-Genre geschaffen haben – wird das Gaspedal langsam durchgedrückt. Rituelle Beschwörungen von Sakis, Pyros, das Kreuzigungsgemälde vom aktuellen Album "The Heretics" als Backdrop: Beste Voraussetzungen für eine gelungene Düsterparty am helllichten Tage. Während Sakis' Bruder Themis seine Schießbude bearbeitet, sollen an einer der Klampfen und am Bass zwei neue Live-Musiker stehen, sehen ihren Vorgängern aber zum Verwechseln ähnlich. Auch wenn der ebenfalls vollbärtige Ersatz von Vaggelis Karzis eher an Rollo aus "Vikings" erinnert, aber das ist ein anderes Thema. Mit dem abschließenden 'Grandis Spiritus Diavolos' wird die feiernde Fanschar fast schon rockig verabschiedet. In Satan we trust!

[Carsten Praeg]

 

Als nächstes folgt AIRBOURNE, aber was ist das? Speedsongs, doppelte Gitarrenläufe, gepaart mit weiblichem Gesang? Okay, nein, kleiner Scherz, das ist natürlich Quatsch, wo AIRBOURNE draufsteht, bekommt man den üblichen AC/DC-Wiedergänger-Pubrock, den man erwartet. Einfache Riffs, mitsingbare Refrains und der hyperaktive Joel O'Keefe, bei dem ein AIRBOURNE-Song immer wie eine Mischung aus Marathon und Schwerstarbeit aussieht. Schon früh schweißgebadet, posiert er, mal mit Bandkollegen, mal ohne, fotogen mit seiner Gitarre und absolviert seine Showeinlagen routiniert. Was dem einen seine Glocke, ist dem anderen seine Bierdose. Schon früh im Set wird 'Boneshaker' gespielt, der Titelsong des kommenden Albums. Nun ja, positiv könnte man sagen, dass er sich nahtlos in den Set einfügt. Oder man ist Realist und stellt fest, dass es mehr ist vom gleichen. Aber das hat mich bei AC/C nie gestört und es fällt mir auch bei AIRBOURNE nicht negativ auf. Nur ist die zweite Inkarnation natürlich weniger originell und damit für mich auf Konserve kein Pflichtprogramm, live dagegen einfach eine absolute Bank. Ein Dutzend Lieder lang geht auf und vor der Bühne die Luzie ab und an den Getränkeständen läuft der Hahn im Dauerbetrieb. Das ist die Urform des Arbeiter-Hard Rock, die niemals langweilig werden kann.

 

Es folgt: der König. Auch wenn ich bewusst provokant behaupte, dass ich KING DIAMOND als Frontmann bis einschließlich des zweiten MERCYFUL FATE-Longplayers am besten finde, ist natürlich dieses Gastspiel des Hochsängers ein seltenes Spektakel, dem man beiwohnen muss. Beim King steht auch nicht nur die Musik im Vordergrund, sondern auch der Bühnenaufbau ist beeindruckend. Eine gotische Ruine mit mehreren Etagen, thematisch passend zur Geschichte, die auf dem für das kommende Jahr angekündigten Album "The Institute" weiter gesponnen werden wird, bildet die Bühne für die atemberaubende Show, deren visuelle Kraft mit jedem Song besser wird, weil sich langsam der Abend über das Festivalgelände senkt. Musikalisch beeindrucken neben dem dänischen Schminkschmetterer vor allem die bei Gitarristen Andy LaRocque, der schon von Anfang an dabei ist, und Mike Wead mit ihrem filigranen Spiel, visuell sind die Auftritte einer Backgroundsängerin als "Abigail" an verschiedenen Stellen des Sets Höhepunkte, weil sich der Meister der hohen Töne dabei auch dramaturgisch inszenieren kann und seine Lieder entsprechend theatralisch darbietet. Kleine Pausen mit vom Band eingespielten Intermezzi erhöhen noch den Eindruck der Show, und auch wenn ich dabei bleibe, dass "Melissa" und "Don't Break The Oath" das Maß der königlichen Dinge sind, ist dieser Auftritt beeindruckend und mitreißend. Schön, dass KING DIAMOND zurück ist.

Setliste: The Candle; Voodoo; Arrival; A Mansion In Darkness; Behind These Walls; Halloween; Masquerade Of Madness; Welcome Home; Invisible Guests; Sleepless Nights; The Lake; Burn; Black Horsemen

[Frank Jaeger]

 

Dann wird es nicht nur musikalisch brutal, sondern obendrein hochpolitisch: "NAPALM DEATH aus Birmingham, England", wie es Sänger und Bühnenflitzer Barney stets so schön ankündigt, sorgt für haufenweise Circle Pits vor der T-Stage. Angefangen beim alten 'Unchallenged Hate' prügeln sich die vier Briten durch über zwanzig Titel in nur sechzig Minuten Spielzeit. Dabei darf natürlich auch nicht die obligatorische und immer am Stück gespielte Zeitreise in die Achtziger fehlen, beginnend mit 'Scum', ehe die Grindcore-Urväter fünf Songs später mit den Einsekündern 'You Suffer' und 'Dead' die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums prüfen. In Sachen politische Statements steht NAPALM DEATH den Nachbarn von ANAAL NATHRAKH vom Abend zuvor in nichts nach, sei es mit Aussagen zur europäischen Flüchtlingspolitik oder dem ewigen Cover-Höhepunkt 'Nazi Punks Fuck Off'. Zum anschließenden 'Siege Of Power' gibt's dann den vorerst letzten Circle Pit. Very well, indeed!

[Carsten Praeg]

 

Besonders gefreut habe ich mich auf das SUMMER BREEZE 2019 auch, um DORNENREICH mal wieder zu sehen. Die Österreicher um Jochen "Eviga" Stock sind einfach Helden meiner Teenager-Zeit und waren für mich mit "Nicht um zu sterben" und "Bitter ist's dem Tod zu dienen" eine Art Einstiegsdroge in den Black Metal. Auch heute ist für mich "Her von welken Nächten" ein Klassiker progressiven Black Metals, den ich weit oben in meiner "Hall of Fame" der besten Alben ansiedeln würde. Umso mehr freue mich, dass sich DORNENREICH entschieden hat, uns nicht nur mit einem Akustik-Set zu unterhalten, sondern in die Vollen zu gehen. Um es vorweg zu nehmen: Es hat sich definitiv gelohnt, die Jungs bieten uns eine atmosphärische, den Vorlagen gerechte Show mit gutem und druckvollem Sound. Unterstützt wird DORNENREICH am Bass von David Conrad, seines Zeichens Mastermind bei HERETOIR. Als Opener hören wir 'Jagd', mein persönliches Highlight aber ist 'Eigenwach', das mit seiner irren Komposition und unmenschlichen Raserei im Gesang eine der großartigen Kreationen ist, die die Österreicher so auszeichnen. Es sei an dieser Stelle kurz erwähnt, dass sich die Anzahl an DORNENREICH-Sets, die ich in den letzten zwanzig Jahren gesehen habe, auf maximal eine Handvoll aufsummiert. Heute besonders auffällig ist, dass DORNENREICH in der aktuellen Live-Besetzung eine Spielfreude vermitteln, die ich in den vielen Jahren, die ich die Band nun schon kenne, bisher nicht so intensiv und leichtgängig erlebt habe. Dies steht Eviga und Co. wirklich ganz hervorragend und auch das Publikum ist von der Performance äußert angetan. Es wird ordentlich gemosht und insbesondere beim Klassiker 'Trauerbrandung' laut mitgesungen. Viel zu schnell ist die Show vorbei, insgesamt eine tolle Performance, die Lust auf mehr macht. Einziger Wermutstropfen aus meiner persönlichen Sicht: Die Abwesenheit von 'Wer hat Angst vor Einsamkeit' und 'Reime faucht der Märchensarg'. Das aber ist Jammern auf ganz hohem Niveau. Gänsehaut statt Gänsemarsch!

[Hagen Kempf]

 

Wenn der Genre-Primus ruft, dann kommt das SUMMER BREEZE. In den letzten Jahren ist wohl keine Band derart gewachsen wie PARKWAY DRIVE – und aus meiner Sicht vollkommen zurecht und verdient. Persönlich kann ich (wie etliche andere auch) mit der letzten Platte nicht mehr ganz so viel anfangen wie mit denen davor (eine Entwicklung, die schon auf "Ire" zu erkennen war), umso gespannter bin ich auf die die Live-Wirkung der "Reverence"-Tracks. Doch bevor es überhaupt los geht, gibt es eine Video-Einspielung, die cineastisch aufgemacht ist, einen jedoch etwas stirnrunzelnd hinterlässt. Irgendwann macht die Runde, was hier Sache ist: Die Band, umrahmt von Fackelträgern und Securities, bahnt sich gerade ihren Weg durch die Menge zur Bühne. Vermutlich soll das Fannähe oder dergleichen demonstrieren, für mich kommt das aber unpassend daher und hat eine Menge Poser- sowie Rockstar-Attitüde, welche der Band nicht wirklich steht – und welche sich im Folgenden auf der Bühne auch nicht fortsetzen sollte. Nette Idee, zweifelhafte Umsetzung. Aber all das ist schnell vergessen, sobald die einmal auf den Brettern ist und mit 'Wishing Wells' einsetzt. Denn nun ist Chaos der allerbesten Sorte angesagt. Der gesamte vordere Wellenbrecher ist zwangsweise in Bewegung: riesige Moshpits, fliegende Haare, Crowdsurfer am Fließband: geil. Sehr, sehr geil. PARKWAY DRIVE hat Bock – es ist die letzte Show ihrer Festival-Tour – die Menge jedoch mindestens genau so sehr. Und obige Frage, wie die neuen Songs wirken, lässt sich einfach beantworten: fetter, besser. Ich bin so im Film gefangen, dass ich nicht einmal merke, was neu und was alt ist. Nun gut, das ist gelogen, 'Carrion', 'Idols And Anchors' sowie 'Karma' bringen mich schon besonders in Wallung, das sind Metalcore-Kracher für die Ewigkeit. Während 'Writings On The Wall' und 'Shadow Boxing' unterstützt ein Streichquartett die Band, was tatsächlich einen Moment der Besinnung in diesem Abriss-Gig bedeutet. Überhaupt betreiben die Australier in ihrer gesamten Bühnenshow sehr viel Aufwand, da ist alles perfekt abgestimmt und professionalisiert, wo diejenigen, die PWD als "diese Surfer-Truppe, die überragenden Metalcore spielen" kennengelernt haben, sicherlich ein wenig sehnsüchtig zurückdenken. Verständlicherweise. Doch dann spielt Jeff die Anfangsmelodie von 'Wild Eyes' an und das Gehirn schaltet auf "Mitgrölen, jetzt!" um und schüttet nicht zu knapp Glückshormone aus. 'Chronos' beendet (fließend, passend) das reguläre Set, bevor dann mit dem "Ire"-Doppelschlag inklusive großem Feuerintro noch einmal dick aufgetragen wird: Nach 'Crushed' ist die Messe eigentlich schon gelesen (hö hö...), aber 'Bottom Feeder' haut das SUMMER BREEZE final kurz und klein. Dieses Build-Up vor dem letzten Breakdown, in dem die Spannung fast unerträglich aufgebaut wird, und sich dann explosiv entlädt, ist einer dieser perfekten Momente, die man erleben muss. Dann ist Feierabend. PARKWAY DRIVE füllt einen Headlinerslot inzwischen ganz locker aus. Und das BREEZE-Publikum ist zudem ein perfektes für die Genre-Giganten. Ach ja, noch was: Dass Bassist Jia während des gesamten Gigs im Rollstuhl sitzt (und die Bühnenshow stellenweise an seine Bedürfnisse angepasst wird), ist bei PARKWAY DRIVE nur noch eine Randbemerkung wert. Denn wenn eine Gruppe damit Erfahrung hat, dann dieser Haufen, den ich all ihren Erfolg gönne. Ich bin wahnsinnig gespannt, wo die Reise von hier an hin geht – weiter nach oben geht es ja eigentlich kaum...

[Oliver Paßgang]


Die Agenda lässt keine Zeit zur Erholung, nach DORNENREICH geht es für mich direkt weiter zu ZEAL & ARDOR. Es ist an der T-Stage wirklich sehr ordentlich gefüllt, besonders wenn man bedenkt, dass parallel PARKWAY DRIVE die Main Stage mit einer auf die Entfernung wirklich absurd übertrieben wirkender Pyro-Show komplett abfackelt. Nach einem elektronischen Intro, das die Schweizer um Mastermind und Sänger Manuel Gagneux zum Auftakt ihres Sets gewählt haben, startet ZEAL & ARDOR mit dem Song 'In Ashes'. Man hat den Eindruck, die Jungs wissen genau, was sie tun: Mit den ersten Songs bauen sie durchaus einen guten Spannungsbogen auf, denn bis zum Einsetzen des ersten Chors mit den Gastsängern ist all jenen, die ZEAL & ARDOR noch nicht kennen, immer noch nicht klar, was für eine Musik sie hier eigentlich erwartet. Mit 'Servants' wird dies dann wieder ein wenig deutlicher: ZEAL & ARDOR vereint Blues und Spiritual-Gesänge mit Post Black Metal-Anteilen, eine unglaublich abgefahrene Mischung, die sich aber insbesondere live als herrlich unterhaltsam herausstellt. Der Sound ist am Anfang nicht ganz so gut, bessert sich aber schnell und ist dann akzeptabel. Langsam beginnen auch die Zuschauer, denen ZEAL & ARDOR bisher kein Begriff war, über 'Come On Down' zu verstehen, wie die Songs gestrickt sind. Spätestens beim unglaublich geil dargebotenen 'Row Row' gibt es dann übergreifend kein Halten mehr: Überall bilden sich Moshpits, die Fans tanzen, klatschen und headbangen mit wie bei einer großen Messe. Überall hört man Leute Dinge wie "Alter, ist das geil" sagen. Überall sieht man Smartphones die Songs mit aufzeichnen – vermutlich, weil man später daheim vom Gig erzählend einfach nicht in Worte fassen kann, was genau man hier gerade erlebt. Die Lichtshow ist wirklich toll und auf die Songs abgestimmt. Die Gitarren in 'Fire Of Motion' oder die Blastbeats in 'Row Row' sind hervorragend visuell untermalt. Sänger Manuel hält sich mit Ansagen sehr zurück, außer mit den beiden Sätzen "Wir sind ZEAL & ARDOR. Wir reden nicht viel, ich hoffe, das ist okay" wird keine Zeit verschwendet. Für die Fans ist es definitiv okay, die Zeit vergeht wie im Flug. ZEAL & ARDOR funktioniert live ganz hervorragend, wird mit frenetischem Applaus verabschiedet und ist rückblickend definitiv eines der absoluten Highlights des diesjährigen SUMMER BREEZE.

[Hagen Kempf]



Als vorletzter Act auf der großen Bühne folgt nun HAMMERFALL. Die Schweden sind auch so eine Hass-Liebe. Zu Beginn habe ich ihr Debüt abgefeiert, aber über die Jahre ist meine Begeisterung deutlich gesunken und die Mischung aus Feierliedchen und metallischem Tralala reißt mich nur noch selten mit. Dass die Fünf mittlerweile einen Headliner-Slot füllen können, steht außer Frage, allerdings hat die Band heute nicht ihren besten Tag erwischt. Textunsicherheiten und auch der eine oder andere Verspieler stören zwar die meisten mitgrölenden Fans nicht, aber bei simplen Stücken wie dem schwer erträglichen 'Hammer High' und dem wenig beeindruckenden 'Renegade', die auf den Eröffnungskracher 'Legion' folgen und für mich gleich mal den Drive aus dem Auftritt nehmen und die Show in Richtung Bierzelt rücken, verwundert das doch. Überhaupt glänzt die Band vor allem in den schnellen Songs, während die Midtempo-Stampfer oftmals doch zu platt wirken. Allerdings stehe ich mit dieser Meinung nicht für die Mehrheit vor der Bühne, denn hier wird lauthals mitgesungen. Ich denke mir, ich warte noch auf 'Dragon Lies Bleeding', dann verschwinde ich. Das Resultat: Ich bleibe bis zum Schluss, denn vom Debütalbum wird tatsächlich nichts gespielt. Frechheit. Stattdessen muss ich mir Grenzpeinliches wie '(We Make) Sweden Rock' und die Reimkatastrophe 'Hearts On Fire' anhören. Okay, feiert ihr HAMMERFALL, meinen Geschmack treffen die Schweden nicht mehr, ich denke, ich werde ihnen in Zukunft besser ausweichen. Genug andere Fans haben sie ja, wie ein Blick um mich herum beweist, die brauchen mich nicht dringend.

Setliste: Legion; Hammer High; Renegade; Riders Of The Storm; Hero’s Return; Blood Bound; Any Means Necessary; Hector’s Hymn; One Agains The World; Last Man Standing; Let The Hammer Fall; Templars Of Steel; (We Make) Sweden Rock; Hearts On Fire

[Frank Jaeger]


Ohne Pause geht es direkt zurück zur Wera Tool Rebel Stage, zu CRIPPLED BLACK PHOENIX aus dem Vereinigten Königreich. Die Briten gehören wie CASPIAN eher zur Fraktion Post Psychodelic Prog Rock und konkurrieren mit HAMMERFALL auf der Main Stage. Trotzdem ist es überraschend gefüllt, als die Jungs und Mädels um Bandkopf Justin Greaves ihre Show starten. CRIPPLED BLACK PHOENIX ist bekannt dafür, komplexe und aufwändige Songs zu schreiben, die nicht unbedingt leicht darzubieten sind, weil dafür so viele Musiker benötigt werden. Auch heute sind die Briten daher mit großem Ensemble unterwegs, stellenweise befinden sich acht Musikerinnen und Musiker auf der dafür viel zu kleinen Rebel Stage. Der Sound geht in Ordnung, die vielen Details in der Musik lassen sich gut erkennen. Unterstützt wird die Band heute an den Gitarren von Nikita Kamprad (DER WEG EINER FREIHEIT) und Jonas Stålhammar (AT THE GATES), der gesamte Auftritt scheint demnach auch eine größere logistische Herausforderung gewesen zu sein. Eröffnet wird das Set mit dem treibenden und schon auf Platte richtig guten 'Champions Of Disturbance Part 1 & 2', in dem die PINK FLOYD-Anleihen von CRIPPLED BLACK PHOENIX im positiven Sinne deutlich werden. Leider will trotz der aufwändigen Darbietung während dieses Songs die Trance noch nicht so richtig bei den Fans einsetzen, besser wird dies beim nächsten Song 'To You I Give'. Die Zuhörer beginnen, sich auf die Musik einzulassen und man sieht auch immer mehr Menschen im Publikum, die mit geschlossenen Augen zuhören. Da die ersten beiden Songs zusammen schon über 20 Minuten dauern, ist die Show nun allerdings schon zur Hälfte vorbei. Trotzdem liefern die Briten in meinen Augen einen guten Gig ab, der die komplexen Songs würdig repräsentiert. Wermutstropfen ist, dass es doch eine ganze Weile dauert, bis die Atmosphäre vollständig auf das Publikum überspringt, bevor die Fans ins "Post Rock-Koma" verfallen. Nicht zuletzt wird hier ein Problem, das mehrere Bands auf dem SUMMER BREEZE haben, deutlich: Die Schallüberlagerung der einzelnen Bühnen fällt mir dieses Jahr besonders auf. Die Immersion wird bei ruhigeren Parts immer wieder durch Gejodel von HAMMERFALL unterbrochen, nicht die beste Voraussetzung für alternative Geisteszustände. Dies gelingt sicherlich in der Halle besser, daher kann ich einen Besuch auf einer Tour von CRIPPLED BLACK PHOENIX jedem nur wärmstens ans Herz legen.

 

Mit einer knappen Dreiviertelstunde Verspätung startet EMPEROR am Freitag. Auf die Show habe ich mich gefreut wie ein kleines Kind, neben ENSLAVED bin ich, was die Norweger angeht, ebenfalls ein hoffnungsloser Fall von Fanboy. Irgendwie habe ich es weder als Teenager in den Neunzigern, noch in der Live-Revival Zeit Mitte der 2000er zu EMPEROR geschafft, daher bin ich tatsächlich vor Vorfreude (und nach den vielen Bieren im Laufe des Tages) ein bisschen aufgeregt. Leider ist das Publikum, gemessen an der Größe des Zuschauerbereichs vor der Mainstage, regelrecht winzig. Ob das am extremen Kontrast zum hier zuvor dargebotenen Schlager Metal von HAMMERFALL oder an der mit Viertel vor zwei doch echt späten Stunde liegt, weiß niemand. Die Fans füllen nicht einmal bis zum ersten Wellenbrecher auf. Schon irgendwie traurig gemessen am hohen Stellenwert, den diese Band in der Geschichte des Black Metal einnimmt. Nach epischem Intro starten die Jungs um Fronter Ihsahn mit 'Ye Entrancemperium' direkt mit einem Mitbrüll-Song. Wir werden im Verlauf des Sets die komplette "Anthems To The Welkin At Dusk" (1997) hören, erweitert um eine Handvoll zusätzlicher Hits. Leider wird der Gig zu Beginn dem gerecht, was der unwissende Laie diesem Genre gerne vorwirft: "Mach es laut und dreh die Höhen auf, bis die Ohren bluten! Voila: Black Metal!". Glücklicherweise regelt der Herr oder die Dame an der Technik nach, wirklich gut wird der Sound aber nie. Auch ist die Lautstärke für dieses kleine Publikum eigentlich unnötig hoch. Gerade im Extreme Metal habe ich es lieber, wenn es nicht ganz so laut ist und man stattdessen die Details hört. Als ungebetener Gast gesellt sich immer wieder das unschöne Echo von den Lautsprecherpaaren hinter den Tontürmen dazu. Dafür kann EMPEROR natürlich nichts, aber hier werden halt die Schattenseiten von Mega-Festivals deutlich. Gleichzeitig haben Ihsahn und Co. auch mit kleineren technischen Problemen zu kämpfen. All diese Rahmenbedingungen ändern aber nichts an der Professionalität und Souveränität, mit der EMPEROR hier darbietet. Ihsahn ist mit seiner Brille und dem schlichten Hemd einfach die Definition von Understatement. EMPEROR verzichtet vollkommen auf Pomp, Kitsch und sonstiges vollkommen unnötiges Black Metal-Theater. Das gibt den Norwegern eine wahnsinnige Glaubwürdigkeit. Stimmlich ist Ihsahn sehr gut unterwegs, die Screams und klaren Passagen klingen wirklich gut. Highlights sind - sicher auch, weil sie sich so geil mitbrüllen lassen - 'Thus Spake The Night Spirit' und 'Inno A Satana', getoppt von 'With Strength I Burn'. Ich vermisse zwar besonders 'In The Wordless Chamber', aber das ist bei dieser Setlist Jammern auf ganz hohem Niveau. Viel zu schnell ist Schluss und ich bin erstens heiser, zweitens traurig, dass der Sound so schwierig war und drittens glücklich, EMPEROR endlich live gesehen zu haben. "All hail the mighty EMPEROR: For Thou art the EMPEROR of Darkness!". Fuck Yeah!

Setliste: Ye Entrancemperium; Thus Spake The Nightspirit; Ensorcelled By Khaos; The Loss And Curse Of Reverence; The Acclamation Of Bonds; With Strength I Burn; Curse You All Men!; I Am The Black; Wizards; Inno A Satana

[Hagen Kempf]

 

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Redakteur:
Frank Jaeger

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